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Hochsommerhitze

HochsommerhitzeNimmt denn die Hitze gar kein Ende?
Längst sank die Sonne, die sie nährt,
längst lodern auch die Sternenbrände
vom tausendflamm’gen Himmelsherd.

Kein Wind auch, der mit dicken Backen
mal pustet wie in einen Brei,
damit die Temp’raturen sacken
und jene gut genießbar sei.

Da seht die Fahnen, bunte Lappen
als Hoheitsgruß dem fremden Gast,
sie wehn und flattern nicht, sie schwappen
wie faule Wellen um den Mast!

In den Fassaden Lichter blühen
wie Hahnenfuß im feuchten Grund,
als fing das Dunkel an zu glühen
mit jeder weitren Hitzestund.

Es ist nicht anders auszuhalten
als mit der quirl’gen Dienstbarkeit
des Ventilators, dessen Walten
von dem des Schweißtuchs mich befreit.

So hocke ich in meinen Puschen
frontal gewendet zum Gerät,
um in dem Hauche mich zu duschen,
der frisch mir um die Nase weht.

Hielt’s der Poet, der abgebrannte,
nicht ebenso im Dachgeschoss,
als einen Regenschirm er spannte,
weil ihn die Dichtung da verdross?

Ich fürcht, ich werd ihm mehr noch gleichen,
wenn Morpheus mich zur Ruhe klopft
und mir, die Kissen durchzuweichen,
der Schweiß aus allen Poren tropft.

Dann heißt es triefen, troff, getroffen –
Grammatik muss nicht trocken sein.
Doch bleiben alle Fenster offen:
Kommt Kühle, kommt sie auch herein.

In solchen wetterwend’schen Fällen,
wer könnte da was garantiern?
Ich werd das Ding ans Bett mir stellen
und meine Träume ventiliern.

Weit vom Schuss

Weit vom SchussIn meine Abendstille schneidet
von Zeit zu Zeit ein Martinshorn.
Die Schöpferkraft, tatü, sie leidet –
den Vers, tata, noch mal von vorn!

Die Musen hassen alles Laute,
weil die Gedanken es erstickt
und das im Geist bereits Gebaute
zu Hades bleichen Schatten schickt.

Was ausgebrütet, zu gebären
in Ruhe und Vollkommenheit,
ha‘m fern von allen Feuerwehren
die neun sich dem Parnass geweiht.

Da heben gut zweitausend Meter,
durch die vom Fuße sie getrennt,
sie abgrundtief aus dem Gezeter,
mit dem der Mensch durchs Leben rennt.

Das Einz’ge, was an leisen Lauten
da oben man zu hören kriegt,
ist, wenn – sogar in Äols Flauten –
ihr Flügelross die Runde fliegt.

Sie lieben es, dem Wind zu lauschen,
der seufzend um die Pinien streicht,
und Blicke zärtlich auszutauschen,
wenn ein Gefühl dem andern gleicht.

Sie lieben es, am Quell zu sitzen,
der sprudelnd aus den Felsen springt,
an Wellen, die im Strahle blitzen,
wenn Helios durchs Dickicht dringt.

Sie lieben es, emporzuschauen,
wenn sich der Sonnenwagen neigt
und auf entfärbten Himmelsauen
der Zug der sel’gen Geister zeigt.

Geräusche? Tödlich ihrem Sinnen.
Und der in ihren Spuren geht,
den Kranz aus Lorbeer zu gewinnen,
ist er robuster, der Poet?

Wenn unter ihm Sirenen kreischen
in stümperhafter Sangeslust,
so dass nach Mast und Fessel heischen
Odysseus nimmer hätt gemusst?

Wenn unter ihm die Hufe trappeln
PS-gewalt’ger Raserei,
dass ihm im Topf die Veilchen zappeln
nach Buch der Richter Stärke drei?

Den Drachen Lärm hat überwunden
weiß Gott der Heilige hier nicht.
Der wuchert gar mit seinen Pfunden,
dass ihn der Teufel selig spricht.

Wär’s nicht am besten, umzuziehen
weit weg in ein verschlafnes Nest?
Oh, zu den Musen möcht ich fliehen –
doch dieser Krach hier hält mich fest!

Weiter auf Wache

Weiter auf WacheUm Himmels willn nicht müde werden,
nicht jetzt schon, kaum ist zwölf vorbei!
Soll ich die lump’ge Zeit auf Erden
auch noch verschlafen? Narretei!

Seht die Minuten, wie sie rasen,
und wie der Tag die Kurve kratzt!
Wie’n Luftballon, der aufgeblasen
im nächsten Augenblick zerplatzt.

Da soll man sich den Luxus leisten,
auch noch verschwendrisch umzugehn
mit Stunden, die sich doch erdreisten
zu türmen hastenichgesehn?

Die Augen möglichst offenhalten
und alle Sinne in Alarm!
Aktivitäten stets entfalten
wie’n blütengeiler Bienenschwarm!

Was gibt’s nicht alles auch zu gucken –
schafft sich die Welt nicht täglich neu?
Ein Rindvieh, wer mit Achselzucken
meint, dass sie alles wiederkäu!

Und wie in wunderbaren Tönen
voll Leidenschaft sie zu uns spricht –
mit Winden, die in Schluchten stöhnen,
mit Brandung, die am Fels sich bricht!

Begleitet von Millionen Düften,
die schmeichlerisch sie stets umwehn,
die Räume lieblich zu durchlüften,
dass freudig wir die Nüstern blähn.

Und wenn wir hungrig unsre Kehlen
mit Speisen aller Art traktiern,
lässt vierfach Würze sie uns wählen,
dass den Geschmack wir nicht verliern.

Ja, gab sie uns denn nicht auch Hände,
den andern Sinnen beizustehn,
wenn mit der Finger spitzem Ende
sie tastend auf Erkundung gehn?

Und was ist mit dem Sang der Musen –
macht nicht auch er die Welt uns wert,
dass der Poet an Chronos’ Busen
vom Tag wie von der Nacht sich nährt?

Wär nicht der Schlaf, verruchte Ruhe!,
mit seinem unstillbaren Drang,
wär alles, was ich träum und tue,
mein ganzes Leben doppelt lang!

Alles eitel

Alles eitelSo Stund um Stunde vor der Kiste
und hocken sich die Backen wund!
Gehn auf der ganzen Senderliste
auf Pirsch nach Flimmerkitsch. Na und?

Der Erde, die mit stetem Schwunge
gebückt um ihre Achse schnellt,
verdirbt es nicht die Pferdelunge,
dass jäh sie japsend innehält.

Den Abend, der das Sonnenerbe
des Tages in die Schatten fährt,
nicht hindert’s, dass er sich entfärbe,
bis ihn die Finsternis verzehrt.

Und von den Sterne ganz zu schweigen,
die fern im wahrsten Sinn wir sehn,
es hemmt nicht diesen Feuerreigen,
mit dem sie ihre Runden drehn.

Was Schmidts und Meiers abends treiben,
bekümmert nicht der Welten Lauf.
Der will Naturgeschichte schreiben,
hält mit Mikroben sich nicht auf.

Doch der Poet, der höhren Gütern
die Stunden seiner Muße weiht,
kann er den Kosmos nicht betütern,
dass ihm er mehr Respekt verleiht?

Ach, nicht einmal vor Geistesgaben
geht dieser Himmel in die Knie,
so gleich sind ihm wie Küchenschaben
die Größen unsrer Poesie.

Soll Meier gerne weitergucken
und weiterkritzeln der Poet:
Die bittre Pille heißt es schlucken,
dass keiner überm andern steht!

Im Angesicht der Ewigkeiten
sind beide wie die Spreu im Wind:
die, die des Nachts Chimären reiten,
und die, die auf dem Filmtrip sind.

Dass Lust es fördre und Behagen,
das sei allein des Menschen Maß,
drum seht mich hier die Lyra schlagen
mir selbst – und euch vielleicht – zum Spaß.

Wie’n Blümchen, das im Moor verloren
sich innig seiner Schönheit freut,
so sei auch mein Gedicht geboren,
verborgen, aber unbereut!