Wasser marsch!

Selbst in den Paradiesesschänken
schenkt man nicht reinen Wein nur ein,
der Herrgott, hier als Wirt zu denken,
pantscht öfter auch mal Regen rein.

Mit andren Worten: Wermutstropfen,
die manchen Erdentag vergälln,
indem sie an die Scheiben klopfen,
um feuchte Grüße zu bestelln.

So ging es achtundvierzig Stunden
sogar am Stück, in einem Guss,
zwei ausgewachsne Globusrunden
voll überflüss’gem Überfluss.

‘ne Meinung, die nicht alle teilen
(das geb ich unumwunden zu),
die als Bewohner hier verweilen
vom Urschrei bis zur Grabesruh.

Denn nach dem höllisch heißen Sommer,
der noch den letzten Halm versengt,
freut man natürlich sich noch frommer
des Himmels, der die Felder sprengt.

Die rosarote Sonnenbrille,
die der Tourist vors Auge klemmt,
verkleinert eher die Pupille
und seinen Blick ins Weite hemmt.

Der Herr vom Lauter-Krimskrams-Laden,
der auch mein Wochenzeitungsmann,
beschwor mit Leidenschaft den Schaden,
den zu viel Sonne stiften kann.

Ich war ihm mitten aus ‘nem Schauer
in seine Bude reingeschneit
und fühlte mich nicht grad als Bauer,
der „Regen, Hosianna!“ schreit.

Doch tropften seine weisen Worte
mir auch nicht ab vom Trommelfell,
ich ließ sie ein durch diese Pforte,
dass ich dem Hirn sie überstell.

Inzwischen brütet längst schon wieder
die Sonne auf dem Erden-Ei,
die Strahlen breitend als Gefieder,
dass es auch trocken gut gedeih.

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