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Schlaf-Wandel

Schlaf-Wandel‘ne ganze Flut von Hammerhieben
riss heute früh mich aus dem Schlaf;
ich wär noch gern im Bett geblieben,
doch was, wenn mich da einer traf?

Die Bauarbeiter warn zugange
grad an des Zimmers Außenwand.
Es schlug und klopfte, dass ich bange
gleich aufrecht in den Kissen stand.

So hatt ich also mehr vom Morgen,
zumindest zeitlich mal gesehn;
musst nur für Unterhaltung sorgen
und irgendwie dem Lärm entgehn.

Ich trollt mich in ‘ne andre Kammer
und gab mich der Lektüre hin.
Auch das fiel noch der Hammer, Hammer,
doch etwas leiser in den Sinn.

Ich muss wohl lang gelesen haben,
denn plötzlich, gleichsam wach geküsst,
hört ich ein Trotten und ein Traben
und Füßescharrn auf dem Gerüst.

Ein Blick zur Uhr: Es war die Stunde,
da man die Sachen packt am Bau
und „tschüs!“ und „Feierahmd!“ im Munde
pausiert mit seiner Hammerschau.

Na, mocht’s heut früh auch wackeln, wummern,
dass aus den Federn ich gehetzt:
Am Ende konnt ich prima schlummern –
wenn auch ein bisschen zeitversetzt.

 

Wassermangel

WassermangelUm sieben, als die Tageshitze
vermeintlich sich schon dünn gemacht,
da schlüpft ich durch die Haustürritze
und hab den Müll zum Hof gebracht.

Ein Satz mit x, wie Sie vermuten;
es war noch immer brütend heiß,
und länger draußen hätt verbluten
ich können, ach, im eignen Schweiß.

Zurück mit Siebenmeilenschritten
in meinen kühlen, muff’gen Flur.
Was glauben Sie, hab ich gelitten
allein auf den paar Metern nur!

Wieso nur mir dies Wetter schadet?
Die meisten sind doch hocherfreut.
Hat man das Kind zu heiß gebadet,
dass es noch heut die Hitze scheut?

Ich hab, ein Handtuch um den Nacken,
vorn Ventilator mich geduckt
und dachte: Biedermeiermacken,
das hätt den Spitzweg wohl gejuckt!

Verzeiht, wenn ich den Spaß vermiese
euch, die ihr euch mit Freuden sonnt:
Ab morgen kräftig kühle Brise,
zum Abend ‘ne Gewitterfront.

Denkt an die Fluren, an die Pflanzen,
ist euch der Barde schon egal!
Die Welt wird froh im Regen tanzen –
wie um der Sonne Marterpfahl!

Auslaufmodell

AuslaufmodellJetzt bin ich soundso viel Jahre,
8 Monate, 4 Tage alt
und so als angegangne Ware
wohl aus dem Sortimente bald.

Zwar trägt der Mensch noch keinen Stempel:
„Haltbar genau bis dann und dann“,
doch die Natur entsorgt den Krempel
nach ihrem Zeitplan irgendwann.

Nun, Zeit und Stunde nicht zu wissen,
wie’s ja die Bibel uns schon lehrt,
ist eher noch ein Ruhekissen,
als wenn man’s vorderhand erfährt.

Wer weiß, wohin wir da noch kämen,
wenn das datierte Ende droht?
Man würd sich gar das Leben nehmen
aus lauter Angst vor seinem Tod!

Nein, nicht vom alten Wege biegen,
wie immer frisch drauf los marschiert;
so kann man keine Panik kriegen,
weil nichts passiert, bis was passiert.

Und überhaupt: Warum mich sorgen?
Als ob verpasst ich etwas hätt!
Was mir als Frist noch bleibt für morgen,
das macht den Kohl nun auch nicht fett.

Doch würd’s mich freun, wenn ich ‘ne Weile
noch schöpfte aus dem Musenfass.
Die eine oder andre Zeile
vertragt ihr doch noch, oder was?

Nach dem Sturm II

Nach dem SturmDie Straße, die als breite Schneise
durchs Dickicht sich der Häuser zieht,
verlassen liegt sie nun und leise,
wie’s immer um die Zeit geschieht.

Wo sonst die Räder rollen: Schweigen.
Ein stiller Strom, der schwarz gefror.
An seinem Saum, den Bürgersteigen,
kommt Leben heute nicht mehr vor.

Und lautlos auch am Himmel schweben,
wobei sie sich den Dächern nahn,
die Flieger, die zum Airport streben
im Anflug auf die Landebahn.

Ganz anders als am lichten Tage;
da war, Pardon!, der Teufel los!
Ägyptens achte Gottesplage:
Von Stau zu Stau zwei Meilen bloß.

Verstopft die Wege zu den Meeren,
kein Fuß hielt lange sich am Gas.
Kaum da, hieß es auch heim schon kehren –
so macht das Wochenende Spaß!

Ich aber schlug mir dies Vergnügen
von vornherein schon aus dem Sinn.
Was soll auf Sylt ich oder Rügen,
wenn ich’s nur zehn Minuten bin?

Zu Hause blieb ich, um zu dösen
gemütlich und in leichter Kluft.
Mein Ventilator half mir lösen
den Hitzestau der Zimmerluft.

 

Endliche Abendfrische

Endlich AbendfrischeErst mal die Türe aufgerissen –
ein Hauch von Kühle wischt herein.
Der Abendwind, er weht beflissen,
und kalt erglänzt der Sternenschein.

Gemurmel höre ich verschwommen
von irgend ‘nem Balkone her,
als ob zum Plausch zuhauf gekommen
die halbe Nachbarschaft da wär.

Oh, nach des Tages Höllenhitze
kein Wunder, dass man draußen gluckt
und nach zehn Stunden Saunaschwitze
genüsslich unter Böen zuckt!

Wie gut kann ich das nachempfinden,
der ich mir kaum zu helfen weiß,
wenn mich die Sonnenstrahlen schinden
bis auf das Blut, das heißt den Schweiß.

Und vieles kann man besser tragen,
wenn nach dem Leid man Lindrung find’t –
so Flächen, die aus Mauern ragen,
Refugien in Luft und Wind.

Mir reicht indes die Tür, die offen
mir fächelt etwas Frische zu,
mehr will ich gar nicht mir erhoffen –
nach draußen setz ich keinen Schuh!

Wie zu sensibel vor der Sonne,
so auch vor dieser Szenerie:
Gerüst vorm Haus für Baukolonne;
Staub auf Balkon bis fast zum Knie!

Oberhitze

OberhitzeMuss das nicht mal in Irrsinn münden?
Mir kommt es jedenfalls so vor.
Mit jedem Grad, den sie verkünden,
schwillt ihre Stimme mehr empor.

Ich mein die Vögel da vom Sender
mit ihrem Witterungsgepiep –
als wären sie die Sonnenspender
und ergo: Hörer, hab uns lieb!

Heut durft wer „35“ zwitschern,
dass in Verzückung er geriet.
Dem würd am liebsten ich eins witschern,
dass er sich merkt den Unterschied:

Nicht alle Menschen, alle Wetter!,
bejubeln, dass die Säule steigt,
und möchten eh’r, dass dies Gekletter
‘ne klare Obergrenze zeigt.

Ach, wär’s doch wie auf den Kanaren:
konstante 25 Grad,
ich würde Contenance bewahren
so wie ein Klima-Automat.

Doch diese gottverdammte Schwüle,
die heißen Atems dich umhaucht,
dass schlummernd gar im Kissenpfühle
in Fluten du von Schweiß getaucht

Macht mich ganz kribbelig gesonnen
dem, der es mit der Hitze hält.
Im Schatten liegen meine Wonnen
und nächtlich unterm Sternenzelt!

 

Negativer Bilanzgewinn

Negativer BilanzgewinnDa soll mir doch noch einer sagen,
der Staat sei geizig oder so:
Er sorgt für meinen Rentnermagen
und hebt sogar sein Füllniveau!

Mein Glück, ich konnte es kaum fassen,
als mir sein Ukas wurd zuteil,
ich dürfe ruhig weiterprassen,
ja, mehr noch aus dem Grunde, weil

Um 7 Euro (wörtlich: sieben)
man aufgestockt mein Ruhegeld,
damit mir noch mehr Mittel blieben,
mich zu vergnügen in der Welt.

Doch Zweifel wuchsen mir im Herzen,
ob dies kein Danaergeschenk,
um die Befürchtung auszumerzen,
dass groß und göttlich er nicht denk.

‘ne Pizza, Cola und zwei Wiener,
wenn man das mal in Nahrung misst.
Wisst ihr, des Staates teure „Diener“,
wie lange so ein Monat ist?

Das schnöde Trinkgeld kannst vergessen –
‘ne Farce, bloß ein Feigenblatt.
Die Inflation hat’s längst gefressen
und macht Vermieterbäuche satt.

Seit Jahren klaffen die Extreme:
Reich sahnt mehr ab und Arm zahlt drauf.
Nicht dass der Staat nichts unternähme:
Er brezelt die Statistik auf!

 

Wunsch los

Wunsch losGanz sicher bin ich: Mittwoch heute,
weil im Programmheft ich es las;
was mich indes nicht extra freute,
macht mir doch jeder Tag viel Spaß.

Das soll ich Ihnen mal erklären?
Sie kennen meine Lage nicht?
Ich halte alle sie in Ehren,
denn keiner schickt mich mehr auf Schicht.

Als Rentner muss mich nicht mehr kümmern,
wie lang im Bett ich morgens bleib –
mein Arbeitsleben liegt in Trümmern,
Ruinen rauchen Zeitvertreib.

Nach Lust kann ich den Tag gestalten,
die Möglichkeiten sind Legion.
Jetzt hab ich Zeit, um zu entfalten,
was immer ich erträumt mir schon.

Nur so als Beispiel: Polo spielen,
‘ne Spielbank sprengen ab und an,
in St. Tropez mit Jachten dealen,
mit Palmen, goldenen, in Cannes.

‘nen Airbus durch die Lüfte steuern,
‘ne Harley durch die Mongolei,
verschlafne Aufsichtsräte feuern
und die gesamte X-Partei.

Bin ich nicht mächtig zu beneiden?
Wie? Für die Reichen nur der Welt,
wir Rentner müssen uns bescheiden?
Da heißt es immer: Zeit ist Geld.

Forscherdrang

ForscherdrangTief unten in den tiefsten Tiefen,
in ewig sternenloser Nacht,
wo Arten ihren Tod verschliefen,
wird endlich Inventur gemacht.

Was da an Quallen und Kalmaren,
an Hummern etwa haust und Krill
und andren Wunderexemplaren,
die Wissenschaft nun wissen will.

Die Wesen, die so gut verborgen
in maritimer Dunkelheit,
und Tage leben ohne Morgen
und Abend ohne Ziel und Zeit

Man lockt sie listig mit Attrappen,
die äußerst sinnreich konstruiert,
und wenn sie gierig danach schnappen:
Ein Klick, und schon fotografiert!

So hat die scheusten Meerestiere,
die teils aus Sagen nur bekannt,
man aufgestöbert im Reviere
und („Oma, guck!“) auf Film gebannt.

Sensationell! Die Forscher hüpfen
vor Freude über ihren Fund!
Sie meinen’s gut und dabei knüpfen
sie mit den „Jägern“ einen Bund.

Was wird zur Beute nicht, zur Ware,
so wie man es vom Festland kennt?
Erst kommen Priester, Missionare,
dann kommt, o Gott, der Produzent!

Unschlagbar

UnschlagbarEin Boxer lässt die Fäuste fliegen,
wenn in den Ring er steigt,
die Knochen jedem zu verbiegen,
der sich als Gegner zeigt.

Mit Herz geht er zu Werke,
zielt fest auf Leib und Kinn,
beweist vor allem Stärke,
streckt er den andern hin.

Sein Plus ist Selbstvertrauen,
drei Tonnen auf ein Lot.
„Ich werde dich verhauen“,
er schon beim Wiegen droht.

Und fällt er selbst zu Boden,
und wird er ausgezählt,
tönt er, dem Antipoden
an Fairness hätt’s gefehlt.

Die herbste Niederlage
münzt in ‘nen Sieg er um.
Ein Kerl von seinem Schlage:
berauscht vom eignen Mumm.

Die Faust sein Markenzeichen,
sein Lebensunterhalt,
sie kann und will nur weichen
der höheren Gewalt.

Hat die ihn einst getroffen
zum tödlichen K. O.,
dann wird er, wolln wir hoffen,
auch dieses Sieges froh.