Archiv der Kategorie: Allgemein

Fassadenpflege

Fassadenpflege2Und immer nur die gleichen Sachen,
und immer nur das gleiche Spiel!
Am Morgen Katzenwäsche machen,
‘ne Putzwurst auf den Bürstenstiel

Den Trockner auf die Platte halten,
den Kamm durch dürre Furchen ziehn,
mit Fest’ger das Toupet verwalten
und vor dem Gott der Öle knien –

Bis man dann endlich hergerichtet,
dass man der Welt sich zeigen mag,
mit Crèmes und Wässerchen beschichtet,
die haften garantiert ‘nen Tag.

Ging früher so was in Minuten,
braucht’s heute Stunden fast dafür,
dass man ins Netz der Faltenrouten
den Asphalt der Kosmetik rühr.

Doch dieses Dekoriern und Richten
macht erst das Maß so richtig voll:
lässt aufgehübscht noch besser sichten,
was es doch schön verdecken soll.

Was hilft’s indes – des Menschen Wille
ist, wie es heißt, sein Himmelreich.
Brav schluckt er die Placebo-Pille,
und sieben falln auf einen Streich.

So geht die Prozedur denn weiter,
so lange, wie man sie noch schafft.
Heut sah ich Surfer, Wellenreiter –
was für ‘ne unverfälschte Kraft!

Mein Zeitvertreib

Mein ZeitvertreibDer Himmel blau und ich zu Hause.
Mein Fuß verließ die Stube nicht.
Ich machte mal ‘ne Sonnenpause,
so wie man fastet als Verzicht.

Was sollt an ihre Stelle treten?
Braucht man nicht irgendeinen Grund,
die Zeit vom Halse sich zu beten
wie mit ‘nem Rosenkranz im Bund?

Der erste Einfall hieß Lektüre.
Die „Armen Leute“ las ich fort –
als ob man in den Abgrund führe
der Menschenseele Wort für Wort!

Das war nicht lange auszuhalten.
Ein Ausgleich musste dringend her:
Dogmatik bis zum Haarespalten.
Tat auch mich mit der Kirche schwer.

Dann lieber doch ins Lehrbuch schnüffeln
und Spanisches sich einverleibt.
Doch ewig kann man auch nicht büffeln –
es ist die Zeit, die dich vertreibt.

Indes ein Glücksfall ohnegleichen
sich für den frühen Abend fand:
Im Fernsehfilmmenü der Leichen
auch ‘ne lebend’ge Doku stand.

So sind die Stunden hingegangen,
bis zehn die Uhr dann schließlich schlug.
Da durft zum Musenross ich laufen,
das schnaubend zum Parnass mich trug.

Vom Hundeleben

Vom HundelebenHab heute draußen mal gesessen –
hoch auf ‘nem Hocker vor der Tür
‘ner Schänke, dass ich währenddessen
der Sonne heißen Atem spür.

Zum Bier ‘ne Kleinigkeit gefuttert,
Kartoffeln und gegrillten Fisch.
Ein hübsches Kind hat uns bemuttert
und machte auch mal reinen Tisch.

Die selber wir nur Gäste waren
bekamen bald ‘nen Untergast –
‘nen Hund mit seidenweißen Haaren,
der unser Mahl ins Aug gefasst.

Wir ließen uns nicht lange lumpen
und luden ihn zum Essen ein.
Es gab für ihn Kartoffelklumpen,
die er manierlich nahm und fein.

Da war der andre Kerl schon rauer,
der unversehns dazugetappt,
ein größerer und dunkelgrauer,
der sich die Bissen barsch geschnappt.

Was soll man denn nur dazu sagen?
Der Straßenhund, der Hunger spürt,
weiß sich erzogner zu betragen
als „Robin“, den sein Frauchen führt!

Ich will jetzt keine Schlüsse ziehen;
es fiel mir halt nur mal so auf.
Ihr wollt Vergleiche, Theorien?
Dann macht euch selbst ‘nen Reim darauf!

Kleine Fische

Kleine FischeNie war den Fischen ich so nahe
wie jetzt drei Schritt entfernt vom Strand,
dass nur Jan Maat an Mast und Rahe
mit ihnen besser noch bekannt.

Natürlich kann ich nicht erlauschen,
was sie da tuscheln, tief im Meer,
doch höre ich die Wellen rauschen,
als ob es ihre Stimme wär.

Auch sind sie niemals zu erspähen,
wie sehr ich auch die Flut fixier –
nur wenn sie in die Netze gehen
und dann in Kisten ruhn am Pier

Als glitschig-glimmernd tote Masse,
entrissen ihrem Element,
Sardinensilber für die Kasse
des Fischers, der die Gründe kennt.

Und niemand, der sein Beileid sendet.
Gelebt, gestorben anonym.
Obwohl Organe sie gespendet
mehr als genug, dass man sie rühm.

Es ist halt so, dass große Fische
sich gerne von den kleinen nährn.
Gefühle fegen sie vom Tische –
das, was man speist, muss man nicht ehrn.

Im Übrigen: Mit seinesgleichen
hält es der Mensch ja ebenso.
Fürs Fressen geht er über Leichen.
So bleibt es stets auf Meer‘sniveau.

Relativ ruhig

Relativ ruhigHeut wird die Stille unterbrochen,
die sonst im Hause ich erlebt.
Geräusche stets ans Ohr mir kochen,
wie’s Blasen aus der Pfanne hebt.

Es muss an diesem Freitag liegen,
der voll aufs Wochenend gestimmt
und möglichst viel davon zu kriegen,
sich jetzt schon jede Freiheit nimmt.

Ringsum was für ein Budenzauber;
das kichert, schwatzt und quietscht nur so,
und zwar je später, desto tauber
fürs angemessne Lärmniveau.

Das ist wohl kaum zu übertönen,
von Menschen schwerlich jedenfalls;
der Himmel nur kann mächt’ger dröhnen,
wenn er mal brüllt aus vollem Hals.

Und prompt, als wollte er’s beweisen
der übermüt’gen Erdenbrut,
schickt Blitz und Donner er auf Reisen
in finstrer, jäh erwachter Wut!

Ist das ein Flackern und ein Krachen
da übern Bergen, überm Meer,
und stürzt sich noch mit hundert Sachen
‘ne ganze Sintflut drüber her!

Mir wird ein bisschen flau im Magen.
Im Hause herrscht nun Stille pur.
Ach, lieber sein Gekreisch ertragen
als diese Hölle der Natur!

 

Eingeschrumpft

EingeschrumpftEs ist hier wirklich nur ‘ne Klause,
‘ne Villa nicht und kein Palast,
ja, selbst verglichen mit zu Hause,
das doppelt so viel Zimmer fasst.

Indes hab ich herausgefunden,
dass diese Enge halb so wild
und dass mir in den Mußestunden
als Höchstes doch die Stille gilt.

‘ne Kerze ziemlich vor der Nase
und nebenan ein kleines Glas,
das gibt mir für die Musenphase
genau das richt’ge Flächenmaß.

Das ist ja grad das Paradoxe,
dass dir, wo immer du auch seist,
und wär’s im Joche wie ein Ochse,
im Kopf ein Universum kreist.

Warum denn mit Palästen protzen,
erfüllt ein Hüttchen auch den Zweck –
solln andre goldne Brocken kotzen,
sie produzieren doch nur Dreck!

(Reißt Neid mich hin zu diesen Zeilen?
Verbirgt sich Ärger hinter Freud?
Ich werd an meiner Psyche feilen –
doch später einmal, nicht grad heut.)

Und überhaupt, in solchen Sälen,
wo alles glitzert, glänzt und glüht,
wird es an Fantasie mir fehlen,
die aus dem Mangel doch erblüht!

Kurzer Wetterbericht

Kurzer WetterberichtNun ist es also losgegangen.
Die Wolken haben schwarz wie Rauch
längst übern Bergen schon gehangen
und tags dann überm Meere auch.

Und wie wenn wer mit einem Schlage
‘nen prallen Wassersack zerfetzt,
ergoss sich jäh ‘ne Regenplage
vom Firmament zu guter Letzt.

Und riss in ihrem blinden Sturze
auch gleich das Thermometer mit,
das eben noch im Lendenschurze
behaglich durch die Sonne schritt.

Man spannte Schirme auf zum Schutze,
ging hastig in den Wind gestemmt,
zog übern Kopf sich ‘ne Kapuze
und ‘nen Pullover übers Hemd.

Von oben Schauer volle Kanne,
von unten Spritzer vom Gestein –
dem heißen Fett gleich in der Pfanne,
nur kälter und ins Hosenbein.

‘nen Hund würd man hinaus nicht jagen.
Man bleibt zu Hause, wenn es geht –
denn besser als ein hoher Kragen
ist allemal ein Heizgerät.

Die ganze Wucht des Wetters spüren,
den bittren Kelch der Jahreszeit,
sie, die da vor den Ladentüren
als Bettler immer dienstbereit!

Abfallromantik

AbfallromantikEs war schon Abend und ich schnappte
den prallen Küchenbeutel mir,
den in der Tonne ich verklappte
in meinem hies’gen Müllrevier.

Was schwatzt der, mag nun mancher denken,
der hier nur Schutt und Abfall sieht;
füllt er mit Unrat und Gestänken
am Ende noch sein saubres Lied?

Im Gegenteil: Ich will euch zeigen,
wie schön man seine Reste räumt –
das Meer im Blick, den Wellenreigen,
die Brandung, wie sie schwillt und schäumt.

Und das vor nächtlicher Kulisse:
Der Himmel schwarz und sternbesonnt,
und auf der Fahrt ins Ungewisse
ein Schiff am dunklen Horizont.

Hell strahlt die Reihe der Laternen
am kleinen Strandweg, dicht an dicht,
und taucht die Häuser und Tavernen
in gelblich-grelles Geisterlicht.

Wo wären krasser die Kontraste?
Da brodelt uferlos die See,
und hier der Zipfel, den man fasste,
dass man auf festem Boden steh.

‘ne Grenzerfahrung sozusagen,
das heißt: kein geistiges Idyll.
Die Welt ist stets zu hinterfragen;
bei Nacht und Nebel selbst – und Müll.

Wieder Stubenarrest

Wieder StubenarrestMan hat nun mal nur dieses Leben
und weiß doch öfter nicht so recht,
womit sich sinnvoll abzugeben,
vor allem wenn das Wetter schlecht.

So platzte heut nach vielen Tagen
mit unverschämtem Sonnenschein
den Wolken schließlich mal der Kragen:
Sie nässten voll die Erde ein!

Und dieser Himmel, kaum zu trennen
von seinem blendenden Azur,
er war nicht wiederzuerkennen
in der verwaschenen Montur.

„Zu Hause bleiben!“ die Parole,
schön Kaffee trinken, Buch vorm Bauch;
das Meer, den Hafen und die Mole,
die gibt es morgen sicher auch.

Doch träge wälzen sich die Stunden,
wenn bloß man auf dem Hintern hockt,
und wollen nicht die Uhr umrunden,
selbst wenn mit süßem Schlag sie lockt.

Wie ist die Aussicht für das Wetter?
Auch morgen ziemlich regenfroh.
Doch tags darauf naht schon der Retter:
Der Himmel schickt Hoch soundso.

Ich kann es wirklich kaum erwarten.
Mehr Kaffee schaff ich einfach nicht.
Und Tag für Tag die gleichen Schwarten?
Dann lieber Sonne: Leibgericht!

Rot und Schwarz

Rot und SchwarzDie Dienerschaft ist schwarz gewandet,
der gute König ganz in Rot.
In welchem Reich sind wir gelandet,
wer singt hier ‘s Lied zu wessen Brot?

Wie eifrig wackeln die Lakaien
mit Tellern, Schüsseln auf dem Arm
zur Tafel hin der Faulen, Freien,
die brummen wie ein Bienenschwarm!

Der Herrscher hat zum Mahl gebeten.
Der Festsaal ist gerammelt voll.
Schön schlucken und die Bissen kneten,
mehr fordert nicht das Protokoll.

Die Schwarzbehemdet, -hosten hasten,
der Rotrock schreitet wie ein Pfau.
Nicht ein Geladner soll mir fasten –
macht einen drauf und morgen blau!

Er hat die Helfer an der Leine,
belauert alle wie ein Luchs,
macht noch dem Schnellsten manchmal Beine,
der dann noch zulegt ohne Mucks.

Wie stehn sie unter seiner Knute,
wie scheucht sie Seine Majestät!
Doch mancher Gast verzieht die Schnute:
Wo bleibt denn nur mein Fresspaket!

Ein Sonntagmittag auf dem Lande.
In der Taverne geht’s hoch her.
Der Wirt kommt königlich zu Rande.
Die Kellner tragen alle schwer.