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Moderner Sonnengesang

Moderner SonnengesangDie Radiowetterfrösche quaken
mal wieder ihr Magnifikat:
Von Bensersiel bis Pelzerhaken
fast vierzehn Stunden Sonne satt!

Und jeder Grad mehr auf der Leiter,
die zwischen Eis und Dampf verläuft,
erhitzt den Moderator weiter,
der Kyrie auf Kyrie häuft.

Die Sonne lässt das Gras verdorren,
das Vieh sucht Schatten im Verschlag –
die Frohnatur, Applaus zu schnorren,
singt Hymnen auf den Lichtertrag!

Mir geht die Hitze auf den Senkel,
zumal wenn sie von Schweiß schon feucht
und man vom Nacken bis zum Schenkel
ein Tropfenfängertüchlein bräucht.

Ich wünschte mir den Sprücheklopfer,
der da Hosianna psalmodiert,
gern mal als Brand- und Blasenopfer,
das seinen Sonnenstich kuriert!

Dann würd am eignen Leib er spüren,
wozu die Strahlen fähig sind,
und seinen Mikrostarallüren
nicht mehr vertraun so wetterblind.

Vielleicht. Die Brüder sind ja zähe
und gegen Rüffel resistent.
Wie sehr ich auch dagegen krähe –
die jubeln, bis die Hütte brennt!

Fast ein schöner Tag

Fast ein schöner TagDas war ein Tag so recht zum Schmusen,
schön warm und gar nicht schwül dabei.
Am blauen Himmel nicht ein Flusen –
blitzblank gefegt wie’n Hirschgeweih.

Die Sonne schickte ihre Schauer
aus goldnen Funken übers Land
mit einer ausgemachten Dauer,
die rosa erst ihr Ende fand.

Auch atmete in ruh’gen Zügen
‘ne leichte Brise unentwegt,
dem Wunsch nach Kühle zu genügen,
den auch der größte Hitzkopf hegt.

Und dann die Bäume und die Blumen –
wie konturiert und farbensatt
in diesem Bad von Lux und Lumen,
das heller war als tausend Watt!

Ja, mehr, als ob die ganze Erde,
ihr höchste Würde zu verleihn,
von einem Ohr zum andern werde
bekränzt mit einem Heil’genschein!

So etwas ist nicht leicht zu kriegen,
da braucht’s ‘nen Sommertag wie heut,
an dem sogar die Harleys schwiegen,
die übers Land sich wohl verstreut.

Rein nichts hat darauf hingedeutet,
dass noch ein Unheil in Verzug –
und dennoch wurd er ausgeläutet
mit Trauer übern Unglücksflug.

Kreislaufbeschwerden

KreislaufbeschwerdenMit schrillen Schreien er verkündet,
dass in die Welt er eingeborn,
rücklings in seinem Pfühl gegründet
wie’n Käfer, der den Halt verlorn.

Er wächst und lernt, auf eignen Füßen
den Dingen auf den Grund zu gehn,
kriegt hin und wieder mal ‘nen Süßen
und glaubt, verstanden, zu verstehn.

Doch dann die langen Schülerjahre!
Das Büffeln nimmt kein Ende mehr.
Da häuft man Wissen wie ‘ne Ware
mit Mängeln und Verfallsgewähr.

Und aus dem Hamsterrad entlassen,
erwartet ihn das nächste schon –
ein Leben in den engen Gassen
von Job, Beruf und Profession.

Inzwischen hat sich wer gefunden,
der gern sein Schicksal mit ihm teilt.
Dann macht er ein paar Überstunden,
bis Nachwuchs in der Wiege weilt.

Der meldet sich mit schrillen Schreien
wie’n Pichelbruder beim Kommers,
und für sein weiteres Gedeihen
verweis ich auf den zweiten Vers.

So ähnlich auf dem Lebenswege
sind alle Wesen der Natur.
Der Mensch nur, eitle Imagepflege,
erschuf sich Gottes Sonderspur!

Kleine Kunstlektion

Kleine KunstlektionGebiet Rheinhessen, Riesling, trocken.
Was braucht es für ‘ne Sitzung mehr?
Der beste Köder, rauszulocken
Gedichte à la Schüttelspeer.

Ich heb den Humpen an die Lippen,
spreiz zierlich meinen Finger ab,
um züchtig erst einmal zu nippen,
bevor ‘nen ganzen Schwall ich schnapp.

Den wieg ich prüfend erst im Munde,
bis dass ich ihn der Kehle lass –
zufrieden dann mit dem Befunde,
ich Hoffnung für die Verse fass.

Und wirklich: Nach ein paar Minuten
der Stapellauf: Die Strophe steht.
Und auch die folgenden sich sputen,
zack, zack, wie mit ‘nem Stanzgerät.

Was eben noch in Kinderschuhen,
rennt jetzt schon dem Zenit davon,
um bald danach sich auszuruhen –
und hoffentlich im Pantheon.

Doch ziemt sich’s nicht, vorauszueilen
mit siegestrunkenem Panier;
es fehlen ja noch ein paar Zeilen,
das heißt genau gesagt noch vier.

Im Übrigen: Mit Strophe sieben
es eben die Bewandtnis hat:
Hab glücklich ich sie hingeschrieben,
passt keine achte mehr aufs Blatt.

Ein Volksheld

Ein VolksheldMit diesem Krieg schrieb man Geschichte:
Des Erbrivalen Untergang.
„Die Panzerschlacht am Fuß der Fichte“ –
so lebt sie fort im Volksgesang.

Der Sieger bleibt uns unvergessen,
sein Name strahlt in Ewigkeit.
Am Himmel nur sein Ruhm zu messen,
der mindestens drei Haufen weit.

Vernichtend schlugen wir der Riesen
millionenfache Übermacht,
die aus dem Megawald der Wiesen
so oft uns sauren Tod gebracht.

Schon hat der Lichtgott hundert Male
den Weg uns wieder frisch erhellt,
seitdem dies schreckliche Finale
der Feind fand auf dem Nadelfeld.

Und doch herrscht weiter süßer Friede,
dass herrlich unser Staat gedeiht –
die Arbeiter, stark und solide,
die Königin und der sie freit.

O dass sich dieser nie verliere,
wer immer auch das Reich bedroht,
und dass sich stets ein Magnomiere
erhebe für den Sieg von Rot.

Ameisen, könnten sie denn schreiben,
sie würden’s ähnlich formuliern.
Doch besser schon, sie lassen’s bleiben –
geht’s denn nicht so bei allen Tiern?

Sturm angesagt

Vor dem SturmAm Fenster seh ich mählich gleiten
den letzten Dämmer in die Nacht
und einen Himmel, dessen Weiten
das Feldgrau des Gewölks bewacht.

Da zieht kein Stern auf seinen Bahnen,
da flammt kein Feuer auf im All –
die Wipfel hier nur der Platanen,
sie rauschen wie ein Wasserfall.

Die Straßen endlich leer geworden,
die Dezibels davongefegt,
die hartgesottnen Harley-Horden
ham ihren Stert nach Haus bewegt.

O wie ich mich der Stille freue
in meiner Klause Schummerlicht
und mir gestatte ohne Reue
Frascati, freddo, zum Gedicht!

Doch innerlich bin ich getrieben,
weil ich des Umschwungs mir bewusst,
den man im Radio just beschrieben:
Gewitterfront und Regenfrust.

Dem Frieden da ist nicht zu trauen –
fängt es nicht immer harmlos an,
wenn fern sich schon zusammenbrauen
die Brecher über Maus und Mann?

So weit werd ich’s nicht kommen lassen:
Ich setz mich ab ins Federland,
und tief am Fuß der Kissenmassen
verschlafe ich den Weltenbrand.

 

Kleines Licht

Kleines LichtDie Dämmerung hat angefangen.
Ein Blick zur Uhr zeigt kurz nach zehn.
Der Himmel weißlich-grau verhangen,
gekreuzt sporadisch noch von Krähn.

Kein Windhauch säuselt durch die Blätter,
kein Stoß erschüttert Laub und Ast;
die Bäume stehen steif wie Bretter,
die mit Beton man eingefasst.

Allmählich die Fassaden bleichen.
Das Firmament spielt leicht ins Blau,
doch ohne jene Feuerzeichen
der schaurig-schönen Sternenschau.

Indes verfinstert sich der Äther
so fließend flink von Ton zu Ton,
das jetzt, ‘ne halbe Stunde später,
er schwarz wie Brand und Asche schon.

Wenn da nicht in den Fenstern glömmen
die Stubenlichter trüb wie Span,
stockblind wir durch den Abend schwömmen,
den Fischen gleich im Ozean.

Nun, auch die Kerze mir zur Seite,
obwohl ihr Flämmchen winzig nur,
wirft tapfer in des Zimmers Weite
bis an die Wände ihre Spur.

Ein Lichtspektakel ohnegleichen
braucht aber der nicht, der hier schreibt.
Nur für den Griffel muss es reichen,
dass seiner Linie treu er bleibt.

Fehlstart hingelegt

Fehlstart hingelegtDer Himmel hüllt seit vielen Tagen
sich in ein düstres Wolkenkleid,
verwaschen, schmutzig, abgetragen,
mit Löchern, die zehn Finger breit.

Der Wind pfeift ihm durch alle Ritzen
und reißt die Fetzen mit sich fort –
ein einzges Fliehen da und Flitzen,
als ging es um den Weltrekord.

Dazwischen muss er Wasser lassen –
von Schauern spricht man hier dezent.
Und locker füllen seine Massen
die Klos, die man Kanäle nennt.

Wo in den flatterigen Falten
hat bloß die Sonne er versteckt?
Natürlich muss der Tag erkalten,
wenn sie nicht seinen Puls erweckt.

Man friert. Und nicht ein Hoffnungsschimmer,
der rasche Änderung verspricht.
Im Gegenteil: Es wird noch schlimmer,
der Regengott macht Überschicht.

O seht, auf dem Balkon verloren
ein Blatt, das welk dahingeweht –
als lagerte vor unsren Toren
der Herbst schon, der nach Einlass späht.

Da kann er aber lange gucken –
Vordrängeln gilt nicht, guter Mann!
Wird schon noch in die Hände spucken,
der Sommer fängt ja grad erst an!

Natürlicher Straßenlärm

Natürlicher StraßenlärmWas fürn Gekreische und Gekrächze –
da draußen ist der Teufel los!
Wie sehr ich auch nach Stille lechze,
der Höllenlärm wird größer bloß!

Wie aufgelöst die Krähen kreisen
mit ihrem wütenden Geschrei,
als wollten jemand sie beweisen,
wie mächtig ihre Kehle sei!

Ein Anlass ist nicht zu erkennen.
Der Aufruhr bleibt mir rätselhaft.
Was für ein Rasen und ein Rennen,
Moriskentanz der Leidenschaft!

Verständigung ist wohl vorhanden,
das scheint mir ziemlich sicher fast,
da just auf Krähenfüßen standen
sie einzeln noch auf Baum und Ast.

Und jetzt wie immer auch getrieben
zur großen Demo, zum Protest,
verließen sie unangeschrieben
gleichwohl ihr hohes Krähennest.

Ein Kriegsrat, den sie heute halten,
Erinn‘rung an die Rabenschlacht?
Gedenktag für das sel’ge Walten
des Krähenkönigs Nummer acht?

Das Rätsel werd ich nicht mehr lösen –
jäh endete die Schwärmerei.
Kann ungestört nun weiterdösen
im Krähenwinkel, vogelfrei.

 

Fehlprognose

FehlprognoseWas haben unsre Wetterfrösche
vor Pfingsten noch so laut gequakt –
die Sonne gar nicht mehr verlösche,
ein Superfest sei angesagt!

Holt eure Räder aus dem Schuppen,
macht euren Grill gefechtsbereit,
versammelt eure Freundestruppen
zu kollektiver Fröhlichkeit!

Je näher diesen Feiertagen
wir aber auf den Pelz gerückt,
schien desto sich‘rer umzuschlagen
die Stimmung, die so hoch entzückt.

Zu Pfingsten selbst ist nichts geblieben,
die ganze Euphorie lag flach.
Die Sonne war fast abgeschrieben,
es plätscherte aufs Studiodach.

Natürlich hat’s die Mikro-Meister
gebracht nicht aus der Grinsespur –
sie drehn auch weiter immer dreister
umsonst am Knopfe der Natur.

Da ähneln sie den Astrologen,
die x-mal in die Irre gehn
und einmal dabei unbetrogen
sich wunderbar bestätigt sehn.

Man kann durchaus ja falsch mal liegen –
Gewitterfront statt Sonne satt!
Doch ein „Bedaure!“ mal zu kriegen,
das steht auf einem andern Blatt!