Abgehoben wie immer

Gerade noch mal gutgegangen!
Wir kamen früh wie immer an –
indes am Airport solche Schlangen,
dass man es kaum beschreiben kann!

Der Koffer war zwar aufgegeben
ruckzuck und ohne Aufenthalt,
doch wie es manchmal spielt, das Leben,
das dicke Ende folgte bald.

Denn wo man mit penibler Strenge
nach Bomben und Granaten sucht,
da staute sich’s auf einer Länge,
als hätte man das Glück gebucht!

In Knäueln, Gruppen, Säulen, Massen
schob weiter sich der Menschenbrei,
rundum befummeln sich zu lassen,
ob er auch wirklich waffenfrei.

‘nen Zahnstocher man nicht mal hätte
hier heimlich durch den Check gekriegt,
weil bei der spitzen Silhouette
ein Missbrauch ja wohl naheliegt.

Da fällt’s nicht schwer, sich auszumalen,
dass ihren Preis die Sorgfalt hat,
den hier die Reisenden bezahlen
mit Wartezeit – und kein Rabatt!

Doch diese Münze war mir grade
in diesem Augenblick vakant,
drum bin ich an der Volksfassade
vorbei und bis nach vorn gerannt.

(Bin nicht mal selbst darauf verfallen,
mein guter Geist gab es mir ein,
der mich begleitet zu den Hallen,
um meines Starts gewiss zu sein.)

Hab da gefragt, ob man mir lasse
den Vortritt bitte ausnahmsweis,
da sonst ich meinen Flug verpasse
und lande auf dem Abstellgleis.

Man ließ mich in die Schlange schlüpfen
und nickte mir Verständnis zu,
ich aber („Gürtel schon aufknüpfen“)
stand glücklich vor der Checker-Crew.

Die mich, Verbotnem auf der Fährte,
betatschte, wandte und beroch
und dann den Durchgang mir gewährte.
Nur fliegen musste ich jetzt noch!

Drum hieß es, durch die Gänge hasten,
die endlos wie ein Wandertag,
um erst am richt’gen Gate zu rasten,
das, logo, ganz am Ende lag.

Als Letzten ließ man mich passieren,
dann machte man den Laden dicht.
Trotz allem: Keine Zeit verlieren,
der große Vogel wartet nicht!

Da saßen ja auch schon die Braven,
voll Ungeduld auf diesen Flug,
mit ihren Blicken mich zu strafen
für meinen schändlichen Verzug.

Ach, hätte ich doch für die Reise
‘nen Vordersitz mir ausgedacht,
dann hätte ich jetzt still und leise
mich reingezwängt und kleingemacht.

Stattdessen nun Spießrutenlaufen
auf diesem trüben Trampelpfad,
um bei der Pantry zu verschnaufen
zwei Meter vor dem Hinterrad.

So will uns wohl das Leben mahnen:
Was nützt uns selbst der klügste Schritt?
Bei allem, was wir tun und planen,
mischt auch der Zufall kräftig mit.

Bleibt damit nur noch zu ergänzen:
Erleichtert hockte ich mich hin.
Sonst weiter keine Turbulenzen.
Zum Glück, wenn ich ganz ehrlich bin.

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