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Vorwiegend heiter

‘nen guten Morgen, liebe Hörer,
wünscht euch der Rolf, die Rieke hier,
nicht als perfide Ruhestörer,
doch als Vermittler von Pläsier.

Ihr seid beduselt noch vom Schlummer,
sehnt euch ins Kuschelbett zurück?
Wir spielen euch ‘ne heiße Nummer
die nächsten Stunden fast am Stück.

Dazwischen nur ein paar Minuten
das Neueste aus aller Welt,
ein Auszug aus den Info-Fluten,
kurz und erschöpfend dargestellt.

Nicht zu vergessen auch das Wetter,
da sind wir hautnah für euch dran,
dass zwischen Regencape und Sweater
sich jeder frei entscheiden kann.

Auch der Verkehr wird intressieren,
wo er noch fließt und wo er steht,
brandaktuell wir informieren,
dass niemand in ‘nen Stau gerät.

Und schließlich noch ein Leckerbissen
für Ratefüchse speziell –
die können täglich mit uns quizzen
fürn satten Preis mal eben schnell.

Im Übrigen: Als armer Sender
kommt man um Werbung nicht herum,
wir brauchen einfach solche Spender,
sonst bleibt die Kiste plötzlich stumm.

So weit die Stimmen aus dem Äther,
die täglich durchs Programm uns führn –
ersichtlich Überzeugungstäter,
dern Lust und Laune echt zu spürn.

Für solchen Job braucht es Gestalten,
hellwach, spontan und wortgewandt,
die nix am Hut mit Haarespalten
und stets ein Sprüchlein bei der Hand.

Für mich per se schon nicht zu fassen
die Heiterkeit als Tagewerk;
ich muss mich auch mal gehen lassen,
Gefühl nicht halten hinterm Berg.

Um stundenlang so durchzumachen,
fehlt’s einfach mir an Disziplin,
in den Momenten, in den schwachen,
muss unbedingt ‘nen Flunsch ich ziehn.

Die sind in aller Herrgottsfrühe
bei mir besonders ausgeprägt,
dass selbst die dickste Kaffeebrühe
nicht meinen Tatendurst erregt.

Klock fünf sich vor ein Mikro schwingen,
dass fröhlich er die Lande weckt?
Nie würd den Geist ich dazu bringen,
der tief noch in den Federn steckt!

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Hitzewallung

HitzewallungDie Hitze geht mir auf den Sack.
So was von Sommer kann’s mir schenken.
Bin fertig fast mit Büx und Jack
und durch mit allen Kaltgetränken.

Des Morgens, frisch mit Nass besprengt,
sieht man zum Arbeitsplatz mich schleichen,
und da die Sonne noch nicht sengt,
komm hin ich, ohne durchzuweichen.

Doch kaum schließt sich die Fahrstuhltür,
da bricht es mir aus allen Poren.
’ne schwüle Soße ist das hier,
um Saunawürste durchzuschmoren.

Und im Büro der nächste Schlag:
Die Luft vibriert in lauen Schwaden.
Das Hemd, das ich am Leibe trag,
geht für den Rest des Tages baden.

Achteinhalb Stunden Quälerei.
So lange heißt es auszuhalten
in diesem lauwarm-losen Brei,
dem Killer aller Bügelfalten.

Dann Feierabend, heiß ersehnt,
Erlösung endlich von den Leiden!
Doch draußen, wo ich Wind gewähnt,
‘ne Wand von Wärme, dick zum Schneiden!

Die erste Tat am heim’schen Herd:
Vom Rumpf herunter die Kompressen –
und dann zur Dusche, die bewährt,
erquickender das Fell zu nässen.

Danach knips ich das Radio an
und lass vom Wetter mir berichten,
denn, Mensch, es muss doch irgendwann
die graue Brühe sich mal lichten!

Der Sprecher sprüht wie immer Charme
und tiriliert in höchsten Tönen:
“Auch morgen wird uns herrlich warm
die Sonne wieder schön verwöhnen“.

Na, danke für ‘ne Herrlichkeit,
die wir mit saurem Schweiß begleichen.
„Des einen Freud, des andern Leid“ –
dies Motto aus dem Rundfunk streichen!

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Nachrichtensperre

NachrichtensperreAch, habt ihr`s noch nicht aufgegeben
am Morgen, just vom Schlaf erquickt,
die Hand an diesen Knopf zu heben,
der Töne in die Stille schickt?

Was wollt ihr von der Kiste wissen,
die unablässig plärrt und schwätzt
und aus dem sanften Ruhekissen
euch in den rauen Alltag hetzt?

Die wohlsortierten Neuigkeiten,
die tief in Träumen ihr verpasst,
dass ihr vom großen Buch der Zeiten
kein Jota euch entgehen lasst?

Wo aber in den Kurzberichten,
die man gewichtig psalmodiert,
lässt sich tatsächlich Neues sichten,
das so zum ersten Mal passiert?

Es sind die ewig gleichen Sachen,
die ewig monoton geschehn
und umso mehr Furore machen,
als ihre Spuren rasch verwehn.

Die News von heute: Ladenhüter,
die, kunterbunt zur Schau gestellt,
für unsre schlichteren Gemüter
so frisch wie aus dem Ei gepellt.

Halunken, die den Frieden stören,
und Krater, die Verderben spein –
man muss nicht erst ins Radio hören,
um jederzeit im Bild zu sein.

Doch davon einmal abgesehen –
an der Gewohnheit haltet fest.
Am besten auf „Musik“ gleich drehen,
die fröhlich euch erwachen lässt!

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Kurzes Aufatmen

Kurzes AufatmenHeut war es mal nach meiner Mütze,
ein Wetterchen, wie’s mir gefällt:
Gleich vor der Haustür eine Pfütze –
und Regen, der sich fuchtig hält.

Und diese gottverdammte Schwüle
vom frischen Wind davongefegt,
dass Feuchte mir gepaart mit Kühle
Kompressen auf den Hals gelegt.

Den Wetterfritzen, ha, vom Sender
war damit schön vermiest das Spiel,
weil ihre Nummer „Freudenspender“
nun leider ja ins Wasser fiel.

Ich, der der Sonne ich was huste,
riss auf die Luken erst einmal,
damit’s mir aus der Bude puste
die Luft, die stickig schon und schal.

Und tief hab, tief ich eingesogen
des Herbstes ersten rauen Hauch.
Ein Lungenzug war’s, ungelogen,
als wär es Zigarettenrauch.

Doch unsren gockelgleichen Kündern
war selbst dies Nass noch Jubel wert;
mit trotzig zugespitzten Mündern
krähten sie: „Sonne wiederkehrt!“

Und wirklich stehen heiße Tage
demnächst uns noch einmal ins Haus.
Ich hör schon: „Goldne Wetterlage“.
Den Kasten lass ich dann wohl aus.

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Kontinuität II

KontinuitätHier kurz die heut’gen Neuigkeiten:
Ein Doktorhut wurd aberkannt.
Die Länder um den Ausgleich streiten.
Von Schnee der Süden überrannt.

Dazu das Übliche an Kriegen,
Konflikten, Morden, Reiberein.
Im Fußball unsre Jungens siegen.
Der Dingsda wechselt den Verein.

Das Wetter: Regnerisch und trübe.
Und Vorsicht: Wind mit starken Böen!
O Hörer, in Geduld dich übe:
Erst nächste Woche wird es schön.

Der Infos ausgewählte Karten:
Ein Mix aus böse und banal.
So lässt Int’resse sich erwarten –
zumindest für dies eine Mal.

Mit aufgestellten Ohren lauschen
wir in den Äther Tag für Tag,
wo Stimmen auf uns niederrauschen
mit stolperfreiem Zungenschlag

Die kurze Wahrheit zu verkünden,
die unsre Gegenwart beschwört –
und den Verdacht auch zu begründen,
das hätt man immer schon gehört.

„Und jetzt die Nachrichten von heute:
Finanzausgleich umstritten noch.
Im Schnee ersticken Land und Leute.
Frau X nimmt ihren Hut nun doch.“

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Wetterlage II

Wetterlage IIDie Stadt ist wieder weiß geworden,
schwarzbunt wie’s Vieh, das wiederkäut.
Ein wind’ger Bursche aus dem Norden
hat Schnee ihr übers Fell gestreut.

Nur die Fassaden stehn noch dunkel,
von trüben Stuben kaum erhellt,
doch ringsherum Kristallgefunkel,
wo Neon auf die Fläche fällt.

Und eine Wolkendecke droben,
die kein Maestro ausgemalt:
so grau wie’n alter Schweinekoben,
der mit zerfressnem Holz verschalt.

Wo sind die flotten Kavaliere,
die gern den Motor überdrehn?
Gebremst von dieser Seifenschmiere,
auf der die Reifen Schlittern gehn.

Erstickt in diesem dicken Linnen,
klingt dumpfer nun der seltne Laut
und langsamer scheint zu verrinnen,
die Zeit, die ihre Zukunft baut.

Es herrscht ‘ne feierliche Stille,
wo Weihnacht doch schon lange her!
Doch durch die ros’ge Gletscherbrille
schaut man der Krippe Wiederkehr.

Schon morgen sei der Schmelz geschwunden,
zerflossen vor ‘nem Hitzeschwall –
so der Bericht für Radiokunden.
Doch bleibt uns dies auf jeden Fall.

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