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Der schöne Tag

sonnenuntergangDer schöne Tag, so strahlend blau,
er muss dem Abend weichen.
Schon geht gebeugt die Sonnenfrau.
Wie ihre Wangen bleichen!

Durchs Fenster weht ein Lüftchen rein,
lässt seine Kühle spüren.
Der Straßenlärm, er macht sich klein,
der Schlag der Autotüren.

Der sonst mit tausend Fingern fährt
durchs Blattwerk der Platanen,
der Wind hat seine Kraft verzehrt.
Das Laub hängt schlaff wie Fahnen.

Fassade, Dach et cetera
beginnen schon zu dunkeln.
Als erste Sterne hier und da
die Stubenlichter funkeln.

Da mählich so ein Tag verraucht
in Dämmer und in Schatten,
was Wunder, wenn’s wie Wehmut taucht
aus Seelen-Kasematten!

Es ist die Stunde, da das Herz
in Liedern will erklingen,
balkon- und paradieseswärts
ein Ständchen ihr zu bringen

Die selig an dem Gitter lauscht
den Seufzern, die ihr gelten,
und von den Tönen wie berauscht
versinkt in Liebeswelten.

Doch Trugbild alles, nur ein Traum!
Kein Liebchen wo zu sichten.
Die Laute fault im Kellerraum.
Romantik? Nur beim Dichten.

Der Tag, er wandert in die Nacht
ganz leise, ohne Lieder.
Die Sterne, die zur Glut entfacht,
schaun schweigend auf mich nieder.

Vielleicht Schwalben

vielleicht_schwalbenOb’s Schwalben oder Fledermäuse,
die draußen huschen pfeilgeschwind,
gar Mauersegler, dern Gehäuse
bei Tag und Nacht die Lüfte sind?

Doch da die wandelnde Laterne
grad erst sich neigt zum Horizont,
sind beide, Erd- und Himmelsferne,
noch immer morgendlich besonnt.

Die Wesen, die den Dämmer lieben,
das Dunkel zur Insektenjagd,
sind eh’r noch im Versteck geblieben,
selbst wenn sie dort der Hunger plagt.

Wie immer auch, die fleißgen Flieger
so flink den Straßenraum durcheiln,
dass stets mein Aug nur zweiter Sieger,
wenn’s gilt zu folgen diesen Pfeiln.

Ich kann die Brüder auch nicht stellen:
„Halt! Ausweis und Identität!“
Ein Vogel ist in solchen Fällen
beim ersten Piep schon abgedreht.

Ich werd wohl damit leben müssen,
dass diese Frage ungeklärt,
es sei denn, dass mit seinen Schlüssen
ein Kenner meine Weisheit mehrt.

Zunächst will ich mich denn begnügen
mit Fasslichem wie dem Papier,
das still, und doch Gedankenflügen
stets offen vor der Nase mir.

Wie’s letzte Licht liegt es ‘ne Weile
noch makellos und unberührt –
doch jäh durchzuckt es eine Zeile:
Was weiß selbst ich, wohin sie führt!