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Erstaunliche Faszination

Erstaunliche FaszinationDas Unbeschreibliche beschreiben:
Hier noch ein kläglicher Versuch.
Ich soll bei meinem Leisten bleiben?
Ja, Tinten- und Papiergeruch!

Wie Salz und Wind die Nüstern locken
des Typen, der zur See geborn,
so muss ich in der Stube hocken,
den Ruf der Musen in den Ohrn.

Und Antwort geb ich immer wieder,
weil sie es wünschen, per Gedicht,
bis endlich mal eins dieser Lieder
dem göttlichen Geschmack entspricht.

Vom Meer ich heute ihnen künde,
da zieht‘s mich oft am Abend hin.
Als ob ich vor ‘nem Teerfass stünde –
ach was, schon eher mittendrin!

‘ne Finsternis vor meinen Augen,
dass Kohle selbst davor verblasst!
Am Rand nur wie bei Seifenlaugen
ein bleicher Schaum, der Fuß nicht fasst.

Nichts kann die Blicke auf sich lenken.
Das Schwarz reicht bis zum Himmel rauf.
Nur draußen an den Muschelbänken
blinkt müde noch ein Lichtchen auf.

‘ne wässrig-wüste Langeweile,
die langsam an der Nacht erstickt.
Warum denn bloß ich zu ihr eile?
Weil meine Uhr genauso tickt?

Relativ ruhig

Relativ ruhigHeut wird die Stille unterbrochen,
die sonst im Hause ich erlebt.
Geräusche stets ans Ohr mir kochen,
wie’s Blasen aus der Pfanne hebt.

Es muss an diesem Freitag liegen,
der voll aufs Wochenend gestimmt
und möglichst viel davon zu kriegen,
sich jetzt schon jede Freiheit nimmt.

Ringsum was für ein Budenzauber;
das kichert, schwatzt und quietscht nur so,
und zwar je später, desto tauber
fürs angemessne Lärmniveau.

Das ist wohl kaum zu übertönen,
von Menschen schwerlich jedenfalls;
der Himmel nur kann mächt’ger dröhnen,
wenn er mal brüllt aus vollem Hals.

Und prompt, als wollte er’s beweisen
der übermüt’gen Erdenbrut,
schickt Blitz und Donner er auf Reisen
in finstrer, jäh erwachter Wut!

Ist das ein Flackern und ein Krachen
da übern Bergen, überm Meer,
und stürzt sich noch mit hundert Sachen
‘ne ganze Sintflut drüber her!

Mir wird ein bisschen flau im Magen.
Im Hause herrscht nun Stille pur.
Ach, lieber sein Gekreisch ertragen
als diese Hölle der Natur!

 

Kurzer Wetterbericht

Kurzer WetterberichtNun ist es also losgegangen.
Die Wolken haben schwarz wie Rauch
längst übern Bergen schon gehangen
und tags dann überm Meere auch.

Und wie wenn wer mit einem Schlage
‘nen prallen Wassersack zerfetzt,
ergoss sich jäh ‘ne Regenplage
vom Firmament zu guter Letzt.

Und riss in ihrem blinden Sturze
auch gleich das Thermometer mit,
das eben noch im Lendenschurze
behaglich durch die Sonne schritt.

Man spannte Schirme auf zum Schutze,
ging hastig in den Wind gestemmt,
zog übern Kopf sich ‘ne Kapuze
und ‘nen Pullover übers Hemd.

Von oben Schauer volle Kanne,
von unten Spritzer vom Gestein –
dem heißen Fett gleich in der Pfanne,
nur kälter und ins Hosenbein.

‘nen Hund würd man hinaus nicht jagen.
Man bleibt zu Hause, wenn es geht –
denn besser als ein hoher Kragen
ist allemal ein Heizgerät.

Die ganze Wucht des Wetters spüren,
den bittren Kelch der Jahreszeit,
sie, die da vor den Ladentüren
als Bettler immer dienstbereit!

Abfallromantik

AbfallromantikEs war schon Abend und ich schnappte
den prallen Küchenbeutel mir,
den in der Tonne ich verklappte
in meinem hies’gen Müllrevier.

Was schwatzt der, mag nun mancher denken,
der hier nur Schutt und Abfall sieht;
füllt er mit Unrat und Gestänken
am Ende noch sein saubres Lied?

Im Gegenteil: Ich will euch zeigen,
wie schön man seine Reste räumt –
das Meer im Blick, den Wellenreigen,
die Brandung, wie sie schwillt und schäumt.

Und das vor nächtlicher Kulisse:
Der Himmel schwarz und sternbesonnt,
und auf der Fahrt ins Ungewisse
ein Schiff am dunklen Horizont.

Hell strahlt die Reihe der Laternen
am kleinen Strandweg, dicht an dicht,
und taucht die Häuser und Tavernen
in gelblich-grelles Geisterlicht.

Wo wären krasser die Kontraste?
Da brodelt uferlos die See,
und hier der Zipfel, den man fasste,
dass man auf festem Boden steh.

‘ne Grenzerfahrung sozusagen,
das heißt: kein geistiges Idyll.
Die Welt ist stets zu hinterfragen;
bei Nacht und Nebel selbst – und Müll.

Wieder Stubenarrest

Wieder StubenarrestMan hat nun mal nur dieses Leben
und weiß doch öfter nicht so recht,
womit sich sinnvoll abzugeben,
vor allem wenn das Wetter schlecht.

So platzte heut nach vielen Tagen
mit unverschämtem Sonnenschein
den Wolken schließlich mal der Kragen:
Sie nässten voll die Erde ein!

Und dieser Himmel, kaum zu trennen
von seinem blendenden Azur,
er war nicht wiederzuerkennen
in der verwaschenen Montur.

„Zu Hause bleiben!“ die Parole,
schön Kaffee trinken, Buch vorm Bauch;
das Meer, den Hafen und die Mole,
die gibt es morgen sicher auch.

Doch träge wälzen sich die Stunden,
wenn bloß man auf dem Hintern hockt,
und wollen nicht die Uhr umrunden,
selbst wenn mit süßem Schlag sie lockt.

Wie ist die Aussicht für das Wetter?
Auch morgen ziemlich regenfroh.
Doch tags darauf naht schon der Retter:
Der Himmel schickt Hoch soundso.

Ich kann es wirklich kaum erwarten.
Mehr Kaffee schaff ich einfach nicht.
Und Tag für Tag die gleichen Schwarten?
Dann lieber Sonne: Leibgericht!

Längerer Tapetenwechsel

Längerer TapetenwechselNoch niemals war ich wohl so lange
getrennt von meiner Heimatstadt –
zwei Monate an Stück und Stange,
zwei Seiten vom Kalenderblatt!

Das ist nun mal ‘ne andre Nummer,
als wenn man zwei, drei Wochen bloß
zu hektischem Erholungsschlummer
vorübergehend „arbeitslos“.

Den flücht’gen Urlaubsgast vergessen,
den eiligen Touristen kann,
wer länger hier schon eingesessen
und dennoch nicht auf Rückkehr sann.

Ist es der Sonne zu verdanken,
die frostige Gefühle schmelzt,
dem Meere, wie’s mit leichtem Schwanken
sich offen in die Weite wälzt?

Sind es die alten Fischerkaten,
die hart an Gischt und Brandung stehn
und aus der Fassung nicht geraten,
wenn Stürme ihre Stirn umwehn?

Ist es der Berge mass’ge Mauer,
die aus dem Hinterlande steigt
und die dem staunenden Beschauer
das Gegenbild des Wassers zeigt?

Wie alles dies mich schon erfreute
und lieber wird von Tag zu Tag!
Ein Vivat drum auf Land und Leute –
und dass auch mich man mögen mag!

Richtiges Urlaubswetter

Richtiges UrlaubswetterDa sitzt ihr alle schon und wartet
auf meinen täglichen Bericht,
der offen und nicht abgekartet
hier von der Wetterlage spricht.

Nun ja, ‘ne kleine Stufe runter
ging’s mit der Tageswärme heut,
obwohl bei 16 Grad mitunter
nicht unbedingt der Winter dräut.

Das war es, wenn ich mich nicht täusche,
denn alles andre blieb konstant.
Der Himmel ohne Wolkenbäusche
und von der Sonne blaugebrannt.

Der Wind nur mäßig und verhalten
wie auch schon seit geraumer Zeit.
Ich wiederhole mich: Beim Alten
die ganze Wetterherrlichkeit.

Ihr aber wollt von Stürmen hören,
die aufgewirbelt Meer und Sand
und heulend wie in Teufelschören
die Küstenstriche überrannt?

Nein, damit kann ich euch nicht dienen;
was aber ganz und gar nicht heißt,
dass Petrus uns nicht solche Minen
mal in die stillsten Lüfte schmeißt.

Das wäre, im Jargon zu bleiben,
zum Beispiel ‘ne Gewitterfront.
Auch die würd ich euch gern beschreiben –
dass euer Neid sich darin sonnt!

 

Göttliche Muße

Göttliche MußeMan kann noch immer draußen sitzen,
die Sonne heizt noch tüchtig ein;
Pulloverfreunde müssen schwitzen,
nur wer ein Hemd trägt, der hat Schwein.

Das Meer liegt einem vor der Nase
mit seinem trägen Wellenspiel.
Man döst sich in die Schlummerphase
und hofft auf Bronze fürs Profil.

Dies ist die Art, sich zu entspannen,
hat grade man ein Meer zur Hand.
Die Götter, die es einst ersannen,
haben’s wohl ebenso verwandt.

Indes der Fischersmann sich plagte
für seine dürre Flunderfracht
und notfalls an den Gräten nagte,
hat ihm der Fang nichts eingebracht

Und auch die Möwe nur mit Mühe
sich über Wasser hielt und Gischt,
indem sie in der blauen Brühe
beharrlich nach dem Fleisch gefischt

Sich jene auf die Liege streckten,
um diesen müßig zuzuschaun,
wobei sie auf der Zunge schmeckten
geharzten Nektar an Kapaun.

Gedanken, die mich so beschleichen,
wenn faul ich in der Sonne hock.
Dass heut gar Rentner ihnen gleichen –
wie leben Götter mit dem Schock?

Südliche Wärmelehre

Südliche WärmelehreMan kommt hier mit den Jahreszeiten
so recht nicht weiter, wie man’s kennt
aus seinen borealen Breiten,
wo scharf man ihre Herrschaft trennt.

Hier reichen sie das Zepter weiter
diskret, als wär’s ein Löffel nur,
was offensichtlich alle heiter
und gleich stimmt in der Prozedur.

Werdet ihr’s glauben, wenn ich sage,
der Januar hat sich aufgerafft,
und dennoch ist die Wetterlage
noch/schon/und immer frühlingshaft?

Seit Wochen herrlich helle Bläue
sich ungetrübt am Himmel spannt,
in die die Sonne stets aufs Neue
als flücht’gen Fleck sich eingebrannt.

Nur manchmal sich zusammenrotten
zu Haufen, schwarz und schwer im Wind,
die Wolken, des Azurs zu spotten
mit Regen, der schon rasch verrinnt.

Doch seltner noch sieht man hier blitzen
des Schnees kristallisch-klare Glut,
die auf den höchsten Bergesspitzen
und nur im tiefsten Winter ruht.

Und so mit immer warmen Ohren
behaglich durch das Jahr man wallt.
Die Grenzen haben sich verloren –
die Nächte nur sind winterkalt.

 

Kurzfristig verschoben

Kurzfristig verschobenEin Bergdorf stand heut auf der Liste,
das längst besuchen wir gewollt;
so wartete ich auf die Kiste,
die mich dahin kutschieren sollt.

Der Tag war wie dazu geschaffen,
dass raus man in die Hügel fuhr,
um unverhohlen zu begaffen
den prallen Busen der Natur.

Die Sonne hatte schon am Morgen
den Himmel blitzeblank gefegt,
so dass wir ohne Regensorgen
im Freien hätten uns bewegt.

(Wenn man das stundenlange Sitzen
auf ‘ner Terrasse, die besonnt,
und Häppchen zwischendurch stibitzen
noch sich bewegen nennen konnt!)

Doch diese prächt’ge Perspektive
für ‘nen genießerischen Tag
und meine Freude, die naive,
erhielten plötzlich einen Schlag.

Der Wagen, mich zu transportieren
mit zwei Personen im Verein,
war plötzlich angefüllt mit vieren –
‘ne fünfte passte nicht mehr rein!

Ich schluckte die Enttäuschung runter,
erholte mich vom ersten Schreck
und sagte mir, schon wieder munter:
Die Berge laufen ja nicht weg.