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Schnellimbiss

SchnellimbissWolln wir ‘ne kleine Pfingsttour machen?
Hier in der Stadt nur irgendwo?
Erst heute Abend soll es krachen,
bis dahin Sonne lichterloh.

Na, denn mal los ins Waldgehege,
wir wollen schließlich nichts entbehrn.
Da gibt es schatt’ge Wanderwege
und eine Krippe, einzukehrn.

Die Einkehr ham wir vorgezogen,
weil uns der Magen dran gemahnt,
dass, falls um seine Kost betrogen,
ihm fürn Spaziergang Schlimmes schwant.

Rouladen denn mit Rotkohl bitte!
Und Bratkartoffeln gerne auch!
Oh, selbst der nicht vorhandne Dritte
wär voll geworden wie ein Schlauch!

Im schönsten Eifer des Genusses –
o zartes Fleisch, o weicher Speck! –
das harte Echo eines Schusses:
Gewittergrummeln, ach, du Schreck!

Da trommeln schon mit wilden Hieben
die Wassermassen auf das Zelt.
Den Rotkohl schnell ins Mäulchen schieben,
Kartoffeln, was das Zeug nur hält!

Zum Auto sind’s nur ein paar Schritte,
wir durch den Regen, husch, husch, husch,
die Zündung an, ab durch die Mitte!
Ein Donnerschlag als Abschiedstusch.

 

Heimkehr ins Blaue

Heimkehr ins BlaueDie Sonne brennt aus blauen Weiten,
in die kein Wölkchen sich verirrt,
kein Adler, drüber wegzugleiten,
kein Möwenschwarm, der schwankt und schwirrt.

Geduldig beugt die dürre Erde
sich unter dieses heiße Joch.
Kein Seufzer, keine Drohgebärde –
ein Büßer, der zu Kreuze kroch.

Entzündet aber von dem Strahle,
der stetig glüht vom Himmel her,
die Blüten flammen auf, Fanale
im endlos grünen Pflanzenmeer.

Die See selbst, die des Wassers wegen
sich keinesfalls so leicht erhitzt,
erzittert unter Funkenschlägen,
dass überall es blinkt und blitzt.

So hat das Bildnis jener Küsten,
denen ich jüngst mich erst entwand,
stets neu nach ihnen zu gelüsten,
sich ins Gedächtnis mir gebrannt.

Erfrischend aber auch die Kühle,
mit der der Norden mich empfing –
das rechte Wasser auf die Mühle
der Stirn, die schon in Schweiß zerging.

So wär denn alles gut gelaufen
bis auf, na, kaum der Rede wert –
ein permanentes Röcheln, Schnaufen:
Erkältungsschock, kaum heimgekehrt!

Warmer Empfang

Warmer EmpfangAls jüngst ich wieder hier gelandet
als Vogel im vertrauten Nest,
war leicht und luftig ich gewandet,
wie man den Süden halt verlässt.

Doch hieß mich hier mit gleicher Hitze
der erste Tag willkommen schon,
dass ich seitdem „bei Muttern“ sitze
wie ein verlorner Wüstensohn.

Motto: Vom Regen in die Traufe,
sofern das mit der Sonne geht.
Ich warte erst mal und verschnaufe,
bis sich der Wind womöglich dreht.

Ihr meint, ich sollte eh’r frohlocken,
dass mir St. Peter wohlgesinnt
und wollewarm und knochentrocken
mein borealer Trip beginnt?

Was wisst ihr von den heißen Träumen,
die unter Palmen grad gedeihn,
wenn in den aufgeheizten Räumen
die Glieder nach Erfrischung schrein?

Man kann nicht nur in Sonne baden,
gefärbt vom Salz des Himmelblaus,
selbst Luxus hängt nach Strich und Faden
dir irgendwann zum Halse raus.

Ein bisschen Kühle, bisschen Nieseln,
das war’s, worauf ich mich gespitzt.
Doch mag’s damit zurzeit auch kriseln –
Hammonia hat’s noch nie verschwitzt!

Stilles Örtchen

Stilles ÖrtchenVersteckt war er, der kleine Hafen,
der heute unser Ausflugsziel,
an einem Plätzchen, das verschlafen,
doch malerisch mit eignem Stil.

Um dieses Kleinod zu erhaschen,
musst man auf Berg- und Talfahrt gehn;
die Kurven hatten sich gewaschen,
die fast schon Pirouetten drehn.

Doch endlich dann die letzte Biege
plus Parkplatz Marke „Arsch der Welt“,
wo unsre brave Motorziege
wir zum Verschnaufen abgestellt.

Zu Fuß dann durch die Sperre. Jachten
von jeder Art, von A bis Z,
verschliefen da im Wind, im sachten,
die Siesta in ‘nem Wasserbett.

Beschirmt von mächt’gen Felsenwänden,
die steil sich türmten ringsherum,
dass Stürme keine Zuflucht fänden
in diesem Schiffsrefugium.

Wir dümpelten gleich diesen Booten
an unserm Tischchen auf dem Kai.
Geschwätz, Gewitzel, Anekdoten:
Der Müßiggänger Litanei.

Wir waren fast die einz’gen Gäste
nebst einem Briten mit Tattoo.
„Marina“ hieß der Ort, „del Este“ –
Geheimtipp für die Sonntagsruh.

Unverhoffter Umschwung

Unverhoffter UmschwungDer Morgen war noch grau verhangen.
Die Palmen flatterten im Wind.
Paar Leute sind mit Schirm gegangen
tief vor den Augen, wegeblind.

Da konnt ich keine Hoffnung hegen
auf einen Tag an frischer Luft,
sah einem Hausarrest entgegen
mit strengem Bohnenkaffeeduft.

Doch weit gefehlt. Auf diesen Himmel
ist so und so ja nie Verlass.
Der Wolken düsteres Gewimmel
verschwand wie ‘n Floh im Regenfass.

Ganz langsam also notabene –
und mittags war es aufgeklart.
Azur beherrschte voll die Szene,
als Mouche die Sonne drin apart.

Wie gerne ließ ich mich verlocken
von der erheiterten Natur,
nicht länger hinterm Herd zu hocken –
so dass ich in die Latschen fuhr.

Ein Strandlokal war grade richtig
für meinen Durst auf Luft und Licht.
Da saß ich einsam, null und nichtig,
als Gast der zweiten Kellnerschicht.

Die Sachen aber, die bestellten,
die waren eines Königs wert.
Das beste Urteil drüber fällten
die Spatzen, die sie heiß begehrt.

Ausflug ins Grüne

Ausflug ins GrüneZu dritt ‘ne Ausfahrt in die Hügel.
Es blühen Ginster und Kakteen
im frischen Hellgelb von Geflügel,
wie es bei Küken schön zu sehn.

Die beiden haben viel zu schwatzen.
Beharrlich zieht der Jeep bergauf.
So manchen Kurve muss er kratzen.
Das Wortgefecht nimmt seinen Lauf.

Dann kommt ‘ne Scheibe auf den Teller,
‘ne volle Dröhnung Retro-Pop.
Bei dem Getrommel und Geträller
herrscht erst einmal Geschwafelstopp.

Geschafft! Der Kirchplatz, die Taverne.
Entspannt die Beine ausgestreckt.
Auch etwas essen? Bitte, gerne.
Man schmatzt und weiß, wo’s besser schmeckt.

Der Abstieg wieder mit Musike.
Die Hänge rings, von Wuchs verwöhnt,
sie gehen unter im Gequieke,
das kreischend durch die Karre tönt.

Dann ist das Pensum ausgesungen
und Stille schmeichelt deinem Ohr –
doch kurz nur, bis aus vollen Lungen
die beiden schnattern wie zuvor.

Natur ham die nicht auf der Liste,
nur Knete oder Futtern zählt –
da hab mit meiner Vorschlagspiste
den Grüneffekt ich glatt verfehlt!

Vorläufiger Abschied

Vorläufiger AbschiedKlar, dies Ambiente wird mir fehlen:
Ein Himmel, der beständig blau,
und Möwen, die aus tausend Kehlen
das Meer erfüllen mit Radau.

Die Palmen, die wie Trauerweiden
den Wuschelkopf zur Erde kehrn,
und doch kein andres Übel leiden
als Stürme, die ihn fliegen lehrn.

Das ärgert nur die Papageien,
wenn sie zurück wolln in ihr Nest
und, mögen schimpfen sie und schreien,
die Windsbraut sie nicht landen lässt.

Und dann das Völkchen flacher Katen,
die überall im Ort verstreut
und noch das alte Dorf verraten
im schlichten Stil der Fischersleut.

Ein Kirchlein, das mit Feuereifer
von Zeit zu Zeit den Klöppel schwingt
und ähnlich wie’n Rekrutenschleifer
die Schäfchen in die Knie zwingt.

Nun ja, da wärn noch ein’ge Posten
im bunten Ferienkatalog.
Doch werd ‘ne Weile ich nicht kosten
aus diesem prallen Futtertrog.

Indes wird mich der Trost begleiten,
wenn mich der Flieger heimwärts trägt:
Nicht Pegasus nur muss ich reiten,
dass es mich wieder her verschlägt!

Schönheitsfehler

SchönheitsfehlerVon einer wahren Mückenplage
kann wirklich keine Rede sein,
obwohl schon schrecklich heiß die Tage
im Dauerbrenner Sonnenschein.

Sie haben zwar schon Blut gemolken
an manchem freien Körperstück,
doch nicht als Heer in ganzen Wolken –
als Einzelkämpfer auf gut Glück.

Nicht zu vergleichen mit den Horden,
die pausenlos dich attackiern
im see- und kiefernreichen Norden
und dich mit Bissen tätowiern.

Dort helfen keine Fliegengitter,
nicht Klatschen, Öle auf der Haut –
so unbeirrbar wie’n Gewitter
dies Wabern einfach weiterbraut.

Indes aus hohen Himmelsstrichen
nur draußen Tropfen dich befalln,
erwischt es dich mit Mückenstichen
auch in den eignen heil’gen Halln.

Wie anders hier! Gleich ‘ner Enklave,
die fast von diesen Biestern frei,
stört nur die spitzige Agave
dies Paradies mit Papagei.

Na ja, auch dieser Schönheitsfehler,
der grade nachts mir deutlich wird:
Ein einz’ger blutbesessner Quäler,
der rastlos um die Schläfen schwirrt.

 

Echtes Kauferlebnis

Echtes KauferlebnisUm meinen Krempel einzukaufen,
hab ein’ge Läden ich zur Wahl.
Zu keinem muss ich lange laufen,
erreichbar sind sie allemal.

Doch der, der mir die größte Strecke
an Gehminuten abverlangt,
liegt ziemlich an der letzten Ecke,
von Öd- und Brachland schon umrankt.

Da habt ihr meinen Lieblingsladen!
Und glaubt ihr, dass den Grund ihr kennt?
‘ne Wohltat für die Rentnerwaden?
Verbeugung vor dem Sortiment?

Es ist der Weg, der mich verleitet,
dort meine Nahrung zu erstehn –
denn lang am Meeressaum man schreitet,
um kurz noch querfeldein zu gehn.

Erst wandern am vereinten Porte
für Jachtbetrieb und Fischerei
und rechts dann durch die Eisenpforte
in Richtung Wiesenwalachei.

Danach, nun Bier im Sack und Brote,
den gleichen Weg mit Proviant –
die Brache erst und dann die Boote
und dann den mastenlosen Strand.

Von allen meinen Shopping-Touren
gefällt gewiss mir keine mehr:
leicht hin in Paradiesesspuren,
zurück von Nektar, Manna schwer.

Auch ‘ne Kehrseite

Auch 'ne Kehrseite2Nicht überall herrscht hier Idylle,
wenn auch zum größten Teil gewiss –
mit See und Sand und Palmenfülle
und mit der Berge Schattenriss.

Doch unweit nur vom Uferstreifen
mit seinem Bilderbuchgesicht
zieht sich die Piste hin der Reifen,
die Bahn sich durch die Häuser bricht.

Da donnern ewig die Motoren
mit ungebremster Kolbenkraft
betäubend in die wachen Ohren
der leidgeprüften Bürgerschaft.

Und Hupen, Heulen, Türenschlagen
als Folge dieser Blechmanie
bemühn sich Töne beizutragen
zum kakophonen Potpourri.

Die Burschen auf den Feuerstühlen
am besten sich auf Lärm verstehn
und, wahllos Nerven aufzuwühlen,
gern tierisch in die Eisen gehn.

Das ist die alte Küstenstraße,
die umso lieber man befährt
als sie zum Flitz- und Knatterspaße
auch manchen Ausblick noch gewährt.

Dagegen ist kein Kraut gewachsen.
Kaum draußen, steh ich im Verkehr.
Drum schieb ich lieber meine Haxen
zur Hintertür hinaus – zum Meer.