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Alte Glaubenssache

Alte GlaubenssacheWie einzigartig diese Bauten,
die sich der Pharao erschuf
und die bis da noch nie erschauten
Ägypter, Bauern von Beruf!

Unsterblichkeit ihm zu gewähren,
wollt stark er sie, unantastbar,
dass mit der Priester heil’gen Lehren
er sicher in den Himmel fahr.

Um droben sich aus Kosmosfernen
des Nillands Glück und Wohl zu weihn,
selbst Gott dann unter Göttersternen,
auf Erden bergend sein Gebein.

Noch ragen sie, die Pyramiden,
an die er felsenfest geglaubt,
wenn auch in trügerischem Frieden –
erbrochen alle und beraubt.

Und was vom Körper noch geblieben
nach vier Millennien Liegezeit,
zerfressen ist es und zerrieben,
dass keine Seele es mehr freit.

Im guten Glauben ja gestorben,
dass er den Sternen sich verbind,
hat er die Weisheit nie erworben,
dass Sonnen nur aus Feuer sind.

Doch hätt sie gar sein Fuß betreten
als Gott, gewesener Despot,
die Hölle hätt er sich verbeten:
Dann lieber Mensch, dann lieber tot!

Schwarz wie die Nacht

Schön finsterDas Meer lag gram und grau vor Anker.
Den Horizont verhüllte Dunst.
Kein Trawler irgendwo, kein Tanker,
kein Zeichen einer Seemannskunst.

Zufrieden mit des Tages Heuer
hatt‘ abgemustert schon der Wind.
Die Stille übernahm das Steuer
mit Kurs auf wo die Kalmen sind.

Am Ufer da die Häuserzeile
war größtenteils schon eingenickt,
als ob der Szene Langeweile
sie vor der Zeit in Schlaf geschickt.

Aus ihren schmächtigen Fassaden
glomm nur vereinzelt noch ein Licht –
so trüb, als hing’s am seidnen Faden
‘ner Birne, die zusammenbricht.

Die Strandlaternen selbst, die hohen,
des späten Wandrers Augenschmaus,
sie fieln, anstatt zu lichterlohen,
in Intervallen völlig aus.

Mit Vorsicht deinen Fuß bewegen,
ein falscher Schritt, und du fällst hin!
Da kommt ein Schatten dir entgegen –
doch hat er Böses nicht im Sinn.

Ein Heimweg der besondren Sorte,
nicht malerisch, verwunschen eh’r.
Als ob man an der dunklen Pforte
der Märchen und der Träume wär.

 

Kurzes Glück

Kurzes GlückHier von der Fortsetzungsgeschichte,
die sich um Meer und Sonne dreht,
ein weitrer Teil euch zu Gesichte,
wie er mir noch vor Augen steht.

Die gute alte Küstenstraße.
Wir hatten ein PS-Gestühl
und so beim Kilometer-Fraße
ein angenehmes Bauchgefühl.

Der Zielpunkt: Ein beliebter Flecken
für Ausflugsfreunde aller Welt –
doch dank des Winters Zähneblecken
zurzeit ein bisschen kaltgestellt.

So war ein Plätzchen zu ergattern,
das Luft und Sonne uns gewährt –
hier Wellen, die im Winde flattern,
da Licht, das übern Himmel fährt.

Dazu ‘nen Kaffee reingezogen,
und schon war unser Glück komplett,
auf dessen sprichwörtlichen Wogen
kaum besser wer geschaukelt hätt.

Zeit war im Überfluss vorhanden.
Nichts, was uns wieder heimwärts trieb.
Der Tag umwand uns mit Girlanden,
auf die er fröhlich „Pflück mich!“ schrieb.

Doch statt die Szene zu erhellen,
hat er sich bald davongemacht –
samt Meer und Sonne, Spießgesellen,
die blind ihm folgten in die Nacht.

Terrassenwirtschaft

TerrassenwirtschaftDer Vorschlag hatte sich gewaschen:
Komm mit auf eine kleine Tour –
ich kenn da ‘n Platz zum Kaffeenaschen
mit Traumblick über Feld und Flur!

Das war zum Glück nicht übertrieben:
‘ne Stelle, an den Hang gebaut,
spontan sich in sie zu verlieben,
weil frei sie in die Weite schaut.

Das Feld in dem besondren Falle
war eine Bucht, die breit sich schwang
und so der Brandung stetem Pralle
ein bisschen Mäßigung entrang.

Die Flur in dem besondren Falle,
das warn die Felsen ihr zur Seit –
wie Säulen einer Riesenhalle,
die man von ihrem Dach befreit.

Und vor dem sanft gekurvten Strande
lag ungeformt der Rest der See –
heut still im Feiertagsgewande,
so glatt und glänzend wie Gelee.

Und hinter den gewalt’gen Säulen
schob sich geduldig, krumm und schief,
bis hoch, da wo die Winde heulen,
der Berg allmählich zum Massiv.

Zu schön. Doch eh ich es vergesse –
vielleicht zieht es auch euch ja her.
Hier also schon mal die Adresse:
„Balkon von Maro“, Mittelmeer.

 

Immer noch Meer

Immer MeerAls ich vor vielen, vielen Jahren,
halb in den Kinderschuhen noch,
zum ersten Mal zur See gefahren
als Maat von einem Trawler-Koch

Da musste ich mich oft erwehren
der Frage, wieder heim an Land,
ob auf dem Meer, dem weiten, leeren,
ich Langeweile nicht empfand.

Da konnte ich „I wo!“ nur sagen
und hab Beweise rausgeklaubt;
doch fühlte stets ich dumpf im Magen,
dass man mir ernsthaft nicht geglaubt.

Jetzt tanz ich nicht mehr auf den Wellen,
seh Tümmler nicht in luft’gem Sprung,
nicht Jan van Gent ins Wasser schnellen
und Qualln in grüner Dämmerung.

Jetzt reicht es mir, am Meer zu weilen,
von fern dem Treiben zuzuschaun,
den Wogen, die mal stürmisch eilen,
mal träge sich zur Dünung staun.

Der Brandung, die mit Donnergrollen
und geifernd auf die Klippen fällt,
um kraftlos gleich zurückzurollen,
bevor sie neuerlich zerschellt.

Der Möwe, die in kühnem Fluge,
vom Wind getragen und verweht,
den Flaum, den schäumenden, am Buge,
der Barbe an die Gurgel geht.

Den Wolken, die darüberrauschen
im wilden Wechsel der Kontur
und bis zum Horizont sich bauschen,
in dem verschwindet ihre Spur.

Der Sonne, die in hohem Bogen
vollendet ihren Kreis beschreibt,
eh sie, im Osten großgezogen,
im Westen rosa sich entleibt.

Den Schippern, die an jedem Morgen
‘nem ros’gen Fang entgegensehn
und, ist er abends dann geborgen,
am Tresen wo vor Anker gehn.

Ja, offen für die Impressionen,
die diese Welt des Wassers birgt,
wird dich ein Zauber stets belohnen,
der dir auf alle Sinne wirkt.

Die Zunge selbst spricht dem Gerüchte
von monotonen Fluten Hohn:
Die Fische und die Meeresfrüchte –
für sich allein ein Kosmos schon!

Plötzliche Begegnung

Plötzliche BegegnungNach draußen, frische Luft zu tanken.
Der Tag, er ging schon auf den Rest.
Zur Rechten sah ich Wellen schwanken,
nach vorn den Weg, der bombenfest.

Doch weiter raus, da wo die Wogen
allmählich sich im Meer verliern,
warn meinen Blicken sie entzogen,
und mochte ich auch noch so stiern.

Da lagen sie in Nacht und Dunkel,
von einem schwarzen Loch verschluckt,
das bis auf schwaches Sterngefunkel
mit keiner Wimper nur gezuckt.

Doch plötzlich, wie ich noch so starre,
mehr in Gedanken als zur Sicht,
glimmt wie ein Malzkorn auf der Darre
am Horizont ein Fünkchen Licht.

Und dann, als wär das Eis gebrochen,
weil erst das eine ich erspäht,
ein zweites, drittes wie gestochen,
ein viertes ins Visier gerät!

Das zog sich wie ‘ne Perlenkette
gereiht und schimmernd übern Rand,
als ob ‘ne Meerjungfrau sie hätte
zum Trocknen auf die Kimm gespannt.

Ich weiß nicht, was die Fischersleute
so spät zu ihrem Fang noch trieb –
nur dass ich dieses Faktum heute
in meine trockne Chronik schrieb.

 

Archetypisch

ArchetypischNoch immer prasseln die Geschosse
der Wolken hier vor unsern Türn,
den Hof verwandelnd in ‘ne Gosse
mit Wassern, die ins Leere führn.

Mit lautem Aufprall sie zerplatzen
und hauchen ihre Seele aus.
Es regnet Hunde, regnet Katzen,
es regnet Tiere größren Baus.

‘ne wahre Sintflut von der Sorte,
die mindestens drei Tage schwillt,
bis oben von der Himmelspforte
man ihren Feuereifer stillt.

Doch unsre Arche, die aus Steinen
und zünftig mit Zement verpicht,
haut nichts von den stabilen Beinen,
geschweige denn, dass sie zerbricht.

Drum wird sie nicht auf Gipfeln landen,
von Wogen in die Höh gespült,
wenn auch genug davon vorhanden,
die auf dem Haupt nie Holz gefühlt.

Man muss auch keine Taube testen,
ob in den Schlag sie wiederkehrt,
um Boden zu erschließen, festen,
den man auf Sohlen überquert.

Wie nervig aber, nur zu hocken
in seinem Loch wie’n Wurm im Watt.
Man kriegt zwar keine nassen Socken –
doch dies Geprassel einmal satt!

Ein Stundenplan

Ein StundenplanBedeckter Himmel, dunkle Wolken.
Kein Wetter für ‘ne Ausflugstour.
Der Sonneneuter ausgemolken,
der Strahlenfreund auf Hungerkur.

Da heißt es brav die Bude hüten
und sich der Heizung anvertraun,
vielleicht auch über Büchern brüten,
die Zeit mit Schmökern totzuhaun.

Auch könnte häufiger man üben
sich in des Brauens schwarzer Kunst,
dass man in Schlucken und in Schüben
den Riecher taucht in Kaffeedunst.

Wahlweise Tee. Allein das Kochen
ist schon ein kleiner Zeitgewinn.
Und hat man erst den Duft gerochen,
bleibt man auch möglichst lange drin.

Kriegt man ‘nen Magen mal, ‘nen flauen,
man eine Füllung ihm verpass.
Doch lange und genüsslich kauen –
das bringt doch auch schon wieder was.

Na, und wenn alle Stricke reißen,
dann gibt’s ja noch das Bügelbrett.
Zur Wäsche greif, zur bunten, weißen,
und mache glatt zwei Stunden wett!

So in der Häufung der Momente
zeigt sich der Abend auf einmal –
das heißt das lyrische Ambiente,
dem Wind und Wetter piepegal.

Falscher Verdacht

Falscher VerdachtSelbst wenn ich’s nicht vor Augen habe,
im Rücken spür ich’s irgendwie
mit der ihm eignen Sehergabe,
die ihm der sechste Sinn verlieh.

Ja, mag es nachts auch schläfrig schweigen
im flachen Atem seiner Welln,
ich hör es falln und hör es steigen
und landwärts bis zur Brandung schwelln.

In Träumen fühl ich es noch flüstern,
als wär’s ein fernes Wiegenlied,
dass es mit aufgerissnen Nüstern
mich in den tiefsten Schlummer zieht.

Wenn morgens wieder Autos brausen
und Straßenlärm das Ohr bedrängt,
dann hör ich in den kurzen Pausen,
wie’s rauschend seine Mähne schwenkt.

Und lauf ich auf der Promenade,
wenn Sternenlicht am Himmel steht,
in seinem Fluidum ich bade,
das schwer und lautlos mich umweht.

Jetzt eben lässt es sich vernehmen
ganz deutlich zu der stillen Stund –
ja, ganz als ob sie näher kämen,
die Welln aus ihrem weiten Rund.

Fast schon, als ob sie draußen stünden,
dass gleich die Flut mich überfällt –
ich raus, die Sache zu ergründen:
In Regen, ach, ertrinkt die Welt!

Kleiner Fortschritt

Kleiner FortschrittZum Wechsel bin ich nicht geboren,
das Gleichmaß sagt mir eher zu,
und mehr als stets was um die Ohren
lieb ich die Muße und die Ruh.

Was Bessres könnt ich mir nicht denken
als, wenn die Uhr schon zehnmal schlägt,
mich in mein Innres zu versenken,
um zu erfahrn, was es bewegt.

Und daraus wieder aufzutauchen
mit einer zündenden Idee,
die auch für Verse zu gebrauchen,
damit sie nicht verlorengeh.

Der kurze Sinn der langen Worte:
Die Uhr, sie schlug; die Zeit war reif.
Ich sitz am angestammten Orte
und geistig in die Ferne schweif.

Um mich herum die schönste Stille.
Man hörte eine Nadel falln.
Aufs Blatt gerichtet die Pupille,
lass Laute ich den Pinsel lalln.

Natürlich alles noch beim Alten,
beim Umfeld, das mich inspiriert:
Der Nektar, mich in Form zu halten,
der Dämmer, der den Raum regiert.

Ein Wandel nur zu meinem Schmerze,
den heut ich nicht beheben kann –
statt einer wohlgenährten Kerze
schaut kläglich mich ein Teelicht an.