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Gnade der Geburt

Haus‘ eingepfercht ich in ‘nem Lager,
verschmacht ich wo in einem Loch,
von ständ’gem Hunger hohl und hager,
der keineswegs der beste Koch?

Muss ich in Staub und Dreck mich wälzen,
den Strahl der Dusche selbst entbehrn
und bis zur nächsten Pfütze stelzen,
mir Spülicht übern Hals zu leern?

Muss ich dem Eiseshauch der Nächte
in dünnen Decken widerstehn,
nicht anders als die Tundraflechte,
die Wärme findet unter Weh’n?

Muss ich, was in den Bauch zu kriegen,
der knurrend seinen Teil verlangt,
zwei Stunden Zahn der Zeit besiegen,
dass mit ‘nem Süppchen sie mir dankt?

Bin ich in unbekannten Breiten
ein Fremder, der sich hilflos fühlt,
dem Strandgut gleich, das die Gezeiten
ins Uferlose wo gespült?

Und wo den Tausenden Gefahren
entronnen nur mit knapper Not,
mir erst einmal mit Haut und Haaren
der Test fürs Fahrtenschwimmen droht?

Entschieden nein! All dem entgegen
und ohne mein Verdienst dabei
hielt fern von solchen Schicksalsschlägen
das Leben stets mich sorgenfrei.

Wie aber konnte das geschehen?
Bin ich eines Magnaten Spross,
dem, einst als Erbe ausersehen,
das Gold schon in die Windel floss?

Ach, einen Krösus als Erzeuger,
den braucht es nicht für so ein Glück
und auch nicht den Gesetzesbeuger,
der’s zwingt mit seinem Bubenstück.

Sei einfach mit Geduld und Spucke
in einem Erdenstrich geborn,
wo’s weder brennt dir auf die Hucke
noch abfriert deine bloßen Ohrn.

Und wo in milden Wetterlagen,
die selten nur der Hafer sticht,
ein jeder muss sein Päckchen tragen,
doch keins, dass er zusammenbricht.

Man hat Berufe und zu beißen
und einen Pfennig auf der Naht
und, falls denn alle Stränge reißen,
noch einen Obolus vom Staat.

Das Handwerk steht in voller Blüte,
die Industrie zieht ständig an,
dass selbst für vorgetäuschte Güte
sie leicht die Bußen zahlen kann.

Und diese kinderleichte Nummer
dir wirklich nicht einmal gelang,
dass dich aus ungebornem Schlummer
die Mutter in ein Eden sang?

Hast unbedacht es zugelassen,
dass man im Bombenschlag dich wieg
statt in gepflegten Altstadtgassen
zu Mozarts kleiner Nachtmusik?

Dann nimm es auf die eigne Kappe,
dass Not du leidest und Gewalt!
Europa schließt die Katzenklappe.
Die Logik war schon immer kalt.

Die Könige kommen

Die Könige kommenFühlt unter Wundern, unter Zeichen
man sich im Glauben nicht bestärkt?
Da kann ein Regenbogen reichen,
den jäh am Himmel man bemerkt.

Hat so nicht einst den Bund besiegelt,
den Jahve mit den Juden schloss,
der IrisSchopf, der schön gestriegelt
in Kurven auf die Erde floss?

Dreikönigstag. Die Majestäten,
anstatt Kamelen unterm Stert,
ham für den Aufmarsch sich erbeten
`nen Lieferwagen als Gefährt.

Da thronen sie in bunten Trachten,
die ein gewalt’ger Turban krönt,
indes nach Süßigkeiten schmachten
die Kinder, die nicht goldverwöhnt.

An Weihrauch ebenso wie Myrrhe,
die an die Krippe einst gelegt,
herrscht heute eh ja große Dürre,
weil Krösus selbst zu sparen pflegt.

Die Kirche aber, nie verlegen
um Tricks, die Welt zu hintergehn,
behilft sich mit `nem Bontje-Regen,
der schön wie Manna anzusehn.

So zieht sie hin, die Karawane,
dass laut es durch die Straßen hallt,
indem auf rollnder Ottomane
sie zu den Gotteshäusern wallt.

Da macht sie jeweils eine Pause
für ein, zwei Augenblicke dann,
weil hier ja Jesus auch zu Hause,
vertreten durch den Gottesmann.

Die Stimmung: feierlich gehoben,
wie sich`s fürn Staatsbesuch gehört,
den auch der dunkle Himmel droben
nicht mit `ner kalten Dusche stört.

Obwohl sich immer schwärzer ballen
die Wolken , die da eilig ziehn,
doch ohne dass noch Tropfen fallen
auf Purpur und auf Hermelin.

Statt dessen wölbt ein Regenbogen
sich lächelnd über ihn hinweg
und senkt, o Wunder, ungelogen
sich haargenau auf diesen Fleck!