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Ein super Markt

Ein super MarktAls neulich ich am Meer geschlendert
gedankenlos wie eh und je,
hab jäh die Richtung ich geändert,
denn plötzlich kam mir ‘ne Idee.

Ein Supermarkt lag in der Nähe,
dem rückte ich nun auf den Pelz,
dass nach ‘ner Buddel ich da spähe,
die ich in meine Tüte wälz.

Nicht irgendeine. Einen Tropfen,
den mit Genuss ich schon probiert,
denn nur mal auf den Busch zu klopfen,
wär ich nicht extra hinmarschiert.

Ich also in den engen Gängen
herumstolziert erwartungsfroh,
doch wo ich jüngst ihn fand in Mengen,
war nicht ein einz’ger im Depot.

Doch leer nicht nur die Flaschenecken,
auch viele andre überdies,
dass ich wohl zig Mal zum Verrecken
vergeblich mir die Birne stieß.

Ein fleiß’ges Trüppchen Angestellte
fand schließlich ich auf meiner Tour,
dass jäh sich mir der Grund erhellte
für diesen Umstand: Inventur!

Doch ließ ich drum den Kopf nicht hängen
und fragte mal auf blauen Dunst
nach diesem Weinchen, das um Längen
liegt vorn in meiner Gaumengunst.

Und kaum hatt ich genannt den Namen,
den dies Gewächs am Bauche trägt,
ist eine dieser netten Damen
auch schon ins Lager losgefegt.

Und kam nach wenigen Momenten,
die Beute schwenkend triumphal,
zurück zum glücklichen Petenten
als ambulantes Weinregal.

Worüber ich wohl mehr mich freute:
dass ich zu meinem Kauf noch kam,
oder dass die, die mich betreute,
die Störung mir nicht übel nahm?

Eine amerikanische Tragödie

Eine amerikanische TragödieGesetz und Ordnung müssen walten,
dass Friede herrscht in Wald und Flur –
man könnte fromm die Hände falten,
wär’s nicht ein Spruch der Diktatur.

Ich schwenk mal rüber zu den Staaten,
die viel auf ihre Freiheit schwörn,
und wundre mich der Missetaten,
die locker diesen Ruf zerstörn.

Die haben da ‘ne Knüppeltruppe,
die nicht viel Federlesens macht
und nach dem Motto „Mir doch schnuppe!“
ihr Knarrenfeuer gern entfacht.

Da kann es öfter denn passieren,
dass jemandem die Stunde schlägt,
weil vor den Cops, die ihn visieren,
er irgendwie sich falsch bewegt.

Und sei’s, dass er ‘nen Hundeknochen
für seinen Waldi hochgereckt –
der Bulle wird auf Notwehr pochen,
wenn er ihn blindlings niederstreckt.

So ist die Freiheit auch, zu sterben,
ganz unbegrenzt in diesem Land.
Der Cowboys und Banditen Erben
sind schnell noch mit dem Colt zur Hand.

Ein Mädchen, siebzehn Jahre eben,
der Schießwut jüngst zum Opfer fiel.
Ein Messer, heißt’s, wollt sie erheben –
schon wurd sie einer Kugel Ziel.

Das arme Kind war psychisch leidend
und hätte Hilfe wohl gebraucht –
doch nicht so plötzlich und entscheidend,
dass der Revolver danach raucht.

So hat die schöne Lebensreise
ein Kerl ihr kurzerhand storniert.
Der wird bloß auf Beamtenweise
vom weitren Dienste suspendiert.

Doch sind ‘ne Menge Ordnungshüter
von seinem Schlage landesweit
zum Schutz der höchsten Lebensgüter
noch unvermindert dienstbereit.

Nach altem Maß

Nach altem MaßWo wär das möglich hoch im Norden?
‘n ganzes Haus – ein Stockwerk bloß?
Mit Oberstübchen nix geworden,
die Bodenständigkeit bleibt groß.

Ein Domizil der kurzen Wege.
Das meiste hat man gleich zur Hand –
wie eine Henne ihr Gelege,
was diese auch stets praktisch fand.

Muss man da drin sein Navi zücken,
um endlich wo am Ziel zu sein?
Nein, einfach nur die Klinke drücken
und mitten in die Stube rein!

Kaum Platz für Omas Kaffeetasse
in der beschränkten Räumlichkeit –
doch immerhin ‘ne Dachterrasse
macht schön sich in der Sonne breit.

Und da meist offensteht die Türe
hinter des Vorhangs weh’ndem Saum,
erweitert sich durch dessen Schnüre
die Bude in den Straßenraum.

Im Sommer kann man draußen sitzen,
des Hauses Enge zu entfliehn,
und mächtig Braun auch noch stibitzen
der Meist’rin Sonne: Melanin.

Noch viele dieser Fischerkaten
stehn malerisch am Strand entlang.
Hier hat Poseidon man zum Paten
und stets im Blick den nächsten Fang.

Die Kais sind gleich hier um die Ecke,
da landet man die Beute an –
die holt ganz frisch sich weg vom Flecke
der Höker mit dem Caravan.

Kein Pflaster für Hoteltouristen –
der Badestrand zu klein und grau.
Paar hundert Meter weiter nisten
sie hoch in ihrem Plattenbau.

Donnerpause

DonnerpauseDer Hauer von der dritten Sohle
hat wohl den Schlägel weggelegt.
So wird der Pütt zum Ruhepole,
an dem man gern derselben pflegt.

War unerträglich für die Ohren,
was der sich so zurechtgekloppt
und wie mit Hämmern er und Bohren
die ganze Nachbarschaft gemobbt.

Erlahmt sind offenbar die Kräfte,
die seinen Arm in Schwung gesetzt,
dass diesem lauteren Geschäfte
entsagt er hat zu guter Letzt.

Wobei wahrscheinlicher die These,
dass fertig nun sein Bauprojekt
und nach dem hektischen Gewese
er seiner Muskel Wunden leckt.

Ist es die neue Badewanne,
die Küche fern der Einheitsnorm?
Er freut sich erst mal volle Kanne
der gut gelungnen Wohnreform…

Indem mit sattem Selbstgefühle
er tief in seinen Sessel fällt,
das Bad im Blick vielleicht, die Spüle –
mit sich zufrieden und der Welt.

Gibt wer nach solcherart Triumphe
dann auch für alle Zukunft Ruh?
Nein, dass sein Mjöllnir ihm nicht stumpfe,
schlägt bald er donnernd wieder zu!

Am Rentenkai

Am RentenkaiDu liegst an Land. Mit fester Bleibe
auf einer Basis, die besteht.
Nichts, dass es dich vom Ufer treibe,
nichts, was dir an den Zampel geht.

Die Heuer wird dir nachgeschmissen.
Du machst nicht einen Finger krumm.
Du bohrst dich in dein Ruhekissen,
bis fast der halbe Morgen rum.

Nur häuslich sind noch deine Pflichten,
die leicht und locker zu erfülln:
Das Rohr mal auf den Teppich richten,
den Kücheneimer mal entmülln.

Dazwischen reichlich Intervalle
für eine schöne Seemanns-Mug.
„Auch Dr. Dralle wurde alle“?
Nein, Kaffee – doch kein Muckefuck.

Jetzt kannst das Leben du genießen
von Szylla und Charybdis frei,
und träge deine Tage fließen
an Klippe und an Kliff vorbei.

Der alte Fahrensmann in Rente.
Mit unbegrenzter Liegezeit.
Im Schapp nun rosten die Patente,
vermottet das Matrosenkleid.

Sein „Rolling home“ ist längst verklungen,
und friedlich dümpelt er am Kai.
Und lauscht doch, wenn aus vollen Lungen
die Möwe schmettert ihren Schrei.

Jesus an der Ladenkasse

Jesus an der LadenkasseDas, was von Jesus wir so wissen,
ist leider dürftig nur genug.
Nur dass aus Stroh sein erstes Kissen
und ihn ein Stall ins Leben trug.

Worin ihn Joseph unterwiesen,
der Nazarener Zimmermann,
ist unbekannt – falls er nicht diesen
Beruf auch seinerseits begann.

Historisch eher ausgeschlossen
ist eine andre Tätigkeit:
Nie hat als Krämer er genossen
‘ne feste Ladenöffnungszeit.

Das Hökern war nicht seine Sache,
nur geistiger Gewinn ihm lieb:
Man weiß ja, wie er die vom Fache
aus dem entweihten Tempel trieb.

Die heutzutag mit seinem Namen
als Säugling ungefragt benannt,
sind, da sie nicht aus Davids Samen,
geschäftsbefugt „zur linken Hand“.

Da stand mir einer an der Kasse
des Supermarktes gestern grad
und scannte meine Warenmasse
in des Computers Pilgerpfad.

Beim Zahlen hatt ich aus Versehen
ihm doppelt hingereicht ‘nen Schein –
dank Jesus war im Handumdrehen
der andre aber wieder mein!

War also denn auch sein Gewerbe
nicht in des Galiläers Sinn –
er doch ein würd’ger Namenserbe,
dem Ehrlichkeit ging vor Gewinn.

Nachbar Heimwerker

Nachbar HeimwerkerIst’s, dass der Umbau nun zu Ende,
ist’s, dass er nicht mehr schuften mag –
die Stille jenseits meiner Wände,
sie trifft mich wie ein Hammerschlag.

Mein Nachbar, dessen Lebenszeichen
sich auf Geräusche reduziern,
er scheint auf Socken jetzt zu schleichen,
um seinen Leumund zu poliern.

Doch die Motive mal beiseite,
dass er vom Hammer sich getrennt –
ich lausche in des Hauses Weite,
ob seine Lust nicht neu entbrennt.

Gebranntes Kind…na, und so weiter.
Ich trau dem Frieden nicht so recht.
Vielleicht holt er schon seine Leiter
und rattert los gleich wie ein Specht.

Er schafft‘ es ja ununterbrochen
(von Feiertagen abgesehn)
bis heute immerhin zehn Wochen,
mir täglich auf den Keks zu gehn.

Wobei ich rätsel auch und rate,
wie’s möglich ist beim Selberbaun,
im Heim von kleinerem Formate
so lange auf den Putz zu haun.

Doch wünsch ich mir von ganzem Herzen,
dass er sein Oeuvre nun vollbracht
und mit des Hammers rüden Terzen
mir keinen Katzenjammer macht.

Solange dieses ich geschrieben,
fiel keine Nadel in die Ruh.
Mucksmäuschenstill ist es geblieben –
ja, unheimlich geradezu.

 

Ortsfeiertag

OrtsfeiertagMein Supermarkt hat bald geschlossen,
und mitten an ‘nem Wochentag.
Da fragt der Kunde sich verdrossen,
was dieser Coup bedeuten mag.

(Der Kunde nicht im Allgemeinen –
nur der, der zugeflogen ist
und hier auf dürren Storchenbeinen
die Kröten seiner Rente frisst.)

Und, heureka, hab’s rausgefunden!
Ein Mensch, der lang hier residiert,
hat’s auf die Nase mir gebunden:
Ein Feiertag, lokalisiert.

Ein Novum für den Nordtouristen,
dass festlich man ‘nen Tag begeht,
der in den alten Kirchenlisten
fürn heiligen Sebastian steht.

Doch eben auch nur in dem Flecken,
der ihn zum Schutze sich erkor,
auf dass mit seinem „Stab und Stecken“
den Teufel schlag er übers Ohr.

Ich will nun weiter nicht entschleiern,
ob seine Wunder sich da balln –
man soll die Feste ja so feiern,
wie nach des Volkes Mund sie falln.

Am Dienstag also Fastenspeise
in des Propheten Orte X.
Dispens davon auf Christenweise:
Im nächsten kauf: Da gilt er nix.

 

Stück für Stück

Stück für StückDa hockt ihr wie ‘ne Froschgirlande
gefräßig um den Musenteich
als faule Abonnentenbande
mit Anspruch auf ‘nen Meisterstreich.

Ja, glaubt ihr euch denn gut beraten,
wenn ihr dem Dichter unterstellt,
ein Esel scheiße ihm Dukaten,
dass er’s Papier nur drunterhält?

All seiner Worte Kostbarkeiten
bis hin zum Komma und zum Punkt
muss mit der Feder er erstreiten,
die tief er in sein Herzblut tunkt!

Die aber sperrt sich seinem Drängen
wie alles, was verschnaufen will,
um nach zwei Versen durchzuhängen
wie nach ‘ner Sause mit Promill.

Krieg so was wieder auf die Beine!
Geduld und Spucke, sag ich bloß.
Und hängt der nächste an der Leine,
geht dieses Spiel von vorne los.

Mühsam wie jener rote Racker,
der Nüsslein schleppt ins Eichenhaus:
So streif ich übern Musenacker
und schau nach Geistesfrüchten aus.

Dies aus der Schule mal geplaudert.
Was vielfach da so locker klingt,
ist oft gezittert und gezaudert,
bis lauthals es der Barde singt.

Doch geht’s nicht so mit vielen Sachen,
ja, gar mit unsrer Lebenszeit,
dass ähnlich wie beim Filmemachen
sich Szenisches zum Ganzen reiht?

Drum langsam mit die jungen Pferde!
Ein Fels, den die Natur gebar,
wie lange brauchte wohl die Erde,
bis der perfekt im Kasten war?

Gemischter Sonntagsausflug

Gemischter SonntagsausflugDer Himmel war heut frisch gestrichen
in ganzer Breite seidenmatt –
Ei-Blau, in das sich eingeschlichen
der Dotter nur der Sonne hatt‘.

Da kam ein Freund, mich einzuladen,
ihm beizufahrn im Pkw,
um irgendwo das Haupt zu baden
in dem solaren Strahlensee.

Was gab es groß da zu bedenken?
Ich warf mich in die Sommerkluft,
um ein paar Stunden mir zu schenken
im heißen Hauch von Licht und Luft.

Das Reiseziel? Tut nichts zur Sache.
Terrasse, sonnig, jedenfalls.
‘ne offne Pergola zum Dache
und Meerblick bei gerecktem Hals.

War auch gemütlich für ‘ne Weile –
man saß und nippte am Café,
die Sonne schob sich ohne Eile
zu ihrem rosa Negligé.

Doch plötzlich blähte seine Backen
der Wind noch mal gewaltig auf
und blies mir Kälte in den Nacken
und Gänsehaut die Beine rauf.

Hätt ich beinahe doch vergessen,
dass wir im tiefsten Winter warn
und so am Juli-Wert gemessen
die Glut ganz schön zurückgefahrn.

Nur weg, mein einziger Gedanke!
Der Freund fand darin keinen Charme.
Besülzt‘ mich hitzig von der Flanke –
und quasselte sich richtig warm.