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Mensch pur

Nicht einfach Mensch. „Der ist Chinese.“
So wird die Nachricht präzisiert.
Und mit Bewunderung man lese,
wie gut der Autor informiert.

Um weiter wissen uns zu lassen:
„Im Fahndungsbuch der Polizei!“ –
„Na, dass sie den mal zügig fassen,
den Lümmel aus der Mongolei!“

Wie täglich sie geschehn, Verbrechen
schiebt gern man andern in die Schuh
und lebt mit seinen eignen Schwächen
gut nachbarlich auf Du und Du.

Und weiß man von dem Übeltäter
schon erst einmal das Herkunftsland,
hat auch das passende Gezeter
unweigerlich man gleich zur Hand.

Vom „Polack“ reicht bis zum „Kanaken“
der Fundus im Vokabelschatz
für die verbalen Schimpfattacken –
und notfalls für die Gassenhatz.

Dass wir für die, die wir verhöhnen,
genauso fremd auf unsre Art,
kann aber jene nicht versöhnen,
bei denen an Verstand gespart.

Wie in den guten alten Zeiten,
als man gesammelt und gejagt,
lassen sie vom Instinkt sich leiten –
Gehirn war noch nicht angesagt.

Und hocken, schicksalhaft verbunden,
doch alle in demselben Boot,
dem auf den kühnen Sonnenrunden
ein Haufen von Gefahren droht.

Was soll das mit den Unterschieden,
die ohnehin verschwindend klein?
Um Waffen sich daraus zu schmieden,
die nach dem Blut des Nächsten schrein?

Im Gegenteil: Zusammenhalten
ist heute wichtiger denn je,
um alle Kräfte zu entfalten,
dass dieser Kahn nicht untergeh.

Selbst Tiere in der Regel werden
allein nach ihrer Art genannt –
mir ist nicht eines hier auf Erden
als „der und der Nation“ bekannt!

Es kann nur unsre Würde steigern,
zu brechen mit dem alten Brauch
und Etiketten zu verweigern:
Die tragen Flaschen auf dem Bauch!