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Nachbarin Amsel

Da wo ich schlafe, in der Kammer
das Fenster auf den Garten zeigt,
in dem die Amsel und die Ammer
auch noch im Herbst zum Zwitschern neigt.

Dann hallt es sogar lauter wider
als in der schönen Sommerzeit,
weil nicht mehr dämpfen ihre Lieder
die Bäume mit dem Blätterkleid.

Nach rechts trennt eine hohe Hecke
mich von des Nachbarn Heim und Herd,
die allerdings zum Lärmschutzzwecke
nicht ein Ligusterblättchen wert.

Wenn abends ich den Raum betrete
noch vor dem Schlummer irgendwann,
erschallt wie Jerichos Trompete
der Laubenplausch von nebenan.

Dabei zwei männliche Organe,
die beide mehr zum Bass tendiern
und eher ruhig, wie im Trane,
gelegentlich ein Wort verliern.

Doch wie bedächtig und besonnen
es ihrem Mund sich auch entringt,
es scheint, dass aus dem dunklen Bronnen
bisweiln ein lust‘ges Quellchen springt.

Wie ließe sich denn sonst begreifen
der engelssüße Widerhall
auf diese tiefen Orgelpfeifen
in diesem oder jenem Fall?

Dann schüttet in den höchsten Tönen
ein Mädchen sich vor Lachen aus,
als wollte es die drei versöhnen
mit Muffeln aus dem Nebenhaus.

Das schießt ihr nur so aus der Seele,
so arglos wie der Amsel Lied,
dass aus der Kammer ich mich stehle,
als wäre ich der Störenfried.

Laute Nachbarn

Da schlurf auf filzigen Pantinen
ich sutje übern Boden hin,
den stillen Dank mir zu verdienen,
dass ich ein guter Nachbar bin.

Muss Staub ich von den Fliesen wischen
und komm nur schlecht an ihn heran,
dann schleif ich nicht mit Stühln und Tischen,
sondern ich hebe sacht sie an.

Was ist mit meiner Waschmaschine?
Auch damit will ich niemand störn
und sie zu Zeiten nur bediene,
wenn möglichst wenige sie hörn.

Und auch ‘nen Maulkorb sozusagen
der Flimmerkiste ich verpass,
die ich nur in den leisen Lagen
der Töne sich ergehen lass.

Von Hämmern, Bohrern ganz zu schweigen
mit ihrem infernal‘schen Krach,
von denen, Rücksicht zu bezeigen,
Minuten ich Gebrauch nur mach.

Und wenn die Bude ich verlasse,
knall ich nicht rüde mit der Tür –
behutsam ich die Klinke fasse
und zieh sie sacht ins Schloss dafür.

Sind wir nicht Dutzende Personen,
in diesen engen Raum gedrängt,
und sollten nicht die Nerven schonen,
damit der Frust kein Feuer fängt?

Was kann nicht alles so passieren,
das Ärgernis im Haus erregt –
den Hammer aus der Hand verlieren,
der donnernd auf die Erde schlägt!

Und schlimmer noch ein Suppenteller,
der deinen Fingern sich entringt:
Im Aufprall sicher etwas heller,
doch jede Scherbe einzeln klingt!

Genug davon. Die kurze Liste
ergänze man aus eigner Sicht –
ich glaub, dass in ‘nem Bau ich niste,
der tausend anderen entspricht.

Und will auch weiter Rücksicht üben,
auch wenn es nicht der Mühe wert:
Die Nachbarn lärmen hüben, drüben –
was nur bei mir den Frust vermehrt!