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Sommerleid

SommerleidEin Tag so Ende Mai.
Die Luft ist schwer und schwül.
Mein Körper klebt wie Brei
im feuchten Amtsgestühl.

Ein Tag so Ende Mai.
Die Sonne brennt und sengt.
Der Himmel, blau hoch drei,
den Erdkreis sacht umfängt.

Ein Tag so Ende Mai.
Ich bete still um Wind.
Ein Tröpfchen mir dabei
den Nacken runterrinnt.

Ein Tag so Ende Mai.
Und jäh Gewölk zuhauf.
Was soll die Grummelei?
Gewitter ziehen auf.

Ein Tag so Ende Mai.
Der Regen prasselt schwer.
Doch alles rasch vorbei –
der Schwüle Wiederkehr.

Ein Tag so Ende Mai.
Wie doch der Herbst verwöhnt!
Dass niemals Sommer sei,
wenn man nur schwitzt und stöhnt!

Ein Tag so Ende Mai.
Viel fehlt nicht, und ich koch.
Gedanken, die sonst frei,
gehn jammernd unterm Joch.

Ein Tag so Ende Mai –
doch keiner, den man pflückt.
Anis und Akelei,
ich werd noch mal verrückt!

Stille Dämmerung

Stille DämmerungEs dämmert, und aus meiner Stube
blick auf die Stadt ich, die versinkt.
Kein bisschen Rot mehr in der Tube,
nur Grau, das mit dem Tode ringt.

Grad gegenüber, scharf gestochen,
mit weiß gekalkter Außenhaut,
‘ne Hauswand wie ein Wüstenknochen,
der bleich an seiner Dürre kaut.

Es scheint kein Lüftchen sich zu regen.
Die Fahne hängt wie eingerollt,
die sonst mit Stößen und mit Schlägen
frenetisch schwenkt ihr Schwarzrotgold.

Und auch der Bäume dichte Mähne,
die gern gelöst im Winde fliegt,
betont das Schweigende der Szene,
indem sie still vor Anker liegt.

Auf diesen regungslosen Lüften
schwingt auch kein Ton sich in die Welt –
es ist so lautlos wie in Grüften,
wo hörbar jedes Stäubchen fällt.

Soll eine Nacht das vorbedeuten,
die friedlich ihre Stunden zählt,
zu einem Morgen sich zu häuten,
den Eos rosenrot beseelt?

Falls die Auguren sich nicht irren,
ist der Idylle nicht zu traun.
Wie Krähen die Gerüchte schwirren,
der Wind würd nicht mehr lange flaun

Und plötzlich sich zum Sturm erheben,
als hätt ‘nen Drachen man geweckt,
der für ein Nickerchen mal eben
sich wo im Winkel ausgestreckt.

Nun, wie auch immer die Prognosen,
tangiern sie mich nur peripher –
die üblichen Metamorphosen.
Als ob das Wetter statisch wär!

In wie viel Kalmen und Orkane
war wechselnd schon mein Haupt getaucht;
da oben auf dem Dach die Fahne,
wie oft zerfranst und aufgebraucht!

Man fügt sich den Gegebenheiten.
Und Schluss jetzt mit der Verseflut!
Werd „Pegi“ morgen weiterreiten –
wenn’s sein muss, auch mit Regenhut.

Kafka

KafkaDer Kafka war ein armer Hund.
So reich an düstren Fantasien:
Kein Schwein hat ihm ein Ohr geliehen.
Rieb sich umsonst die Pfote wund.

Saß Tag für Tag wo im Büro:
Da braucht’s statt Fantasien Fakten.
Im Grabesgrau der tausend Akten
ruhn still und staubig sie en gros.

Obwaltend drüber der Pedant.
Der pflegt die Wissenschaft im Kleinen:
Das Härchen, mag’s auch dünn erscheinen,
er nie genug gespalten fand.

Den Kafka hat’s gewiss gequält.
Muss ständig über Schoten brüten,
die ihm die Mühe erst vergüten,
wenn alle Erbsen ausgezählt.

Wie er nach Feierabend schreit!
Die Feder auf das Pult geschmissen,
den Deckel auf das Stempelkissen,
das Werkzeug seiner Leidenszeit!

Und macht sich auf ins Labyrinth,
des eignen Geistes Dunkelkammern,
von Heftern, Lochern frei und Klammern –
voll Schaffenskraft, bewusst und blind.

Wenn er dann Eignes schreibend spricht,
von einer Bilderflut verschlungen,
die zu bezähmen ihm gelungen,
hält unbarmherzig er Gericht.

Die Klagepunkte insgesamt
kann man mit einem wiedergeben:
Die Welt, in der wir Menschen leben,
gleicht einem ungeheuren Amt.

Ein endlos langer, dunkler Gang.
Und links und rechts die gleichen Türen.
„Hier nur Entrichtung der Gebühren“.
Und Wartende, gebückt und bang.

Was geht da hintern Türen vor?
Hermetisch bleiben sie geschlossen.
Da sitzt auf ihren hohen Rossen
die Macht, die jedes Maß verlor.

Man steht wie vor ‘ner Klagewand
und harrt auf ein Erlösungszeichen,
indes die Stunden weiterschleichen
wie angepappt mit Klebeband.

Man ist ganz förmlich einbestellt
und weiß nicht, wegen welcher Sache –
als müsste mit man auf die Wache,
nur weil‘s dem Schupo so gefällt.

Als Bürger ist man Delinquent,
das heißt auf Deutsch, nix als a Wanzen,
und bleibt’s durch sämtliche Instanzen,
die der vertrackte Rechtsweg kennt.

Der Kafka war ein armer Hund.
Wollt heimlich nur, im Stillen kläffen
und schließlich gar die Segel reffen
vor seiner frühen letzten Stund.

Gottlob dass uns erhalten blieb,
was er in Flammen wollt vernichten
und, dies zu sichern und zu sichten,
wer seine Absicht hintertrieb.

Ist das nicht etwa auch grotesk
gleich diesem aussichtslosen Streben,
den Dingen einen Sinn zu geben,
dass erst posthum er kafkaesk?

Dagegen gewettert

WärmeeinbruchHört sie sich wieder überschlagen,
die Wetterfrösche von Beruf,
wie sie der Herr mit Schlips und Kragen
fürs Mediengequak erschuf.

Kaum steigen unsre Hitzegrade
auf fünfundzwanzig oder mehr,
klingt ihre Stimme (eher fade),
als ob sie ausgewechselt wär.

Auf einmal: Was für ein Volumen
und was für eine Ausdruckskraft!
Und wie die Floskeln plötzlich boomen,
mit denen man Extreme schafft!

Man tut es nicht mehr unter „super“
(„sehr schön“ wär einfach obsolet),
weil jeder dieser Sesselpuper
auf Höhenflüge sich versteht.

Du bist allergisch gegen Hitze
und ziehst ein Schattenplätzchen vor?
Es hämmert dir der Radiofritze
nur „Sonne“ ins genervte Ohr.

Vielleicht hast du ‘nen Schrebergarten,
als Bauer sogar Feld und Flur?
Dass manche heiß auf Regen warten,
versaut den Jublern nicht die Tour.

Selbst Leuten, die jetzt höllisch leiden,
zum Beispiel weil sie asphaltiern,
die Funk-Euphoriker bescheiden:
Mehr Schwitzen wir euch garantiern!

Als ob sie, Klippschulabsolventen,
mit Algebra im Widerstreit,
nur diese eine Gleichung kennten:
Mehr Sonne: Mehr Zufriedenheit.

Soll meinen Ärger ich verbeißen;
schreib ich ‘ne E-Mail (Leserbrief)?
Man wird sich nicht am Riemen reißen –
das schöne Hoch, es sitzt zu tief!

Hommage

HommageDer Mond ist aufgegangen
am Himmel, der verhangen,
und folglich nicht zu sehn.
Ich muss mich drum beschränken,
bloß lyrisch mir zu denken,
wo ihm die Hörner stehn.

Den Regen und sein Rauschen
würd liebend gern ich tauschen
mit abendlicher Ruh.
Ich höre jeden Tropfen
an meine Scheibe klopfen,
staccato und per Du.

Dies noch zu überschreien,
erklingen jetzt Schalmeien
mit Blaulicht, tütata!
Ein Irrwisch auf der Gasse
mit zackig roter Masse –
die Feuerwehr ist da!

Als würd es noch nicht reichen,
der Hölle halb zu gleichen,
geht ein Getöse los.
In knatternden Kaskaden
sich Blitze kalt entladen
als Böller furios.

Die Schritte auf dem Pflaster
verraten späte Laster –
ein Freier? Ein Bandit?
Und Reifen, Reifen, Reifen,
die surrend sich verschleifen
zum Straßenwiegenlied.

Wieso bin ich noch Mieter,
wo Dezibel Gebieter
bei Tage und bei Nacht?
Ach, so allein zu wandeln
zwingt auch allein zu handeln –
was eher träge macht.

Drum sperr ich meinen Jammer
in dieser Verse Kammer,
die kaum nur einer kennt.
Wie lieb wär mir gewesen,
geduldig sie zu lesen,
der Mond als Rezensent!

Tröstende Oliven

Tröstende OlivenOliven führe ich zum Munde,
schwarzbraun und fleischig, pflaumengroß,
zu meiner späten Dichterstunde,
die düster ist und sternenlos.

Der Wein: Von jener zarten Röte,
die auf Auroras Wangen liegt.
Aus Kreta, wo des Hirten Flöte
bisweilen noch Apoll besiegt.

Oliven, Wein, Salamischeiben,
die schöne Trias vis-à-vis:
Genügend Kraft, um anzutreiben
das Schwungrad meiner Fantasie.

Und draußen rauscht der Regen,
zerrinnt am Fensterglas,
der Jahreszeit entgegen,
sich steigernd ohne Maß.

Des Frühlings Band, das blaue,
das hübsch wer einst besang,
entfärbte sich ins Graue
den lieben Himmel lang.

Fassaden, stumm und dunkel,
verziehen kein Gesicht.
Ein glitschiges Gefunkel
tanzt im Laternenlicht.

Oliven: Schwarze Sonnen
aus schimmerndem Geäst,
ihr Glanz, zu Fleisch geronnen,
macht mir die Nacht zum Fest.

Ein Dankeslied

Ein DankesliedDie Hand, die schreibend ich bewege,
der Finger, der den Kuli hält,
dem Verse folgend, rasch und rege,
dass nichts ihm aus der Reihe fällt,

Der Fuß, der auf der kühlen Fliese
den Hauch des Abends stärker spürt,
und der mich uzt, der Schattenriese,
der haargenau wie ich sich rührt,

Der Hintern, der auf hartem Stuhle
geduldig auf dem Kissen harrt,
dieweil ich mit den Musen buhle,
unsterblich (aussichtslos?) vernarrt,

Die Stirn, die sich so manche Stunde
mir brütend übern Tisch gebeugt,
dass eines Liedes Klang und Kunde
sie aus dem Hirn dahinter zeugt:

Wie selbstlos sie, wie treu sie waren,
wenn ich zum Musendienst sie rief!
Wie zuverlässig in den Jahren,
dass keines einen Vers verschlief!

Und ich: Wie blind bin ich gewesen,
dass sich mein Blick vor ihnen barg –
von diesem Übel nun genesen,
spür ihren Wert ich doppelt stark.

Habt Dank, ihr meines Leibes Teile,
die ihr so klaglos mit mir klingt!
In jeder Strophe, jeder Zeile
die Saite eures Wesens schwingt!

Das Blatt, dem Worte ich verliehen,
wie leer es wäre sonst und stumm!
Von eures Fleisches Harmonien
zehrt weidlich mein Ingenium.

Gern will ich, Helfer, euch bekennen,
doch euch zu wissen, fordert Zoll:
Schon fühl ich untern Nägeln brennen
die Frage, wie es enden soll.

Denn Hand und Hintern, Fuß und Auge,
bewahren sie wohl ihre Kraft
dem Hirn zuliebe, dass es tauge
zu lebenslanger Dichterschaft?

Mögt ihr gesund und rüstig bleiben,
dem Alter eine Nase drehn,
damit ich schludern kann und schreiben
noch ewig über dies und den!

Die Zähne mürb, das Haar gelichtet,
ein Bäuchlein baumelnd vor dem Bug –
so siechend, der den Schrott hier dichtet,
und hat noch immer nicht genug?

Ach, mag der Körper auch verrotten,
das Herz schlägt noch im alten Ton,
um der Vergänglichkeit zu spotten
mit jeder neuen Kreation.

Selbst wenn die Jahre dir enteilen,
verwittert, was dich einst geziert,
säst Schönheit du in deine Zeilen
zum Zauber, der sich nie verliert.

Kunstgriffe

Die Kunst der StundeDie Kunst, wie soll man sie beschreiben?
Ich mein: Was macht ihr Wesen aus?
Wenn ich jetzt reime „Fensterscheiben“,
bin ich als Dichter schon fein raus?

Das kann nicht sein. Ich wälze Schriften.
Gedrucktes tut ja Wahrheit kund.
Kein Zweifel soll mir je vergiften
dies Manna aus Expertenmund.

Doch halt, hier stock ich schon
(um den „Olympier“ zu zitieren) –
die Schriften sind Legion:
Wo mag die Wahrheit mitmarschieren?

Horaz, der Elegien großer Meister,
bewies auch diesbezüglich seinen Rang.
Die Musen, riet er dem Talent, begeister
mit Tricks und Regeln auch für deinen Sang!

Beschrieb in der „Poetik“ detailliert
die Klippen, die es zu umschiffen gilt,
damit nicht spurlos sich verliert
das Wort, das unserm Kiel entquillt.

Soll ihm der Wahrheit Palmenzweig gebühren?
Wenn einem, sicher, dann Horaz –
wird zum Parnass er auch nicht führen
den Gipfelstürmer zweiten Grads!

Die Normen, die er klug ersonnen,
verwandt er selbst nur virtuos –
ach, Schafe tränk an goldnen Bronnen,
ihr Blöken werden sie nicht los!

Zuerst Talent, das höchste Muss.
Dann: Lieder, reifend im Gehirn.
Dazu ein Schreiber, gut in Schuss,
Gedankenknäuel zu entwirrn.

Fühl zum Poeten dich berufen,
scharr, Pegasus, mit deinen Hufen!
Denn Chuzpe ist die halbe Kunst
beim Aufstieg in der Massengunst.

Ein schlimmes Schicksal überdies
kann dich zum Könner küren:
Der Ruf des leidenden Genies
erschließt sich Herzenstüren.

Exzentrik kommt dir auch zugut.
Nur immer alles hübsch verquer!
Das Einhorn liebt man, die Chimär’,
nicht Mäuse, grau, mit Doktorhut.

Indem ich mich so dreh und winde,
mal hier, mal da den Reim postier –
ob dadurch ich dann glücklich finde
des Dichterruhmes Elixier?

Die Form, sie führ kein Eigenleben,
schmieg innig sich dem Inhalt an:
Was würd ich für Terzinen geben,
wie Dante göttlich sie ersann!

Dass einer in den andern schlinge
sich kettenmäßig Glied für Glied,
so reiht die Reime er zum Ringe,
den er um alle Sphären zieht.

Und weg von ausgelatschten Pfaden:
Mit kühnem Salto querfeldein
und Frischluft in die Lunge laden –
der halbe Dichter-Führerschein!

Doch so dantesk wird’s nicht gelingen
das Neue, wenn es wild gewollt.
Lass wie im Rausch den Stümper singen:
Du hörst nur einen Trunkenbold.

Sind Reim und Rhythmus dir gelungen,
sind Klang gefällig und Gehalt?
Schon Gründe für Belobigungen –
doch Lorbeer nicht im Blätterwald.

Die Speisen, die wir täglich kauen,
sind sie Gemenge nur, Gemisch?
Gekröse auf des Gaumens Auen,
Kaldaunen nur von Kutterfisch?

Gewürz muss rein und Hitze,
und alles wohldosiert,
worauf das Ganze schwitze,
akribisch terminiert.

Und schließlich noch ’ne Prise
von irgendeinem Kraut,
geheim trotz Expertise,
dem Koch nie abgeschaut.

(Ui, hat der Vers mich Zeit gekostet!
Ihr Musen, sagt, wo seid ihr hin?
Glaubt nicht, dass ich am Ende bin:
Denn nur wer reimet, der nicht rostet.)

Bei diesem wieder gab’s kein Zaudern:
Momente nur hat es gebraucht.
Verzeiht dies Aus-der-Schule-Plaudern –
doch seht auch, wie das Dichten schlaucht!

Lernt man Gedichte nach Rezepten?
Poetiken sind Schall und Rauch.
‘ne Handvoll Tricks für die Adepten –
der Rest kommt aus dem hohlen Bauch.

Versuch mal, so was zu erklären,
was unbewusst mit uns passiert!
Willst deinen Bauch du Mores lehren,
damit sein Knurren ihn geniert?

Vorsingen

VorsingenNun denn, mag es auch unnütz scheinen,
ein wesenloser Zeitvertreib,
ich halt mich damit auf den Beinen,
heißt: leidlich frisch an Geist und Leib.

Zum Sammeln bin ich nicht geboren,
was immer fürn Objekt es sei,
und auch die Entenjagd in Mooren
geht locker mir am Arsch vorbei.

Auch Schweinsgalopp auf langen Bahnen
in Läufen der diversen Art
hab anders als die Steinzeitahnen
ich satt und träge mir erspart.

Im Keller an Maschinen schrauben
war ebenfalls noch nie mein Ding,
so wenig wie für Gartenlauben
mein Hobbyherz je Feuer fing.

Mit Leib und Seele mich verschreiben
‘nem Sportverein, der angesagt?
Mir reicht’s, ein fauler Fan zu bleiben,
der mal nach der Tabelle fragt.

Das heißt: So viele Steckenpferde –
und keins, das mir gefallen kann.
Doch statt als Anlass zur Beschwerde
nahm eher ich‘s als Chance an.

So ist es schließlich denn gekommen,
dass ich als hoffnungsloser Fall
die Höhen des Parnass erklommen,
zu üben mich als Nachtigall.

Da sing ich nun ‘ne gute Weile
mit Leidenschaft aus vollem Hals
und weiß doch nicht, ob Amors Pfeile
schon folgten meiner Musenbalz.

Die Schönen geben sich verschlossen,
ihr Herz in Dornen eingefasst,
dieweil des seinen Blut vergossen
der Sänger ohne Ruh und Rast.

Womöglich finden sie zu fade
des Vogels kultivierten Sang,
dem schrillen lauschend der Zikade
von wildem, kakofonem Klang?

Das wäre nicht nach meiner Mütze –
so monoton dahingezirpt
wie neunundneunzig Liegestütze,
durch die man ein Diplom erwirbt.

Da kratzfußbuckel ich doch lieber
noch weiter vorm Kulturpalast –
an Lorbeerlaub ein Kohldampfschieber,
der Höhenluft zumindest prasst.

Störfeuer

StörfeuerIm Hintergrund ein Wetterleuchten,
das blinkend übern Himmel streicht,
als ob im Schlummer Sterne keuchten,
dern Atemzug als Licht entweicht.

Da braut und brodelt ein Gewitter,
das schon von fern mit Blitzen droht,
damit das Hasenherz erzitter,
noch eh es übern Löffeln loht.

Ich schreibe furchtlos einfach weiter,
als ging das Ganze mich nichts an;
doch schon erscheint der Feuerreiter
und brennt und zündelt, wo er kann.

Und das mit einem Mordsgetöse,
dass zu man sich die Ohren hält
und Hasenherz mitsamt Gekröse
fast in den Hosenboden fällt.

Doch schwächlich von Geburt an Gaben,
hat’s auch den Ehrgeiz mir erweckt,
durch jeden Tunnel mich zu graben,
in dem ein Fünkchen Hoffnung steckt.

Die Stirn geboten den Gewalten,
die das Inferno inszeniern,
doch selbst das Wasser nicht mehr halten,
das wie im Fluge sie verliern!

Und unbeirrbar fortgeschrieben
die Verse unter Donnerhall
und Blitzen, die wie Flocken stieben
im Kältekatastrophenfall!

Dann kommt es, wie es kommen musste:
Der größte Hammer macht mal schlapp,
und wegen hoher Blutverluste
zieht hier die Hölle wieder ab.

Doch abgelenkt von dem Spektakel,
wand träger sich mein Zeilenwurm –
drum klier ich hier die letzten Krakel
schon in der Ruhe nach dem Sturm.