Schlüsselgewalt

Wird Zeit, die Zelte abzubrechen,
schon zog der Juli ja ins Land
und hielt grad heute sein Versprechen,
zu heizen bis zum Sonnenbrand.

Da muss man sich was bieten lassen –
so an die 34 Grad,
dass man die Barsche und die Brassen
beneidet um ihr Wellenbad.

Ob ich mal vor die Tür gegangen?
Bin ich denn blöde, oder was?
‘nen Stich hätt ich mir eingefangen,
ein Hemd zumindest, patschenass.

Das ist nicht meine Wetterlage,
ich leide eher wie ein Hund
und hechle meine Klimaklage
zu Hause aus dem Schattengrund.

Zum Glück hebt Mitte nächster Woche
mein Flieger Richtung Norden ab,
wo ich nicht in der Sonne koche
und jämmerlich nach Frische japp.

Die Meinung mag die Leute stören,
die absolut auf Hitze stehn
und, wenn sie „Strand“ und „Palmen“ hören,
die Augen gleich verzückt verdrehn.

Mag sein, dass fürn paar Urlaubstage
man wie im Paradies sich fühlt,
doch über länger wird’s zur Plage,
sofern man’s nicht herunterkühlt.

Ich lass mich gern mal draus vertreiben
vom sommerlichen Flammenschwert,
um mich als Kurgast einzuschreiben,
da wo es seltner niederfährt.

Im Gegensatz zu ‘n Urinsassen,
die ausgesperrt für alle Frist,
muss mich hinein doch wieder lassen
Sankt Peter, grimmig wie er ist.

Denn als ein pfiffiger Geselle,
ein Bruder Lustig gar, juchhei,
hat unsereins für alle Fälle
den Haustürschlüssel ja dabei!

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