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Fingerübung

FingerübungHeut wäre mir nach Mond zumute,
dem Mammut dort im Sternenzoo –
das käme meinem Lied zugute
mit März und Frühling oder so.

Doch nix is da am schwarzen Himmel,
was ihm ein bisschen Glanz verlieh,
nicht einmal die bisweiln wie Schimmel
ihn überzieht, die Galaxie.

Soll, den ich schon in Händen halte,
den Stift ich, der auf Zeilen heiß,
dass ungetummelt er erkalte,
beiseitelegen still und leis?

Das werd ich übers Herz nicht bringen –
es liegt so viel ihm an der Tat!
Ihn jetzt zur Feierschicht zu zwingen,
das wär nichts andres als Verrat.

Zumal ihm ja auch völlig schnuppe,
wer oder was im Verse steckt;
nie spuckte er mir in die Suppe,
weil ihm das Thema nicht geschmeckt.

Er will nur auf dem Blatte gleiten
wie’n Schlittschuhläufer leicht dahin,
um Linien, Kurven zu verbreiten
als Muster ohne Zweck und Sinn.

Kommt, unter uns, mir sehr entgegen,
da ist er Bruder mir im Geist.
Zuallererst muss man sich regen,
dass schwuppdiwupp man nicht vergreist.

Der Musiker muss täglich üben,
dass Rost die Finger nicht befällt.
Soll seine Kunst der Dichter trüben,
indem er sie am Zügel hält?

Der Mond kann mir gestohlen bleiben.
Ein Stift gilt mir genauso viel.
Womit, worüber wir auch schreiben –
der Weg wie immer ist das Ziel.

Nächtliche Szene

Nächtliche SzeneWas ist denn mit der Wand geschehen,
die schmort doch sonst in Finsternis?
Nie hab ich sie so hell gesehen
und nie mit so ‘nem Schattenriss!

‘ne ganze Sintflut von Photonen
hat die Fassade da ertränkt,
dass man sich Birnen zu Millionen
unweigerlich als Quelle denkt.

Doch statt ‘ner Mammut-Lichterkette
kommt nur ein Scheinwerfer in Sicht,
von dessen Schirm die Silhouette
so dunkel aus dem Gleißen sticht.

Was soll die Überdosis Strahlen,
mit denen man den Bau berappt?
Will man mit Werbung ihn bemalen,
bevor ein Sprayer ihn sich schnappt?

Das ginge doch auch tags, Reklame,
und nicht erst jetzt am Abend spät.
Ach, nun begreif ich’s: Nachtaufnahme,
ein Team, das da ein Filmchen dreht!

Es hockt in ‘ner verschwiegnen Ecke
gleich neben dem Garagentor,
die man gewiss für seine Zwecke
nicht ohne Hintersinn erkor.

Will man den Dreh vielleicht vertuschen?
Nichts als ein Partyzelt da steht,
durch das bisweiln Gestalten huschen,
als würden sie vom Wind verweht.

Und innen drin, da herrscht ein Schummer
wie in ‘nem Gruselkabinett,
dass ich zu meinem größten Kummer
‘nen Stuhl nur sehe und ‘n Bett.

Wie unheilvoll rankt sich die Stille
um dieses tote Mobiliar!
Man ahnt sofort, der letzte Wille
liegt schon auf Abruf beim Notar.

Gespenstisch wirkt auf mich die Szene,
in Nacht und Mauerwerk geduckt,
dass beinah ich zurück mich lehne,
wie einer, der ‘nen Krimi guckt.

Muss ich mich auf den Streifen spitzen,
wenn in die Kinos er gesandt?
Es reicht doch, vor der Welt zu sitzen –
‘ne Horrorschau aus erster Hand!

 

Im Kreis herum

Im Kreis herumDie Lider hoch – und schon geschlossen,
raus aus dem Bett – und wieder rein.
Das Licht der Sonne kurz genossen,
genauso kurz den Mondenschein.

Geschäftigkeit, hopphopp, bei Tage,
bei Nacht des Schlafs enthemmte Ruh.
Im Auf und Ab neigt sich die Waage
dem einen oder andern zu.

So sehen wir die Zeit verrinnen
im Pendelschlag der Lebensuhr.
Was heute wir vielleicht gewinnen,
verliert sich morgen ohne Spur.

Der Mühle könn’n wir nicht entkommen,
dem unerbittlichen Klippklapp;
sie hat uns in Beschlag genommen
und hält wie’n Esel uns in Trab.

Ja, ohne Pause zu gewähren,
übt sie tyrannisch diesen Zwang
der Dinge, die stets wiederkehren,
ein ganzes kurzes Leben lang.

Und wie man hilflos auf dem Rücken
dereinst in dieses eingewiegt,
am Schluss (auch nicht aus freien Stücken)
man wieder in ‘ner Kiste liegt.

Da sollte man den Schöpfer loben,
dass er uns Odem eingehaucht?
Ich weiß nicht, was man denkt da oben,
ich weiß nur, dass man ihn nicht braucht.

Für Zweifel, Ängste, Seelenkrisen
ach, so viel Stoff das Leben gibt!
Lässt sich der Mensch die Tour vermiesen?
Verrückt, dass er es trotzdem liebt!

Stille, urban

Stille, urbanNoch immer sprüht der feine Regen,
der tags das Pflaster schon getauft.
Die Stadt empfängt den Abendsegen,
legt hoch die Füße und verschnauft.

Aus ungeliebten Läden stahlen
davon sich, die da dienstbereit.
Die Ware träumt in den Regalen
vom Ende ihrer Haltbarkeit.

Die Ämter haben längst geschlossen.
Der Bänker zählt sein Geld zu Haus.
Die Strähnen, die ins Kraut geschossen,
dünnt Figaro erst morgen aus.

Selbst der Pedell hat ausgeklingelt
mit seinem Riesen-Schlüsselbund
und sich zum Schnarchen hingeringelt
gleich neben seinen Schäferhund.

Wer noch nicht alles hingeschmissen,
dass er das Nachthemd überstreif,
guckt Krimis auf dem Sofakissen,
so lange bis der Hintern steif.

Nur selten eine solche Stille
wie heute auf den Dächern lag!
Ich glaub, das Zirpen einer Grille,
es dröhnte jetzt wie Donnerschlag.

Mal abgesehen von Lokalen
hat jetzt nur eins noch Konjunktur:
das Auto, das mit Schallsignalen
den Vordermann jagt aus der Spur

Um Kranke ins Spital zu retten;
zum Ort der Missetat zu eiln;
Verbrecher doppelt anzuketten
und Lebensmüde abzuseiln.

(‘ne ganze Menge guter Zwecke,
das geb ich selber zu, gewiss,
doch kommt das ständig um die Ecke
so plötzlich wie ein Wadenbiss

Und klingt nicht mehr wie die Sirenen,
die von Odysseus man noch kennt,
dass alles andre als ein Sehnen
im Busen seufzend mir entbrennt!

Es gilt indes, Tribut zu zollen
der Gegend, wo man residiert.
In mancher hilft nun mal kein Schmollen,
weil einfach schrecklich viel passiert.)

Nun wollte ich von Stille schreiben
und hab euch was vom Lärm erzählt!
So weit vom Thema abzutreiben,
das heißt doch wohl, man hat’s verfehlt.

Soll ich den Faden wieder knüpfen,
versuch ich’s noch einmal von vorn?
Ach, lieber in die Koje hüpfen:
Schon wieder Blaulicht, Martinshorn!

Kein gutes Pflaster für Poeten,
dem feinre Viertel förderlich –
doch Lyrik, leider, und Moneten,
das ist ein Widerspruch in sich.

So dicht’ ich gegen Widrigkeiten
wie diese „Stille“ im Quartier
und, mag mich auch der Teufel reiten,
ich nenn sie einfach höllisch hier!

Da könnte mich ein Reemtsma retten,
Lokalmäzen für dies und das :
Ich würd nach Blankenese jetten,
direktemang auf den Parnass.

Nachbarn gegenüber

Nachbarn gegenüberDa drüben dieser Fensterreihe
im – eins, zwei, drei – im vierten Stock
ich Nacht für Nacht mein Auge leihe,
dem einz’gen Licht im Häuserblock.

Es glost so gelb durch die Gardinen,
als ob aus Pergament sie wärn,
von Kerzen tausendfach beschienen,
die regungslos ihr Wachs verzehrn.

Und haucht noch einen bleichen Schimmer
aufs Mauerwerk, das es umschmiegt,
da ferne der erhellten Zimmer
im Finstern die Fassade liegt.

Im Niemandslande zwischen Sternen
(so einsam scheint mir dieses Licht)
und grell erglüh’nden Stadtlaternen
es trübe aus dem Dunkel sticht.

Im Gegensatz indes zu diesen,
mit denen es sich nicht verträgt,
sich hinter Rollos und Markisen
doch immer auch das Leben regt.

In einem dieser Fensterrahmen
gewahr ich manchmal, vorgebeugt,
ein Schattenwesen ohne Namen,
das träge in den Abend äugt.

Am Umriss kann ich wohl ersehen,
es handelt sich um eine Frau,
die überfliegt vorm Schlafengehen
das Viertel in der Vogelschau.

Vielleicht ist’s einer Haremsdame
total verlarvtes Konterfei,
verlassend kurz die polygame,
verschlossne Festung des Serail

Dass einmal tüchtig Luft sie schnappe,
die frei ihr um die Nase weht,
und willenlos nicht als Attrappe
dem Pascha zur Verfügung steht.

So lass die Fantasie ich schweifen,
auch wenn sie tausend Böcke schießt.
Könn’n Silben zu Gedichten reifen,
die man mit Fakten nur begießt?

Was wissen wir schon von den andern,
den Menschen, die uns vis-à-vis?
Bisweilen lässt man Blicke wandern.
Man sieht sich. Aber sieht sich nie.

 

Frühlings Erwachen

Frühlings ErwachenWird das ein fröhliches Erwachen!
Wo man doch Februar schon schreibt!
Den Dachs stell ich mir vor: Zum Lachen,
wie er sich träg die Augen reibt!

Aus ihrem Schlummer aufzufliegen,
sich auch die Biene schon bemüht.
Man wird sie bald zu hören kriegen –
noch brummig, weil so wenig blüht.

Und auch im Walde hämmert wieder
sich einer dann da was zurecht –
wie immer hölzern seine Lieder,
ein bunter Vogel, dieser Specht!

Na, und die andern Sommergäste,
die trudeln auch bald wieder ein.
Man sehnt sich nach dem alten Neste;
es muss nicht immer Spanien sein.

Gern kommt der Kiebitz mal nach Hause,
was gleichfalls von der Lerche gilt;
so ist auch nach der Winterpause
der Star aufs Eheleben wild.

Ja, auch die noch in dunkler Erde
die halb erstarrten Glieder rührt,
die kunterbunte Blumenherde
wird bald ins grüne Gras geführt.

Schneeglöckchen oder Märzenbecher,
so ruft man sie wohl bei Bedarf –
ganz wichtig für die fleiß’gen Zecher,
die nur auf ihre Säfte scharf.

Ach, was für Fantasiegebilde
für einen, der im Ghetto lebt,
wo die Beton- und Asphaltgilde
stets kalt den ersten Stein erhebt!

Kann man was Schöneres sich denken
als eines Frühlings Morgenrot?
Da muss ich leider mich beschränken –
drei Bäumchen wachsen hier mit Not.

Doch immerhin in dieser Öde
der Amsel trautes Lied erschallt –
Migrantin sie, vertrieben schnöde
aus ihrem angestammten Wald!

Wie seltsam doch, bei Licht besehen,
dass in den Lenz ich mich verbohr:
Schlimm muss um die Natur es stehen,
zieht ihr Zement ein Vogel vor!

Der Lauf der Dinge

Der Lauf der DingeDes Tages erste Nachricht heute:
Die Soul-Queen tot, und vor der Zeit.
O welchen Ruhms sie sich erfreute!
Erschütterung weltweit.

Und da, wo man gerade Preise
für schöne Popmusik verlieh,
schickte zu Gott man auf die Reise
ein Stoßgebet für sie.

In Hellas ging man auf die Straße,
weil diese Rechnung viel’n nicht passt:
Der Staat muss sparn: im Übermaße
dem kleinen Mann zur Last.

Ein Stadtfürst, den das Amtsgewissen
trotz Fehlverhaltens nicht geplagt,
wurd wie von einem Schwarm Hornissen
vom Volk davongejagt.

Auch König Fußball hat geschwungen
sein Zepter, das von purem Gold.
Zig Tore sind herausgesprungen.
Der Ball…der Rubel…rollt.

Am Wetter auch war nichts zu rügen.
Seit Tagen unverändert kalt.
An vielen Orten Eisvergnügen –
und leicht verlorner Halt.

Mit einem Wort: der Lauf der Dinge.
Was eben immer so passiert.
Der eine springt über die Klinge,
der andre triumphiert.

Der eine kann sein Mütchen kühlen,
der andere steckt Schläge ein.
Und über beiden Wolken wühlen,
mal mit, mal ohne Sonnenschein.

Was aber hat damit zu schaffen
die Welt in ihrer Majestät?
Der Mensch, mag ruhn er oder raffen,
sich mit der Erde dreht

An die er sich so krampfhaft klammert
wie’n Käfer an ‘ne Kugel Mist,
doch die (o Homo, sei bejammert!)
ihm nicht zu Willen ist.

Sie trägt ihn auf dem breiten Rücken
und jagt mit ihm durchs Firmament –
ein Leib, der beinlos ohne Krücken
wie wild im Kreise rennt.

Was aber wär des Tages Wesen
dann bitte, auf den Punkt gebracht?
Nun, dies, in keinem Blatt zu lesen:
dass er uns älter macht!

Nicht schon wieder

Nicht schon wiederDen Vollmond könnte ich bedichten,
der funkelnd übern Himmel streicht,
bisweilen auch durch Wolkenschichten,
die er mit trüber Helle bleicht.

Dies Stück indessen steht so lange
schon auf dem Spielplan der Natur,
dass, tief gesunken heut im Range,
ein Gähnen würd’s entlocken nur.

Das kann ich zwar nicht richtig finden,
denn spannend ist die Welt allzeit
und monoton nur einem Blinden,
der ständig nach Spektakeln schreit.

Doch will ich mich der Mode beugen,
die Mond und Sterne fortgewischt,
und meine Fantasie bezeugen,
die immer neu die Karten mischt.

Mein Kühlschrank also von der Marke***
(ich hasse Werbung im Gedicht),
in einem Winkel ich ihn parke,
wo er mir stets ins Auge sticht.

Natürlich hat das gute Gründe,
die man mir sicher nicht verdenkt,
weshalb ich folgend sie verkünde,
wenn auch summarisch nur, gedrängt.

Als Erstes müsst ihr nämlich wissen,
dass stark der Kerl und untersetzt –
doch grade das möcht ich nicht missen,
auch die 1,70 nicht (geschätzt).

Was er denn da nicht auch an Bürde
von Tag zu Tag mir schultern muss!
Ich glaub, ein Schmächtigerer würde
verzweifeln an dem Überfluss.

Es steht ja gut gefüllt die Scheuer
mit fester und mit flüss’ger Last,
solang nicht höher steigt die Steuer,
mit der die Renten man erfasst.

(Dies ist mir peinlich fast zu sagen,
da’s immerhin zum Leben reicht –
was hätten jene erst zu klagen,
von deren Wen’gem man noch streicht?)

Kurzum, ein Magazin der Freuden,
nach dem sich gern der Gaumen reckt,
gewohnt, kein Fitzchen zu vergeuden,
das ihm nach seiner Mütze schmeckt.

Und dann, und dann – die Ohren spitzen! –
trägt er ‘ne geistige Mission;
mag er auch Eis und Wasser schwitzen,
er tut es nicht um Gotteslohn.

Denn wenn mit seinen schönen Gaben
er mir die Schaffenskraft genährt,
darf an den Versen er sich laben,
die meine Muse ihm verehrt.

Ich denkt, das weiß er nicht zu schätzen?
Da kennt ihr meinen Frigo schlecht!
Er schnurrt so wohlig zu den Sätzen,
als wärn sie ihm von Herzen recht!

He, was ist das? Ich seh euch gucken
so ausgesprochen teilnahmslos,
als würd das Thema euch nicht jucken,
von dem ich rede hier so groß.

So’n Kühlschrank ist nicht eure Sache?
Das seid ihr lyrisch nicht gewohnt?
Na gut. ‘nen Punkt ich dann mal mache.
Man sieht sich! Morgen wieder Mond?

 

Schweinekälte

SchweinekälteSibirien, sag ich nur, Sibirien!
Das nenn ich frieren Stein und Bein!
Wenn’s so was gäb wie Frostdelirien,
sie müssten glänzend jetzt gedeihn!

Ganz tief bis in den Keller runter
gefallen sind die Grade schon
und treiben’s Tag für Tag noch bunter
mit ihrer eis’gen Depression.

Im Minus stehen schon die Tage –
doch erst die Nächte: grauenhaft!
Ägyptisch, diese Kälteplage,
von bitterböser Götterkraft!

Die Hände rissig, voller Schrunden,
auch wenn man sie mit Krem bestreicht,
und grade diese winz’gen Wunden,
sie brennen wirklich furchbar leicht.

Zum Kolben aufgebläht die Nase,
die rot im schneid’gen Wind erglüht,
aus deren Löcher schmaler Vase
ein dauerhafter Tropfen blüht.

Schnell abgestorben sind die Ohren,
lässt man sie gänzlich ungeschützt,
und gehn womöglich noch verloren,
falls man sie zünftig nicht bemützt.

Und wie erst unsre Zehen leiden,
stets zu erfrieren in Gefahr!
Da hilft es nur, sie einzukleiden
gleich doppelt mit ‘nem Sockenpaar.

Zu Hause selbst, wo fleiß’ges Feuern
verhindert, dass die Kälte klirrt,
würd man nicht unbedingt beteuern,
dass richtig kuschelwarm es wird.

Am besten schnapp ich mir ‘ne Decke,
setze den Fuß nicht vor die Tür
und wart in meiner Rentnerecke
auf bessre Zeiten. Doch wofür?

 

Auf leisen Sohlen

Auf leisen SohlenGrad hab ich ihn doch noch gesehen
da oben ganz verhuscht und klein,
ein Nachtgespenst auf leisen Zehen
in seinem eignen Mondenschein.

Nun hat er sich davongeschlichen –
ich war inzwischen abgelenkt
von meinen lyr’schen Pinselstrichen,
hab keinen Blick ihm mehr geschenkt.

Und was er hinterließ, ist Leere,
in die er keine Spur geprägt!
Die Finsternis in ganzer Schwere
hat auf die Dächer sich gelegt.

Da sieht man keine Sterne glühen
wie Feuerqualln in salz’ger Flut,
wie Lilien, die im Meere blühen
von Gras mit chlorophyllnem Blut.

Schaute man näher, feine Schlieren
Gewölks man nur gewahren würd,
wie einen Kaffee sie auch zieren,
wenn schlechte Milch man drin verrührt.

Und hier die Stadt in einer Stille,
als ob man sie erdrosselt hätt,
als läge ohne Wunsch und Wille
sie auf des Asphalts Totenbett.

Der Ton, der jähe, ‘ner Sirene
auf Rädern wie Erlösung klingt –
was ich besonders hier erwähne,
weil er mich sonst zum Heulen bringt.

Ein bisschen Leben auf den Gassen
empfiehlt sich auch zur Abendzeit.
Man fühlt sich weniger verlassen,
auch wenn man ihm sein Ohr nur leiht.

Da blitzt’s auf einmal in der Weite
des Himmels wie ein Streichholz auf,
ein Flämmchen zieht sich in die Breite,
und, husch!, erlischt’s in seinem Lauf!

Als Wink nehm ich dies gute Omen
und komm herunter vom Parnass.
Drum tschüs, ihr Verben und ihr Nomen –
ich geh ins Bett und wünsch mir was!