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Zeitaufschreibung

ZeitaufschreibungAm Abend zur gewohnten Zeit.
Ich knie vor den Musen nieder,
das Trankopfer vollzugsbereit,
wie sie es fordern immer wieder.

Gewähren mir im Gegenzug,
dass meine Verse ich schon finde
nach flüchtigem Gedankenflug
wie’n Specht den Wurm in seiner Rinde.

Die Stunden rinnen aus dem Glas,
indem sie auch die Buddel leeren,
und machen dennoch mir den Spaß,
die Strophen mählich zu vermehren.

Bemerkt, dass ich von Kunst nicht red,
nicht von der Weisheit tiefem Bronnen –
bloß, dass hier Zeit geschrieben steht,
in Tintenblau und -schwarz geronnen.

Ein Hobby ist’s, ‘ne Spielerei,
wie andre am Computer hocken,
‘ne Tüte Erdnussflips dabei,
und manche Kurzweil ihm entlocken.

Das Spiel indes, das mich erfreut
in langen abendlichen Stunden,
beginnt genauso stets erneut,
doch ist beendet nicht verschwunden.

Die Wörter ziehen ihre Spur
wie Adern übern Leib der Seiten,
wie Furchen auf beschneiter Flur,
die erdig ihr das Weiß bestreiten.

Und greif ich auch zu neuem Blatt,
ihm andre Linien einzupressen –
das Alte bleibt an seiner Statt,
verblassend, aber unvergessen.

Denn was ich wohlbedacht gefüllt
mit Zeilen von beredten Händen,
wird nicht zerrissen und zerknüllt,
wie Wurstpapier im Müll zu enden.

Und heb ich’s auf, gewiss nicht weil
es von besondrem Werte wäre,
so grob behaun vom Bardenbeil
macht es der Kunst nur wenig Ehre.

Nein, eher gilt’s mir als Beleg,
als Auszug aus den Depositen
des Kontos, das zu führen pfleg
für Chronos ich ohne Renditen.

Und wie es schleichend sich erschöpft,
füll ich’s geduldig mit Gedichten –
die Zeit, die mir schon abgeknöpft,
kann ich poetisch somit sichten.

Wie ein Insekt, das unverwest
im Leib des Bernsteins eingeschlossen,
so in die Zeilen, die ihr lest,
ist meine Lebensfrist geflossen.

Drum ist sie ja nicht wen’ger weg –
doch irgendwie auch nicht verloren.
Man stirbt. Und nach dem ersten Schreck
wird in der Kunst man neu geboren!

Am Rande des Sports

Am Rande des SportsErinnert euch: Es herrschte Frieden,
solang die Fackel noch gebrannt
den Helden, wie sie einst hienieden
olympisch nach dem Ruhm gerannt.

Und die da aus verschiednen Gauen
zur heil’gen Walstatt angereist
auf Wegen, denen nicht zu trauen,
falls unbeschützt von diesem Geist.

Denn Völker, die in sich zerstritten
aus Gründen voller Fadenschein,
sie brauchen diese strengen Sitten,
sonst hauen sie noch fester drein.

‘ne Vorsichtsregel jener Alten,
die bei den Spielen sich bewährt –
Rabauken mussten an sich halten,
bis die Athleten heimgekehrt.

Wie schade, dass im Lauf der Zeiten
man diesen Brauch nicht mehr gepflegt –
wenn heutzutage Sportler streiten,
auch der Randale Stunde schlägt.

Dann lassen ihre Fäuste fliegen
(nur äußerlich für ‘nen Verein),
die Schläger, in den Griff zu kriegen
mal dies Gefühl, ‘ne Null zu sein.

Ein Aufgebot von Polizisten
hält sie mit Mühe nur in Schach –
den Stall Augias‘ auszumisten,
ist ihre Keule viel zu schwach.

Per Zufall kriegt man am Schlafittchen
mal hier und da ein schwarzes Schaf
und schleppt das zappelnde ins Kittchen,
dass es die Pritsche hart bestraf.

Doch eine Nacht erst durchgestanden
in wohlbewachter Zelle Haft,
erlöst es aus den Kerkerbanden
der Richter mit Gesetzeskraft.

Denn ist ein Wohnsitz nachzuweisen,
an dem man angemeldet ist,
kann frei man in die Fremde reisen,
wo man in jede Ecke pisst.

Gesetz und Recht sei unbenommen,
dem Bürger, der es einst erstritt –
und wird doch stets zugutekommen
auch dem, der’s frech mit Füßen tritt.

Sommerleid

SommerleidEin Tag so Ende Mai.
Die Luft ist schwer und schwül.
Mein Körper klebt wie Brei
im feuchten Amtsgestühl.

Ein Tag so Ende Mai.
Die Sonne brennt und sengt.
Der Himmel, blau hoch drei,
den Erdkreis sacht umfängt.

Ein Tag so Ende Mai.
Ich bete still um Wind.
Ein Tröpfchen mir dabei
den Nacken runterrinnt.

Ein Tag so Ende Mai.
Und jäh Gewölk zuhauf.
Was soll die Grummelei?
Gewitter ziehen auf.

Ein Tag so Ende Mai.
Der Regen prasselt schwer.
Doch alles rasch vorbei –
der Schwüle Wiederkehr.

Ein Tag so Ende Mai.
Wie doch der Herbst verwöhnt!
Dass niemals Sommer sei,
wenn man nur schwitzt und stöhnt!

Ein Tag so Ende Mai.
Viel fehlt nicht, und ich koch.
Gedanken, die sonst frei,
gehn jammernd unterm Joch.

Ein Tag so Ende Mai –
doch keiner, den man pflückt.
Anis und Akelei,
ich werd noch mal verrückt!

Stille Dämmerung

Stille DämmerungEs dämmert, und aus meiner Stube
blick auf die Stadt ich, die versinkt.
Kein bisschen Rot mehr in der Tube,
nur Grau, das mit dem Tode ringt.

Grad gegenüber, scharf gestochen,
mit weiß gekalkter Außenhaut,
‘ne Hauswand wie ein Wüstenknochen,
der bleich an seiner Dürre kaut.

Es scheint kein Lüftchen sich zu regen.
Die Fahne hängt wie eingerollt,
die sonst mit Stößen und mit Schlägen
frenetisch schwenkt ihr Schwarzrotgold.

Und auch der Bäume dichte Mähne,
die gern gelöst im Winde fliegt,
betont das Schweigende der Szene,
indem sie still vor Anker liegt.

Auf diesen regungslosen Lüften
schwingt auch kein Ton sich in die Welt –
es ist so lautlos wie in Grüften,
wo hörbar jedes Stäubchen fällt.

Soll eine Nacht das vorbedeuten,
die friedlich ihre Stunden zählt,
zu einem Morgen sich zu häuten,
den Eos rosenrot beseelt?

Falls die Auguren sich nicht irren,
ist der Idylle nicht zu traun.
Wie Krähen die Gerüchte schwirren,
der Wind würd nicht mehr lange flaun

Und plötzlich sich zum Sturm erheben,
als hätt ‘nen Drachen man geweckt,
der für ein Nickerchen mal eben
sich wo im Winkel ausgestreckt.

Nun, wie auch immer die Prognosen,
tangiern sie mich nur peripher –
die üblichen Metamorphosen.
Als ob das Wetter statisch wär!

In wie viel Kalmen und Orkane
war wechselnd schon mein Haupt getaucht;
da oben auf dem Dach die Fahne,
wie oft zerfranst und aufgebraucht!

Man fügt sich den Gegebenheiten.
Und Schluss jetzt mit der Verseflut!
Werd „Pegi“ morgen weiterreiten –
wenn’s sein muss, auch mit Regenhut.

Kafka

KafkaDer Kafka war ein armer Hund.
So reich an düstren Fantasien:
Kein Schwein hat ihm ein Ohr geliehen.
Rieb sich umsonst die Pfote wund.

Saß Tag für Tag wo im Büro:
Da braucht’s statt Fantasien Fakten.
Im Grabesgrau der tausend Akten
ruhn still und staubig sie en gros.

Obwaltend drüber der Pedant.
Der pflegt die Wissenschaft im Kleinen:
Das Härchen, mag’s auch dünn erscheinen,
er nie genug gespalten fand.

Den Kafka hat’s gewiss gequält.
Muss ständig über Schoten brüten,
die ihm die Mühe erst vergüten,
wenn alle Erbsen ausgezählt.

Wie er nach Feierabend schreit!
Die Feder auf das Pult geschmissen,
den Deckel auf das Stempelkissen,
das Werkzeug seiner Leidenszeit!

Und macht sich auf ins Labyrinth,
des eignen Geistes Dunkelkammern,
von Heftern, Lochern frei und Klammern –
voll Schaffenskraft, bewusst und blind.

Wenn er dann Eignes schreibend spricht,
von einer Bilderflut verschlungen,
die zu bezähmen ihm gelungen,
hält unbarmherzig er Gericht.

Die Klagepunkte insgesamt
kann man mit einem wiedergeben:
Die Welt, in der wir Menschen leben,
gleicht einem ungeheuren Amt.

Ein endlos langer, dunkler Gang.
Und links und rechts die gleichen Türen.
„Hier nur Entrichtung der Gebühren“.
Und Wartende, gebückt und bang.

Was geht da hintern Türen vor?
Hermetisch bleiben sie geschlossen.
Da sitzt auf ihren hohen Rossen
die Macht, die jedes Maß verlor.

Man steht wie vor ‘ner Klagewand
und harrt auf ein Erlösungszeichen,
indes die Stunden weiterschleichen
wie angepappt mit Klebeband.

Man ist ganz förmlich einbestellt
und weiß nicht, wegen welcher Sache –
als müsste mit man auf die Wache,
nur weil‘s dem Schupo so gefällt.

Als Bürger ist man Delinquent,
das heißt auf Deutsch, nix als a Wanzen,
und bleibt’s durch sämtliche Instanzen,
die der vertrackte Rechtsweg kennt.

Der Kafka war ein armer Hund.
Wollt heimlich nur, im Stillen kläffen
und schließlich gar die Segel reffen
vor seiner frühen letzten Stund.

Gottlob dass uns erhalten blieb,
was er in Flammen wollt vernichten
und, dies zu sichern und zu sichten,
wer seine Absicht hintertrieb.

Ist das nicht etwa auch grotesk
gleich diesem aussichtslosen Streben,
den Dingen einen Sinn zu geben,
dass erst posthum er kafkaesk?

Dagegen gewettert

WärmeeinbruchHört sie sich wieder überschlagen,
die Wetterfrösche von Beruf,
wie sie der Herr mit Schlips und Kragen
fürs Mediengequak erschuf.

Kaum steigen unsre Hitzegrade
auf fünfundzwanzig oder mehr,
klingt ihre Stimme (eher fade),
als ob sie ausgewechselt wär.

Auf einmal: Was für ein Volumen
und was für eine Ausdruckskraft!
Und wie die Floskeln plötzlich boomen,
mit denen man Extreme schafft!

Man tut es nicht mehr unter „super“
(„sehr schön“ wär einfach obsolet),
weil jeder dieser Sesselpuper
auf Höhenflüge sich versteht.

Du bist allergisch gegen Hitze
und ziehst ein Schattenplätzchen vor?
Es hämmert dir der Radiofritze
nur „Sonne“ ins genervte Ohr.

Vielleicht hast du ‘nen Schrebergarten,
als Bauer sogar Feld und Flur?
Dass manche heiß auf Regen warten,
versaut den Jublern nicht die Tour.

Selbst Leuten, die jetzt höllisch leiden,
zum Beispiel weil sie asphaltiern,
die Funk-Euphoriker bescheiden:
Mehr Schwitzen wir euch garantiern!

Als ob sie, Klippschulabsolventen,
mit Algebra im Widerstreit,
nur diese eine Gleichung kennten:
Mehr Sonne: Mehr Zufriedenheit.

Soll meinen Ärger ich verbeißen;
schreib ich ‘ne E-Mail (Leserbrief)?
Man wird sich nicht am Riemen reißen –
das schöne Hoch, es sitzt zu tief!

Hommage

HommageDer Mond ist aufgegangen
am Himmel, der verhangen,
und folglich nicht zu sehn.
Ich muss mich drum beschränken,
bloß lyrisch mir zu denken,
wo ihm die Hörner stehn.

Den Regen und sein Rauschen
würd liebend gern ich tauschen
mit abendlicher Ruh.
Ich höre jeden Tropfen
an meine Scheibe klopfen,
staccato und per Du.

Dies noch zu überschreien,
erklingen jetzt Schalmeien
mit Blaulicht, tütata!
Ein Irrwisch auf der Gasse
mit zackig roter Masse –
die Feuerwehr ist da!

Als würd es noch nicht reichen,
der Hölle halb zu gleichen,
geht ein Getöse los.
In knatternden Kaskaden
sich Blitze kalt entladen
als Böller furios.

Die Schritte auf dem Pflaster
verraten späte Laster –
ein Freier? Ein Bandit?
Und Reifen, Reifen, Reifen,
die surrend sich verschleifen
zum Straßenwiegenlied.

Wieso bin ich noch Mieter,
wo Dezibel Gebieter
bei Tage und bei Nacht?
Ach, so allein zu wandeln
zwingt auch allein zu handeln –
was eher träge macht.

Drum sperr ich meinen Jammer
in dieser Verse Kammer,
die kaum nur einer kennt.
Wie lieb wär mir gewesen,
geduldig sie zu lesen,
der Mond als Rezensent!

In eigener Sache

In eigener SacheSoll ich von mir ein wenig euch erzählen,
wahrheitsgetreu, kein bisschen aufgesetzt,
so wie die indiskreten, die Juwelen,
einst vom Intimsten in der Welt geschwätzt?

(Natürlich könnt ihr euch nicht wehren,
die Frage ist nicht ernst gemeint –
ich würd ‘nen Deubel mich drum scheren,
falls unverhofft ihr sie verneint.)

Auf xx Jahre bring ich’s heuer
und seh nicht ein Jahr jünger aus:
auch Kleider machen mich nicht neuer,
da von der Marke „Graue Maus“.

Als in die Welt man mich geschmissen,
ging diese grad entzwei.
Ich lag in meinem Federkissen
und dacht mir nichts dabei.

Auch wo ich da gelandet,
das war mir piepegal.
Hat der, der glücklich strandet,
denn irgendeine Wahl?

So wuchs ich mit den Jahren,
und Ehrgeiz lag mir fern;
der Welt Warum erfahren,
wollt aber stets ich gern.

Macht, Mammon und Meriten,
sie waren nicht mein Ding –
es warn der Weisen Viten,
für die ich Feuer fing.

Die Riesen, viel beschworen,
weil weiter sie gesehn,
indes wir, nachgeboren,
auf ihren Schultern stehn.

O Großtat jener Geister,
dass Neues sie gedacht,
indem zu ihrem Meister
Prometheus sie gemacht!

Den Göttern zu entreißen
der Wahrheit Flammenlicht,
ließen sie Narrn sich heißen,
aus denen Wahnsinn spricht.

Und schritten so versonnen
in ihrem Wissensdurst,
dass ihnen selbst ein Bronnen,
in den sie fielen, wurst.

Und wär’s der Herr der Erde,
man beugte nicht sein Haupt.
„Dass wieder Sonne werde!“,
ward Alex zugeschnaubt.

Die Güter, die gefallen,
warn ihnen Schall und Rauch.
Was braucht es Hof und Hallen,
tat’s eine Tonne auch?

Dem Eigennutz zu leben,
hebt uns nicht ab vom Tier.
Nicht: „Welt, was kannst du geben?“ –
„Was“, fragt ich, „geb ich ihr?“

(Beim Tanz um goldne Kälber
wird dafür man verlacht.
Versteht sich wohl von selber,
dass ich’s nicht weit gebracht.)

Doch das, was ich ihr schenke,
es ist von Wert gering:
nur Verse, ungelenke,
die ich den Sternen sing.

Sie kommen mir von Herzen,
und gern geb ich sie fort
in dieses Kosmos Schwärzen,
die ohne Zeit und Ort.

Und sollt’s der Zufall fügen,
sie fänden wo ein Ohr,
das wär – ich will nicht lügen –
der Hammer Marke Thor.

Doch sollten sie verhallen
im Orkus ungehört,
ich würd nur fester krallen
den Stift, der sie beschwört.

Es ehrt der gute Wille
den Gebenden allein.
Gerade in der Stille
soll Großes ja gedeihn.

Zudem: In meinem Alter
fang ich von vorn nicht an.
Fühl wohl mich als Verwalter
der Kunst, die ich schon kann.

Soweit von Poesie gesprochen.
Steckt mir noch anderes im Blut?
Nein, mit dem Wasser muss ich kochen,
wie’s Meiermüllerschulze tut.

Mit Farben und Figuren
hab ich nicht viel im Sinn.
So wie für Partituren
ich nicht zu haben bin.

Ich blas auf meiner Flöte
mehr hölzern als mit Pfiff
und käm in arge Nöte,
wenn ich zum Pinsel griff.

Hab auch nichts im Gehirne
von Boyle und Kekulé,
grad dass ich eine Birne
heil aus der Fassung dreh.

Als Crack zu überzeugen
fällt ebenfalls mir schwer,
vorm Chef das Kniebeugen
gibt sportlich wenig her.

Und mimische Geschicke?
Die Lust an Schau und Spiel?
Nur wenn für Augenblicke
ich aus der Rolle fiel.

Nicht mal dass beim Genießen
ich gern zu Tische säß –
von mir aus könnten schließen
die Tempel der Gourmets.

Mal mit so Leckereien,
da wird wohl jeder schwach,
doch ihnen mich zu weihen
fänd fade ich und flach.

Von Tausenden Talenten
mit einem nicht begabt!
Nicht mal zum Delinquenten
hab ich das Zeug gehabt!

So leb ich meine Tage
ganz unscheinbar dahin,
der Menschheit nicht zur Plage
und auch nicht zum Gewinn.

(Falls nicht auf diese Weise
die Welt am besten fährt –
wenn jeder still und leise
das Seine nur begehrt.)

Wie immer auch, beenden
will nun ich mein Porträt,
verschwitzt an Hirn und Händen
brauch ich ‘nen Pausentee.

Habt Dank, ihr Herrn und Damen,
dass brav ihr, mit Fasson,
gelauscht der Beichte. Amen.
Und grüßt mir Franz Villon!

Tröstende Oliven

Tröstende OlivenOliven führe ich zum Munde,
schwarzbraun und fleischig, pflaumengroß,
zu meiner späten Dichterstunde,
die düster ist und sternenlos.

Der Wein: Von jener zarten Röte,
die auf Auroras Wangen liegt.
Aus Kreta, wo des Hirten Flöte
bisweilen noch Apoll besiegt.

Oliven, Wein, Salamischeiben,
die schöne Trias vis-à-vis:
Genügend Kraft, um anzutreiben
das Schwungrad meiner Fantasie.

Und draußen rauscht der Regen,
zerrinnt am Fensterglas,
der Jahreszeit entgegen,
sich steigernd ohne Maß.

Des Frühlings Band, das blaue,
das hübsch wer einst besang,
entfärbte sich ins Graue
den lieben Himmel lang.

Fassaden, stumm und dunkel,
verziehen kein Gesicht.
Ein glitschiges Gefunkel
tanzt im Laternenlicht.

Oliven: Schwarze Sonnen
aus schimmerndem Geäst,
ihr Glanz, zu Fleisch geronnen,
macht mir die Nacht zum Fest.

Ein Dankeslied

Ein DankesliedDie Hand, die schreibend ich bewege,
der Finger, der den Kuli hält,
dem Verse folgend, rasch und rege,
dass nichts ihm aus der Reihe fällt,

Der Fuß, der auf der kühlen Fliese
den Hauch des Abends stärker spürt,
und der mich uzt, der Schattenriese,
der haargenau wie ich sich rührt,

Der Hintern, der auf hartem Stuhle
geduldig auf dem Kissen harrt,
dieweil ich mit den Musen buhle,
unsterblich (aussichtslos?) vernarrt,

Die Stirn, die sich so manche Stunde
mir brütend übern Tisch gebeugt,
dass eines Liedes Klang und Kunde
sie aus dem Hirn dahinter zeugt:

Wie selbstlos sie, wie treu sie waren,
wenn ich zum Musendienst sie rief!
Wie zuverlässig in den Jahren,
dass keines einen Vers verschlief!

Und ich: Wie blind bin ich gewesen,
dass sich mein Blick vor ihnen barg –
von diesem Übel nun genesen,
spür ihren Wert ich doppelt stark.

Habt Dank, ihr meines Leibes Teile,
die ihr so klaglos mit mir klingt!
In jeder Strophe, jeder Zeile
die Saite eures Wesens schwingt!

Das Blatt, dem Worte ich verliehen,
wie leer es wäre sonst und stumm!
Von eures Fleisches Harmonien
zehrt weidlich mein Ingenium.

Gern will ich, Helfer, euch bekennen,
doch euch zu wissen, fordert Zoll:
Schon fühl ich untern Nägeln brennen
die Frage, wie es enden soll.

Denn Hand und Hintern, Fuß und Auge,
bewahren sie wohl ihre Kraft
dem Hirn zuliebe, dass es tauge
zu lebenslanger Dichterschaft?

Mögt ihr gesund und rüstig bleiben,
dem Alter eine Nase drehn,
damit ich schludern kann und schreiben
noch ewig über dies und den!

Die Zähne mürb, das Haar gelichtet,
ein Bäuchlein baumelnd vor dem Bug –
so siechend, der den Schrott hier dichtet,
und hat noch immer nicht genug?

Ach, mag der Körper auch verrotten,
das Herz schlägt noch im alten Ton,
um der Vergänglichkeit zu spotten
mit jeder neuen Kreation.

Selbst wenn die Jahre dir enteilen,
verwittert, was dich einst geziert,
säst Schönheit du in deine Zeilen
zum Zauber, der sich nie verliert.