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Feier mit Tafelmusik

Im Strandlokal war tote Hose.
Ein Samstag und kein Publikum.
Der Kellner schlug in Heldenpose
sich nur mit seiner Muße rum.

Am Tisch ganz hinten in der Ecke,
da hockte immerhin noch wer –
vier Turteltäubchen, dern Genecke
klang fröhlich manchmal zu uns her.

Zur linken Hand ein Paar sich beugte
vertraulich übern Tellerrand
und großen Appetit bezeugte
für dessen reichen Fischbestand.

Das war’s schon an beherzten Wesen,
die heut nach draußen sich gewagt,
und nicht allein zum blanken Tresen,
an dem kein Wind und Wetter nagt.

Nein, auf das vordere Gelände,
wo man ein Feuerchen geschürt,
doch trotz der Plastikplanen-Wände
die Launen der Natur verspürt.

Der Sturm, er zerrte an der Plane,
dass sie sich beulte und sich bog
und flatterte wie eine Fahne,
die wütend an der Stange zog.

Und ließ dabei ein Heulen hören
wie Wölfe in der Winternacht,
wenn sie Gemeinsamkeit beschwören,
wie nur der Hunger sie entfacht.

Und in die kleinen Zwischenpausen,
wenn er nur kurz mal Luft geholt,
warf sich der Brandung dumpfes Brausen,
auf Steigen und auf Sturz gepolt.

So ein Gedröhne um die Ohren
war mir willkommener Besuch;
bin an dem Tag ja grad geboren
und schrieb ihn gern ins Gästebuch.

Zumal er sich die Mühe machte,
dem Anlass Nachdruck zu verleihn;
das Ständchen, das er mir da brachte –
es wird mir unvergesslich sein!

Bauarbeiten

Hau weiter, lieber Nachbar, hämmer
und bohr dich in die Wand hinein,
ich hoffe, bis zum Abenddämmer
wird alles fix und fertig sein.

Was werkelt er denn da schon wieder?
Hat doch erst neulich mich geweckt,
als grad ihr flaumiges Gefieder
die Sonne übern Zaun gereckt.

Jetzt muss ich allerdings bekennen,
er legte erst am Mittag los,
wenn selbst die Rentner nicht mehr pennen
so selig wie in Abrams Schoß.

Doch schlägt er ebenso verbissen
und heftig auf mein Trommelfell,
dass ich befürchte, sein Gewissen
ist nicht der Handlung stärkster Quell.

Nun, wir sind ins Gespräch gekommen.
Um sieben etwa und ‘n Keks.
Er hatte grad den Schutt genommen,
war zum Container unterwegs.

‘nen guten Abend, Euer Ehren.
Ihr baut wohl grad die Bude um?
Ich will durchaus mich nicht beschweren…,
so druckste ich verlegen rum.

Ich wechsle meine Wanne grade,
gab er mir unumwunden zu,
doch morgen herrscht bei mir im Bade
schon wieder die gewohnte Ruh.

Und wirklich hat er Wort gehalten.
Nur manchmal noch ein Laut, gedämpft,
doch längst nicht solche Urgewalten,
die gestern mir das Ohr bekämpft.

Ich hoffe, dieser Gottesfrieden
ist keineswegs auf Sand gebaut
und mir das große Glück beschieden,
dass er sein Schlagzeug gut verstaut.

Und falls ich künftig von ihm höre,
nachdem die Kübel er vertauscht,
dann, toi, toi, toi, wenn aus der Röhre
ihm still das Badewasser rauscht!

Ein Heidenspaß

Am schönen Okawango,
da tanzt der Häuptling Tango
mit seiner schönen Häuptlingsfrau
gleich neben dem Termitenbau –
am schönen Okawango.

Doch aus dem schönen Bayern
kommt, seinen Gott zu feiern,
ein Missionar und Musterchrist
und sagt, dass Tanzen Sünde ist –
doch aus dem schönen Bayern.

Nun singen sie Choräle,
ein Herz und eine Seele,
die Schwarzen aus Botswana-Land
und der vom schönen Alpenrand –
jetzt singen sie Choräle.

So wird im Lauf der Jahre
hier jeder Bajuware
und tauscht gar die Savannenkluft
für Stammestracht mit Juchtenduft –
so wird im Lauf der Jahre.

Und wenn sie einmal sterben,
den schönsten Lohn sie erben:
Sie ziehn mit Pauken und Schalmein
zum Münchner in den Himmel ein –
und wenn sie einmal sterben.

Weihnachtsvorsatz

Na gut, versprochen ist versprochen –
zum ersten Mal an diesem Fest.
Und so ein Wort wird nicht gebrochen,
wie schwer es sich auch halten lässt!

Wir wollen diesmal uns nichts schenken,
es sei denn eine Kleinigkeit,
und unsrer liebevoll gedenken
im besten Sinn der Weihnachtszeit.

So wollen wir dem Stress entgehen,
der stets verbunden mit der Pflicht,
dass auf der Jagd man nach Ideen
verzweifelt sich den Kopf zerbricht.

Tut’s not, das Christkind anzuheuern,
das die Transportgeschäfte führt,
um eine Liebe zu beteuern,
die in Pakete eingeschnürt?

Hat nicht das Jahr genügend Tage,
die nicht mit Brauch und Sitte dräun,
an denen eh’r man in der Lage,
um jemand zwanglos zu erfreun?

Sind es die größten Gabenhaufen
mit allem, was da grad im Trend,
um eine Neigung zu erkaufen,
die mit dem Lichterglanz verbrennt?

Doch kann ich wirklich darauf hoffen,
dass dieser Vorsatz bindend sei?
Heut ist ‘ne Sendung eingetroffen
von ihr, der andren Schwurpartei!

So eine von enormer Größe
und ziemlich schwer, wenn ich’s bedenk.
Gab sich da jemand eine Blöße?
Das riecht doch sehr nach ‘nem Geschenk!

Muss aber trotzdem nicht bedeuten,
dass ich den Braten richtig roch:
Drei Tage vor dem Weihnachtsläuten
hab ich ja auch Geburtstag noch!

Da bleibt für Päckchen und Pakete
doch immer noch genügend Grund.
Ich glaube, gut man daran täte,
man schlöss auch dafür einen Bund!

Gipfeltreffen

Der Mensch mit seinen Eskapaden
als Herr in diesem Erdenhaus,
ist blind indessen für den Schaden
am Sockel des sensiblen Baus.

Als ob’s nicht kurz vor zwölf schon wäre
für den gebeutelten Planet,
bläst weiter in die Atmosphäre
er seinen Dreck von früh bis spät.

Der Globus fiebert, Gletscher schmelzen,
der Meeresspiegel steigt rasant,
und immer höhre Wogen wälzen
gefräßig sich ins Küstenland.

Den Feldern aber fehlt die Feuchte,
der Sprössling, eh er wächst, verdorrt,
und wo man dringend Regen bräuchte,
herrscht Sonnenschein in einem fort.

Wie müssten da die Glocken schrillen,
dass aus dem Schlummer man erwacht
und mit global geballtem Willen
dem Übel endlich Beine macht!

Und wirklich, unsre Volksvertreter
beteuern ihre Kompetenz
und gehn, mobile Unkrautjäter,
auf jede Umweltkonferenz.

Das tun seit Jahrn sie mit Routine
und mit dem gleichen Resultat:
„Hier unsre neuesten Termine –
bis x Begrenzung auf x Grad!“

‘ne Absicht, die Papier geblieben.
Mit Taten kommt man nicht voran.
Ist man gewillt, sie aufzuschieben,
bis eh man nichts mehr retten kann?

Das würde weit man von sich weisen:
„Wir haben vieles schon erreicht“ –
die edle Kunst, sich selbst zu preisen,
fällt diesen Leuten ja sehr leicht.

Doch neulich auf dem letzten Treffen,
den müden Machern da zum Hohn,
sprach, ohne Heuchler nachzuäffen,
die Wahrheit wer ins Mikrofon.

‘ne Dame im Ministerrange,
die Deutschland offiziell vertrat,
die zierte sich nicht erst noch lange,
als um ein Statement man sie bat.

Die Ziele sind nicht zu bestreiten:
Wir alle kennen die Gefahr.
Vor allem wolln wir vorbereiten
den Gipfel schon im nächsten Jahr.

Kalendergeschichte

Klein war er einmal und bescheiden
und doch zufrieden und vergnügt;
an was konnt er sich nicht schon weiden –
ein buntes Bildchen hat genügt!

Ein Engel oder ‘ne Trompete,
ein Häuschen, pfefferkuchenschwer,
‘ne Mühle, die sich lustig drehte,
zur Freude brauchte er nicht mehr.

Dann aber kam er in die Jahre
und mit ihm wuchs der Appetit,
dass er die virtuelle Ware
für wirkliche in Zukunft mied.

Und so am Ende ‘ner Dekade,
nur übern Daumen mal gepeilt,
war schließlich dann die Schokolade
in seinem Kopfe fest verkeilt.

Da ist sie aber nicht geblieben,
grad weil im Munde sie zerfloss,
denn häufig hört man auf zu lieben,
was man im Übermaß genoss.

Entzog ihr plötzlich das Vertrauen
und ist zu Neuem umgeschwenkt,
sofern es klein und zu verstauen
in einem Raume, der beschränkt.

‘ne Auswahl edler Kaffeesorten,
Gewürze aus dem Orient
und für der Nase luft’ge Pforten
ein ganzes Düftesortiment.

Wenn’s weiter geht so wie am Schnürchen
und keiner ihn im Zaume hält,
dann winkt ihm hinter seinen Türchen
gewiss schon bald das große Geld!

Mein eigener Adventskalender,
der ist noch von der alten Art –
tagtäglich ein Geschichten-Spender,
in Bilderbüchlein aufbewahrt.

Der fröhliche Zecher

Mal unter uns gesagt, ihr Lieben,
Vertreter beiderlei Geschlechts,
der Wein, dem heut ich mich verschrieben,
stammt aus Navarra, oben rechts.

Und da ich nichts auf Herkunft gebe,
aus welcher Gegend, welchem Gau,
ich vielerlei vergorne Rebe
dem trocknen Gaumen anvertrau.

Ganz falsch hab ich noch nie gelegen.
Bin ich nicht wählerisch genug
oder empfind ich schon als Segen
nur Brennstoff fürn Gedankenflug?

Dann könnt ich ja auch Gin mir schnappen
und Ähnliches von zig Prozent –
schon würde es genauso klappen
und schneller, als das Wiesel rennt!

Doch das nur über meine Leiche!
Man gibt das Zepter aus der Hand:
Und statt genialer Geistesstreiche –
ein sich verdüsternder Verstand!

Ich werd dem Wein die Stange halten
aus welchem Winkel auch der Welt
und ohne Ehrgeiz zu entfalten,
dass ich dereinst als Kenner gelt.

Ich hab ja auch noch nie gelitten
an Folgen irgendwelcher Art,
denn dieser Saft ist unbestritten
der beste für die Musenfahrt.

Nur einmal ist mir schlecht geworden
als Opfer meiner eignen Gier,
grad in Pamplona, grad im Norden –
da war’s indes das zehnte Bier.

Kundschaft bitte!

Im Strandlokal gleich um die Ecke
war wieder mal der Teufel los;
von der Terrasse bis zur Hecke
saß man sich fast schon auf dem Schoß.

Und wie ein Schwarm von Bienen summte
das gut gelaunte Publikum,
sodass auch dieser Laden brummte
im Wettstreit mit dem Meer ringsum.

Der Kellner, ständig auf den Hachsen,
gewiss gewünscht sich haben muss,
acht Arme wären ihm gewachsen
wie dem gegrillten Oktopus.

Er saust mit Teller, Glas zur Küche
und saust mit Teller, Glas zurück,
im Schlepp die lieblichsten Gerüche
als Vorspiel für das Gaumenglück.

Kein Wunder: Nur zufriedne Mienen.
Der Bursche ist sein Trinkgeld wert.
Im Übrigen: Was für Sardinen,
hat je man zartere verzehrt?!

Und manchmal schiebt mit kurzem Schwunge
sich auch der Wirt von Tisch zu Tisch
(„Alles in Ordnung mit der Zunge?“),
dass er sich Komplimente fisch.

Mehr Worte muss er nicht verlieren,
bevor man sich bemüßigt fühlt,
gefällig dem zu applaudieren,
was morgen schon im Magen wühlt.

Die Freude schien mir ungezügelt
beim Wirt genauso wie beim Gast –
was aber hat den Boom beflügelt,
der über Nacht geboren fast?

Denn wie ich deutlich mich entsinne,
und lange ist das noch nicht her,
da ging dem Erstren bis zum Kinne
das Wasser – doch nicht das vom Meer.

Auf der geräumigen Terrasse
sah es meist leer und trostlos aus
und so auch mangels Menschenmasse
im großen Garten hinterm Haus.

Gern hab ich da als Einzelgänger
in einen Winkel mich gedrückt
und desto lieber auch, je länger
mir niemand auf den Pelz gerückt.

Mag es des Wirts Geheimnis bleiben,
warum jetzt alles auf ihn schwört.
Ich frag mich, ob beim Verseschreiben
man auch von so was schon gehört?

Weltspitze

Entsprechend dem Geräuschkataster
für alle Winkel dieser Welt
errang die Krone sich dies Laster
hier, wo man’s für verzeihlich hält.

Und dieses Hier ist das Ambiente
mit Sonne, Palmenstrand und Meer,
wo schon seit Jahren meine Rente
in milden Wintern ich verzehr.

Müsst ich nicht glücklich sein inmitten
von Menschen solcher Sportlichkeit,
die einen Lorbeer sich erstritten,
nach dem die ganze Erde schreit?

Doch komme ich aus einem Lande
und da auch noch aus einem Ort,
wo diese Disziplin am Rande
man pflegt nur statt als Massensport.

Das muss kein Hindernis bedeuten!
Ich hör noch mal genauer hin –
es liegt wohl wen’ger an den Leuten
als mir, der ich empfindlich bin.

Und prompt zerriss die Morgenstille
ein Hammerschlag von nebenan,
dass selbst der Wecker sich, der schrille,
dahinter noch verstecken kann!

Dann folgten viele weitre Schläge,
die ähnlich kraftvoll ausgeführt,
dass ich zur besten Nervensäge
das Instrument sofort gekürt.

Doch kaum war nach gefühlten Stunden
der letzte Nagel eingerammt,
schlug meinen Ohren neue Wunden
ein Lärm, der aus dem Flur gestammt.

Das war der Trupp der kleinen Kinder,
der müd sich noch die Augen rieb,
indes wie eine Herde Rinder
man hopp! ihn in die Schule trieb.

Die Kleinen aber kaum zu hören,
nachdem die Türen zugeknallt,
doch umso kräftiger das Röhren
der Mütter mit Befehlsgewalt.

Ein Kreischen und ein Kommandieren
wie nur auf dem Kasernenhof!
Das ging mir mächtig an die Nieren,
da zu der Zeit ich gern noch pof.

Zum Glück nach kurzer Zeit vorüber.
Ich zählte grad mein letztes Schaf,
als ich erkannte, dass viel trüber
die Aussicht auf gesunden Schlaf!

Noch schlimmer als die beiden Nummern
mit dem Gehämmer und Geschrei,
versaute es mir einzuschlummern,
die Lautvariante Nummer drei.

Denn jäh die Nachbarn drauf verfielen,
noch eh erreicht ich Phase REM,
das turbulente Spiel zu spielen
„Die Reise nach Jerusalem“.

Ich glaub, mich darin nicht zu täuschen,
wenn ich mir auch kein Bild gemacht,
denn nach den steten Schleifgeräuschen
kam wohl nur dieses in Betracht.

Stühlegerück für starke Nerven.
Es schien, man sprang abrupt vom Fleck,
sich auf den nächsten Stuhl zu werfen,
und stieß dabei den alten weg!

Wer in der Bude gleich darunter
akustisch freien Zugang hat,
der wird mit einem Schlage munter
und hat sehr schnell das Spielchen satt!

Ach, wär der Lärm mir so zuwider,
dass ich ihn hier zu fliehn geneigt,
dann ließ ich mich am besten nieder
im Norden, wo man lieber schweigt.

Womöglich grade bei den Finnen,
die, ohne dass es quietscht und kracht,
ganz still, sie sagen rauhallinen,
es auch zur Meisterschaft gebracht.

Doch wer wird sich schon überwinden
zu so ‘ner Winter-Pferdekur?
Frost wird und Finsternis man finden
und nichts von span’scher Frohnatur!

Kleiderspektrum

In irgendeinem fernen Lande,
ich hab vergessen, wo es lag,
pflegt man zu wechseln beim Gewande
die Farbe jeden Wochentag.

Am Montag, hab ich noch behalten,
zieht gerne man was Gelbes an
und auf der Straße die Gestalten
fast nicht mehr unterscheiden kann.

So geht’s die ganze Woche weiter,
Orange, Grün und Himmelblau,
dass von der Regenbogenleiter
man schließlich jede Stufe schau.

Mir scheint, ein praktisches Verfahren,
das einen großen Vorteil hat:
Man geht, sich Grübeln zu ersparen,
als wandelndes Kalenderblatt.

Guck einfach nur auf Rock und Hose,
dann weißt du, was die Stunde schlägt,
und ob das kräft’ge Rot der Rose
dich heute durch den Sonntag trägt!

Dank dieser modischen Marotte,
die mehr ist als nur amüsant,
setzt niemand aus sich auch dem Spotte,
dass ihm das Spektrum unbekannt.

Ich würd sogar noch weitergehen
und diesen Menschen unterstelln,
dass sie des Lichts Natur verstehen
und seine wundersamen Welln.

Doch mag man noch so sehr sich mühen
in jenem fernen Erdenkreis –
wenn alle Kleider bunt erblühen,
wird doch nicht eine Weste weiß!