Wichtiger Termin

Kein Abend von der Sorte heute,
wie ich seit ewig ihn gewöhnt,
dass Schlafsand über mich er streute,
bis meinen Sang ich ausgestöhnt.

Auch jetzt ich meine Zeilen ziehe
im Rhythmus, wie ihr Fuß enteilt,
indessen ich die Rebe fliehe,
die sonst an meinen Versen feilt.

Auch Mitternacht ist nicht die Grenze,
die frühestens ich überschreit,
wenn Tinte ich und Tinto lenze
im Vollbesitze meiner Zeit.

Heut muss ich früher in die Federn,
noch vor besagter Geisterstund,
als kurte ich in teuren Bädern
mit Schlaf und Wasser mich gesund.

Denn morgen heißt es sich erheben
beim zweiten, dritten Hahnenschrei
und nicht wie sonst im Kissen kleben,
bis schon die liebe Post vorbei.

Mit wachen, ausgeschlafnen Sinnen
will ich dem Tag entgegenziehn
und dem besonderen Beginnen
an diesem wichtigen Termin.

Das klingt verdächtig nach Examen,
bei dem nur so die Birne raucht
und, dass die Kräfte nicht erlahmen,
man erst einmal Erholung braucht.

So ähnlich. Doch auf alle Fälle
‘ne Sitzung, die was abverlangt,
hat wo man eine wunde Stelle,
die man ‘nem faulen Zahn verdankt.

Dann gilt es nämlich stillzuhalten
wie ein Rekrut in Reih und Glied,
bis sich die Spritzen voll entfalten
und extrahiert der Störenfried.

Die rücklings aufgebockte Lage,
die Stocherei im Rachenraum,
was immer ich auch sonst vertrage,
doch solche Backenstreiche kaum.

Erleichterung, wenn’s überstanden
und von den Schmerzen ich befreit;
doch werd hier wohl noch öfter landen –
er ruht ja nicht, der Zahn der Zeit.