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Immer windwärts

Immer windwärtsDer Ventilator mir im Rücken
sich schneller als ein Mühlrad dreht,
um Wind sich aus dem Balg zu drücken,
der wogend mich und kühl umweht.

Wär sonst auch gar nicht auszuhalten
bei schwülen 26 Grad.
Aus allen Poren, allen Falten
sucht Schweiß sich seinen Wanderpfad.

Der vormals leidlich steife Kragen,
dern Hals als breites Band umschließt,
wie’n Lappen nun darumgeschlagen,
der weich in salz’gem Sud zerfließt.

Weg mit der schleimigen Kompresse,
weg mit dem durchgeschwitzten Hemd!
Und was am Leib noch pappt an Nässe,
das wird vom Quirl davongeschwemmt.

Was soll ich mich erneut beklagen
über die Hitze-Euphorie,
die viele auf der Zunge tragen
geduldig wie das liebe Vieh?

Denn wird mir diese Glut zu krude,
muss ich mal dringend aus dem Haus –
wetz rasch ich wieder in die Bude,
knips hinter mir die Sonne aus.

Und hocke, statt in Schweiß zu baden,
im schattigsten Elysium,
im Sang geborgen der Zikaden –
des Windrads seligem Gesumm.

Feuriger Wein

Feuriger WeinDie schöne Sache mit der Kerze,
die findet momentan nicht statt.
Ich streiche meine Druckerschwärze
seit Wochen feuerfrei aufs Blatt.

Das Flämmchen würde sich nicht halten
im Wind, der durch die Küche weht,
und in der ersten Bö erkalten,
die voll ihm an die Wäsche geht.

Noch immer liefert die Maschine
mir ihren zuverlässgen Hauch,
wenn abends dem Parnass ich diene
und einen kühlen Brägen brauch.

Könnt ihr denn ein’n Gedanken fassen,
wenn ihr auf irgendetwas sinnt
und euch die Soße wie aus Tassen
so ölig in den Kragen rinnt?

Und wenn ins blitzeblanke Linnen,
das eure Heldenbrust umfängt,
sich Flicken grauer Fäden spinnen,
da, wo von jener sie getränkt?

Oh, wenn ich irgendetwas hasse,
dann die Mixtur aus Feucht und Heiß,
die zäh und klebrig wie Melasse
ich auf der Pelle spüre: Schweiß!

Klar half das Licht mir auf die Sprünge
so wirksam wie der Wein sonst nur –
weshalb ich jetzt mit Letztrem dünge
verdoppelt meine Musenflur.

Ausgeschwitzt

AusgeschwitztWie Schinken schlapp am Fleischerhaken,
so baumeln sie an ihrem Mast,
die buntgestreiften Fahnenlaken,
die heut kein Wind mehr unterfasst.

Und Mitternacht ist längst verstrichen;
bis morgen früh kein Lüftchen mehr.
Wie sich die Tage alle glichen,
von Sonne und von Schwüle schwer!

Im Juli ist es losgegangen,
jetzt zählt die Stunden der August,
dass dies Gestirn mit glüh’nden Zangen
Respekt zu schaffen sich gewusst.

Der Sommer, ja, in allen Ehren,
sofern er sich in Grenzen hält.
Wie aber seiner sich erwehren,
wenn einem Koller er verfällt?

Bei 30 krieg ich schon ‘ne Krise,
und öfter war’s darüber noch.
Trotz ständ’ger Ventilator-Brise
litt ich wie’n Hund in meinem Loch.

Solln andre in der Sonne schmoren,
bis sie rundum goldgelb gegart;
ich bin mehr für den Herbst geboren,
der wohlig sie mit Frische paart.

Seit langem geben erste Zeichen
Augurn, dass es sich ausgebräunt:
Allmählich wird die Hitze weichen.
Na, nichts für ungut, Sonnenfreund!

Wassermangel

WassermangelUm sieben, als die Tageshitze
vermeintlich sich schon dünn gemacht,
da schlüpft ich durch die Haustürritze
und hab den Müll zum Hof gebracht.

Ein Satz mit x, wie Sie vermuten;
es war noch immer brütend heiß,
und länger draußen hätt verbluten
ich können, ach, im eignen Schweiß.

Zurück mit Siebenmeilenschritten
in meinen kühlen, muff’gen Flur.
Was glauben Sie, hab ich gelitten
allein auf den paar Metern nur!

Wieso nur mir dies Wetter schadet?
Die meisten sind doch hocherfreut.
Hat man das Kind zu heiß gebadet,
dass es noch heut die Hitze scheut?

Ich hab, ein Handtuch um den Nacken,
vorn Ventilator mich geduckt
und dachte: Biedermeiermacken,
das hätt den Spitzweg wohl gejuckt!

Verzeiht, wenn ich den Spaß vermiese
euch, die ihr euch mit Freuden sonnt:
Ab morgen kräftig kühle Brise,
zum Abend ‘ne Gewitterfront.

Denkt an die Fluren, an die Pflanzen,
ist euch der Barde schon egal!
Die Welt wird froh im Regen tanzen –
wie um der Sonne Marterpfahl!

Nach dem Sturm II

Nach dem SturmDie Straße, die als breite Schneise
durchs Dickicht sich der Häuser zieht,
verlassen liegt sie nun und leise,
wie’s immer um die Zeit geschieht.

Wo sonst die Räder rollen: Schweigen.
Ein stiller Strom, der schwarz gefror.
An seinem Saum, den Bürgersteigen,
kommt Leben heute nicht mehr vor.

Und lautlos auch am Himmel schweben,
wobei sie sich den Dächern nahn,
die Flieger, die zum Airport streben
im Anflug auf die Landebahn.

Ganz anders als am lichten Tage;
da war, Pardon!, der Teufel los!
Ägyptens achte Gottesplage:
Von Stau zu Stau zwei Meilen bloß.

Verstopft die Wege zu den Meeren,
kein Fuß hielt lange sich am Gas.
Kaum da, hieß es auch heim schon kehren –
so macht das Wochenende Spaß!

Ich aber schlug mir dies Vergnügen
von vornherein schon aus dem Sinn.
Was soll auf Sylt ich oder Rügen,
wenn ich’s nur zehn Minuten bin?

Zu Hause blieb ich, um zu dösen
gemütlich und in leichter Kluft.
Mein Ventilator half mir lösen
den Hitzestau der Zimmerluft.

 

Vorrang Wind

Vorrang WindWas für ein Elend hier beim Dichten:
Mir fehlt ein wicht’ges Utensil –
muss auf die Kerze heut verzichten,
für mich weiß Gott kein Pappenstiel!

Ihr dank ich’s ja und ihrem Flackern,
dass mir erwacht die Fantasie
und ich, auch ohne groß zu ackern,
schon bald die schönsten Früchte zieh.

Zwar steht sie mir auch jetzt zur Seite,
doch von des Dochts gekrümmtem Quell
ergießt kein Strahl sich in die Weite,
der brennt wie Feuer, heiß und hell.

Das Wachs, vom Flämmchen ungeschoren,
total zerronnen und erstarrt,
sieht aus wie ‘n Tümpel, zugefroren,
der auf den nächsten Frühling harrt.

Stets wenn ich einen Blick riskiere
auf dies erloschene Fanal,
den roten Faden ich verliere,
so rührt es mich, so kalt und kahl.

Was ist passiert? Die Sommerhitze,
die Hitze, die ist schuld daran,
dass, wenn ich meine Reime ritze,
auf Wind ich nicht verzichten kann.

Die fleiß’gen Ventilatorblätter:
Kein Palmenzweig kann fächeln so!
Doch lieber wäre mir ein Wetter
für Kerzenschein. Und Kunstniveau.

Nichts verschwitzen

Nichts verschwitzenIm Hintergrund dreht sich die Scheibe
des Ventilators unentwegt,
damit ich kühl und trocken bleibe,
solang die Hitze sich nicht legt.

Schlägt eine Bresche in die Schwüle,
die fettig in der Küche steht,
dass brisend auf dem Leib ich fühle
die Bora, die beharrlich weht.

Wär nicht die fleiß’ge Windmaschine,
ich säß nur hundeelend da
mit ausdrucksloser Leichenmiene
wie einer, der ‘ner Ohnmacht nah.

Nicht einen Finger könnt ich rühren;
apathisch glotzend wie ein Rind,
würd grad den Tropfen ich noch spüren,
der sacht den Nacken runterrinnt.

Und statt dass ich mit gift’gem Blute
wie Herkules einst überschwemmt,
würd enden meine Lebensroute
im schweißgetränkten Nessushemd.

Doch warum groß noch davon reden?
Das Rädchen schnurrt und schnurrt und spinnt
in feinen, unsichtbaren Fäden
mir haspelweise frischen Wind.

Gleichwohl hab ich auch dies geschrieben
in meines Angesichtes Schweiß.
Denn äußerlich zwar drög geblieben,
liefs Hirn sich doch wie immer heiß.