Archiv der Kategorie: Alle Gedichte

Alles eitel

Alles eitelSo Stund um Stunde vor der Kiste
und hocken sich die Backen wund!
Gehn auf der ganzen Senderliste
auf Pirsch nach Flimmerkitsch. Na und?

Der Erde, die mit stetem Schwunge
gebückt um ihre Achse schnellt,
verdirbt es nicht die Pferdelunge,
dass jäh sie japsend innehält.

Den Abend, der das Sonnenerbe
des Tages in die Schatten fährt,
nicht hindert’s, dass er sich entfärbe,
bis ihn die Finsternis verzehrt.

Und von den Sterne ganz zu schweigen,
die fern im wahrsten Sinn wir sehn,
es hemmt nicht diesen Feuerreigen,
mit dem sie ihre Runden drehn.

Was Schmidts und Meiers abends treiben,
bekümmert nicht der Welten Lauf.
Der will Naturgeschichte schreiben,
hält mit Mikroben sich nicht auf.

Doch der Poet, der höhren Gütern
die Stunden seiner Muße weiht,
kann er den Kosmos nicht betütern,
dass ihm er mehr Respekt verleiht?

Ach, nicht einmal vor Geistesgaben
geht dieser Himmel in die Knie,
so gleich sind ihm wie Küchenschaben
die Größen unsrer Poesie.

Soll Meier gerne weitergucken
und weiterkritzeln der Poet:
Die bittre Pille heißt es schlucken,
dass keiner überm andern steht!

Im Angesicht der Ewigkeiten
sind beide wie die Spreu im Wind:
die, die des Nachts Chimären reiten,
und die, die auf dem Filmtrip sind.

Dass Lust es fördre und Behagen,
das sei allein des Menschen Maß,
drum seht mich hier die Lyra schlagen
mir selbst – und euch vielleicht – zum Spaß.

Wie’n Blümchen, das im Moor verloren
sich innig seiner Schönheit freut,
so sei auch mein Gedicht geboren,
verborgen, aber unbereut!

Der Stille abgelauscht

Der Stille abgelauschtAllein in meiner Küchenklause,
allein mit Tinte und Papier,
dem Bruder gleich in der Kartause,
der einsam blättert im Brevier.

Noch streift mit seinen bleichen Wangen
der Dämmer kränkelnd durch die Stadt.
Der Abend hat schon angefangen,
erzählt indes mein Zifferblatt.

Im Dunkel liegen alle Zimmer,
im Dunkeln liegt der lange Flur.
Aus diesem Dunkel äugt der Schimmer
des Lichts in meiner Kammer nur.

Ich will ins Treppenhaus mal lauschen:
Kein Laut verrät des Nachbarn Näh.
Nicht mal ‘ne Spülung hört man rauschen
als Lebenszeichen vom WC.

Vom Pflaster hallen keine Schritte,
kein Auto folgt der Straße Lauf.
Die Linie in der Fahrbahnmitte
löst langsam im Asphalt sich auf.

Der Himmel selbst, der doch so gerne
in Glanz und Flitter sich gefällt,
zeigt heute statt der Ordenssterne
die kalte Schulter nur der Welt.

Wie ausgestorben liegt die Stätte,
kein Lüftchen haucht ihr Leben ein,
als ob die Stadt in ihrem Bette
schon träumte ihren Traum vom Stein.

Und ich? In diesen Traum gesponnen
als wesenloser Bilder Teil?
Oder hab selber ich begonnen
zu träumen, da ich Verse feil?

Mag auch die Wirklichkeit entgleiten
dem schwindenden, geschwächten Sinn –
auf festem Boden werd ich schreiten,
denn seht: „Ich schreibe, also bin.“

Wochenendspaß

WochenendvergnügenO wie die Herzen höher schlagen,
wird dieser Name nur erwähnt!
Das Wochenende: Wohlbehagen,
nach dem man sich fünf Tage sehnt.

Dies lässt sich auf verschiedne Weise,
je nach Geschmack und Lust, erzieln.
Kommt mit mir auf ‘ne kleine Reise,
wir wolln ein wenig Mäuschen spieln!

„Kannst du mich nicht noch liegen lassen?
Nur ein Minütchen oder zwei?
Was, ist schon zehn? Gott, kaum zu fassen,
der Tag ist ja schon halb vorbei!“

„Der höchsten Kochkunst angemessen.
Ganz lecker, Liebling, jedenfalls.
Man muss nicht immer auswärts essen.
Am Rotkohl fehlt ein bisschen Salz.“

„Was heißt hier Küche? Cuisine!
Kein Krümchen, das den Gaumen kränkt.
Die Antipasti, Scaloppine …
Nun ja, man kriegt auch nichts geschenkt.“

„Was die fürn Mist mal wieder zeigen!
Das ist ja heut besonders krass.
Den’n sollt man mal die Meinung geigen.
Vielleicht ist ja der Spätfilm was.“

„Eh, Schatz, lass das doch kurz mal bleiben –
hier steigt gerad der große Coup.“ –
„Erst muss ich meiner Mutter schreiben.
Wann komm ich sonst denn mal dazu!“

„Hallihallo, wollt mich mal melden.
Und endlich ist mal einer da.
Allein zu Haus mit deinem Helden?
Ich mach es kurz, du kennst mich ja.“

„Kommt rein, kommt rein! Schön, euch zu sehen.
Legt ab und macht es euch bequem.
Karl-Heinz ist noch beim Rasenmähen.
Braucht wohl ein neues Schersystem.“

„Dies Stückchen noch – das allerletzte.
Mehr Kuchen geht nun nicht mehr rein.
Dass ich ihn früher höher schätzte?
Ach du, ich pack mir noch was ein.“

„Mensch, richtig wie in alten Zeiten!
Der ganze Plüsch im Vestibül.
Die Cowboys, die nach Tucson reiten.
Und viel zu eng das Klappgestühl.“

„Da, guck mal, die in ihrem Fummel,
das findet die theaterfein.
Und das bei so was von ‘nem Pummel.
Die muss ja wohl vom Lande sein.“

„Die waren doch schon längst am Wanken,
die hatten wir doch fest im Griff.
Den Sieg könn’n die dem Schiri danken.
Was der sich da zusammenpfiff!“

„Na denn, ihr Lieben, auf ins Grüne!
Die frische Seeluft tut uns gut.
Ich fahr direkt bis an die Düne.
Klar, nach dem Stau. Nur ruhig Blut.“

„Als ob ein Alpdruck von dir wiche,
so macht’s dir Kopf und Körper frei.“ –
„ Genau. Du, ich hab Seitenstiche.
Schlaucht auch ganz schön, die Lauferei.“

„Jetzt brauch’n wir nur noch auszuzählen,
dann hat die liebe Seele Ruh.
Verflixt! Zwei Augen, die mir fehlen!
Du hast geschummelt, gib das zu!“

Epilog

„Heut will und will mir nichts gelingen
und schöpf doch sonst nur aus dem Volln.
Ruhn sonntags denn des Rosses Schwingen?
Ich hätt spazieren gehen solln …“

Bürgerliches Vergnügen

Bürgerliches VergnügenDer Bürger, runter von der Piste,
befreit von seines Tages Fron,
begibt sich vor die Flimmerkiste,
dem Leichenschauhaus der Nation.

Und bierbequem in seinem Sessel
er zielbewusst ‘nen Krimi krallt,
dass er Gemütlichkeit entfessel
durch Bilder von Brachialgewalt.

Den Kick kann ihm kein Blümchen geben,
das lieblich an der Hecke blüht,
Herr Soundso braucht Menschenleben,
auf dass ihm walle das Gemüt.

‘s ist seiner Psyche anzukreiden:
Bei Salzgebäck und weit vom Schuss
sieht liebend gerne er erleiden,
was er nicht selber leiden muss.

Der schönste aller Nervenkitzel,
so denkt der brave Bürgersmann,
ist wenn mit Wonne und Gewitzel
man sich gefahrlos gruseln kann.

So hätt auch der Neandertaler
mit ähnlich technischem Produkt
als Stein-TV-Gebührenzahler
den „Faustkeil-Killer“ nur geguckt.

Ja, über tausende von Jahren
pflanzt so ‘ne Tradition sich fort,
vom blut’gen Alltag des Barbaren
bis zum modernen Tele-Mord.

Und unsre heutigen Schamanen,
beim Fernsehn sagt man „Intendant“,
sie leihen wie schon unsre Ahnen
dem Schlachten segnend ihre Hand.

Gibt’s was dagegen einzuwenden?
„Natürlich! – Alles halb so wild.
Denn alle Sachen, die wir senden,
sind der Gesellschaft Spiegelbild.“

Pilatusse! In Unschuld waschen
die Pfoten, die von Blut befleckt,
weil sie nach Sendequoten haschen
mit allem, was nach Keule schmeckt.

„Was soll denn bloß dies Kulturelle?
Kein Krimi heut?“ Der Bürger stöhnt.
Er zappt ‘nen Mord sich auf die Schnelle.
So hat die Kiste ihn verwöhnt!

Maiennacht

MaiennachtNa, endlich, nach der Tageshitze,
dringt etwas Kühle, heiß ersehnt,
erfrischend durch die breite Ritze
der Küchentür, die angelehnt.

Auf ihren leicht bewegten Schwingen
führt sie die Abendstille mit:
Geräusche, die im Nu verklingen,
verhallend rasch ein eil’ger Schritt.

Von Licht gesprenkelt die Fassaden,
Laternen, die schon glasig glühn.
Ein erster Hauch von Nebelschwaden
scheint Grau im Raume zu versprühn.

Mit tausend aufgeregten Händen
fuchteln die Bäume noch im Wind,
die längst mehr keinen Schatten spenden
und selber nur noch Schatten sind.

Schon züngelt auch die Kerzenflamme,
bedächtig, wie man Eiskrem leckt,
auf ihrem wächsern weichen Stamme,
der schmelzend sich vom Teller reckt.

Von Zeit zu Zeit ein dumpfes Fauchen,
das doch der Heizung nur entfuhr,
und plötzlich auf dem Brenner rauchen
zig Flämmchen wie auf einer Schnur.

Es wird ein langer Dämmer werden.
Erst hier und da ein Stern entfacht.
Die Uhr zeigt wohl schon Nacht auf Erden –
die Helle einer Maiennacht.

Musen-Arche

Musen-ArcheIn meiner Arche hock ich wieder
und dümple still im Häusermeer,
da schwerelos vom Himmel nieder
die Schatten fallen um mich her.

Ich habe keine Passagiere,
ich bin der Einzige an Bord.
Giraffen, Löwen, Trampeltiere,
die zogen längst schon von hier fort.

‘ne Küchenfliege, meine Güte!,
gewiss hier wo im Winkel steckt!
In der geräumigen Kajüte
verliert sich aber so’n Insekt.

Auch eine Taube fehlt im Boote,
wie Noah gern sie zu sich lud,
dass flatternd sie ihm einst erlote,
ob wieder Land erwüchs der Flut.

Den Vogel kann ich gut entbehren,
da immer schon im Morgengraun
die Schatten sich im Licht verzehren
und mählich von der Erde taun.

Mein Floß, es irrt nicht auf den Wellen,
in Wind und Wasser, wild erregt,
da Blitze seinen Tanz erhellen
und Donner ihm die Pauke schlägt

Dass es nach vierzig langen Nächten,
in Angst verbracht und Einsamkeit,
den einzigen vor Gott Gerechten
zum Moses mach ‘ner neuen Zeit!

So viel Gefahr muss es nicht wagen,
bis heim es auf begrünter Flur,
es soll ja ungestört mich tragen
durch diesen einen Abend nur.

Und mit mir, dass sie nicht entfliehen,
die luft’ger als lebend’ge Fracht:
Ideen, Bilder, Fantasien –
zum Musen-Ararat gebracht.

Leben, rituell

Leben, rituellWie immer morgens nach dem Wecken
spult man die gleiche Leier ab:
Den Kopf ins kalte Wasser stecken,
das bringt den Kreislauf schön auf Trab.

Dann fährt man mit ‘ner frischen Klinge
die Backen lang bis an den Hals,
dass sie den Stoppelbart bezwinge –
sofern du männlich jedenfalls.

Nun kriegt die makellose Reihe
der Zähne ihre Rubbelkur
mit einem blütenweißen Breie,
der keimvernichtend von Natur.

Erledigt diese Prozeduren,
das Haar gekräuselt und gekämmt,
vergleicht man erst noch mal die Uhren
und ruckelt sich ins Oberhemd.

Dann Krönung dieser Rituale:
das flotte Frühstück eins, zwei, drei –
ein Toast, ein Kaffee, eine Schale,
die lückenlos gefüllt mit Ei.

Und so aufs Leben vorbereitet,
das feindlich vor der Haustür steht,
gemessen man durch diese schreitet,
wenn einem auch die Muffe geht.

‘ne Ewigkeit von Stunden später:
Man kommt von draußen wieder rein,
zerschlagen zwar wie Hackepeter,
doch froh, im eignen Bau zu sein.

Jetzt kann der Feierabend steigen,
jetzt macht er seinem Namen Ehr!
Von wegen! Müdigkeit und Schweigen.
Total. Wenn nicht die Glotze wär.

Ritual: Sich in den Sessel lümmeln.
Ritual: Die Beine aufgebockt.
Ritual: An Bier und Brezeln mümmeln.
Ritual: Den Spielfilm ausgehockt.

Am Ende wieder Zähneputzen,
Pyjama an, ins Bett getaucht.
Der Schlummer ist von großem Nutzen,
weil für die Leier man ihn braucht.

Untätig kann man uns nicht nennen.
Wir rennen ja von früh bis spät.
Doch ohne unser Ziel zu kennen.
Es sei denn, dieses Spielgerät …

Das geht so bis zum schönen Tage,
an dem man dich in Rente schickt
und morgens dir mit einem Schlage
die Uhr ganz friedlich weitertickt.

Du brauchst dich nicht mehr zu erheben,
du drehst dich um, den Hintern zu
dem abgehakten Arbeitsleben –
l. m. a. A., lass mich in Ruh!

Doch leider wirst du spitz bald kriegen,
dass der Triumph von Dauer nicht:
Du bleibst in deinem Kissen liegen,
weil irgendwo und -was dich sticht.

Bist du ein Jüngling denn geblieben?
Die besten Jahre sind vorbei,
in Jobscharmützeln aufgerieben,
in der Routine Einerlei.

Und die begleitet dich noch immer
und ärger, als es je dir schien.
Doch jetzt in blässlich gelbem Zimmer.
Der Nächste bitte! Arzttermin.

Festbeflaggung

FestbeflaggungWie kühn lässt er im Winde fliegen
sein buntes Tuch vom Flaggenmast,
als hätt er wen zu Füßen liegen,
dem er den Todesstoß verpasst.

Der Union Jack ist aufgezogen
und winkt mir vom Hoteldach her
und flattert dort in stolzen Wogen
Britannien überm Häusermeer.

Doch kündet er nicht Heldentaten,
bei denen man die Toten zählt,
nein, dass vor den Altar heut traten
zwei Liebende, die sich vermählt.

Auf königlichen Bühnenbrettern
wurd heut ein Märchenpaar getraut,
nicht nur vor seinen Adelsvettern,
nein, alle Welt hat zugeschaut.

Und alle Welt wird auch noch stieren,
wenn das Spektakel längst vorbei,
und hochnotpeinlich registrieren,
ob auch die Eh’ ein Märchen sei.

Da greif ich lieber still zur Leier
im Winkel wo wie Kunz und Hinz –
fühl als Anonymus mich freier
als jeder Medienmärchenprinz.

Was nützen jenen Ruhm und Ehre?
Sind sie nicht Staub wie du und ich,
dass sich der Wurm dereinst ernähre
von einem Blut, des Blau verblich?

Es werden wieder Fahnen wehen
beim Märchentrauerritual.
Doch werden diese halbmast stehen.
Am Ende heißt‘s: Es war einmal …

Der Feiertage letzte Stunden

Der Feiertage letzte StundenDer Feiertage letzte Stunden.
Die Schatten dunkeln schon zur Nacht.
Wie unter Zauberhand verschwunden,
was Lärm und was Spektakel macht.

Das große Himmelsaug’ gebrochen,
das stechend auf dem Tage lag.
Der Sterne goldne Herzen pochen
und pumpen Licht bei jedem Schlag.

Ein kühler Wind streift durch die Gassen
und stößt ganz leicht die Blätter an,
die scheu die Kronen noch umfassen,
da grad erst ihre Zeit begann.

Die Wendigen, die nach den Wonnen
von Wasser, Grün und Strand begehrt,
sind allen Stopps und Staus entronnen
und glücklich wieder heimgekehrt.

Und auch wenn sie schon alle schwächeln –
von Müdigkeit ist keine Spur,
noch die Strapazen durchzuhecheln
im Lauf ihrer Erholungstour.

Weshalb noch viel erhellte Zimmer
im Dunkel der Fassaden glühn.
Doch nach und nach erlischt ihr Schimmer;
Erschöpfte sich um Schlaf bemühn.

Wie Phönix aus der Asche: Frieden.
Nach Festgetümmel Grabesruh.
Im Wechsel strebt akust’scher Tiden
die Stille ihrem Gipfel zu

Nur ein paar Stunden zu verweilen
bis morgens, wenn der Wecker schrillt,
um als Fanal vorauszueilen
dem Lärm, der mählich wieder schwillt.

Hinaus ins Leben, Brot verdienen!
Genug geruht auf fauler Haut!
Papiere tummeln und Maschinen –
die Arbeit ist des Bürgers Braut!

Doch wird wohl mancher erst beim Schinden,
bei der Maloche, oft verflucht,
Kolumbus’ Ei der Muße finden,
das Ostern er umsonst gesucht.

Kleine Frühstückslehre

Kleine FrühstückslehreZum Frühstück, das am Wochenende
gemütlich man sich einverleibt,
gehören in Genießerhände,
dass man erwartungsvoll sie reibt

Nur solche Art von Leckerbissen,
die man sich anderntags versagt,
damit die Hauerchen gleich wissen:
Heut wird Besonderes benagt.

Zum Beispiel Brötchen. Vollkornschnitten
sind nämlich sonst mein täglich Brot.
Hab diese fünfmal ich gelitten,
brauch Weizenmehl ich ohne Schrot.

Genauso Wurst. Sind die Oblaten
von Blut, Mett, Leber erst verzehrt,
dann jieper ich nach Schweinebraten,
der zünftig mit Gelee mich nährt.

Nicht anders mit den Käsesorten.
Nach Chaumes, Camembert und Brie
winkt mit dem Ende mir der Torten
aus Wilster was und Normandie.

Doch jetzt das Höchste, was der Kehle
an Festtagsfreude kann passiern,
dass man auf keinen Fall verfehle
es auf der Tafel zu postiern.

Das ist, in welcher Variante,
ob weiß, ob braun, ganz einerlei,
das ohne Knick und ohne Kante
perfekt ovale Frühstücksei.

Und dies nicht etwa hart gesotten,
dass fest das Gelbe, kugelrund,
und deiner Gaumenlust zu spotten
wie’n Golfball grasig liegt im Mund.

Nein, wenn ich mit der Löffelspitze
behutsam in den Dotter tauch,
dass er nicht übern Becher spritze –
dann ist er weich, wie ich ihn brauch.

Jetzt wirst du, Leserin, schon ahnen,
dass mich ein Unglück heimgesucht
und mich auf meinen Schlemmerbahnen
ein böser Sternekoch verflucht.

Die volle Wahrheit zu gestehen:
Zum ersten Mal seit Jahr und Tag
war auf dem Tisch kein Ei zu sehen –
was, lach jetzt nicht!, an Ostern lag!

Es war partout keins mehr zu kriegen,
wiewohl ich überall geguckt,
ob sie vielleicht versteckt nicht liegen
bei sonst was für ‘nem Landprodukt.

Schlicht ausverkauft! Die Lagerstätten
der Supermärkte eierfrei.
Auf meinen Frühstücksservietten
nur ihr gemaltes Konterfei!