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Heiße Weihnacht

Heiße WeihnachtDas Weihnachtsfest steht vor der Türe
und hoch am Himmel das Gestirn,
das mit ‘ner heißen Maniküre
die Platte putzt dir überm Hirn.

Ja, ja, ihr habt es recht verstanden,
es herrscht noch eitel Sonnenschein,
dass unsereins aus Norderlanden
sich wundert überm Schlüsselbein.

Als heute wir vor Durst zerflossen,
hat uns ein Strandlokal gelockt,
bei dem die Wände nicht verschlossen
und halbwegs man im Freien hockt.

Mit kurzem Ärmel, offnem Kragen,
den Schuh am Holzfußbodenrand,
so schwelgten wir in Wohlbehagen
am Sommertag aus zweiter Hand.

Das Meer schlug weithin seine Falten,
die Möwen klaubten Fische raus,
um immer wieder Rast zu halten
am Ufer, Augen gradeaus.

Bevor erneut sie aufgeflogen
in Schwärmen auf ihr zappelnd Ziel,
und wiegten sich auch auf den Wogen
und nahmen teil am Wellenspiel.

Mit Klönen und mit Möwengucken
verging uns wie im Flug die Zeit.
Ihr sagt: Vertan? Kann mich nicht jucken.
Wir übten ja – Beschaulichkeit.

Sonne und sonne

Sonne und sonneAttacke, Leser, langzuweilen
dich mit ‘nem kurzen Trip zum Strand.
Da fand ich jedenfalls die Zeilen,
die schön hier aufs Papier gebannt.

Sie rieten mir zum Himmel droben –
du sagst, das sei nicht mehr in Schwang?
Den Einwand mal beiseit‘ geschoben:
Was für ein Sonnenuntergang!

Und nicht mal diese bunten Streifen
mit gelbem Schimmer, Rosenhauch,
wie sie mit langen Fingern greifen
der Kimm an ihren prallen Bauch!

‘ne endlos weiche Wolkendecke
war flauschig grau da ausgespannt
und ganz im Westen in der Ecke
ein Loch ihr glühend eingebrannt.

Die Sonne, klar, die vorm Finale
noch einmal durch den Vorhang späht,
zu prüfen, ob im Erdensaale
ihr Abgang zum Triumph gerät.

Mir schien das Schauspiel sehr gelungen,
auch wenn es nüchtern inszeniert
und still und leise ausgeklungen
wie’n Ton, der sich im Raum verliert.

Man kann sie wirklich nur beneiden,
die große Dame, makellos.
Mag sie uns lächeln, Fratzen schneiden:
Natur, ist immer sie grandios!

Flohzirkus

FlohzirkusDa strahlt er mitten überm Meere
Zufriedenheit behäbig aus,
als ob zu Füßen ihm nur wäre
ein einz’ger großer Augenschmaus.

Der Zustand scheint ihn nicht zu scheren,
in dem sich der und der Bereich,
er muss die Erde überqueren
und findet überall sie gleich.

Na gut, aus der enormen Höhe
nimmt er ja nur das Gröbste wahr,
Globalstrukturen und nicht Flöhe
wie diese Tier- und Menschenschar.

Und wenn, dann säh er nur Gewusel,
Gekrabbel ohne Ziel und Zweck,
als stünden alle unter Fusel
und hätten alle einen weg.

Das wär noch das geringste Übel,
dass man aufs Saufen nur erpicht
und hauptbeschäftigt mit dem Kübel,
in den man seinen Bauch erbricht.

Doch diese Hektik hat hienieden
durchaus und leider ihren Sinn:
Sie dient dem Krieg und nicht dem Frieden
und nur persönlichem Gewinn.

Die kurze Sicht: fürn Mond ein Segen,
der ja nur ewig abwärts schaut.
Sonst würd es Ekel ihm erregen,
der ihm die ganze Tour versaut.

Rentnertreff

RentnertreffIm Supermarkt, mich einzudecken
mit dem, was man so täglich braucht.
Ein Herr da, der an allen Ecken
mit seiner Karre um mich kraucht.

Und schließlich kommen wir zur Kasse,
ich vor ihm, er mir im Genick,
da fragt er was, und ich verpasse
ihm ein Retour mit viel Geschick.

Na, und so weiter und so weiter,
wie ein Gespräch sich halt entspinnt.
Er, wegen meiner Antwort heiter,
auf freundliche Vergeltung sinnt.

Gibt sich als jemand zu erkennen,
der schon seit Jahrn zur Winterszeit
sich von der Heimatstadt kann trennen,
damit er da nicht eingeschneit.

Und wie er hört, ich gleichfalls plane,
für länger hier am Ort zu weiln,
beginnt er mit ‘nem Affenzahne
mir goldne Regeln mitzuteiln.

Und ich, geduldig wie ein Engel,
ich lausche seinem Worterguss
so wie ein kleiner Ladenschwengel
dem Chef, dem er gehorchen muss.

Blick ich so blöd, um zu erfahren
dies Maß an Solidarität?
Ich kenn die Bude hier seit Jahren –
Berliner Schnauze, bellst zu spät!

 

Schlüsselerlebnis

SchlüsselerlebnisVom Meer hab ich schon oft geschrieben,
doch nicht ein einz’ges Mal vom Ort,
an den es mich hier angetrieben
als Strandgut aus Europa-Nord.

Drum hier die Hauptinformationen:
Vier Kilometer im Quadrat
sowie knapp viertausend Personen –
Einwohner, sagt der Bürokrat.

‘ne Straße zieht von einem Ende
sich breit und ampelfreudig hin
zum andern und zerteilt Gelände
im schönsten Autofahrersinn.

Doch diese Piste kann man meiden:
Ein Gässchen in der Häuserfront
lässt rasch die Augen einen weiden
an Wellen bis zum Horizont.

Dazu die alten Fischerhütten,
das Kirchlein, makellos in Weiß,
die Kutter, die den Fang verschütten,
dass sich die Möwe drin verbeiß.

Zig Gründe, um sich wohlzufühlen,
hat man seit je ‘nen Hang zum Meer,
und nachts das Bett nicht zu zerwühlen
in Träumen, die von Heimweh schwer.

Heut stand vorm Haus ich wie Piksieben,
ein neues Schloss war installiert.
Doch meine Nachbarn, diese lieben,
ha‘m ihren Schlüssel mir „kopiert“.

 

Am dunklen Strand

Am dunklen StrandAm Strand, die Beine zu verrenken.
Und Finsternis gibt’s oben drauf.
Nur an den Ponton-Muschelbänken
blinkt manchmal noch ein Flämmchen auf.

An ein’gen ausgewählten Stellen
hockt Möwenvolk in Kolonien
direkt am Fuß der Uferwellen,
die schäumend vor ihm niederknien.

Und auf des Meers vermummte Weite
stülpt düster sich das Firmament.
Schon ging der Mond so in die Breite,
dass von der Sichel er sich trennt.

Drum hat auch Venus ihn verlassen,
die nicht auf dicke Typen steht,
und birgt sich unter Wolkenmassen,
die Zephir gnädig nicht verweht.

Doch stößt du weder Kopf noch Wade,
weil’s an Beleuchtung dir gebricht;
denn durch die Nacht der Promenade
führt sicher dich Laternenlicht.

Man kann sich ihnen anvertrauen
auch ohne Kompass und Sextant
und furchtlos in die Ferne schauen,
die Beine immer fest an Land.

Und endlich wieder heim zu Hause,
nach langer Wanderung retour,
erblüht noch mal in meiner Klause
der ganze Zauber der Natur.

Standesunterschied

StandesunterschiedIn meinem Kirchlein gegenüber
trat heut wer in den Ehestand.
Der Himmel blau, kein bisschen trüber,
als ich ihn alle Tage fand.

Dem Brautpaar wünsche ich von Herzen,
dass dies ein gutes Omen sei
und ihm mit Küssen und mit Scherzen
versüßt des Lebens Einerlei.

Na, da ich dieses grad so denke –
was macht denn nun mein schönes Paar?
Sitzt wohl beim Feiern in der Schänke
und kriegt die Klüsen nicht mehr klar.

Die Gäste heiter, ausgelassen,
das Mahl, die Weine exquisit.
Und immer häuf’ger hoch die Tassen,
und immer öfter auch mit Sprit.

Das Leben hat ja erst begonnen,
rinnt noch nicht weit von seinem Quell,
und vor ihm liegen tausend Wonnen
und eine Zukunft, strahlend hell.

Auch ich bin in ‘nen Stand getreten,
so lange ist das noch nicht her;
indes nicht zum Altar gebeten,
zu seinem Gegenteil vielmehr.

Zu Rente, Ruh und letzten Dingen,
am Fluss noch, doch nicht auf dem Damm.
Wie gern würd ich mit ihnen singen,
doch nicht als Gast – als Bräutigam!

Heimliche Helfer

Heimliche HelferNein, aus den Augen nicht verloren
hab ich dich, einz’ge Leserin;
vor ihren Lidern, ihren Toren,
warst immer du – wenn auch nicht drin.

Verzeih mein unverzeihlich Säumen,
dich öfter einzubaun, gerührt,
und jenen Platz dir einzuräumen,
wie deiner Treue er gebührt.

Wem anders sollte ich denn weihen,
was unermüdlich ich erdicht,
wenn dir nicht und den andern dreien,
die’s sonst noch kriegen zu Gesicht?

Soll grad das Häuflein ich verprellen,
das meine Verse nicht zerreißt?
Man müsst mich in die Ecke stellen
für so ‘nen undankbaren Geist!

Ich weiß den Rückhalt wohl zu schätzen,
den deine Neigung mir verleiht,
und die Geduld, mich nicht zu hetzen.
Die Dinge brauchen ihre Zeit.

Denk nur, da kommt mir grad zu Ohren
was von ‘nem Kirchenaltenkreis:
Der Pfarrer gab da den Senioren
‘ne Probe meiner Künste preis!

Die Nachricht stimmt mich richtig heiter.
Dass das ich noch erleben kann!
Gemeinsam, Les’rin, gehn wir weiter.
Wir fangen ja bei null nicht an.

Heimspiel

HeimspielEs ist im Grunde wie zu Hause –
nicht ganz so kalt, das geb ich zu,
und zwei, drei Stunden Mittagspause
verschieben hier das Rendezvous.

Doch kann man locker sich gewöhnen
an diesen Rhythmus mittels Takt,
heißt: über Dinge nicht zu stöhnen,
die man hier anders nur verpackt.

Du brauchst was Frisches für den Magen?
Ein Supermarkt dir helfen kann.
Füll einfach deinen Einkaufswagen;
die Kasse zeigt die Rechnung an.

Du wechselst gern die Straßenseite?
Oh, Zebrastreifen dicht gesät!
Betritt sie mit des Fußes Breite,
und schon die Karawane steht.

Da ist nichts Fremdes rauszuholen:
Europa eben, eines Leibs,
vom Göttergatten Stier gestohlen
zur Freude seines Zeitvertreibs.

Bis auf die Wärmeunterschiede,
wie’s von ‘nem Körper man ja kennt –
hier sitzt am Feuer man der Schmiede,
dort fröstelnd weit davon getrennt.

Wie fröhlich hört ich gestern krähen
die Nachbarn außer Rand und Band:
Ich konnte jedes Wort verstehen –
von dem ich bloß kein Wort verstand!

Lichtblick

LichtblickDas ist ‘ne komische Geschichte,
die ich hier kurz erzählen will,
das heißt ganz ehrlich und bei Lichte
wär’s besser wohl, ich wäre still.

Egal – die Beine zu vertreten,
bin ich noch mal hinausgeschlüpft,
damit mir bei Garneln und Gräten
das Fischerherz so richtig hüpft!

Und, ihr seid selbst schon drauf gekommen,
verblichen war der liebe Tag,
dass mir nur dunkel und verschwommen
dies Nachtstück vor den Augen lag.

Das Meer, ein einz’ges schwarzes Schweigen,
da lag es glatt und unbewegt
und ohne dieses Falln und Steigen,
das seine Wellen weiterträgt.

Kein Glucksen, kein verhaltnes Lallen;
es war, als ob’s gefroren wär
zu finster-frostigen Kristallen
von Kohle oder Pech und Teer.

In diesem Flöz, das ohne Grenzen,
glomm nirgendwo ein Fünkchen auf,
kein goldnes Lämpchen, um zu glänzen
‘nem Schiff in seinem Schlingerlauf.

Und drüber sich der Himmel spannte
genauso finster und so fern.
Zwei Lichter nur, zwei unverbannte:
Der Mond nur und der Abendstern.