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Die Schirmherrin

Auf einmal hat sich eingeschlichen
ein Schatten in den Strahlenglanz,
die Sonne ihrn Besuch gestrichen
für viele Stunden voll und ganz.

Stattdessen wälzten Wolkenmassen
sich übers Firmament dahin,
um fleißig Wasser abzulassen,
das ihnen reichte schon zum Kinn.

Den Kopf gesenkt, den Stoff erhoben,
der straff sich zwischen Speichen spannt,
die wenigen Passanten stoben
durch dieses feuchte Perlenband.

Doch plötzlich goss ‘ne Wolkenlücke
die letzte Pfütze aus dem Schuh,
und alle diese guten Stücke,
sie klappten unisono zu.

Nun galt es, sie auf alle Fälle
noch mitzuschleppen auf dem Weg,
dass hinter eigner Tür und Schwelle
man irgendwo sie trockenleg.

Da war auch einer in der Truppe,
auf den mein Auge just gezielt,
der war fast größer als die Puppe,
die fröhlich ihn am Wickel hielt.

Der streifte ihr zuerst am Leibe
und wackelte so nebenher,
bis sie wohl dachte, dies Gereibe
macht einem ja das Laufen schwer.

Und darum, schwups, mit beiden Händen
gepackt das ellenlange Ding,
dass es statt lästig an den Lenden
ihr rittlings überm Haupte hing.

So machte sie ‘ne Anzahl Schritte,
die Ärmchen ruhig ausgestreckt
wie’n Sieger, der nach alter Sitte
Trophäen in die Höhe reckt.

Doch schon bewegte sie sie wieder,
von einem Einfall angeweht,
und beugte rhythmisch auf und nieder
wie eine Hantel das Gerät.

Dann ist sie meinem Blick entschwunden
und mit ihr auch die große Fracht.
Die hat sie, so mit Jux verbunden,
ganz sicher gut nach Haus gebracht.

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Ein Regentag

Den ganzen Tag hat es gegossen
wie seit Äonen schon nicht mehr,
und wie aus prallen Schläuchen schossen
die Wassermassen kreuz und quer.

War das ein Prasseln und ein Platschen
aus diesem lecken Wolkentank,
dass in der Loggia selbst das Quatschen
fast bis zum Hals darin versank!

Setz einen Fuß mal vor die Türe
und zieh ihn schleunigst wieder weg –
der Regen (nix mit Pediküre!)
haut deiner Socke einen Fleck.

Der Innenhof mit seinen Fliesen
schwamm fingerdick in dieser Flut,
die ganz im Sinn der Expertisen:
Mehr Regen tät dem Stausee gut.

Mit diesem tröstlichen Gedanken,
dass Feld und Frucht sonst bald verdorrt,
geriet mein Rochus doch ins Wanken
auf die Beries’lung immerfort.

Ich habe einfach abgeschrieben
den Gang hinaus ins Freie heut
und bin im Trockenen geblieben,
wo man sich schließlich auch zerstreut.

Man führt ein Tässchen sich zum Munde,
indessen man ein Buch verschlingt,
und abends zur gewohnten Stunde
der Muse noch ein Ständchen bringt.

Da war sie auch schon angekommen
so treu wie Jockel auf den Pfiff,
das Abendrot noch kaum verglommen,
als ich zu Stift und Tinte griff.

Doch wie ich eben auf die Schnelle
das Erste zu Papier gebracht,
versiegt mit einem Mal die Quelle,
die meine Zeilen sichtbar macht.

Da hieß es denn im Finstern tappen
wie Blindekuh beim Kinderfest,
um irgendwo noch aufzuschnappen
mit Dusel einen Kerzenrest.

Der war aus ‘ner verstaubten Lade
am Ende denn auch exhumiert
und hat mit seinem Stummel fade
nichts als sich selbst illuminiert.

Je länger aber in der Bleibe
ich unversorgt vom Strome saß,
spürt desto stärker ich am Leibe,
wie sich die Kälte weiterfraß.

Doch eh ich jammerte und flennte
wie in des Hades Schattenreich,
fühlt irgendwie in dem Ambiente
den Dichterfürsten ich mich gleich.

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