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Strandverzicht

Zur See hinaus auf festen Planken,
vom Winde hin- und hergejagt?
Ich glaub, ich würd nicht lange schwanken,
bevor ich freudig zugesagt.

Hab ich mich doch in jungen Jahren
diversen Kähnen anvertraut
und Küsten, die mir fremd noch waren,
wie ein Kolumbus angeschaut.

Und so ein Seebär und Entdecker,
der manchen Sturm schon überstand,
der nuckelt Bier und bröselt Cracker
auf ‘ner Matratze wo am Strand?

So Stunden auf ‘nem Fleck zu hocken,
bis überall die Haut sich pellt
und selbst aus nicht getragnen Socken
der Sand gleich eimerweise fällt

War meinen maritimen Freuden
nie Vorbild oder Ideal
und hieß mir nur, die Zeit vergeuden
in einem wind’gen Wartesaal.

Doch lauscht man nicht mit schärfren Sinnen,
wenn man so träge ausgestreckt,
den Stimmen, die ganz tief da drinnen
man sonst nicht aus dem Schlummer weckt?

Ich bitte euch, bei aller Liebe,
da ruht nicht still, pardon, die See,
da herrscht ein ähnliches Getriebe
wie beim All-you-can-eat-Buffet!

Und trotz der schönen Abstandsregel,
die eingehalten auch im Schnitt,
gibt’s immer wieder mal ’nen Flegel,
der voll dir auf die Füße tritt.

Nicht mal, dass mir in alle Poren
die Sonne ihre Bräune brennt,
ließ mich auf einer Liege schmoren
zum Nachweis „Urlaubsabsolvent“.

Ich trag mit Würde meine Blässe
und jeden süffisanten Stich.
Noch schreibt man sie ja nicht in Pässe
als „Merkmal, unveränderlich“.

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