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Lautmalerei, 2

Was nützen mir die besten Schwarten,
wenn mich das Leben überrollt
und mir auf meinen Geistesfahrten
den nötigen Respekt nicht zollt?

Soeben hab ich ausgelesen
was über Lärm – ein Strafgericht,
das mit ‘ner Flut gewitzter Thesen
mir richtig aus der Seele spricht.

Dem Krach in vielerlei Gestalten,
vom Peitschenknall zum Froschkonzert,
wird da ein Spiegel vorgehalten,
der so schon an den Nerven zerrt.

Um wieviel mehr im echten Leben,
das er wie Jericho bedröhnt,
wird einmal aus den Angeln heben,
was er vorab mit Taubheit krönt!

Wie hält dies ewige Getöse,
das sich aus tausend Quellen nährt,
der Mensch nur aus, dass samt Gekröse
er aus der Haut nicht ständig fährt?

Doch gibt es auch so trübe Tassen,
die mit dem Lärm sich arrangiern
und ihre Harley heulen lassen,
um Muskelkraft zu demonstriern.

Und andre, die sich auch nicht sträuben
und grad sein Übermaß erfreut,
weil gerne sie mit Rock betäuben
den Brägen, der Gedanken scheut.

O dass man solche Idioten
doch endlich einmal Mores lehrt!
Man zeige mir den Gord’schen Knoten
und reich mir Alexanders Schwert!

Könnt grade jetzt ich gut gebrauchen:
Mein Nachbar bohrt sein Nachtgebet.
Doch lass ich meinen Zorn verrauchen –
denn, uff, die letzte Strophe steht!

Esskultur

So leicht lässt sich der Mensch nicht schrecken:
Dem Samstag wird Tribut gezollt,
mag sich in Wolken auch verstecken
die Kugel, die am Himmel rollt!

Wie immer waren es die Jachten,
mit Flaggen aller Welt bestockt,
die hier den größten Eindruck machten
und Küstenbummler angelockt.

Und viele ließen sich’s nicht nehmen
(denen die Seeluft Schmacht verlieh),
sich zu ‘nem Imbiss zu bequemen
in der Taverne vis-à-vis.

Man sieht, wie schön die Schiffe dümpeln,
weiht innig sich dem Kauprozess,
um so die Seele zu entrümpeln
von ihrem Wochenalltagsstress.

Doch heute auch dazugehören
zu doppeltem Genuss und Glück
ein halbes Dutzend Hardrock-Röhren
mit ihrem neusten alten Stück.

Der Sänger schüttelt die Gitarre,
durch die der Strom der Teilchen fließt,
wie einer, der mit seiner Knarre
ganz wahllos in die Menge schießt.

Ein Hagel von metall’schen Tönen
geht nieder auf den stummen Gast,
der in dem allgemeinen Dröhnen
die Gabel umso fester fasst.

Indes das Glas sich mit dem Teller,
von diesem Klangorkan erregt,
in winz’gen Sprüngen immer schneller
zum Rand des Tisches hinbewegt.

Da hält man besser mit dem Finger
das Ganze auf der Stelle fest,
damit bei diesem Mordsgeschlinger
der Barsch sich noch entgräten lässt.

Inzwischen legt die Brüllerbande,
mit Dezibel auf Du und Du,
in ihrem weiten Kunstverstande
noch einmal einen Zacken zu.

Wer in der Hoffnung hergekommen
zu feiertäglich stillem Schmaus,
schaut eher düster und beklommen,
doch lächelnd auf das Meer hinaus.

Wer will schon als Banause gelten?
Man tut, als ob man innig lauscht,
und wünscht vom Lärm, dem unbestellten,
dass er im Nu vorüberrauscht.

Wird man denn gut nicht unterhalten?
Gewiss; doch nicht in einer Art,
wie Menschen im Gespräch entfalten
den Zauber ihrer Gegenwart.

Selbst denen, die am Handy hängen,
wird dies Gegröle zum Verdruss,
da immer Plattitüden drängen,
die man sich nun verkneifen muss.

Vielleicht seh ich hier übertrieben
die Schattenseite dieses Rocks
und nicht, dass viele Leute lieben
den Donner aus der Bose-Box.

Sie gehn zwar niemals in Konzerte,
wenn eine dieser Bands auf Tour,
doch pflegen gern die Musen-Werte
als Krönung ihrer Esskultur.