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Glaubenssache

Noch immer füllt sie ihre Bänke,
sobald vom Turm die Glocke tönt,
und führt die Herde an die Tränke,
so wie vom Hirten sie’s gewöhnt.

Ich hab sie täglich ja vor Augen
und auch das hölzerne Portal,
das offensteht, um einzusaugen
die Schäfchen in den Vortragssaal.

Die meisten kreuzen da die Schwelle
gemessen, weil die Zeit nicht drängt,
doch mancher sich auch auf die Schnelle
noch husch! durch Tür und Angel zwängt.

Dann hob schon an die Feierstunde
mit Halleluja und Latein
und unser säum’ger Kirchenkunde
fängt sich verstohlne Blicke ein.

Der Pfarrer aber wird sich denken:
„Weiß Gott, spät kommt Ihr, doch Ihr kommt!“
und würd in keinem Fall verschenken
‘ne Stimme, die der Sache frommt.

Mag ihn auch der Leibhaft’ge zwacken,
dass ihm ein böses Wort entfährt,
er muss doch kleine Brötchen backen,
damit sein Tempel sich nicht leert.

Was warn das noch für sel’ge Zeiten
für diese strenge Priesterzunft,
als alles ließ sich willig leiten,
und sei’s entgegen der Vernunft!

Sie haben schlimm gehaust auf Erden
und jedes Wässerchen getrübt –
und heut als Hüter sich gebärden
‘ner Tugend, die sie nie geübt.

Wer jetzt da noch vor Kanzeln kauert,
als wär es vor der Weisheit Thron,
zeigt einen Geist, der eingemauert
im mächt’gen Turm der Tradition.

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Hochzeitsblumen

In ihrem festlichsten Gewande
ließ sich die Sonne heute sehn
und machte damit keine Schande
dem feiertäglichen Geschehn.

Im Kirchlein drüben schlug die Glocke
noch eifriger als üblich an,
dass an den Traualtar sie locke
das Paar, das auf die Ehe sann.

Wohl über hundert mochten zählen
der Freunde und Verwandten Reihn,
um denen, die sich da vermählen,
bis weit nach draußen nah zu sein.

Man hielt dabei auf Etikette.
Der Herr trug Blau und Anthrazit.
Die Dame brachte die Palette
der schönsten Frühlingsfarben mit.

Was sah man nicht für schicke Roben
von Gelb bis Rosa und Azur!
Und allesamt so eng verwoben
mit einer blendenden Figur!

Die wiegte sich auf hohen Hacken
geschmeidig wie ein Binsenschaft,
was von den Fesseln bis zum Nacken
sie noch um einiges gestrafft.

Auch um den Scheitel zu bedecken,
bewiesen diese Damen Mut
und ließen sich nicht einmal schrecken
vom breiten Florentiner-Hut.

So glichen selbst sie schönen Blüten,
die mit dem Hochzeitstag verwehn.
Was gäb ich drum, sie einzutüten
und nach Belieben auszusä‘n!

 

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