Archiv der Kategorie: Natur

Eine Art Frühsport

Eine Art FrühsportDie Sonne zeigte sich im Osten
ein Stück erst überm Horizont,
da ging, die Frühe auszukosten,
ich an des Meeres breiter Front.

Im frischen, unverbrauchten Lichte
erstrahlte mir der junge Tag
wie jener Gott, dem ins Gesichte
man wohlweislich nicht blicken mag.

In stummem Fluge Möwen kurvten
über dem schimmernden Revier,
als ob sie noch nicht stören durften
ihr schuppig-scheues Beutetier.

Und einer auf des andern Sohle
in aufgeregter Prozession
fuhrn Dampfer Richtung Hafenmole
zur Morgenmesse: Fischauktion.

Nur wenig Leute auf dem Wege.
Paar Jogger frönten ihrem Sport.
Ich setzte meine Muskelpflege
mit zielbewussten Schritten fort.

Dann war ich endlich angekommen
und kriegte meinen Wanderpreis:
Ein Hemd, das Flecken angenommen,
und Achseln, die getränkt von Schweiß.

Doch kam’s noch dicker, keine Bange:
Ausländeramt Torre del Mar.
Drei Stunden in der Warteschlange –
fürn Fünf-Minuten-Formular.

Geht schon zur Neige

Geht schon zur NeigeEin halbes Jahr ich nun schon weile
in meinem Feriendomizil,
vollkommen ohne Hast und Eile,
so wie beim Schach- und Halmaspiel.

„Gemächlichkeit“ heißt die Parole.
„Nicht heute? Dann ein andermal“.
Man lebt nicht, dass man überhole,
man füßelt nicht mit dem Pedal.

Die Landschaft lädt ja zum Betrachten
so wie ‘ne Bildergalerie.
Sie will den stillen Gang, den sachten
mit Ehrfurcht vor der Szenerie.

Gelegentlich soll man sich setzen
und sich vertiefen in das Bild.
Doch lange; nicht gleich weiterhetzen.
Vor allem beim Tavernenschild.

Ein bisschen Stärkung kann nicht schaden.
Und Essen macht ja Appetit.
Da ist ein zünft’ger Tapa-Laden
und malerisch im Strandgebiet!

Gesättigt geht es dann nach Hause,
den Bauch von Impressionen schwer.
Die Nacht: Willkommne Atempause
vor dieser Muße Wiederkehr.

Doch wird der Schlendrian unterbrochen:
Die Lust auf Heimat erst mal siegt.
Ich hoff nur, dass dort in den Wochen
die Zeit nicht auch so schnell verfliegt!

Alles ganz natürlich

Alles ganz natürlichMan lebt, verdrießlich, auch bei Regen.
Doch lebt man auf bei Sonnenschein.
Das gleiche Verb, der gleiche Segen –
doch die Grammatik trennt da fein.

Natürlich geh ich gern spazieren.
Am liebsten irgendwo am Strand,
an dem die Wellen sich verlieren,
die platschend übers Meer gerannt.

Und wo die Palmensäulen ragen
mit ihrem busch’gen Kapitell,
um auf dem grünem Haupt zu tragen
des Himmels blaues Sommerfell.

Da kommt die Sonne mir entgegen,
das räume ich ja gerne ein,
des Lichtes und der Wärme wegen
und trocken unterwegs zu sein.

Doch wollt man stets zu Hause hocken,
herrscht Trübsal draußen weit und breit,
dann hieße es doch verzocken
ein Gutteil seiner Lebenszeit.

„Geh aus mein Herz und suche Freude“ –
doch nicht nur, wenn Frau Sonne lacht:
Dies riesige Naturgebäude
steckt voller Wunder Tag und Nacht!

Der Sturm, er jagt die scheuen Wellen
wie’n Jäger das gehetzte Wild.
Sieh, wie sie fliehn, sich ducken, schwellen,
da Möwenschreie drüber gellen –
authentisch. Live. Kein Stimmungsbild!

Leider trügerisch

Leider trügerischWas für ein einz’ges breites Lächeln
spielt heute um den Erdenmund!
Die Sonne glüht, die Winde fächeln,
das Meer macht seinen Buckel rund.

Der Strand ist vollgespickt mit Leuten.
Sie schreien, sie bewegen sich.
Und ruhn auf blauen Bärenhäuten
mit Salben gegen Mückenstich.

Am mutigsten die Wasserratten.
Die tauchen schon bis an die Brust
in diese kalten, spiegelglatten
Verkünder reiner Badelust.

Weit draußen ein paar Segel schieben
sich schleppend vor im lauen Wind.
Als Maler müsste man sie lieben,
weil sie fast unbeweglich sind.

Beschauliche beim Biere sitzen
im schattenreichen Strandcafé,
Gedanken träge auszuschwitzen
in das geduld’ge Ohr der See.

In diesem Sinn: Recht freundlich bitte!
Als hätt dies Gott sich ausgedacht,
der heimlich hier in unsrer Mitte
ein Bild sich seiner Schöpfung macht.

Wie’n Schnappschuss aus dem Paradiese.
Doch abends, wenn wir Glotze sehn:
Ein Globus in der Dauerkrise.
‘ne Hölle eh’r. Anthropogen.

Heuschnupfen

HeuschnupfenUnd Frühling wieder. Blitzgewitter
entflammter Blüten auf die Welt,
das bunt wie Tannenbaumgeflitter
sie zauberisch in Atem hält.

Hier wolln uns Töne Rots gefallen,
die fein und friedlich wie Falsett,
da die Pigmente, die sich ballen
zu schwerem Fliederviolett.

Hier weiden die entzückten Augen
auf einem schatt‘gen Buchengrund –
Waldmeistergrün, das einzusaugen
auch für die Kehle schön gesund.

Da leuchtet aus den Halmstaketen
verstreut es kobaltblau im Korn;
und Veilchen blühn in ganzen Beeten
und Hyazinthen, Rittersporn!

Der Osterglocken gelb Geläute;
Mimosen, golden überhaucht.
Kamille wuchert wild als Meute,
die struppig aus den Gräben faucht.

Wer freut sich nicht der tausend Töne,
mit denen sich der Frühling ziert,
dass er sein frisches Antlitz kröne
mit einem Touch, der fasziniert?

Die ganze Welt ‘ne Blumenvase!
Doch manchen lässt dies Wunder kalt –
den etwa, der mit Tröpfelnase
sich krampfhaft in sein Tuch verkrallt.

Was los am Strand

Was los am StrandNun hat sich also voll entfaltet
das Leben, das auf Sand gebaut.
Hoch im Azur die Sonne waltet,
und auch das Meer, gekräuselt, blaut.

So lagert man auf Plastikstühlen
zuhauf am Lieblingsstrandcafé,
um Wärme auf der Haut zu fühlen
und wie es knirscht am großen Zeh.

Doch viele betten sich auf Liegen,
wo sie der See noch näher sind,
die Brandung in die Ohren kriegen
und Möwen schrill im Säuselwind.

Und wo auch Schirme sie bewahren
mit ihrem reetgedeckten Hut
vor allen Brand- und Stichgefahren
‘ner übermäß’gen Himmelsglut.

Dann wären da die Sportskanonen,
die sich athletisch präsentiern
und Stimme nicht noch Sehne schonen,
Dynamik hier zu demonstriern.

Auch süße Krabben hin und wieder,
von Wanderlust beflügelt bloß,
bewegen ihre ros’gen Glieder
selbst wasserfern fast hüllenlos.

Mit einem Wort: Viel freier, reger
geht’s zu jetzt um den Strand herum.
Da buddeln auch die Rohrverleger –
drei Meter vorm Elysium.

Erste Strandblüte

Erste StrandblüteO wie mit hunderten Figuren
das Ufer heute schwer bestückt,
als ob aus sandgetränkten Fluren
das Heer der Halme ausgerückt!

Wie Frühlingssaat ins Kraut geschossen
in Trauben Menschen überall,
mit goldnen Strahlen übergossen
verschwenderisch vom Sonnenball.

Und heiter-aufgeregt sie wogen
wie Schilf im warmen Sommerwind,
mal hierher, mal nach dort gebogen,
ihm folgend auf dem Fuße blind.

Der erste Ansturm auf die Strände,
der erste Meeresbadetag –
und dieses körnige Gelände
ein Kultobjekt mit einem Schlag!

Und wie von Geisterhand erschaffen
stehn Sonnenschirme auch bereit
und Liegen für die Faulen, Schlaffen,
die gern verdösen ihre Zeit.

‘ne neue Ära eingeläutet –
zum Wasser drängt es alle hin.
Von Oberkleidung ganz enthäutet
begeht man den Saisonbeginn.

Man schüttelt die befreiten Glieder
nach nasser Hunde altem Brauch
und zeigt der hellen Sonne wieder
die Röllchen und den Hängebauch.

Man weiß nie

Man weiß nieVon Sonne wollt ich heute schreiben,
weil sie als Stargast präsentiert
im Radio; lass es aber bleiben,
dieweil der Himmel grau meliert.

Auf diese Wetterprophetien
ist eben nur bedingt Verlass,
auch wenn von Fröschen ausgespien
in seriösem Alt und Bass.

Schief kann nur eine niemals liegen,
weil allerseits sie offen ist:
Die uns, dass sich die Balken biegen,
der Hahn herunterkräht vom Mist.

Doch Spaß beiseite! Beim Verlassen
des Hauses erst macht man sich firm
per Blick nach draußen: Welchen fassen –
den Regen- oder Sonnenschirm?

Ist dazu gar kein Zwang vorhanden,
hat man ‘ne weitre Möglichkeit:
sich lösen aus den Wetterbanden,
indem der Stube man sich weiht.

So habe ich’s denn auch gehalten,
verkrochen mich an Heim und Herd,
ließ Tee und Kaffee nicht erkalten,
indes ich Seiten umgekehrt.

Paletti alles, abzunicken?
Ich müsste lügen, wenn’s so wär.
Die Sonne ließ sich doch noch blicken.
Doch da, da wollte ich nicht mehr.

Pustekuchen

PustekuchenAm Himmel wieder heut, am blauen…
Den Rest ergänzt nach eigner Wahl!
Hab keine Lust, euch vorzukauen
den ganzen Krempel jedes Mal.

Es sind doch stets die gleichen Dinge,
die man im gleichen Maß verrührt,
damit ein Einheitsbrei gelinge,
der stets den gleichen Kitzel schürt.

Ihr wisst schon: Sonne darf nicht fehlen,
denn die ergibt den Grundgeschmack –
schlürft man sie ein mit vollen Kehlen,
hat man die Sache schon im Sack.

Das Meer mit seinem Salzgehalte
steht dann als Würze schon bereit –
nebst Wogenberg und Wellenfalte
und Möwe, die sich heiser schreit.

Bekränzt ihr schließlich noch mit Blüten
der Optik wegen das Projekt,
kann keine Macht der Welt verhüten,
dass diese Brühe auch noch schmeckt.

Na ja, genau in diesem Stile
hätt selbst ich was zu Blatt gebracht,
doch hatt‘ das Schicksal andre Ziele
sich heute für mich ausgedacht.

Mocht Helios auch den Tag verschönen,
Poseidon, Flora je nach Art –
ich hörte nur Maschinen dröhnen,
Motorradfreaks auf Sonntagsfahrt!

 

Aussichtsreich

AussichtsreichDieselben Herrn, dieselbe Stelle,
der gleiche Panoramablick.
Naturgefühle auf die Schnelle,
befördert durch den Sonnentick.

Ein Kirchlein mit geweißten Wänden
schlug manchmal klingend uns die Zeit,
der Jungfrau, die an allen Enden
die schönsten Wunder wirkt, geweiht.

Genauso hell die Häuserzeile,
die über uns sich schräg erhob,
den Hang erklimmend ohne Eile
wie eine Ranke, heliotrop.

Davor als bunte Augenweide
der Büsche blühendes Spalier,
die ich nach Art nicht unterscheide,
da es mir fehlt am Pflanzbrevier.

Doch immerhin: Den Pfeifenputzer
erkenne ich auf Anhieb schon –
ein roter, bürstenhaar’ger Stutzer,
der just sich spreizt für Gotteslohn.

Das Ganze chorisch hinterfangen
von melodiösem Vogellaut,
wobei nur Spatzen ohne Bangen
sich bis an unsern Tisch getraut.

Vielleicht, dass sie die Herrn erkannten,
die öfter hier auf Sonnenkur,
und unter sich sie „harmlos“ nannten
und „klasse für ‘ne Krümeltour“.