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Wieder nichts

Wieder nichtsSo viel wurd neuerdings gemunkelt,
dass lang die Welt nicht mehr besteht,
weil sie sich schwuppdiwupp verdunkelt
und mir nichts dir nichts untergeht.

Da will ich für den Fall der Fälle
gewappnet sein fürs sel’ge End
und kliere hier noch auf die Schnelle
mein kreuzgereimtes Testament.

„Sofern nach Ablauf von Äonen
sich wiederholt der Schöpfungsakt,
solln fern’re Generationen,
finden sie denn dies Artefakt

Es besser mir in Ehren halten,
als meine Gegenwart es tut –
als Blumengruß von einem „Alten“,
der irgendwo im Kosmos ruht.

Auch will ich keineswegs verhehlen,
dass ich der Welt es nicht verarg,
sich Knall auf Fall davonzustehlen,
war sie verfault doch bis ins Mark.

Der neuen, folgend ihrem Fuße,
wünsch ich viel Glück auf ihrem Weg,
vor allem aber, dass auf Muße
und Poesie mehr Wert sie leg.“

Oh, Mitternacht schlug grad die Stunde:
der Tag des Zorns vorbei, vorbei!
Das heißt wir leben noch ‘ne Runde –
ein Prosit dir, mein Konterfei!

So dicht ich weiter notgedrungen,
begreifend nun die Prophetie:
Das Ende, das die Maya sungen,
galt vor der Zeit – und nur für sie!

Kabinettstückchen

KabinettstückchenIch hörte neulich da was läuten,
dass es uns merk(e)lich besser geht,
doch will ich dieses besser deuten,
weil es sich nicht von selbst versteht.

Es stimmt: Die Steuern sind gesunken
und goldner wurde mancher Schatz –
doch nicht um einen müden Funken
beim Volk: allein beim Spitzensatz.

Auch wahr: Wer Zahlungen versäumte,
die an den Staat zu leisten sind,
der bleibt fast straflos – falls er räumte
sein Geld in einen Auslandsspind.

Auch ist nicht von der Hand zu weisen:
Not findet immer mehr Gehör.
Doch jene nur in Bänkerkreisen,
vorzüglich für den Bankrotteur.

Und, klar, wünscht jeder Volksgenosse,
dass wen’ger Regulierung sei.
Erfüllt. Zumindest für die Bosse –
als Freibrief für mehr Schinderei.

Die Folgen, die sich draus ergeben:
Fast jeder hat jetzt Lohn und Brot.
Und reichen diese nicht zum Leben,
tut es der Zweitjob doch zur Not.

Zum nächsten wicht’gen Punkt, dem Wohnen:
Auch hier wurd fleißig reformiert.
Int’ressen sind noch mehr zu schonen –
des Wirts, der nach mehr Miete giert.

Nun, die Erfolge dieser Jahre
sind nicht nur so dahergesagt:
Statistik fasst in zahlenklare
Beweise sie, die hinterfragt.

Die Mittelschicht hat bluten müssen,
und abwärts ging die Reise meist,
um ihm den Hintern jetzt zu küssen,
dem Teufel, der „Bedürftig“ heißt.

Die Reichen trafen’s umso besser.
Dem zweiten Porsche folgt der Jet.
Langusten, Hummer, goldne Messer.
Da hungert sich kein Kind zu Bett.

Im bundesweiten Umverteilen
geht merk(e)lich vor man mit Bedacht:
Die schlimmsten Wirtschaftswunden heilen
lässt die man, die sie beigebracht.

So kann man’s Volk legal berauben –
das dabei auch noch stille hält:
Es schenkt dem Lügenmärchen Glauben,
gerecht sei unsre Arbeitswelt.

Und wer so blöd ist, nicht zu merken,
wie man ihn schamlos hintergeht,
wie soll der bei der Wahl nicht stärken
die Kraft, die ihm den Hals umdreht?

Ach, unsre pfiff’gen C-Parteien
erfanden diesen Teufelskreis:
Je wen’ger Bildung für die Laien,
desto mehr Ja für ihren Scheiß.

Ihr Motto: „Friede den Palästen,
den Hütten Krieg!“ Mit einem Wort:
den Unternehmer weiter mästen,
der Arme helf sich selber fort!

Wann nimmt das Volk, damit’s gedeihe,
des Wahlscheins Hammer in die Hand,
dass es mit einem Schlag befreie
dies merk(e)lich Ungelobte Land?

Noblesse

NoblesseWir wollen Grandseigneur ihn nennen,
denn was dem Nachbarland gefällt,
es passt auch diesseits der Ardennen
für einen, der auf Würde hält.

Wenn also wir zunächst beschauen,
was jener auf dem Leibe trägt,
dann können wir den Augen trauen,
wenn alles mehr ins Graue schlägt.

Von feinstem Tuch sind die Gewänder,
die seinem Körper er verehrt,
erzeugt durch jene kargen Länder,
wo man die beste Wolle schert.

Doch nicht in diesen schrei’nden Tönen,
mit denen sich der Pöbel ziert
und wie sie den Geschmack verhöhnen,
der in der Würze sich verliert!

Für einen solchen Distinguierten
geziemt sich nicht die bunte Schau;
er ist wie alle grau Melierten
das Gegenteil von einem Pfau.

Nun ja, so kleine Eitelkeiten
sind unserm Helden auch nicht fremd:
Monokel, um den Blick zu weiten,
ein Kettchen vorm gestärkten Hemd

Krawatte mit beperlter Nadel,
Manschettenknöpfe mit Brillant –
von Kopf bis Fuß gediegner Adel,
womöglich gar der Queen verwandt.

Und so wie die gewebten Waren
die eines bleichen Pierrot,
so sind auch Sprache und Gebaren
gemessen stets und comme il faut.

Er hält sich jederzeit im Zaume,
ein Muster der Besonnenheit;
geht stolz und steif in jedem Raume,
den man ihm als Kulisse leiht.

Wenn er mit jemand Worte wechselt,
dann mit gekonnter Bonhomie –
niveauvoll, aber nicht gedrechselt,
gehoben, doch nicht mit Chichi.

Kurzum, er fühlt sich überlegen
und freut sich seiner Dominanz,
tritt huldvoll aller Welt entgegen
und hält sie tunlichst auf Distanz.

Hat er vielleicht verborgnes Wissen,
gemurmelt aus Orakelmund,
sein feiner Zwirn würd nie zerrissen –
so täten es die Parzen kund?

Dass so er von erhöhter Warte
die eitle Welt belächeln kann,
weil selber er die Eintrittskarte
zum ew’gen Leben schon gewann?

Oder ist schlicht er nur ein Blender,
ein billiger Noblesse-Verschnitt,
‘ne bessre Art Klamottenständer,
der Menschliches nur stellvertritt?

Falls Delphi, hat zu seinem Schaden
missdeutet er die Raunerei:
Zerrissen wird er nicht, der Faden –
man schneidet einfach ihn entzwei!

Und dennoch ist er zu beneiden:
Gelassen steckt er alles weg.
Den Tod selbst würd er still wohl leiden –
doch, Jesses, keinen Soßenfleck!

 

Pseudokrupp

PseudokruppGranaten, Mörser, Panzerwagen,
Raketen, die in Häuser schlagen:
Profit!

Liegst mit dem Nachbarn du im Streit,
ihn schlichtet deutsche Wertarbeit:
Profit!

Du willst dir wen vom Halse schaffen,
da helfen deutsche Friedenswaffen:
Profit!

Wie tötet man Soldaten?
Lass dir von Deutschland raten:
Profit!

Wenn Fraun und Kinder sterben,
sich Windeln blutig färben,
wenn tausende verrecken
und wir dahinterstecken:
Profit!

Zu Wasser und zu Lande
enthüllt sich unsre Schande:
Die wir vorm Krieg uns zieren,
en gros ihn exportieren:
Profit!

Gewehr’ nur für Gebiete,
die frei sind von Gewalt?
Das ist die halbe Miete,
dass bald auch hier es knallt:
Profit!

Und unsre Waffenschieber,
die schlafen nachts noch gut?
Ja, Leute von Kaliber
erschrecken nicht vor Blut.
Wie andere Zitronen,
verhökern sie Kanonen:
Profit!

Die diese Deals erlauben,
sie gurrn wie Friedenstauben
und „unbedenklich“ heucheln,
wenn unsre Kugeln meucheln.
Der Staat kassiert ja Steuern,
wenn die Geschütze feuern
und macht auch seinen Schnitt:
Profit!

Die schlimmsten deutschen Güter
sind keine Ladenhüter;
sie gehen gern auf Reisen,
ihr Herz aus Stahl und Eisen
verkraftet jeden Ritt.
Der Tod fährt mit:
Profit!

Die Waffen helfen sterben,
sind Spielzeug nicht aus Holz.
Sind wir denn Nazi-Erben,
genauso kalt und stolz,
dass wir nicht sehn die Wunden,
die einst wir selbst empfunden?
Für schäbigen Profit!

O Schmach dem deutschen Wesen,
an dem, statt zu genesen,
die Welt krepieren muss;
der Heimat der Betreiber
global zerfetzter Leiber,
erstickt im Judaskuss.

O bitter zu erkennen,
dass morden wir und brennen,
schön weit vom Schuss entfernt.
Aus Deutschland dieser Meister,
er treibt es wieder dreister,
er hat’s noch nicht verlernt!

 

Rechtsstaat

RechtsstaatWenn der Arme dem Reichen schenkt, dann lacht
der Teufel.

Italienisches Sprichwort

Du glaubst, es geht mit rechten Dingen
und hübsch geregelt seinen Gang
von Flensburg bis nach Sindelfingen,
von Zwickau bis nach Hindelang?

Das heißt das Land, in dem wir leben
mit ‘nem perfekten Staatsorgan,
sei stets bemüht, sich abzuheben
von Birma und Tadschikistan?

Verbal gewiss. In tausend Worten,
die mit Emphase vorgebracht
an tausenden verschiednen Orten,
an denen Politik gemacht.

Doch Vorsicht, alles nur Fassade:
Hier hat die Lüge Konjunktur.
Für die ist keiner sich zu schade,
der scharf auf fette Pfründen nur.

Da gilt’s den Eindruck zu erwecken
in Reden, sorgsam ausgefeilt,
des Ganzen Wohl nur zu bezwecken,
wobei die Lasten man verteilt.

Ach, nee. Doch lässt geschickt man offen,
wie die Verteilung funktioniert.
Die Wahrheit nämlich macht betroffen:
Allein das Volk wird angeschmiert.

Die eh genug im Säckel haben
des Fiskus dieb’sche ELSTAR schont,
doch fressen den dieselben Raben,
der hungermäßig nur entlohnt!

Soll man es demokratisch heißen,
wenn einem, der den Staat beklaut,
statt ihm die Weste zu entweißen,
man goldne Steuerbrücken baut?

Soll man es demokratisch nennen,
wenn Brüdern man, profitverliebt,
die Geld in großem Stil verbrennen,
stets neues in den Hintern schiebt?

Soll es für demokratisch gelten,
wenn sich der Reichen Sore mehrt,
indes für Schulden, die geschwellten,
der Staat die leersten Taschen leert?

(‘ne „Reichensteuer“ hierzulande
bekäm ‘ne Chance im Kabinett
im Sinn nur, dass dem reichen Stande
der arme noch zu geben hätt!)

Und heißt es demokratisch handeln,
wenn schriftlich man die Not fixiert,
nur um die Fakten zu verschandeln,
indem man sie zurechtfrisiert?

Das ist mir ja ein schöner Laden,
in dem auf wundersame Art
(fürs Kapital, dem Volk zum Schaden)
das ganze Geld auf „Klassenfahrt“!

Was soll’s indes – nur Spiegelfechten.
Stumm lässt sie melken sich, die Kuh.
Mit Dingen geht es schon, mit rechten,
das heißt mit linken wen’ger zu!

 

Planung

PlanungPunainen mökki, peruna maa
(„Rotes Häuschen und Kartoffelfeld“, d. h. genug fürs Leben),
finnisches Sprichwort

Hab ich mir jemals groß Gedanken
über den Lebensweg gemacht?
Mein Ehrgeiz hielt sich stets in Schranken,
mein Sinn stand nie nach Prunk und Pracht.

Was lernen, ‘nen Beruf ergreifen,
der mir gefällt und mich ernährt,
auf alles andre konnt ich pfeifen;
Karriere? Muster ohne Wert.

Gemächlich und in Frieden leben
mit jemand Liebem im Verein;
auf Macht nichts und auf Mammon geben,
ein Mensch nur unter Menschen sein.

So war auch nie ich mir im Klaren,
was einmal aus mir werden sollt –
wo zu Dentisten und Notaren
die meisten wurden doch gewollt!

Zu Ärzten und zu Professoren,
zu Ökonomen, Ingenieurn,
um in ‘nen Job sich zu verbohren,
auf dessen Rang und Ruf sie schwörn.

Ich ließ mich einfach immer treiben
von Neugier, Neigung, Lethargie,
um stets ein Vagabund zu bleiben
im Märchenland der Fantasie.

So mocht es wohl für Nahrung reichen,
doch nicht für Gold und Ehrenpreis.
Der Zufall stellte mir die Weichen –
bis hin zum Rentnerabstellgleis.

Doch hier, von jedem Zwang entbunden,
mich zu erklärn für dies und das,
hab endlich ich mein Ziel gefunden:
den Musen dienen, dem Parnass.

 

Trautes Heim II

Trautes HeimDie schönen Wochenendvergnügen
sind abgehakt nun und passé.
Man lebt nicht mehr in vollen Zügen,
hockt häuslich auf dem Kanapee.

Statt live sich auf Arenabänken
zu räkeln und auf Plüschgestühl,
muss man auf Filme sich beschränken
mit virtuellem Weltgefühl.

Und statt der delikaten Speisen,
die außer Hause man goutiert,
lässt man Kartoffelchips nun kreisen
und teilt ‘ne Tüte sich zu viert.

Dem übermächt’gen Herdentriebe
für ein’ge Stunden man entsagt
und weiht sich der Familienliebe,
zumindest bis der Morgen tagt.

Inmitten städt’scher Wüsteneien
aus Mauerstein, Asphalt und Müll
sieht wie Oasen man gedeihen
der Stuben flimmerndes Idyll.

Und dunkel mag die Ahnung keimen,
dass mehr noch als bei Tageslicht
in diesen nächtlich blauen Heimen
das Volk mit einer Stimme spricht.

Sei’s Sport („Der Schiri ist ‘ne Pfeife“),
sei’s Krimi („Weiß schon, wer es war“),
die Augen wachsam gehn auf Streife
und finden jedes Suppenhaar.

Und falls zum gleichen Mist bekennen
sich alle beide, Mann und Frau,
muss man die Ehe glücklich nennen
vom Spielfilm bis zur Tagesschau.

Ich kann die Leute nur beneiden,
die so harmonisch und konform,
und sich ins gleiche Nachthemd kleiden
als Bürgerliebesuniform.

Kein Extraspaß am Wochenende,
kein Alltagsglück mit Kind und Weib –
mein Palmenhain im Ödgelände:
‘ne Musenkunst als Zeitvertreib.

Natürlich gar nicht zu vergleichen
mit Nähe und Gemeinsamkeit.
Von Chips indes und Fernsehleichen
bin so ich immerhin befreit!

 

Heroen

HeroenWie sie noch auf dem Sockel thronen,
die Großen der Vergangenheit,
einst herrschend über Millionen –
millionenfach mit Tod und Leid!

Mit festen Füßen auf der Erde
in stolzer Pose sie verharrn,
oft auch im Sattel mächt’ger Pferde,
die drohend mit den Hufen scharrn.

So herrschen sie auf unsren Plätzen
noch heut mit Basiliskenblick,
wo die Touristen grad sie schätzen
fürn flüchtigen Erinn’rungsklick.

Indes auch andre Monumente
hat ihrm Gedenken man erbaut –
jedoch mit ähnlichem Akzente,
wenn in die Chroniken man schaut.

Im Nimbus ihrer Heldentaten,
die meistens doch kein Ruhmesblatt,
sieht durch die Bücher man sie waten,
wie jeder Schüler sie noch hat.

Da geistern sie durch manche Seiten
als Schlachtenlenker und als Held,
wie sie für edle Ziele streiten,
bis neidisch sie das Schicksal fällt.

Und spuken so in vielen Köpfen
bis heut als musterhaft herum,
wo sie fürs Schinden doch und Schröpfen
verschleudert ihr Ingenium.

Ja, dieses Purpurpack von Schlächtern,
das nur nach Land und Gold gegiert,
zu Heiligen und Tugendwächtern
ist nachgerade es mutiert.

Die Brüder, macht- und siegestrunken,
zu jeder Gräueltat bereit,
sie wären Mörder und Halunken,
am Maß gemessen unsrer Zeit!

Doch niemand, der sie von der Schwelle,
der hoh’n, des Denkmals stürzen mag –
indes von jedermann Appelle,
beschwörend zum Volkstrauertag.

Die Seiten endlich rausgerissen,
geschrieben mit der Völker Blut,
wo man Gekrönte ohn’ Gewissen
als „groß“ verewigt und als „gut“!

Sie warn so schlimm wie ihre Zeiten,
genauso schrecklich und brutal;
das mildert ihre Scheußlichkeiten,
wenn überhaupt, nur minimal.

Raus also mit dem Straußenhaupte
aus diesem denkvergessnen Sand,
und fort die Achtung, die verstaubte,
die ihnen stets nur Kränze wand!

Wo bleibt der Mut, sich zu bedienen,
wie Kant gefordert, des Verstands?
Es läuft sich leicht in alten Schienen,
in ihrem abgefahrnen Glanz…

Der Autokrat

Der AutokratEr duldet keine Widerrede.
Was er verordnet, wird gemacht.
Zuwiderhandeln hieße Fehde –
und dann, mein Lieber, gute Nacht!

Humor ist ja nicht seine Sache,
fasst alles gleich persönlich auf.
Und seine erste Regung: Rache,
kommt ihm der „Lümmel“ vor den Lauf.

In allem will er recht behalten,
der andern Meinung ist ihm schnurz.
Drum gibt’s bei ihm kein Haarespalten –
wenn Diskussionen, dann nur kurz.

Liebt’s eh nicht, richtig zuzuhören
dem „überflüssigen Gesülz“,
doch sehr, den Redefluss zu stören
mit Katarakten jäh’n Gebrülls.

Da braucht er sich nicht anzustrengen,
ist von Natur er doch schon laut –
schlägt Stentor (wisst ihr noch?) um Längen,
dem er die Technik abgeschaut.

Das heißt ihm platzt auch leicht der Kragen
und mit demselben die Geduld:
Die Order solln rasch Früchte tragen,
wo nicht, sind „diese Stümper“ schuld.

Im Umgang, klar, mit seinen Leuten
bleibt Etikette ungenutzt –
wie anders sollte man es deuten,
dass er sie stets herunterputzt?

Ein Ekel also sondergleichen,
das völlig aus dem Rahmen fällt
für einen, der gewicht’ge Weichen
im Netz der Unternehmen stellt?

Gewiss nicht. Solche Firmenflegel,
geschniegelt und auf hohem Ross,
sind in Etagen ja die Regel,
in denen wirtschaftet der Boss.

Und jeder ‘n ausgebuffter Blender,
der auf die große Pose schwört,
‘n kapitaler Sechzehnender,
so wie er geht und wie er röhrt.

Dabei dynamisch, fit, gediegen;
stets auf dem Posten, niemals krank.
Mit einem Wort: nicht totzukriegen.
Nur biologisch. Gott sei Dank!

Abendlied

AbendliedHätt ich’s nicht tausendmal beschworen,
weiß Gott, ich pfiff’s euch wieder zu –
das Lied der Nacht, die just geboren
aus Dämmerung und Abendruh.

Doch will ich nicht den Mond besingen,
wenn er sich groß mit Licht auch sträubt,
so wenig wie die Engelsschwingen,
die ganz mit Sternengold bestäubt.

Kein Wörtchen auch von jener Kühle,
die dampfend aus den Mauern steigt,
dass sie die Straßen überspüle
mit einem Dunst, der frostig schweigt.

Und auch den Wind soll nicht beschreiben
die Feder, die ich heute führ,
der flau vom fleiß’gen Blättertreiben
jetzt nicht mehr rüttelt an der Tür.

Noch wen’ger will ich davon schwätzen,
dass kaum ein Auspuff wo noch pafft
und Autos nicht mehr heimwärts hetzen
mit zügelloser Pferdekraft.

Ja, auch der Vögel nicht gedenken,
die ihre Flüge eingestellt
und keinen müden Piep mehr schenken
der kalten, sonnenlosen Welt.

Geschweige Menschen denn beschwören,
dern Schritte hier und da noch halln,
die umso deutlicher zu hören,
da jäh sie in die Stille falln.

Nein, nein, ich will euch heut nicht quälen
mit Sprüchen, die schon so ‘nen Bart,
und euch die Zeit, die kostbar, stehlen
für ‘ne poet’sche Butterfahrt.

Da wir nun einmal Nacht schon haben
und mörderisch gespannt ihr seid,
will ich nach seltnen Versen graben
im Schutze dieser Dunkelheit.

Schon kommt mir einer auf die Schippe,
den, Jesses!, ich noch nie gesehn:
„Als Sokrates würd mit Xanthippe
allmählich ich jetzt schlafen gehn.“

Ein Schmuckstück. Doch herbeigezogen
wie an des Kairos schopf’gem Haupt.
Na, nichts für ungut; bleibt gewogen,
dem, der euch so die Nerven raubt!