Archiv der Kategorie: Natur

Nicht risikofreudig

Nicht risikofreudigAm Meer, was für ein buntes Treiben!
Die halbe Welt zieht es dahin,
um in ihr Tagebuch zu schreiben:
Jetzt bin ich, wo ich glücklich bin!

Zwar sind verschieden die Int’ressen
bei dieser hormonellen Kur,
doch geht es meist ums Kräftemessen
mit den Gewalten der Natur.

Da ist der Fischer, der die Netze
um das Getier der Tiefe schlingt
und zum Gewinn der schupp’gen Schätze
mit Stürmen um sein Leben ringt.

Da ist der Seemann, der die Fluten
als Handelsweg zu nutzen pflegt
und dem auf bodenlosen Routen
Freund Hein schon mal ein Schnippchen schlägt.

Da ist der Sportler, Jachtbesitzer
oder ‘nes Surfbretts Eigner nur,
der mit dem flotten Wellenflitzer
schon manch riskante Kurve fuhr.

Was aber von den Kreuzlern sagen?
Schippern sie still und sicher nicht?
Ihr Abenteuer ist der Magen:
ob er’s behält oder erbricht.

So oder so mich zu bewähren,
dagegen bin ich wohl immun.
Die See mag gähnen, sie mag gären –
ich lass den Blick nur auf ihr ruhn.

 

Abseits des Strandes

Abseits des StrandesObwohl direkt am Meer ich hause,
hab ich es heute nicht gesehn
und war doch raus aus meiner Klause,
auf Wochenzeitungspirsch zu gehn.

Hab halt den Strandweg nicht genommen,
lief nur die Avenida lang,
auf der ich auch zurückgekommen –
kein Meerblick und kein Wellenklang.

Nur ein paar Schritt entfernt vom Strande
ist’s aus mit all der Herrlichkeit.
Da döst das Dörfchen im Gewande
des Städtebaus moderner Zeit.

Die Häuserzeilen – strammgestanden!
Die Einzelblocks – in Reih und Glied!
Und präsentiert, soweit vorhanden,
den Klinkerstein – sonst Eternit!

Dem Meer läuft jämmerlich zur Seite
der ganze Schund, der menschgemacht;
Mixtur aus Hässlichkeit und Pleite,
der Gier nach Mammon dargebracht.

Und um das Bild noch zu verschärfen,
im Hintergrund dies Bergmassiv,
das wohlgeübt im Faltenwerfen,
natürlich, nobel und sportiv.

Das Meer besinnlich anzuschauen
wird mancher ja wohl niemals satt.
Vielleicht weil jene Art zu bauen
er dann nur noch im Rücken hat.

Möglichst mit Meerblick

Möglichst mit MeerblickIch weiß nicht, was die Leute haben –
die wollen immer nur das Meer
so eigensinnig wie die Knaben
ihr allererstes Schießgewehr.

Was gibt es denn da groß zu gucken?
Geplätscher bis zum Horizont;
und wenn die Winde es mal jucken,
dann brodelt es auf breiter Front.

Dazu die Emmas, wie sie trudeln
mit viel Gewese und Gekreisch
und die, wie mancher Typ auf Nudeln,
ganz jieprig auf Sardinenfleisch.

Und täglich dieses Häufchen Dampfer,
das eifrig in die Fische geht
wie unsereins in’n Sauerampfer,
wo hier und da ein Pilzchen steht.

Wär auch die Sonne noch zu nennen,
die theatralisch oft versinkt –
der halbe Himmel scheint zu brennen,
wenn sie um ihren Abgang ringt.

Mehr hat der Zuber nicht zu bieten
mit seinem ganzen Wasserzeug.
Warum sie da ‘ne Bude mieten,
dass man ihn Tag und Nacht beäug?

Doch wie soll grade ich das wissen?
Muss für befangen mich erklärn.
Mocht schon als Kind das Meer nicht missen –
das scheint wohl nicht mehr zu verjährn.

Festtagsausfahrt

FesttagsausfahrtWie sie da hoch und höher ragten,
die Wellen außer Rand und Band,
und wutentbrannt ans Ufer jagten,
auf Klippen stürzend sich und Sand!

Und ständig diesen Sturm im Nacken,
der immer tiefer sich verbiss,
um Wunden ihnen einzuhacken,
dass Schaum sich von den Lefzen riss!

Ein ganzer Kranz von ihrem Geifer
fraß stetig in die Bucht sich vor
dank dieser Brandung Feuereifer,
der sich im Winde nicht verlor.

Mocht grade auch kein Regen fallen –
er drohte von den Bergen her,
wo Wolken sich in dicken Ballen
schon düster wälzten Richtung Meer.

Wir steuerten den kleinen Wagen
hart an dem Küstenstrich entlang,
wo vielfach auf der Fahrbahn lagen
die Meeresfrüchte Kies und Tang.

Kein Wetter zum Spazierengehen,
mehr was für Glotze und Kamin,
dem Sturm ‘ne rote Nase drehen,
die man ‘nem heißen Punsch entliehn.

Doch so die Landschaft zu verkosten
kommt mehr dem Autokino gleich:
Fällt selbst der Himmel aus den Pfosten,
man hockt am Lenker warm und weich.

Wetterumschwung

WetterumschwungNach dieser Flut von Sonnentagen
am Stück, so hinter‘nander weg,
ging’s doch dem Hoch mal an den Kragen;
der Wind blies, Regen im Gepäck.

Ganz sachte hat es angefangen,
nur hier und da ein Tropfen fiel
der Erde auf die heißen Wangen –
geheuchelt wie beim Krokodil.

Denn als der Dämmer erst verflogen
und Finsternis sie eingehüllt,
kam die Armada angezogen,
mit Spülicht bis zum Rand gefüllt.

Ich mochte wohl in Träumen baden
und wurd aus diesem Klang nicht klug –
der Regen war’s, der in Kaskaden
im Hof da auf die Steine schlug.

Als ich erwacht von diesem Rauschen
und erst begriff, wieso, warum,
gefiel es mir, ihm still zu lauschen,
dem Wasserfall im Atrium.

Der Weihnachtsbaum war umgefallen,
lag wie ‘ne nasse Ratte da,
die mit erschlafften Klunkerkrallen
dem Tod mehr als dem Leben nah.

Was für ein Sturm, was für ein Toben!
Choral, dem Himmel dargebracht:
Die Wetter, die den Schöpfer loben
auf ihre Art in heil’ger Nacht!

Schnellzugvögel

SchnellzugvögelHat alles seine beiden Seiten.
Der Süden glänzt mit Sonne satt,
dass selbst man noch in Winterzeiten
genug davon bei Tage hat.

Doch darf man auch nicht unterschlagen,
dass einen ‘s Zittern gleich befällt,
packt erst das Meer den Stern beim Kragen
und zerrt ihn in die Unterwelt.

Und da, wie alle hier beteuern,
das Klima mild und frühlingshaft,
gibt’s, um die Bude zu befeuern,
auch keine Heizung, die was schafft.

Im besten Fall ‘ne Wärmequelle,
für die man einen Stecker braucht,
damit elektrisch auf die Schnelle
asthmatisch dir ein Schornstein raucht.

Und da dies dürftig nur dem Zwecke
dient häuslicher Gemütlichkeit,
erlebt die gute alte Decke
aus Wolle wieder ihre Zeit.

Ich glaub, der Zug der Pensionäre
zweimal im Jahre, hin und her,
dass der noch zu verbessern wäre –
so denk und dichte ich mal quer!

Man müsste einen Dreh erkunden,
der diesen Wechsel leichter macht:
Im Süden nur die Sonnenstunden,
im Norden die beheizte Nacht.

 

Zu Gast im Gebirge

Zu Gast im GebirgeEin neuer Eintrag also heute
ins Tagebuch der Poesie.
Wir fuhren ins Gebirg, vier Leute,
Konserve Auto, Knie an Knie.

Im Dorf, in das wir aufgestiegen
und aus der Kiste uns gepult,
da konnten wir noch Futter kriegen
auf einem Fleck, der gut bestuhlt.

Genauer saßen wir im Freien
vor einem Pergola-Lokal;
ein Brünnlein ließ sein Wasser speien
in einem kurzen dicken Strahl.

Das stand auf einem kleinen Platze
nur ein paar Meter von uns weg,
dem Mittelpunkt von diesem Schatze
von einem Dorf im Bergversteck.

Die Sonne lugte durch die Äste
und streckte ihre Hände aus,
als wollte unsrer Mahlzeit Reste
sie wärmen noch zu eignem Schmaus.

Wir glaubten, dieses Wohlbehagen
sei heute unser größtes Glück
und steuerten mit sattem Magen
den Viererbob ins Tal zurück.

Doch nach der Sonne schönem Sengen
nahm nun die Dämm’rung ihren Lauf –
und eins ums andre an den Hängen,
wie flammten da die Lichter auf!

Immer Meer

Immer MeerNoch immer scheint es mir ein Wunder,
als hätt mich Zauberei versetzt,
dass ich statt bei der Nordsee-Flunder
bei Austern und Sardinen jetzt.

Ich hör das Meer im Rücken rauschen,
wenn nächtlich ich die Ohren spitz,
als würde ich der Elbe lauschen,
an deren Strand ich gerne sitz.

Bloß dass ich hier der Wogen Nähe
nicht hin und wieder nur mal such:
Schon wenn ich nur die Nüstern blähe,
spür ich erfrischend ihrn Geruch.

Die See liegt täglich mir zu Füßen,
und nirgends hat das Auge Halt;
kein Land, von ferne es zu grüßen,
kein Fels, der seine Faust ihm ballt.

Nur diese bodenlose Weite,
die nicht die Tiefe ahnen lässt –
die dunkle, unsichtbare Seite,
der nach dem Komma ries’ge Rest.

Wir schöpfen ja von seinem Himmel,
so wie er auch die Möwen lohnt,
den Rahm nur ab aus dem Gewimmel,
das runter bis zum Grunde wohnt.

Doch nun mal weiter nicht geklügelt,
Schluss mit dem geist’gen Höhenflug!
Hör ich das Meer nicht ungezügelt?
Natur hat Poesie genug.

Heiße Weihnacht

Heiße WeihnachtDas Weihnachtsfest steht vor der Türe
und hoch am Himmel das Gestirn,
das mit ‘ner heißen Maniküre
die Platte putzt dir überm Hirn.

Ja, ja, ihr habt es recht verstanden,
es herrscht noch eitel Sonnenschein,
dass unsereins aus Norderlanden
sich wundert überm Schlüsselbein.

Als heute wir vor Durst zerflossen,
hat uns ein Strandlokal gelockt,
bei dem die Wände nicht verschlossen
und halbwegs man im Freien hockt.

Mit kurzem Ärmel, offnem Kragen,
den Schuh am Holzfußbodenrand,
so schwelgten wir in Wohlbehagen
am Sommertag aus zweiter Hand.

Das Meer schlug weithin seine Falten,
die Möwen klaubten Fische raus,
um immer wieder Rast zu halten
am Ufer, Augen gradeaus.

Bevor erneut sie aufgeflogen
in Schwärmen auf ihr zappelnd Ziel,
und wiegten sich auch auf den Wogen
und nahmen teil am Wellenspiel.

Mit Klönen und mit Möwengucken
verging uns wie im Flug die Zeit.
Ihr sagt: Vertan? Kann mich nicht jucken.
Wir übten ja – Beschaulichkeit.

Sonne und sonne

Sonne und sonneAttacke, Leser, langzuweilen
dich mit ‘nem kurzen Trip zum Strand.
Da fand ich jedenfalls die Zeilen,
die schön hier aufs Papier gebannt.

Sie rieten mir zum Himmel droben –
du sagst, das sei nicht mehr in Schwang?
Den Einwand mal beiseit‘ geschoben:
Was für ein Sonnenuntergang!

Und nicht mal diese bunten Streifen
mit gelbem Schimmer, Rosenhauch,
wie sie mit langen Fingern greifen
der Kimm an ihren prallen Bauch!

‘ne endlos weiche Wolkendecke
war flauschig grau da ausgespannt
und ganz im Westen in der Ecke
ein Loch ihr glühend eingebrannt.

Die Sonne, klar, die vorm Finale
noch einmal durch den Vorhang späht,
zu prüfen, ob im Erdensaale
ihr Abgang zum Triumph gerät.

Mir schien das Schauspiel sehr gelungen,
auch wenn es nüchtern inszeniert
und still und leise ausgeklungen
wie’n Ton, der sich im Raum verliert.

Man kann sie wirklich nur beneiden,
die große Dame, makellos.
Mag sie uns lächeln, Fratzen schneiden:
Natur, ist immer sie grandios!