Nachbarin Amsel

Da wo ich schlafe, in der Kammer
das Fenster auf den Garten zeigt,
in dem die Amsel und die Ammer
auch noch im Herbst zum Zwitschern neigt.

Dann hallt es sogar lauter wider
als in der schönen Sommerzeit,
weil nicht mehr dämpfen ihre Lieder
die Bäume mit dem Blätterkleid.

Nach rechts trennt eine hohe Hecke
mich von des Nachbarn Heim und Herd,
die allerdings zum Lärmschutzzwecke
nicht ein Ligusterblättchen wert.

Wenn abends ich den Raum betrete
noch vor dem Schlummer irgendwann,
erschallt wie Jerichos Trompete
der Laubenplausch von nebenan.

Dabei zwei männliche Organe,
die beide mehr zum Bass tendiern
und eher ruhig, wie im Trane,
gelegentlich ein Wort verliern.

Doch wie bedächtig und besonnen
es ihrem Mund sich auch entringt,
es scheint, dass aus dem dunklen Bronnen
bisweiln ein lust‘ges Quellchen springt.

Wie ließe sich denn sonst begreifen
der engelssüße Widerhall
auf diese tiefen Orgelpfeifen
in diesem oder jenem Fall?

Dann schüttet in den höchsten Tönen
ein Mädchen sich vor Lachen aus,
als wollte es die drei versöhnen
mit Muffeln aus dem Nebenhaus.

Das schießt ihr nur so aus der Seele,
so arglos wie der Amsel Lied,
dass aus der Kammer ich mich stehle,
als wäre ich der Störenfried.

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