In Windeseile

Der Wanderer in alten Zeiten,
die Beine bloß als Antriebskraft,
mocht noch so wacker er auch schreiten,
hat wenig Meilen nur geschafft.

Und wenn er in die Welt gezogen,
wie’s stolz in seinem Liede hieß,
ist meist er nur ums Eck gebogen,
wo gleich er auf die Fremde stieß.

Die aber größre Strecken gingen
taten’s der Landschaft nicht zulieb –
Scholarenvolk vor allen Dingen,
das es zu neuen Studien trieb.

Dazu noch, einzeln und in Scharen,
zu büßen oder bitten nur,
mit Stock und Hut oft zu gewahren
die Gläubigen auf Pilgertour.

Der Schuster blieb bei seinem Leisten,
den Bauern hielt die Scholle fest,
und bestenfalls die Fürsten reisten
und kamen mal aus ihrem Nest.

Den meisten war nur vom Erzählen
die große, weite Welt bekannt –
so barg man in den schlichten Seelen
ihr Bild allein aus zweiter Hand.

Wer hätte es sich träumen lassen,
dass einst sich in die Luft erhebt
der Höker mit dem Hintersassen
und über allen Wolken schwebt?

Und statt sich über Land zu schinden
in Tagen, Wochen der Tortur,
das fernste Ziel erreicht auf Winden
in einer Handvoll Stunden nur?

Man möchte heute nicht mehr missen,
dass so bequem und rasch man reist,
und macht sich selten ein Gewissen,
was das für unsre Umwelt heißt.

Doch wie wir schmerzlich grad erfahren,
kommt es auch sonst wie zum Konflikt,
wenn täglich Menschen man und Waren
in Massen um den Globus schickt.

Nicht jeder dieser Passagiere
bezahlt für Service und für Sprit.
Ganz ohne Piepen und Papiere
fliegt heimlich auch das Virus mit.

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