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Vorsingen

VorsingenNun denn, mag es auch unnütz scheinen,
ein wesenloser Zeitvertreib,
ich halt mich damit auf den Beinen,
heißt: leidlich frisch an Geist und Leib.

Zum Sammeln bin ich nicht geboren,
was immer fürn Objekt es sei,
und auch die Entenjagd in Mooren
geht locker mir am Arsch vorbei.

Auch Schweinsgalopp auf langen Bahnen
in Läufen der diversen Art
hab anders als die Steinzeitahnen
ich satt und träge mir erspart.

Im Keller an Maschinen schrauben
war ebenfalls noch nie mein Ding,
so wenig wie für Gartenlauben
mein Hobbyherz je Feuer fing.

Mit Leib und Seele mich verschreiben
‘nem Sportverein, der angesagt?
Mir reicht’s, ein fauler Fan zu bleiben,
der mal nach der Tabelle fragt.

Das heißt: So viele Steckenpferde –
und keins, das mir gefallen kann.
Doch statt als Anlass zur Beschwerde
nahm eher ich‘s als Chance an.

So ist es schließlich denn gekommen,
dass ich als hoffnungsloser Fall
die Höhen des Parnass erklommen,
zu üben mich als Nachtigall.

Da sing ich nun ‘ne gute Weile
mit Leidenschaft aus vollem Hals
und weiß doch nicht, ob Amors Pfeile
schon folgten meiner Musenbalz.

Die Schönen geben sich verschlossen,
ihr Herz in Dornen eingefasst,
dieweil des seinen Blut vergossen
der Sänger ohne Ruh und Rast.

Womöglich finden sie zu fade
des Vogels kultivierten Sang,
dem schrillen lauschend der Zikade
von wildem, kakofonem Klang?

Das wäre nicht nach meiner Mütze –
so monoton dahingezirpt
wie neunundneunzig Liegestütze,
durch die man ein Diplom erwirbt.

Da kratzfußbuckel ich doch lieber
noch weiter vorm Kulturpalast –
an Lorbeerlaub ein Kohldampfschieber,
der Höhenluft zumindest prasst.

Etwas Heimatkunde

Etwas HeimatkundeDie Bucht zog sich in kühnem Bogen
an eines Hügels Fuß entlang.
Hoch überm Strand die Möwen flogen
mit kreischendem Gesang.

Vom Wind gegerbt und Winterregen
lag grau und schwer der Ufersand.
Gebälk durchschnitt, dem Meer entgegen,
wie Stege ihn, die eingebrannt.

Nur fünfzig Meter vom Gestade
lief ihm ein Weg getreulich mit –
nicht breit wie eine Promenade,
doch für ‘nen Schulterschluss zu dritt.

Gesäumt war er von Dornenhecken,
so nackt und spitz wie Stacheldraht –
die, wenn die Blüten sie erst decken,
wohl reizend schmücken diesen Pfad!

Ein Gasthaus war hier nirgends offen
für etwas Warmes auf’n Sprung.
Gardinen aus gediegnen Stoffen
vor Stuben voller Dämmerung.

Ins Dorf hinauf! Den Hang erklommen
durch das Gehölz vor seiner Tür!
Und schon bei Häuschen angekommen
mit ausgeprägtem Normgespür.

Verwittert? Kann man so nicht sagen –
doch wohl ein bisschen angegraut.
Des Alters erste Spuren tragen
die Katen, vor dem Krieg gebaut.

Beim Schlendern jemanden wir trafen,
der seinen Wagen grad entlud.
Wir hatten unsern Gruß verschlafen,
bis er sein „Moin!“ zu brülln geruht.

Das alte Dorf! Vor hundert Jahren
schon nahm es Gäste in Quartier.
Die Männer, statt zur See zu fahren,
verdienten ihre Heuer hier.

Gewinn war’s auch von unsrer Warte,
den Jägern nach dem Unikat –
bereichernd unsre Wanderkarte
mit Hohwacht. Bucht und Ostseebad.

Nächtlich nachgedacht

Nächtlich nachgedachtGrad hab ich ihn als Sichel noch gesehen,
jetzt ist er wie vom Firmament verschluckt –
na, soll er heimlich seine Runde drehen:
So’n Fitzelchen mich eh nicht juckt.

Der Himmel ist wie leergefegt von Sternen,
ein Licht nur funkelt in der Finsternis –
gemessen an den ungeheuren Fernen
Al-Hambra, Al-Kohol gewiss.

Was diese Klöße da im Kosmos treiben,
bleibt dem Verstand wohl ewig schleierhaft.
Mit Zahlen sie pedantisch zu beschreiben,
das Rätsel aus der Welt nicht schafft.

Was mag die Dinge so entfesselt haben?
Wo will dies rasende Geklump hinaus?
Marotte eines alten Götterknaben?
Relikte eines Giga-GAUs?

Ein güt’ger Vater hätt es sich verkniffen,
Gewächs zu ziehn in diesem Höllenpfuhl
(den Einwand unbeschadet zu umschiffen,
gelingt allein mit Petri Stuhl!).

Versehentlich sind wir wohl nur geraten
auf diesen Horrortrip von Frost und Glut,
um möglichst rasch durchs seichte Sein zu waten,
eh uns erfasst die Lethe-Flut.

Und nirgends ein Bonbon, um uns zu trösten.
Die kleinste Hoffnung wäre noch zu viel.
Der Fahrschein, den wir in die Sonne lösten,
nennt uns den Preis nur und kein Ziel.

Das Licht, in das der Zufall uns geboren,
zeigt in der Ferne uns schon Schatten nahn.
Vom Säugling rauf und runter zum Senioren –
ein Schritt, der wie im Flug getan.

Und gegen die natürlichen Gewalten
hat jedes Mittel immer noch versagt.
Ob mit Chorälen, Händefalten
des Schicksals Richtspruch man vertagt?

Der Priester täglich Brot nur: Spiegelfechten,
wie’s in Jahrhunderten zur Kunst gereift –
und grad so wirksam, wie in Waldesnächten
den Troll man sich vom Halse pfeift!

Mehr liegen mir die Weisen, die empfohlen:
Gelassen trag, was immer auch geschieht!
Und Meister Chronos bleibe dir gestohlen,
wenn heiter dir die Zeit entflieht!

Wieder daheim

EinquartierungZu Hause glücklich angekommen
mit dem geflügelten Gefährt!
Den ersten Wohnsitz eingenommen
mitsamt dem ersten Heim und Herd.

Die Teller, Töpfe und die Tassen
begrüßten mich zwar nicht mit Tusch,
doch so, als hätt ich sie verlassen
erst gestern nur mal auf’n Husch.

(Konkreter will es der nicht sagen
der sich aufs Putzen nicht versteht.
Kann sein, dass mancher Tassenkragen
jetzt stärker noch ins Graue geht.)

Auch will ich kein Geheimnis machen
aus meiner Post, die ja nicht schlief –
die üblichen banalen Sachen:
Reklame, Rechnung, Mietenbrief.

Doch nichts dabei, was Sorgenfalten
hervorrief in dem ganzen Stoß –
zu bunten Knäueln rasch sich ballten
Papiere, die bedeutungslos.

Auch draußen bis auf Kleinigkeiten
kein Wandel, der ins Auge fiel.
Fassaden, die sich endlos breiten,
sporadisch nur in neuem Stil.

Hier ließ ein Restaurant sich nieder
trotz überreicher Konkurrenz
und da ein Figaro schon wieder,
auf dass die Reihe er ergänz.

Die Nachbarschaft in nächster Nähe,
im Hause also Tür an Tür,
wenn ich so leise um mich spähe –
auch da ich nichts Verdächt’ges spür.

Die grad mir gegenüber wohnen,
die Leute auf demselben Flur,
noch immer ihren Teppich schonen
und ihn belatschen barfuß nur.

Und unter mir die Querulanten,
die das Geräusch der Fliege stört,
sie jagen noch nach Fehlerquanten,
sich aufzuplustern als empört.

Ja, auch der Mime unterm Dache,
der‘s schon zu Bildschirmruhm gebracht,
ist weiter treu dem ernsten Fache
und wenn, nur durch die Zähne lacht.

Drum heißt’s getrost sich anvertrauen
dem alten Nest nach Jahr und Tag.
Ich muss nicht erst ein neues bauen –
wenn’s mir auch manchmal stinken mag.

Eine kleine Nachtmusik

Eine kleine NachtmusikMan geht hier nicht auf Sammetpfoten,
dass seinen Nachbarn man nicht stör,
nein, eher laut, um auszuloten,
wie strapazierbar sein Gehör.

Soeben, um gleich zu belegen,
dass dies fast pausenlos passiert,
versucht’s mit dumpfen Trommelschlägen
ein Musikus, der dilettiert.

Und da grad Freitag und die Leute
auf Muße sich und Ruhe freun,
behämmert folglich er sie heute
zur stillen Stunde so ab neun.

Ach, könnte man von Kunst noch sprechen,
von einem seelischen Ertrag –
ich würde alles unterbrechen
für so ‘nen Haydn-Paukenschlag!

Doch dieses brummig Monotone
aus einem Kessel, der verkalkt,
erinnert mehr an ‘ne Matrone
die wütend ihre Wäsche walkt.

Bewundrungswürdig bleibt indessen,
dass wer da so viel Puste hat,
um durchzudrummen selbstvergessen
die Nächte ohne Notenblatt!

Kommt ihm die Kraft aus dieser Lehre,
die irgendwo bei Engels steht,
dass Quantität sich stets verkehre
mit einem Mal in Qualität?

Und dass er nur noch trommeln müsse,
so lange was der Klöppel hält,
bis ihm, o Gipfel der Genüsse,
der Grammy vor die Füße fällt?

Ich denke, solche Ambitionen
hat der verehrte Nachbar nicht –
der Spaß am Spiel schon wird ihm lohnen,
wofür sich mancher Ruhm verspricht.

Und dass zur Übung auserkoren
die Nachtmusik er sich speziell,
liegt sicher ringsum an den Ohren
mit dem geschulten Trommelfell.

Singreiter

Singreiten.2Da singt doch wer im Hintergrunde?
Ich hob das Haupt und lauscht gespannt
und sah auch kurz, wie weit zur Stunde
der Sonne aktueller Stand.

Die segelte schon etwas trüber
durch den verblichenen Azur,
dass Mittag sicherlich vorüber
nach dieser goldnen Himmelsuhr.

Doch der Gesang vom Straßenpflaster
macht unterdessen sich schon rar,
dass ich, nicht frei vom Neugier-Laster,
mit einem Satz am Fenster war.

Und kriegte diese Kavalkade
noch auf den letzten Drücker mit:
Fünf Caballeros, Hut, Pomade,
im Sattel auf ‘nem Herrenritt.

Und lauthals gab der Tete-Reiter
das Motto dieser Reise vor
und trieb sein muntres Trüppchen weiter
als singender Tambourmajor.

Ein Weilchen hörte ich noch hallen
der Hufe Schläge auf dem Stein
von Pferden, die in Trab gefallen
in raschem Rhythmus Bein für Bein.

Und in dem Maß, wie sie entschwanden
und in der Ferne sich verlorn,
kam auch dies Liedchen mir abhanden,
aus des Flamenco Geist geborn.

Der Einbaum

Der EinbaumDer Stammbaum, eine dieser Gaben,
die uns der Forschergeist geschenkt,
die Menschheit hat ihn ausgegraben
und im Museum wo versenkt.

Da kümmert er im Magazine
mehr als Kuriosum vor sich hin,
anstatt, was doch gerechter schiene,
als Superschaustück mittendrin.

Der Grund ist unschwer zu erraten,
da diesem Wunsch er widerspricht:
Den Homo als ‘nen Separaten,
ganz anderen erweist er nicht.

Denn von der Wurzel bis zur Krone
ist er in einem Stück verzweigt
gleich dieser ries’gen Märchenbohne,
die windend sich zum Himmel steigt.

Und was, ihm aus dem Stamm entsprossen,
sich immer mehr verästelt hat,
sind Leidens- oder Glücksgenossen,
Gefährten bis zum letzten Blatt.

Der Anfang: Aus der Knospe fliehen
ins Wunder einer lichten Welt.
Das Ende: In die Erde ziehen
in Nächte ohne Sternenzelt.

Der Stammbaum, imposante Größe,
wie altem Adel sie gebührt,
gibt in dem Punkt sich keine Blöße –
das Lebensbuch wird streng geführt.

Da schreit der Mensch: Von Gottes Gnaden
hab doch Verstand ich abgekriegt,
ein Unding, dass gleich dem von Maden
und Mücken nur mein Leben wiegt!

Hat sich der Herrgott erst die Mühe
mit unsrem, seinem Geist gemacht,
will er gewiss nicht, dass wie Kühe
am Haken wir ums Fell gebracht!

Doch unerforschlich seine Wege,
wie listig schon die Kirche lehrt,
die noch die schlimmsten Schicksalsschläge
mit seiner Liebe uns erklärt.

So hat er uns den Geist gegeben
im Daseinskampf als Schirm und Schild
und nicht, um so hervorzuheben,
dass die Natur für uns nicht gilt.

Wo hast du, Schlachter Tod, sie liegen,
die Würste, unverweslich frisch,
dass die auf Aas begier’gen Fliegen
nicht schwirrn um diesen Hacketisch?

Und wann hast du mit scharfem Beile
den Hals des Opfers je verfehlt,
dass es für eine winz’ge Weile
noch auf Errettung hätt gezählt?

Fest hängen wir an diesem Baume,
der uns millionenfach gezeugt –
vom Hopfen bis zur Haferpflaume,
vom Käfer bis zum Tier, das säugt.

Und unterm Dach, in seiner Krone,
da haust der Mensch, noch ziemlich neu,
im Schulterhalfter ‘ne Kanone
und macht die andern Mieter scheu.

Doch mag er sie das Fürchten lehren
mit seiner rücksichtslosen Art –
sein Leben wird nicht länger währen
noch seine Seele aufbewahrt.

Das Bäumchen hält wie alle Blätter
ihn nur so lange auf der Welt,
bis einst im Herbst bei Wind und Wetter
entkräftet er zu Boden fällt.

Dann kommen Pfaffen, zu verscharren
mit frommen Sprüchen sein Gebein,
sie selber Blätter auch – und Narren,
sich brüstend mit der Weisheit Schein.

Kollegenlob

KollegenlobDa hab ich ‘nen Kollegen,
‘nen bessern findst du nicht,
kommt jedem gern entgegen,
entgegen bloßer Pflicht.

Erledigt die Geschäfte
mit Sorgfalt und Elan,
dass fix er fort sie hefte
als fertig und getan.

Der schwatzt nicht alle Stunden
nur dummes Zeug daher,
will dies und das erkunden,
dass er sein Wissen mehr.

Nicht, um damit zu glänzen,
nein, dass dem Job er dien,
will er des Geistes Grenzen
ein wenig weiter ziehn.

Mag selber nicht nur reden,
ehrt auch des andern Wort,
dass des Gespräches Fäden
sich farbig spinnen fort.

Nie würd er jemand schmähen,
nie wen verleumden gar,
und sollt ihm selbst entgehen
ein Zugewinn in bar.

Verweile noch, Kollege,
vertag den Ruhestand,
in unsrem Wildgehege
nur dich gezähmt ich fand!

Durch dich trotz allem Schlechten
der Weg ins Amt sich lohnt,
wie dank eines Gerechten
hätt Sodom man verschont.

Fürs Amt kommt es nicht dicke,
schaffst du es dir vom Hals –
doch wenn nach vorn ich blicke,
erstarr ich fast zu Salz.

Wie sagten doch die Alten
von Freunden in der Not?
Von solcherlei Gestalten
geht keine auf ein Lot!

Kurs Himmel

Kurs HimmelWir wollen heute einmal gründen,
denn die Geschäfte gehn nicht schlecht,
einen Verein für weitre Pfründen,
heißt: ‘ne AG nach Handelsrecht.

Auf unsern Ruf, der ohne Tadel,
wird man die Aktie akzeptiern
und wird vom Landmann bis zum Adel
in seine Zukunft investiern.

Dann scheffeln wir die Millionen,
die es auf unser Konto spült,
auf dass sie in Oasen wohnen,
die nie der Steuer Durst gefühlt.

Und wirklich reißt man uns die Fleppen
wie warme Semmeln aus der Hand,
dass kaum wir fähig ranzuschleppen
Ersatz vom fleiß’gen Druckerstand!

Dabei winkt unsren Wertpapieren
doch zeitlich keinerlei Gewinn –
man kann vom Kurs nicht profitieren
und Dividenden sind nicht drin!

Was aber dann in Gottes Namen
verleitet alle Welt dazu,
so zahlreich wie der Väter Samen
zu krallen dieses Zeug partout?

Nun, die Papierchen übersteigen
unendlich alles doch an Wert,
da einst im Himmelreich sie zeigen,
wie hoch man ihre Käufer ehrt.

Man muss nur erst den Tod erleiden
(gewiss ein läst’ger Zwischenschritt),
um sich zum Engel umzukleiden,
hat man als Nachweis jene mit.

Du faselst, Dichter! Sollst dich schämen
fürn derart lausiges Konstrukt –
so lässt sich auf die Schippe nehmen
kein Mensch, der auf Rendite kuckt!

Wer nur ein bisschen Grips im Brägen,
fällt auf so’n Schwindel nicht herein;
hienieden braucht es Glück und Segen;
was dann passiert, weiß doch kein Schwein.

Dagegen ist nicht viel zu sagen.
Käm heute so ein Spekulant,
man packte ihn bei Arsch und Kragen
und schmiss ihn aus dem Dachverband.

Tatsächlich? Diese faule Nummer:
„Verehrte Christenheit, berapp;
Erstattung gibt’s im ew’gen Schlummer“,
zieht nach wie vor der Klerus ab.

Uralte Bräuche, Traditionen:
Die nimmt von der Kritik man aus!
Die Kirche, wohl noch für Äonen,
behält ihr Siegel „Pia fraus“!

Mit bestem Dank

Mit bestem DankWenn blöd ich wär, hätt Stroh im Brägen
und faselte nur immer Stuss,
wär mein Büro der reinste Segen,
fernab von jedem Musenkuss.

Wär ich Pedant, ein Erbsenzähler,
der nichts als kleinlich kritteln kann –
o wie viel ausgemachte Fehler
böt mein Büro mir täglich an!

Wär ich ein Schwätzer, große Lippe,
die Brust von Eitelkeit geschwellt,
wie läg mir die Beamtensippe,
die brabbelnd mein Büro umstellt!

Wär ich blasiert, ein steifer Knochen
und Besserwisser vor dem Herrn,
ich käm nicht ins Büro gekrochen:
Ich lief, es jauchzend aufzusperrn.

Wär ich ein Hund, ein Leuteschinder,
der gerne mit der Peitsche knallt,
ich liebte mein Büro nicht minder
als ein Tyrann die Staatsgewalt.

Doch, ach, ich kann’s mir nicht erklären,
sind doch da Gründe ohne Zahl:
In dies Büro zu gehen, wehren
sich meine Füße jedes Mal.

Ich krieg’s nicht hin beim besten Willen,
denn diese Gründe sind mir wurst.
Drum kann ich im Büro nicht stillen
auf Wohlbefinden meinen Durst.

Muss immer auf den Dienstschluss harren,
um glücklich mich davonzustehln.
Dann kann im eignen Hof ich scharren
und meine Art zu gackern wähln.

Doch wenn ich reimend Ruhe tanke
und endlich frei mich fühl und froh,
weiß ich sehr wohl, wem ich’s verdanke –
dem ungeliebten, dem Büro.