Heilfasten

Wie diese Bilder sich doch gleichen,
egal an welchem Erdenfleck:
Asketen, die der Welt entweichen
und ihrem niedren Lebenszweck.

Hier schließt sich in die karge Zelle
des Klosters ein der fromme Christ,
dass leidend er auf alle Fälle
dem Heiland schon mal ähnlich ist.

Und will mit stetem Schuldbekennen
und Fußfall vor dem höchsten Thron,
denselben Tag und Nacht berennen,
bis zum verdienten Himmelslohn.

Das ist ein ewiges Kasteien
und Flennen für die Trinität,
dass selbst es den geduld’gen dreien
womöglich auf den Zeiger geht.

Doch auch in anderen Regionen,
wo andre Götter man verehrt,
sieht manchen Heiligen man wohnen
in einer Hütte schlecht genährt.

Auch diesen der Erlösungswille
Beschwerlichkeit ertragen hieß
und macht ihm seiner Klause Stille
zum Vorgeschmack aufs Paradies.

Dass solche Praktiken was taugen,
erscheint mir ziemlich zweifelhaft.
Haben die Götter tausend Augen
und Ohrn mit Unterscheidungskraft?

Oder schon technische Verfahren
von derart überird’schem Stand,
dass ganze fromme Völkerscharen
persönlich in Datei‘n gebannt?

Aus obsoleten Geisteswaffen
ein glatter Fehlschuss allerdings:
Der diese ganze Welt geschaffen
mach alles andre auch mit links.

So wiegt man sich denn in dem Wahne,
dass der gewalt’ge Himmelsfürst
mit dem geringsten Untertane
nach ‘nem intimen Plausche dürst.

In Wirklichkeit sind die Gebete
ja bloße Monologe nur,
auf die durch irgendwelche Drähte
noch niemand ein Feedback erfuhr.

Und wem da scheinbar Stimmen klingen
aus seiner tiefsten Seele her,
wird keine Antwort doch erringen.
die nicht sein eignes Wünschen wär.

Kurz, wer sich diesem Weg verschrieben
vom Erdenstaub ins ew’ge Licht,
ist lebenslang wohl blind geblieben –
und selig in der Zuversicht.

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