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Kurzer Weltverlust

Kurzer WeltverlustIn diesen milden Wintertagen,
wie sie der Süden uns beschert,
gibt’s keinen Grund, sich zu beklagen,
dass man den Sonnenschein entbehrt.

Meist ist in makelloser Bläue
des Himmels breite Brust geschwellt
als schönes Sinnbild einer Treue,
die ihm das Taggestirn hier hält.

Gewölk zieht manchmal seine Kreise
und wirft den nassen Ballast ab,
doch immer rasch und haufenweise
wie’n Gaul die Äpfelchen im Trab.

Wenn Schnee, dann in den Bergen oben
gelegentlich als Zuckerguss.
Am Strand wird kaum er mal geschoben,
was Schieber da verdrießen muss.

So weit also die Phänomene,
die mir bekannt als Resident.
Da, stellt euch vor, betritt die Szene
ein völlig neues Element!

Wie immer, wenn ich aufgestanden,
werf ich ‘nen Blick zum Fenster raus,
zu sehn, ob weiterhin vorhanden
das Fleckchen Welt vor meinem Haus.

Doch heute konnt ich noch so glotzen,
ich hab wie vor ‘ne Wand geguckt –
von Suppe sah ich alles strotzen,
die es mit Mann und Maus verschluckt.

Im Lauf der Stunden kam erst wieder
das traute Bild ans Tageslicht
und strahlte heiter auf uns nieder
die Sonne noch vor Schluss der Schicht.

Den Nebel hatte sie zerrissen
und weithin übers Meer gedrängt.
Da hat er schäbig und verschlissen
noch lang den Horizont verhängt.

Über Führungskräfte

Über FührungskräfteSie rennen, rennen ohne Ende
zu sechsen immer im Gespann
und rennend fühln sie im Gelände
sich selig wie ein Wandersmann.

So hecheln sie gewalt’ge Strecken
auf weiter, wegeloser Flur,
indem nichts weiter sie bezwecken
als eben dieses Hecheln nur.

Ein Hindernis ist keine Hürde,
sie setzen über Stock und Stein,
gebremst nicht einmal von der Bürde
im Schlepp, die ihnen hinterdrein.

Das ist des Zugs Kommandobrücke,
die seinem Lauf die Richtung weist
und dass er bei des Bodens Tücke
nicht kurvend irgendwo entgleist.

Und immer vorwärts jagt die Meute
im Hundsgalopp durch Eis und Schnee,
bis endlich Halali – und Beute:
Ein Fischkopp, leidlich frisch von See.

Ein solches Team zu dirigieren,
das wünschte sich wohl jeder Chef:
beharrlich, schnell auf allen vieren
und lohnbegeistert mit Gekläff.

Nichts leichter: Gleich den Schlittenhunden
er einmal dies behandeln müsst.
Die kloppen ihre Überstunden
für jeden, der sie herzt und küsst!

 

Winter ade

Winter adeIhr kennt sie ja, die Wetterzwänge –
man setzt den Fuß nicht unbedingt
hinaus aus seiner Stubenenge,
wenn Petrus seine Wäsche wringt.

Was in den seligen Gefilden
Iberiens selten ja im Schnitt,
doch in dem Winter hier, dem milden,
Schnee, Eis und Hagel stellvertritt.

Bleibt nur noch einer zu erwähnen,
der öfter mal Randale macht –
der Wind, der aus dem großen Gähnen
zu tierischem Gebrüll erwacht.

Klar, geht auch dem man aus dem Wege,
weil wild er deinen Skalp begehrt
und dir zwecks weitrer Körperpflege
gern eisig in den Kragen fährt.

Doch abgesehn von diesen Fällen
hemmt weiter nichts die Wanderlust,
zu baden sich in goldnen Wellen
aus Helios‘ heißer Heldenbrust.

Und hast du ‘nen Balkon am Wickel,
der seewärts schön nach Süden geht,
dann hock dich auf den Hosenzwickel,
da wo im Licht die Liege steht…

Und lass die Plautze dir bescheinen,
Visage, Backen, Stirn und Kinn
bis runter zu den Spargelbeinen
als Therapie im Ganzheitssinn.

Wie lernten einst wir in der Schule:
„Der Winter ist ein rechter Mann“?
Ja, aber nur im „letzten Thule“ –
hier unten geht er’s „softer“ an.

Über Fischen

Über FischenFrühmorgens gehn sie auf die Reise
und dampfen in ihr Fanggebiet,
wo immer noch auf Petri Weise
man Maschen durch die Fluten zieht.

Da kreisen sie denn Stund um Stunde
in eng begrenzter Region
und bergen ihre feuchten Funde
fürn ungewissen Tageslohn.

Dann heißt’s schon in die Hände nehmen
den Kiel am späten Nachmittag,
damit sie nicht verspätet kämen
zu des Versteig’rers Hammerschlag.

Der fällt hier in der Hafenhalle
unweigerlich Punkt 18 Uhr –
indessen nicht für Krill und Qualle,
für Seehecht und Sardine nur.

Wenn sie dann schon vorm Bierchen hocken,
um durchzuhecheln ihren Fang,
machen sich andre auf die Socken
und stillen nachts ihrn Beutedrang.

Die geistern lockend dann als Lichter
in diesem Sott von Nacht und Meer,
mal draußen weiter und mal dichter,
doch immer lautlos hin und her.

Eintrudeln morgens, wenn die andern
die Lider grad vom Schlaf befrein –
sofort zum Auktionator wandern,
weil Käufer schon nach Ware schrein.

Da Fischer ständig ihn bejagen,
erholt sich nie ihr Lebensquell.
Die Brut wird ihm davongetragen
in Einkaufsnetzen XXL.

Na und, wird mancher vielleicht höhnen,
beschwert sich wer aus diesem Kreis? –
Zumindest hör ich nächtlich stöhnen
die Welln, die Winde – ach, wer weiß!

 

Nach starkem Guss

Nach starkem GussWie immer nach so trüben Tagen
zeigt plötzlich strahlend sich die Welt,
dass dir dein vor’ges Unbehagen
wie Schuppen aus der Seele fällt.

Gehorsamst melde: Eingetreten
der Fall, der oben avisiert.
Die Winde unversehns sich drehten,
die Sonne kam hereinspaziert.

Man traut sich wieder rauszugehen
(Wer arbeitet, der muss es eh;
den Rentner nur mit Mühe krähen
die Hähne oft vom Kanapee).

Doch auch Besagter in der Klammer,
den Zwang nicht in die Puschen treibt,
entfernt sich manchmal aus der Kammer,
dass er am Wind die Nase reibt.

Und dann belatscht er eine Strecke,
die kaum ‘ne Meile übersteigt
im Stile einer Wegeschnecke,
die wenig nur zur Eile neigt.

Und hat doch immerhin genossen
die Erde unterm trägen Fuß
nebst einem Bündel von Geschossen
als Helios‘ heißen Strahlengruß.

Zurück nach Hause und zufrieden.
Die Sonne hat man nicht verpasst,
die auch für anderntags beschieden –
da wird denn noch mal nachgefasst.

Nicht sauer mehr in Regen baden,
was Eierkuchenfreude weckt –
wär bloß nicht dieser Wasserschaden,
der faulig-grau die Decke fleckt!

 

Stürmische Nachlese

Stürmische NachleseHätt gern euch gestern schon berichtet,
hautnah gleichsam und aktuell
und wie gewöhnlich versverdichtet
von dieses Meeres Schwall und Schwell.

Bin leider nicht dazu gekommen.
Hatt noch ‘nen Torso von Poem,
den hab ich mir zur Brust genommen,
dass endlich er zu Potte käm.

Doch liegt mir lebhaft noch vor Augen,
was gestern meinen Sinn erregt,
und mag wohl fürn paar Zeilen taugen,
eh ’s mir die Zeit aus diesem schlägt.

Am Abend also, kurz nach sieben,
falls meine Küchenuhr nicht spinnt,
hat’s mich noch einmal rausgetrieben
in diesen unverschämten Wind.

Der hatte tags schon fix geblasen,
war keinen Augenblick erschlafft
und brüllte jetzt noch in Ekstasen
unzähmbar blinder Leidenschaft.

Den Palmen wollte er es zeigen,
die krümmten sich vor Schmerz und Schreck
und schlugen um sich mit den Zweigen,
als scheuchten sie ihn wieder weg.

Als Rührwerk hat indes gewütet
im Bottich er der salz’gen Flut,
die Wellenflur mit Schaum „behütet“
zu einem gräulich-grellen Sud.

Der brandete in wilden Sätzen
sich bäumend bis aufs feste Land,
dass die gesamte Bucht in Fetzen
von weißen Bändern eingespannt.

Südost. Entfesselt blies die Wogen
er zu gewalt‘gen Brechern auf.
Ich hab mich rasch nach Haus verzogen –
mit Rückenwind im Dauerlauf.

 

Maritime Schattenspiele

Maritime Schattenspiele.jpg2Es war am späten Nachmittage,
als ich noch einmal Lust bekam,
zu lösen mich aus dem Verschlage
und ‘nen Spaziergang unternahm.

Noch war die Sonne auf dem Posten
und spendete ihr Licht dem Tag,
doch düstre Wolken trieb ’s nach Osten,
dass jener schon im Dämmer lag.

Und warfen auch gewalt’ge Schatten
in eine zitternd graue Flut,
dass einen Zeus man glaubt‘ begatten
die See in seinem Übermut.

Und wirklich: Auf den dunklen Fluren
der wasserreichen Wüstenei
gebarn sich tausend Dioskuren
wie aus der Leda Schwanen-Ei.

Fantastisch war es anzuschauen,
wie Weiß an Weiß sich da gereiht,
um eine Kette zu erbauen,
die sicher eine Meile weit.

Es sah so aus, als hätten Flocken
von Schnee sich übers Meer gespannt –
doch einzeln und in dicken Brocken,
dass keine Fläche draus entstand.

Beim zweiten Blick: ‘ne Möwenbande,
die ohne Kreischen und Tamtam
paar Flügelschläge weg vom Lande
ganz friedlich auf den Wellen schwamm.

Warum? Das mag Poseidon wissen.
Die Ruhe vor dem nächsten Fang?
Mich hat die Szene hingerissen:
Naturtheater. Lebenslang.

Nach altem Maß

Nach altem MaßWo wär das möglich hoch im Norden?
‘n ganzes Haus – ein Stockwerk bloß?
Mit Oberstübchen nix geworden,
die Bodenständigkeit bleibt groß.

Ein Domizil der kurzen Wege.
Das meiste hat man gleich zur Hand –
wie eine Henne ihr Gelege,
was diese auch stets praktisch fand.

Muss man da drin sein Navi zücken,
um endlich wo am Ziel zu sein?
Nein, einfach nur die Klinke drücken
und mitten in die Stube rein!

Kaum Platz für Omas Kaffeetasse
in der beschränkten Räumlichkeit –
doch immerhin ‘ne Dachterrasse
macht schön sich in der Sonne breit.

Und da meist offensteht die Türe
hinter des Vorhangs weh’ndem Saum,
erweitert sich durch dessen Schnüre
die Bude in den Straßenraum.

Im Sommer kann man draußen sitzen,
des Hauses Enge zu entfliehn,
und mächtig Braun auch noch stibitzen
der Meist’rin Sonne: Melanin.

Noch viele dieser Fischerkaten
stehn malerisch am Strand entlang.
Hier hat Poseidon man zum Paten
und stets im Blick den nächsten Fang.

Die Kais sind gleich hier um die Ecke,
da landet man die Beute an –
die holt ganz frisch sich weg vom Flecke
der Höker mit dem Caravan.

Kein Pflaster für Hoteltouristen –
der Badestrand zu klein und grau.
Paar hundert Meter weiter nisten
sie hoch in ihrem Plattenbau.

Heiß und lau

Heiß und lauAuch heute bullert noch die Hitze
und heizt dir den Pullover auf.
Nach draußen traue dich und schwitze
beim Bummeln und Fressalienkauf!

Das Wetter hält sich schon seit Wochen
mit einem kleinen Zwischenspiel,
kaum wert, besonders drauf zu pochen:
Ein Guss, der auch des Nachts noch fiel.

Ansonsten sich das Betttuch spannte
des Himmels in gebleichtem Blau
von einer bis zur andern Kante
so glatt wie bei ‘ner Bügelschau.

Der Rentner, den’s aus höhren Breiten
verschlug an diesen warmen Strand,
gewöhnt sich gern an Jahreszeiten,
die allesamt dem Lenz verwandt.

Er tappert täglich seine Runde
am Wasser, wie es blitzt und blinkt,
und freut sich auch der Dämmerstunde,
wenn blutorange die Sonne sinkt.

Selbst wenn die Nacht wie eine Mauer
gleich hinterm Schaum der Brandung steht,
ist sie doch weitaus milder, lauer,
als man erwartet hätt so spät.

Es funkeln Sterne wie Geschmeide
an ihrer samtbeschlagner Front,
dem Wanderer zur Augenweide,
der sich in ihrem Glanze sonnt.

Die aber knapp nur überm Meere
in trägem Rhythmus oszilliern,
sind Lichter unsrer Erdensphäre,
die da ’ne Muschelzucht markiern!

Echtes Kontrastprogramm

Echtes Kontrastprogramm.jpg2Des Südens blaue Wintertage,
so wie am Schnürchen sie sich reihn;
stabil schon lang die Wetterlage,
kein Wind und reichlich Sonnenschein.

Was Pelziges ist nicht vonnöten,
Pullover, Jacke reichen schon,
den Biss der Kälte abzutöten,
die ohne Kraft und Aggression.

Wer will, kann noch am Strande sitzen,
tief in der Wellen Tanz versenkt,
dern feuchte Augen schelmisch blitzen,
wenn neckisch sie ein Strahl umfängt.

Weit draußen ziehn auf ihren Reisen
die Kutter spielzeughaft dahin,
und Möwen stürmisch sie umkreisen,
ein laues Lüftchen unterm Kinn.

Die Sträucher, die am Ufer ragen,
sind nicht erstarrt und kahlgeschorn.
Das schönste Haupt von Grün sie tragen
und sogar Blüten hintern Ohrn.

Da fährt ein Blitz dir in die Träume
vom schnee- und eisfrei’n Paradies –
denn abseits sanfter Ufersäume
ein andrer Wind schon immer blies.

Hoch auf den Gipfeln und den Graten
in dieser Buchten Hinterland
die Götter zum Bankette baten:
ein weißes Tischtuch ausgespannt!

Na, wohl bekomm es euch da oben,
ich neide euch den Braten nicht.
Solln gern da Winterwetter toben –
der Küste fern. Bei bester Sicht!