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Beinahe paradiesisch

Beinahe paradiesischEs hat mir immer schon gefallen,
wenn alles in den Federn liegt,
den Musen noch herauszulallen
ein Lied, das sie in Schlummer wiegt.

Doch fühl ich diesen Drang noch stärker,
seitdem ich von zu Hause fort,
entflohn dem nordisch kühlen Kerker
an diesen winterwarmen Ort.

Wir schreiben jetzt Novemberende,
für Nass und Nebel ja bekannt;
‘nen Regenschirm ich drauf verpfände:
Auch morgen sonnt man sich am Strand.

Statt dass Gewölk am Himmel wallte,
betupfen Schäfchen den Azur;
hoch in den Bergen der geballte
gewitterschwarze Nebel nur.

Von Kribbeln lediglich durchzogen
des Meers gewohnte Gänsehaut,
die statt bewegt in mächt’gen Wogen
von kurzen Wellen aufgeraut.

Seit Tagen keine starken Winde.
Die Palmen: Ohren angelegt.
Ein Lüftchen, friedlich und gelinde,
dass es noch Rosendüfte trägt.

So gleicht der Fleck dem Paradiese
in unsern Träumen wunderbar.
Indes nicht völlig ohne Krise –
‘nem Windstoß oder Schauer gar!

Gleiche Wellenlänge

Gleiche WellenlängeNun kann ich mich an Wellen weiden,
umsonst und ohne Strandgebühr,
muss niemals Mangel daran leiden,
sie liegen mir ja vor der Tür.

Wenn hinten ich das Haus verlasse,
mein erster Blick nur ihnen gilt
und dieser wüsten Wassermasse,
die bis zur Kimm da oben quillt.

Darüber Wolken aller Arten –
in Streifen und als Berg, der ragt,
als Schäfchen im azurnen Garten
und regenschwer vom Sturm gejagt.

Und manchmal tief auch überm Rande
als dünner Ring am Horizont,
da wo vielleicht schon ferne Lande
ganz anders wolkig und besonnt.

Und dass man in der Mordskulisse,
wie die Natur sie aufgebaut,
Lebendiges auch nicht vermisse,
man hin und wieder Schiffe schaut.

Die kläglich allerdings wie Fliegen,
die in den süßen Rahm gefalln,
in dieser salz’gen Suppe liegen
und haben nichts, sich festzukralln.

An dieser grenzenlosen Weite,
die nichts dem Auge offenbart,
ich täglich meine Runden schreite,
beglückt durch ihre Gegenwart.

Schöne Nachtruhe

Schöne NachtruheNatürlich schweigt die Nacht hier tiefer,
so zwischen Berg geklemmt und Meer,
so zwischen Salz und Glimmerschiefer
und was da sonst zu finden wär.

Die Autos, nun, die hört man rauschen
gelegentlich noch gummileis,
doch muss man schon sehr lange lauschen
für diesen schwachen Hörbeweis.

‘s ist halt ein Städtchen an der Küste,
das friedlich früh sich schlafen legt
und seine lauteren Gelüste
nur heimlich unterm Laken pflegt.

Und was es hier, wie soll ich’s wissen,
an Kraken und Makrelen gibt,
schwimmt wohl schon in den Wasserkissen,
wo es ‘ne ruh’ge Kugel schiebt.

Vom Berg ist eh nichts zu erwarten,
der mausert zum Vulkan sich nie –
ein Tummelplatz für Kaffeefahrten
und winters für Seniorenski.

Nur in den Kneipen herrscht noch Leben,
wird noch getrunken und gelacht,
weil Fuchs und Has sich heiter geben,
eh sie sich sagen gute Nacht.

Dann paart sich Berg- mit Meeresstille,
dass man es kaum ertragen kann.
Ich rück zurecht die Lesebrille
und rufe meine Muse an.

 

Alles schön

Alles schönIst das heut ein Pullover-Wetter –
im Hemd friert man sich einen ab!
Der Wind bläst richtig mit Geschmetter
und bringt den halben Strand auf Trab.

In Wolken fegt dir um die Ohren
der Sand, den fliegen er gelehrt –
wärst als Beduine du geboren,
du hättest dich nach Haus verzehrt.

Dabei ist wenig zu empfehlen
‘ne längre Reise übers Meer –
die Wellen starrn mit offnen Kehlen
und in der Brandung geht’s hoch her.

Was hat mich bloß hinausgetrieben
in diesen gänsehäut’gen Frust?
Wär in der Bude ich geblieben,
ich hätt so bibbern nicht gemusst.

Den Kopf bis in den Rumpf gezogen,
ertrug ich stoisch Korn um Korn.
Und immer neben mir die Wogen,
und immer schäumend wie vor Zorn.

So ist das halt mit den Touristen:
Kaum dass sie wo im Süden sind,
wolln auch ein Dasein sie dort fristen,
das für die Schattenseiten blind!

Will man nicht stets nach Hause melden,
wie man sich’s wohlergehen lässt?
Da ziehn sie als des Glückes Helden
doch gerne auch den Schal mal fest.

Bei Vollmond

Bei VollmondAls könnt man ihn mit Händen fassen,
so groß kommt heut der Mond daher.
Schon hat die Berge er verlassen
und schwebt verträumt in Richtung Meer.

Was mag wohl in ihm vor sich gehen,
wenn unter ihm dies schwarze Nichts,
in dem nur hier und da zu sehen
ein winz’ges Schiff als Pünktchen Lichts?

Wird er wie ich die Weite fühlen
und jener Wesen Einsamkeit,
die schwer sich durch die Wogen wühlen,
nur Wind und Wasser zum Geleit?

Doch wie? Muss er nicht selber kreisen
in noch viel größren Sphären da,
und ist kein Leuchtturm, ihm zu weisen
ein Ufer, heimatlich und nah?

Wir schwimmen ja auf schmalen Planken
mit etwas Dusel heil nach Haus
und solln dem Schicksal dafür danken.
Der Mond, der fährt nur immer aus.

Was will mir aber mehr gefallen:
zu leben für ‘ne Galgenfrist
oder als Klotz dahinzuwallen,
der nirgendwo zu Hause ist?

Ich werde sicher davon träumen,
dass mir der Schlaf sein Urteil spricht –
vom Mond in seinen ew’gen Räumen,
vom Kahn, der einmal wo zerbricht.

Still am Strand

Still am StrandWarum denn in der Bude hocken?
Zur Straße runter und zum Strand!
Noch kann der Sonne man entlocken
genügend Hitze für ‘nen Brand.

Gemächlich lässt die Blicke schweifen
man übers muntre Wellenspiel,
um nichts zu denken, nichts zu greifen,
wie eine Möwe ohne Ziel.

Bisweilen sieht man in den Fluten,
wie auf der Kimm ein Dampfer kraucht,
als wär’s ein Käfer, der Minuten
fürn halben Zentimeter braucht.

Doch immerhin ein Lebenszeichen
aus dieser Wüste, die da fließt.
Man lässt sich noch ein Bierchen reichen,
weil das Ereignis man genießt.

(Erkenntnis: Grad die kleinen Dinge
verschaffen uns den größten Spaß.
Nicht Löwenklau und Adlerschwinge,
die Maus bestimmt der Freude Maß!)

Wie immer wird die Zeit verrinnen,
auch wenn man nur so träge stiert,
dieweil bei jeglichem Beginnen
man unvermeidlich sie verliert.

Doch springt man hektisch nicht im Kreise
und rennt wer weiß was hinterher.
Behaglich döst der alte Weise
auf seinem Landsitz: Strand und Meer.

Schnappschuss-Impression

Schnappschuss-ImpressionenDa hinter des Gebirges Treppe
verschwand sie in ihr Schlafgemach;
nur ihre lange rosa Schleppe
weht eine Weile ihr noch nach.

Dann hat auch die sie eingezogen
wie’n Fischer seinen Tagesfang.
Der Himmel schwarz und schwarz die Wogen:
Die Welt nach Sonnenuntergang.

Ein Schauspiel, das seit Jahrmillionen
nicht anders aufgeführt als jetzt –
und scheint noch immer sich zu lohnen,
wird lange noch nicht abgesetzt.

Und droht mit Rache und Ranküne
auch keinem, der’s fotografiert,
was sonst verpönt ja bei der Bühne,
weil es die Mimen irritiert.

Die Sonne hat da nie Probleme,
bleibt unbeirrt bei ihrem Text,
und wenn die halbe Menschheit käme,
von ihrer Ausstrahlung behext.

Ich sah am Strand ein paar Gestalten,
als feurig noch das letzte Licht,
gespannt geduldig innehalten,
die Kamera weit vorm Gesicht.

Das ist nicht meine Art zu blicken:
Erinnerung per Tastatur.
In meinem Hirne soll es klicken,
wenn unauslöschlich da die Spur!

 

Wahrscheinlich ortsfest

Wahrscheinlich ortsfestGanz anders als in frühren Zeiten,
da ich ein kurzer Urlaubsgast,
lass ich mich jetzt vom Motto leiten:
Ich bleib so lange, wie‘s mir passt.

Grad heut saß ich mit wem beim Schnacken,
der selbst schon wieder auf dem Sprung:
„Gleich morgen muss ich Koffer packen.
Und Schluss mit der Belustigung.“

So zwei, drei Wochen Strand und Sonne
sind beinah nicht der Mühe wert.
Kaum angelangt am Ziel der Wonne,
man ihm auch schon den Rücken kehrt.

Da hab ich endlich bessre Karten
als Rentner ohne Klotz am Bein;
kann bis zum nächsten Frühjahr warten –
und notfalls bis St. Nimmerlein.

Hängt ab nur von dem Wohlbehagen,
das ich verspür an diesem Fleck;
würd gleich mich in die Büsche schlagen,
wär’s eines Tages plötzlich weg.

Doch wenig scheint darauf zu deuten,
dass ich so schnell die Kurve kratz
und grade mich die Dinge reuten,
für die ich liebe diesen Platz.

Vorm Bauch die Berge und im Rücken
das graue, grenzenlose Meer:
Hier kann nach Lust den Tag ich pflücken,
als ob Horaz ich selber wär.

Etwas wetterfühlig

Etwas wetterfühligDa hat mir doch der erste Regen
heut meine Illusion geraubt,
weil ich der vielen Sonne wegen
schon fast nicht mehr an ihn geglaubt!

Doch war es nur ein kurzer Schauer,
der leicht aufs Pflaster sich gelegt,
dass umso linder und so lauer
die Lüfte sich danach geregt.

Zwar zeigte mir als Drohgebärde
der Himmel noch die Wolkenfaust,
doch hätten mich nicht hundert Pferde
gehindert, dass ich rausgesaust

Um dies und jenes zu besorgen,
wie’s grade mir der Bauch befahl
und was mit Sicherheit auch morgen
mich hätt erwartet im Regal.

Nun, um es unverblümt zu sagen:
Es war der Wein, der raus mich trieb,
weil ich mich gestern vollgeschlagen
und mir für heute nichts mehr blieb!

Ich wisst doch selbst, dass für die Ritte
auf Pegasus er Kraft mir schenkt
und just in des Parnassus Mitte
die irr’nde Fantasie mir lenkt.

Das regelmäß’ge Nachschubholen,
von daher ist es Dichterpflicht.
Mach morgen auch mich auf die Sohlen.
Ich hoffe nur, es regnet nicht.

Späte Sonnenkraft

Späte SonnenkraftNicht nur das Hügelland der Wellen,
auch richt’ge Berge gibt es hier.
Ich muss mich nur ans Fenster stellen
und hab die Gipfel im Visier.

Natur in ihrer schönsten Fülle!
Und dieser Rentner mittendrin!
Totale (rechts und links) Idylle.
Und dann noch Sonne: Hauptgewinn!

Was will man denn noch mehr verlangen?
November zeigt doch schon die Uhr,
indes Bougainvilleen prangen
so frisch wie nach ‘ner Badekur.

Das heißt im Herbst nach Frühling haschen,
‘ne Kunst, die nur der Süden kennt –
zieht Sonnenschein auf Wärmeflaschen,
dass winters ihm der Bauch noch brennt.

Am Strand noch immer Leute liegen,
den Strohschirm übers Haupt gespannt,
um etwas Schatten da zu kriegen,
wo sonst nur ungeschützter Sand.

Die Berge selbst, dahin gerufen
von ihrem naseweisen Kap,
sie falln in immer sachtren Stufen
bis auf den Saum des Meeres ab.

Ich ließ mich heut ein wenig nieder,
bewundernd, was so wunderbar.
Da schloss die Sonne mir die Lider,
dass wirklich ich geblendet war!