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Unstillbare Jagdlust

Unstillbare JagdlustEin Löwe in Finanzgeschäften,
trägt hoch er sein entmähntes Haupt;
Rivalen beißt er weg nach Kräften,
dass keiner ihm die Beute raubt.

Ein Panzerhemd ist nicht vonnöten
für seine geist’ge Muskeltour,
er trägt für einen Haufen Kröten
die Stoffe von Armani nur.

Sein Outfit für die vielen Stunden,
die in Gesprächen er verbringt
in kleinen und in großen Runden,
bis golden ihm die Sonne sinkt.

Doch selbst der höchste „Leistungsträger“
empfindet Urlaub als Genuss,
und mancher wird zum Großwildjäger,
weil er sich mal entladen muss.

Wobei als Zeichen seiner Größe,
die er sich selber zuerkannt,
und dass ihm keiner Angst einflöße,
als Wildfang dient der Elefant.

Berappt dazu die zwanzig Mille
für die Lizenz und seinen Tross
und löchert mit der Kugelzwille
von fern den friedlichen Koloss.

Womit er wieder mal bewiesen:
Das schlimmste Tier von Kap zu Kap
lebt von Profiten und Akquisen
und schreibt die Erde langsam ab.

Fahrtenschreiber

FahrtenschreiberWas, wie, wann, wo? Wer kennt das Ende
der Rundfahrt durch die Erdenwelt –
da selbst den Anfang man nicht fände,
weil andere den Platz bestellt?

War immerhin ‘ne schöne Reise,
soweit man’s jetzt schon sagen kann.
Die Wagenräder liefen leise,
im Gleichschritt zog das Rossgespann.

Vorbei an tausenden Stationen
mit ihrem wechselnden Gesicht –
Altären, Kanzeln, Kaiserkronen,
Gemüsemarkt und Amtsgericht.

Und keiner hat dich überfallen,
sogar in tiefster Waldesnacht
hört‘ man das Halali nur schallen,
doch die Trompete nicht zur Schlacht.

Nur in der Ferne immer flammten
mal hier, mal da die Brände auf,
wo Böcke sie in Mauern rammten
in mörderischem Amoklauf.

Könnt es denn so nicht weitergehen
erschüttrungsfrei im Zuckeltrab,
bis sich die Augen blindgesehen
und abgewetzt der Wanderstab?

Würd jener Regel widersprechen,
die irgendwo ein Ziel verlangt.
Da gilt die Tour es abzubrechen,
selbst wenn sich Efeu darum rankt.

Notturno

NotturnoWie immer kam hereingekrochen
auf Spinnenfüßen ohne Laut
und ungesehen, ungerochen
des Tages schwarzvermummte Braut.

Im Freien hockt sie unter Sternen
und stumm und regungslos verharrt
und hält in Händen die Laternen
wie Kerzen, die zu Stahl erstarrt.

Die Nacht lässt sich jetzt früher blicken,
als sie im Sommer es gewohnt,
lauscht schon um acht, halb neun dem Ticken
der Uhr, die überm Kühlschrank thront.

Und schickt vertraulich ihre Schatten
ringsum in jeden Winkel rein,
wobei mir allerdings zustatten
das Lämpchen kommt mit seinem Schein.

Das lässt sich niemals unterkriegen
trotz seiner zierlichen Statur
und streut getreulich und gediegen
die Lichtpartikeln bis zum Flur.

Dem Blatt verbleibt genügend Helle,
dass Hand und Auge sich verstehn
und auf dem Weg zur Musenquelle
nicht fälschlich auseinander gehn.

Im Dämmer dieser stillen Stunde
sitzt ewig brütend der Poet
und ringt sich aus dem Herzensgrunde
sein heidnisch-frommes Nachtgebet.

 

Schnippchen schlagen

Schnippchen schlagenSchon wieder Herbst, September wieder.
Dem Sommer geht die Puste aus.
Das Korn fällt auf die Knie nieder.
Der Himmel zieht die Stirne kraus.

Und früher übern Hals gestiegen
kommt diebisch uns die Dunkelheit,
da wir ein erstes Frösteln kriegen,
wenn Sturm uns in die Löffel schreit.

Der Abendmond trägt schon den Schleier
aus feinstem flandrischen Batist:
Nur hinderlich, wenn er im Weiher
sich durch die Entengrütze frisst.

Das grüne Gold der Eichenkronen
glänzt üppig noch um Zweig und Ast –
doch bald auch diese Baumikonen
der Pesthauch des Verfalls erfasst.

Na gut, das ew’ge Stirb und …
Ich sag’s erst gar nicht, kennt man doch;
verkriech mich hinter meinem Herde
und nudel Verse noch und noch.

Das Flämmchen, in Gedanken schweifend,
das rechts hier auf dem Tisch postiert,
als Freudenfeuer eh’r begreifend
denn als ein Grablicht deprimiert.

Ja, so ein Rentner hat gut reden:
Der Herbst flößt Schrecken ihm nicht ein.
Er spinnt schon seine Winterfäden
nach Süden in den Sonnenschein.

 

Etwas Farbenlehre

Etwas FarbenlehreMan hockt, die Menschheit zu beschallen
mit unerhörter Verse Klang
und läuft dabei Gefahr zu fallen
in Schmalz doch alle Nase lang.

Kaum hat den Pinsel man erhoben,
die ersten Striche zu vollführn,
zwingt irgendwas im Hirn da oben
dich, kräftig Farben anzurührn.

Doch statt die Strophen zu beleben
mit Tönen, sparsam ausgestreut,
erliegt dem Trieb man, dem Bestreben,
das sich am Blumigen erfreut.

Man fährt da noch in alten Gleisen,
die die Romantiker gebaut
und immer noch die Richtung weisen
dem Künstler, der nach hinten schaut.

Nicht einfach, da die rechte Weiche
zu finden aus dem Schienenstrang,
dass man nicht ewig weiterschleiche
als Bummelzug von Kuhdorfrang.

O Herr und Meister jener Pfeife,
die alles in Bewegung setzt,
befrei mich aus der Wahnsinnsschleife,
die endlos mich im Kreise hetzt!

Wer hätte sich wohl träumen lassen,
dass so ein Trillerer nach Plan
sich mit den Musen sollt befassen?
Ein Notfall. Höchste Eisenbahn!

Immer hin und her

Immer hin und herPhilosophie der Klimazonen:
Im Sommer Wärme, moderat,
empfiehlt im Norden dir zu wohnen
auf kühlen 55 Grad.

Doch winters ist den Frostgefilden
der Süden weitaus vorzuziehn,
wo im Dezember noch, im milden,
der Sonne große Kraft verliehn.

Dies, kurzgefasst, die reine Lehre,
die wetterfühlig wer erdacht,
als ob ihm völlig schnuppe wäre,
wie solcherart Spagat man macht.

Mit schweren unsichtbaren Ketten
hält dich der Job am Platze fest,
der nicht zu jeder Zeit dich jetten
und keinesfalls für länger lässt.

Und könnte man denn seinen Lieben
so einfach mal ‘ne Nase drehn,
um nach dem Motto abzuschieben:
„Bis nächstes Jahr, auf Wiedersehn“?

Ja, wär man im Besitz von Flügeln
und sonst auch wie ein Vogel frei,
vermöchte man wohl abzubügeln,
was an dem Trip bedenklich sei.

Doch solche Leute gibt es viele!
Geborgte Schwingen, rascher Flug –
so finden sie die fernsten Ziele.
Ornithologisch: Rentnerzug.

Schwere Lider

Schwere LiderWie ärgerlich, sich jäh zu trennen
von seinem Lieblingssteckenpferd,
weil langsam schon die Augen brennen,
der Müdigkeit geheimer Herd.

Obwohl noch die Gedanken schweifen
im Zauberreich der Fantasien
und hier und da sich Bilder greifen,
gerahmt auf Verse sie zu ziehn.

Und da auch noch die flüss’gen Reben,
des Dichters süße Arzenei,
den Geist mit solcher Kraft beleben,
als ob ihm nichts unmöglich sei.

Der Pinsel, Kuli notabene,
noch lauernd in der Rechten liegt,
weil er vom Quell der Hippokrene
den Hals noch immer voll nicht kriegt.

Die Segel also vor dem Winde,
am Horizont schon Land in Sicht –
Kommando ree!, was, noch gelinde,
für ausgemachten Blödsinn spricht!

Der allerdings ist anzulasten
der strengen Fuchtel der Natur,
die Nacht für Nacht uns zwingt zu rasten
nach abgehakter Tagestour.

Und selber für die müden Knochen,
verrentet schon und altersschlapp,
wird diese Regel nicht gebrochen:
Der Sandmann kommt und streut dich ab!

 

Brühkünste

BrühkünsteGelegentlich bei schmaler Rente
schafft man sich doch mal Neues an:
Von der Maschine ich mich trennte,
aus der bisher mein Kaffee rann.

Wobei ich nicht mal von alleine
auf die Idee gekommen bin,
denn Freunde machten mir erst Beine
mit einem Tipp so obenhin.

Die Neue die gemahlnen Bohnen
nicht mehr als Haufen filtern lässt –
sie unterteilt sie in Portionen,
die sie in flache Säckchen presst.

Das war’s auch schon. Nur wen’ger Masse.
Heiß Wasser drüber, stripp, strapp, strull,
und unten lauert schon die Tasse
und süffelt sich die Plautze vull.

Sehr praktisch, muss ich schon gestehen.
Man häufelt und man löffelt nicht –
ein Pad nur, und im Handumdrehen
Aroma in den Zinken sticht.

Das Ding war mir sofort willkommen.
Gering der Aufwand, rasch die Lust.
So habe freudig ich genommen
schon manche Bohne mir zur Brust.

Kaffee im Beutel: Die Methode,
als ob sie nicht schon älter wär!
Doch eben frisch und groß in Mode –
mein letzter Tee ist Wochen her!

Mondlose Nacht

Mondlose NachtAnstatt massiv sich aufzustauen,
verteilten übern Himmel sich
die Wolken, die beim Mondbeschauen
mir andernfalls sehr hinderlich.

Doch war die Sicht auf den Trabanten
auch so noch völlig ungewiss,
da Nebel ihre Netze spannten
zum Trocknen in die Finsternis.

Und warn auch winzig ihre Maschen,
es schlüpften immer wieder doch
die Schauer durch, die kurzen, raschen,
und machten alles trüber noch.

Was letztlich nicht verhindern sollte,
dass er verschwommen wo zu sehn.
Doch ich konnt glotzen, wie ich wollte,
er ließ mich heut im Regen stehn.

Da fing es langsam an zu dämmern
dem Hirn, das manchmal sich verrennt,
dass sie nicht jeden Abend hämmern
die Scheibe da ans Firmament.

Prosaischer gesprochen: Nächte,
in denen dieser Spaß entfällt,
sind mondlos und nach höchstem Rechte
den andern völlig gleichgestellt.

Mag astronomisch das auch stimmen,
wird’s dicht’risch auf den Punkt gebracht:
Sieht Mondlicht man in Wolken schwimmen,
erschaut das Urbild man der Nacht!

Im gleichen Rhythmus

Im gleichen RhythmusWenn morgens ich dem Pfühl entstiegen
und blinzelnd meinen Tag beginn,
lass alles erst mal links ich liegen
und schlafwandle zum Radio hin.

Knips an, und aufgeweckte Töne
verscheuchen meine Müdigkeit:
Ein Moderator plus Gedröhne
der Popmusik, die hip zurzeit.

Ich aber will vor allem wissen,
wie’s heute mit dem Globus steht,
da ich in meinem Schlummerkissen
nicht mitgekriegt, wie er sich dreht.

Die Nachrichten will ich befragen.
Bedeutungsvoll und schön sonor
hör meistens Tote ich beklagen –
was anderes kommt wen’ger vor.

So ist die Welt sich treu geblieben,
stell wieder mal enttäuscht ich fest.
Geschichte wird nicht umgeschrieben.
Gewalt auch heute, Not und Pest.

Und immer wieder Kriege, Kriege,
die alte Mordlust im Quadrat.
Millionen Menschen für zwei Siege.
Der Feldherr freut sich. Psychopath!

Ich schalte ab. Folgt Körperpflege
und was man macht von Stund zu Stund.
Kein Ärger, keine Schicksalsschläge.
Auch etwas Leerlauf, ja, na und?