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Schreibblockade

SchreibblockadeDa hab ich mich so schön gebrüstet,
als ob ein Klacks das Dichten wär –
und jetzt, da’s mich danach gelüstet,
wird plötzlich mir der Griffel schwer!

Die Worte wolln so recht nicht rollen
und stecken wo im Brägen fest –
statt auf dem Blatt herumzutollen,
verharrn im Hirn sie, ihrem Nest.

Heraus da, he, ihr faulen Brüder,
man braucht euch doch auf dem Parnass;
die Musen werden sonst noch prüder
und husten meinen Künsten was!

Indes Minuten ich vergrübel,
bring keinen Satz ich aufs Tapet.
Ob das der Anfang ist vom Übel,
dass alles mal zu Ende geht?

An der Umgebung kann’s nicht liegen,
die ist so, wie sie immer war:
Ein Wein, um tüchtig Dampf zu kriegen,
und eine Kerze. Sonderbar …

Muss ich mir ernstlich Sorgen machen
um meine werte Schaffenskraft?
Nein, da, sie scheint mir aufzuwachen,
sie flackert, glüht, hat wieder Saft!

Jetzt wird es wieder flotter gehen,
Schluss mit der öden Wurschtelei.
Mal schnell noch auf die „Strecke“ sehen –
o je, nun ist die Hatz vorbei!

 

Ein Rollentausch

Ein RollentauschDie Themen muss ich mir nicht suchen,
die gehn bei mir so aus und ein.
‘ne Flaute manchmal? Pustekuchen –
Verkehr wie beim Gesangsverein.

Kaum hab den Griffel ich gehoben,
da will er runter schon aufs Blatt,
sich gleich mit Versen auszutoben,
die so noch niemals man … ach, watt!

Im Notfall stürzt er sich aufs Wetter,
das bietet sich ja förmlich an,
weil es mal böser und mal netter,
dass schön man drüber schludern kann.

Zum Beispiel heute … Nicht schon wieder!
Das hatten wir so häufig schon!
Was Neues mal und nicht zu bieder –
‘ne lyrische Revolution!

Das ist nichts für den Kugelschreiber.
Zwar läuft er sich fast täglich heiß,
doch nur als geist’ger Sitzenbleiber,
der grade mal das Gröbste weiß.

So produziert er mir in Massen
das schönste Blech aus einem Guss.
Soll ich ihn deshalb fallen lassen?
Zur Antwort, bitte, lest den Schluss.

Will nicht den ersten Stein erheben
gegen dies Graue-Maus-Gekreiß;
ihr weiterhin ‘ne Chance geben
für eine Berggeburt – wer weiß.

Herzlich willkommen II

Herzlich willkommenWie schön, euch heute zu begrüßen
in meinem Urlaubsdomizil!
Ihr seht, ich bin auf Pferdefüßen
als Barde immer noch mobil.

Denn Pegasus, den ich geritten
begeistert in der Heimatstadt,
den musste ich nicht lange bitten,
dass er mich hergeflogen hat.

Gefährt ist er mir und Gefährte –
der Gleichklang drückt wohl treffend aus,
wie hoch ich ihn auch hier bewerte,
zweitausend Meilen von zu Haus.

Am Abend, wenn die rosa Flammen
der Sonne schon gelöscht vom Meer,
schwing ich mich auf und, hopp!, zusammen
geht’s hinter flücht’gen Versen her!

Seht hier den Hauptteil schon der Strecke:
Fünf Strophen, schön in Reih und Glied,
bracht ich per Blattschuss um die Ecke,
für sie das Ende schon vom Lied.

Doch ist mein Jieper auf die Beute
mit dieser Quincunx nicht gestillt,
denn zu erlegen grade heute
bin ihrer sieben ich gewillt.

Ich hoff, ihr werdet’s nicht bereuen,
dass ihr so fern mich heimgesucht:
Sollt heitrer Dichtung euch erfreuen –
drum hab den Süden ich gebucht!

Späte Freuden

Späte FreudenKann das die Heimat jetzt noch bieten?
November herrscht da, nass und grau.
Doch hier folgt Petrus andren Riten,
macht noch die große Sonnenschau.

Mit blauem Himmel und so weiter,
dem ganzen Sommerinventar,
gibt sich der Monat richtig heiter
und spottet jeder Frostgefahr.

Macht Spaß, am Strand entlang zu bummeln,
zu lauschen leichtem Wellenschlag,
den Möwen, die sich kreischend tummeln,
da wo der reichste Fischertrag.

Die Nase in den Wind zu recken,
der lau und lind vom Wasser weht,
und mit den Augen es zu schmecken,
wenn rot die Sonne untergeht.

Wie stolz sieht man sie da versinken
in ihrem weiten Wasserbett,
den Leuchtturm hinterher ihr winken,
als ob er noch ‘ne Nachricht hätt.

Dann legt die Nacht mit ihrem Dunkel
sich über Himmel, Meer und Strand;
und aus der Tiefe steigt Gefunkel
so hell und klar wie Diamant.

Die Schiffe wiegen sich im Hafen.
Der Tagesfang ist längst von Bord.
Des Schreibens müde, will ich schlafen.
Und morgen geht die Reise fort.

Mobiles Dichten

Mobiles DichtenMag in der Fremde man auch landen,
man richtet sich doch häuslich ein.
Kommt dir die Heimat mal abhanden,
es bleiben Kerze, Stift und Wein.

Das Handwerkszeug der stillen Nächte,
da ich gehämmert und gehaun,
dass Selbstgezimmertes ich brächte
den kunstbeflissnen Musenfraun.

Wie leicht lässt es auch hier sich finden
und sich verwenden zu dem Zweck;
mir scheint, man liebt es, loszubinden
den Pegasus an diesem Fleck!

Ein Grund mehr, Mühe mir zu geben
in diesem stummen Sängerstreit,
um mich von allen abzuheben,
von allen andalusienweit.

Warn es nicht maurische Poeten,
dern Lied hier ewig lang geblüht,
dieweil in Liebe zum Propheten
und mancher Schönen sie geglüht?

Nun, beides ist nicht meine Sache
(das Letztre unfreiwillig nur!),
so dass ich meine Glut entfache
zumeist zum Lobe der Natur.

Da gibt’s genug Gelegenheiten:
Soeben kehr ich heim vom Strand –
des Abendhimmels rosa Zeiten,
das ganze Mittelmeer in Brand!

Ein Traum von Poesie

Ein Traum von PoesieWie Bruder Bellman möcht ich singen –
so einfach von der Leber weg;
nicht lang mit Blatt und Bleistift ringen:
die Stimme nur im Handgepäck!

Getrieben von der Kraft der Reben
Vom Sundgau im geräum’gen Krug,
mänadisch-manisch hingegeben
dem göttlichen Gedankenflug.

Und rings die feste Freundesrunde,
die sich an Wort und Wein berauscht
und bis zur frühen Morgenstunde
dem nimmermüden Sänger lauscht.

Darunter auch ein holdes Wesen,
das fröhlich übern Nektar wacht:
die blonde Ulla hinterm Tresen,
die Muse seiner nord’schen Nacht.

Was für ein Traum! Indes ich brüte
in meinem stillen Kämmerlein,
dass mir zur Reife und zur Güte
die Früchte meines Geists gedeihn

Statt auf den Brettern einer Schenke
in Bierdunst und in Pfeifenrauch,
wo ich die jüngsten Verse schwenke
zu raschem Nutzen und Gebrauch!

Wie würd ich Bellmans Kunst begrüßen,
so aus dem Stegreif fantasiert,
den Musen gleich zu Füßen,
wie sie der Bauch gebiert!

Fast automatisch

Fast automatischBeim Dichten geht’s wie sonst im Leben:
Hat man den Anfang erst gemacht,
wird sich der Rest von selbst ergeben –
wie ‘n Domino in Fahrt gebracht.

Gedanke folgt dann auf Gedanke,
grad so, wie da die Steinchen falln,
dass ohne Halt und ohne Schranke
die Zeilen zum Gedicht sich balln.

Sie tropfen nur so aus der Feder
und überschwemmen das Papier,
dass eh’r fast weniger vom Leder
man zög als Musenkavalier!

Wie soll man da in Schweiß geraten?
Es läuft ja alles mühelos,
um bald in Worten schon zu waten,
die so hervorgesprudelt bloß.

Obwohl doch Leute auch verweilen,
um zu verbessern ihren Stil,
und endlos an den Versen feilen,
bis glatt und glitschig ihr Profil.

Mehr möcht ich dazu gar nicht sagen,
ihr ahnt schon, wo hinaus das will:
Die Sprüche kommen aus dem Magen,
das Hirn verhält sich dabei still.

Ihr seht ja selbst, wie ich geschrieben:
Grad Strophe eins, Präludium,
und schon Finale, Nummer sieben –
da bin ich selbst vor Staunen stumm.

Kuli-Streik

Kuli-StreikDer Kuli macht es nicht mehr lange,
sein stolzes Tintenblau versiegt.
Der Zeilen wohlgenährte Schlange
die ersten magren Stellen kriegt.

Soll da die Dichtkunst drunter leiden,
dass es an Handwerkszeug gebricht?
Muss in mein Tagebuch ich kreiden:
„Aus Technikgründen kein Gedicht.“?

Natürlich nicht. Für solche Fälle
liegt in der Lade wo Ersatz.
Ich springe also auf die Schnelle,
dass rasch ich wieder Kringel kratz.

Hier diese warf mit frischem Pinsel
ich auf das dürstende Papier:
Wie tropfte dick ihm das Gerinnsel
aus satter Spitze – zum Geschmier!

Na ja, geht nicht um Schönheitspreise,
was Form und Sauberkeit betrifft;
die Musen achten wohl die Weise
des Sanges mehr als die der Schrift.

Ich hoffe, dass sie meinen schätzen
und oft sich, als des Tages Lohn,
an ihr parnass’sches Feuer setzen
mit meiner neusten Kollektion.

Es sei denn, fürchterlich zu denken!,
dass jene Tinte, die verblasst,
ein Hinweis nur, den sie mir schenken,
dass ihnen mein Geplärr nicht passt!

Rebenmilch

RebenmilchDa glucken wieder wir zusammen
wie gute Freunde, dicht an dicht;
am Himmel tausend Sterne flammen,
zur Rechten glüht mein Kerzenlicht.

Soll ich sie rasch noch einmal nennen,
die in der Tafelrunde hier?
Den Roten werdet ihr doch kennen,
na, auch das weiße, das Papier!

Vom Wachs war oben schon die Rede.
Dann fehlt nur noch das Schreibgerät:
‘ne blaue Mine so wie jede,
die bis zum Hals in Plaste steht.

Das sind sie schon, die Kameraden,
mit denen ich die Zeit verbring
der sacht verlöschenden Fassaden,
die schreibend in den Schlaf ich sing.

Sie helfen mir auf ihre Weise,
dass Verse quelln mir aus dem Stift –
so friedlich, unbewegt und leise
wie Kühe abends auf der Trift.

Auf einem Schemel gleichsam hocke
ich vor dem will’gen Herdenvieh
und ihm die frische Milch entlocke
der schäumend-schönen Fantasie.

Jui, hat es mich da fortgerissen
zu diesem Temperenzler-Bild!
Mein Euter nämlich, müsst ihr wissen:
‘ne Flasche, aus der Tinto quillt!

 

Leicht verschnupft

Leicht verschnupftKurz wischt man sich die feuchte Nase,
und dann, pfui Teufel!, weg damit!
Voraus ein Niesen mit Emphase,
danach juckt sich der Zinken fit.

Würd ‘nen Gedanken wer verschwenden
an ein zerknülltes Taschentuch?
Und fingert mit nervösen Händen
im Notfall doch, dass er es such!

Ja, grad die meistbegehrten Dinge,
um die man in die Läden wetzt,
sind wertlos wie die Pfifferlinge –
die schon das Sprichwort unterschätzt.

Doch alles, was mit Körperpflege,
Hygiene und so fort zu tun,
kommt ja dem Wunsche ins Gehege
nach neuen Jacken oder Schuhn.

Klar wär es lachhaft zu verkünden,
so’n Rotztuch wär spektakulär,
doch dient’s aus völlig andern Gründen
dem Wohlbefinden umso mehr.

Jetzt könnte man Vergleiche ziehen
mit den Bescheidenen im Land –
wie sie das Licht des Ruhmes fliehen,
sich aufzuopfern unbekannt.

Da hätte man mich gleich beim Wickel:
„Der denkt nur an sich selbst dabei,
dass mit dem elenden Gekrickel
zu irgendwas er nütze sei!“