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Fettnäpfchen

Alles in ButterWenn mich nicht alles täuscht, o Mann,
hat nie so ‘n Becher wer besungen.
Ich habe lang mit mir gerungen:
Jetzt aber endlich nichts wie ran!

Der Becher also, der da steht –
wie kann man nur so schwach beginnen!
Da will er ja gleich Land gewinnen,
der Kunstfreund, der hier reingerät.

Der Becher, wie er würdevoll –
nun ja, hat reichlich Schmer geladen,
gibt wandelnd auf des Möllners Pfaden
ein Schalk vielleicht zu Protokoll.

Wenn träumend ich hinüberschau –
was glaubst du, was die Leser denken?
Dass im Begriff du bist zu schenken
dein Herzblut einer Superfrau.

O seines Deckels Kronengold –
hör auf, barockes Zeug zu schwätzen,
dass in der Luft dich nicht zerfetzen
die Leute, die dem Schwulst abhold!

Der Teufel hol die Schmiere dort –
nun komm, lass nicht die Butter büßen,
ringt noch auf wackeligen Füßen
die Muse mit dem Dichterwort.

Ein Fässchen, das mit Fett gefüllt –
was? Wolln wir, dass auf Wagnerweise,
Germaniens Wucht und Wehr zum Preise,
sich stabend Schweinerei enthüllt?

Ich streich mir schon seit Jahr und Tag –
soll das ’ne Reportage werden,
dass unser Leibwohl wir gefährden
mit dem beliebten Brotbelag?

Ich geb es auf. Das Zeug entzieht
sich meinen mäß‘gen Möglichkeiten.
Statt Versen, die wie Butter gleiten,
bringt doch nur Schmalz hervor mein Lied!

Mit Siebenmeilenstiefeln

Mit SiebenmeilenstiefelnWie schnell das alles immer geht!
Sie rennt nur so, die Zeit.
Sitz hier schon wieder abends spät
und lieg mit ihr im Streit.

Hat nicht der Tag mich grad geweckt,
die Träume mir verscheucht,
die Birne, untern Hahn gesteckt,
belebt mich frisch und feucht?

Gab ich nicht eben kurz und kühl
der Klinke noch die Hand,
bevor ich mich im Schriftgewühl
der Akten wiederfand?

Saß ich nicht vor Momenten nur
an Schreibtisch und PC,
zwei Finger auf der Tastatur,
ein Mäuschen in der Näh?

Minuten scheint es mir nur her
auf meiner Lebensbahn,
doch schneller als die Feuerwehr
nagt dieser Zeiten Zahn.

Er knabbert dir den Faden ab,
der dich ins Leben spinnt –
den lieben langen Tag auf Trab,
gefräßig, groß und blind.

Gibt es dagegen denn kein Kraut,
ihm heimlich appliziert,
dass schleichend er sich selbst zerkaut,
bis er an Biss verliert?

Ach, fing ich nicht erst eben an
mit Pinsel und Papier?
Und seht, beim Grübeln so zerrann
die Zeit noch rascher mir!

In vino veritas

In vino veritasSind sie denn nicht die größten Denker,
die Säufer, leidend an der Welt?
Nenn’s Römer, nenn es Cognacschwenker –
’s ist Wahrheit, was das Ding enthält.

Gefällt dir nicht, dies „Hoch die Tassen“?
Dann wirst du nie ein Philosoph.
Ein Gläschen um die Hüfte fassen –
so macht der Weisheit man den Hof.

Schon mit den ersten kurzen Schlucken
entkrampft sich der gestresste Geist.
Der Globus kann dich nicht mehr jucken,
da zu den Sternen du nun reist.

Und wenn nach Dutzenden von Zügen
in Seligkeit die Seele schwimmt,
wird sie empfindlich für die Lügen,
auf die das Leben uns getrimmt.

Benebelt kannst du klarer blicken,
beschwipst wird nüchterner dein Sinn.
Du hörst des Kosmos Uhren ticken
und gibst dem Ewigen dich hin.

Schon wieder da auf deiner Runde,
du alter Stromer, du, Trabant?
Ich grüße dich zur Abendstunde
ganz herzlich übern Becherrand.

Nie möchte den Moment ich missen,
da du erscheinst am Firmament,
dass eine Weile mir beflissen
dein Lämpchen vor der Feder brennt.

Grad will auf Poe ein Glas ich leeren,
dann nehme ich Horaz mir vor,
um bald auch Goethe so zu ehren,
der selbst auf gute Tropfen schwor!

Will auch den Bellman nicht vergessen
und nicht Villon, den Galgenstrick,
Verlaine und Steinbeck. Währenddessen
wachs ich an Weisheit weiter. Hick!

Und sollte ein Lamento singen,
das dieses Jammertal beklagt –
doch desto wen’ger will‘s gelingen,
je mehr ich „Prosit!“ schon gesagt!

So wie die Pfaffen uns benebeln
mit Engelszungenfertigkeit,
kommt mählich, den Verstand zu knebeln,
die glaubensfreie Trunkenheit.

Dann geht die ganze Weisheit schlafen
und schwitzt sich das Bouquet vom Fell,
beginnend mit dem Zähln von Schafen
und endend mit dem Weckappell.

Wird mit ‘nem Kater sie erwachen?
Da sei Dionysos davor!
Entronnen kaum des Hades Rachen,
leiht schon den Musen sie ihr Ohr.

Schon morgens würd ich gerne dichten,
sobald mir Licht ins Auge fällt.
Ein erstes Schlückchen dann? Mitnichten.
So früh es nur die Kunst entstellt.

Erst abends, dämmernd oder dunkel,
wenn schon das Kerzenflämmchen glüht,
begeistert durch des Weins Gefunkel
zum Sang sich endlich mein Gemüt.

Hat durchaus seine prakt’sche Seite,
die es zu andrer Zeit nicht hätt –
wenn glücklich mich die Muse freite,
kann ich danach sofort ins Bett.

Nächtlicher Besuch

Nächtliche BegegnungVielleicht hat jemand, der in Hast,
in einer Ziffer sich geirrt,
dass grad, da er den Hörer fasst,
gewahr er seines Fehlers wird.

Und diesen wieder fallen lässt,
als hielt in Händen er die Pest,
um sich in Kürze zu besinnen
und dann von vorne zu beginnen.

Vielleicht auch hat von einst Vertrauten
’nen neuen Anlauf wer gewagt:
“Lass wieder mal von dir verlauten“ –
und dann doch noch – „Was soll’s?“ – verzagt.

Vielleicht war auch wer in Gefahr
und dieses gar ein Hilfeschrei –
„Hey, Baby, die Versuche spar,
aus diesem Spiel kommst du nicht frei!“

Ein Scherz vielleicht, den sich erlaubt
wer an mir Armem auszulassen,
und mich der Stille so beraubt
auf meines Geistes Mondscheingassen?

Nur einmal kam der Klingelton,
nur einmal, kurz und schrill.
Dann lag das gute Telefon
wie vorher stumm und still.

Die Nacht war schwül, die Nacht war schwer,
erstickte jeden Schlaf.
Ich wälzte mich nur hin und her
und träumte, wie sich‘s traf.

Da wurd ich irgendwann geweckt
von einem vagen Laut.
Ich hab mich fast zu Tod erschreckt
und ängstlich nachgeschaut.

Im Hemdchen hockte, weiß wie Schnee,
von hellem Haar umwallt,
im bleichen Schimmer des PC
’ne kleine Geistgestalt.

Mein Engel war’s, dem Freund entflohn,
zu nächt’gen bei mir heut.
Ich dachte gleich ans Telefon –
und hab mich still gefreut.

Die Bettler (nach Pieter Bruegel)

Die Bettler, Pieter BruegelWas für ein Krach da auf dem Hof!
Ein Klappern, Kreischen, Trampeln, Laufen,
als wäre op de Deele Schwof
mit aufgescheuchtem Hühnerhaufen!

Da seht euch bloß die Krüppel an,
wie flink die Brüder sich bewegen –
als wärn die Beine wieder dran.
O Herr, gib ihnen Deinen Segen!

Du schlägst nach Willn die Kreatur,
lässt sie nach Willn auf Rosen liegen.
Mein Gott, wie tummeln die sich nur,
wie Viecher, die zu fressen kriegen!

Der Napf ist ja schon lange leer,
da ist kein Krümelchen zu hoffen,
sie aber schnappen noch nach mehr,
die Mäuler unersättlich offen.

Wo das wohl seine Glieder ließ?
Ach, ’s ist ja Krieg hier allerorten,
ein Haun und Stechen, Schlag! und Schieß!,
dass Feldherrn blut’gen Lorbeer horten.

Nein, dies Geheule, dies Gekreisch!
Wann die wohl endlich Ruhe geben!
Steht nicht geschrieben, dass von Fleisch
allein die Menschen doch nicht leben?

Die gute Frau hat’s auch nicht dick.
Der Herr mag ihre Güte lohnen
und unsereins vor so’m Geschick –
drei Kreuze! – hoffentlich verschonen!

Die Burschen tun mit herzlich leid.
Wie gierig sie nach Leben hungern!
Zu nichts mehr nütze vor der Zeit –
und müssen auf der Gasse lungern!

Du weißt, ich gebe gern, mein Gott,
und kann ‘nem Heller leicht entsagen,
doch wie die Deinem Bild zum Spott
so völlig aus der Menschheit schlagen!

Ein Totentanz besondrer Art –
Gerippe nicht, doch Leibruinen,
des Elends bittre Gegenwart,
die dürftig sie mit Krücken schienen.

Verzeih! Wie Du barmherzig bist,
so sollen wir die Armen nähren –
als Deines Namens würdig: Christ,
mit ihnen unser Brot verzehren.

Warum indes Dein Strafgericht?
Trifft sie nicht selber auch Verschulden?
Für Pack, das gottlos, geb ich nicht,
sitzt mir auch locker sonst der Gulden.

Trägt ja ins Wirtshaus jeden Deut,
man weiß doch, wo es immer endet.
Wie Weizen, in den Wind gestreut,
wär unser Scherflein so verschwendet.

Des Nächsten Not geht einem nah,
doch tu man nicht zu viel des Guten,
am Ende steht man selbst so da
und muss noch für sein Mitleid bluten!

Nun ja, so schwatzt des Volkes Mund,
doch meiner schwatzt nicht nach den Leuten.
Dies Bild tut meine Meinung kund –
ihr müsst es nur noch richtig deuten.

Gardinenpredigt

Gardinenprdigt (Adolph von Menzel)Wenn ich sie so im Dämmerlicht betrachte:
Im Grunde weiß ich kaum etwas von ihr,
nicht wer – und wann – sie hier in Stellung brachte,
nicht, wo sie herkam: Straße, Haus, Quartier.

Genug, dass grad ich ihren Namen kannte –
ihr ganzes Wesen lag für mich darin.
Besaß sie Freunde irgendwo, Verwandte?
Die Frage kam mir niemals in den Sinn.

Nur dieses Wort ist sie für mich gewesen,
ein Luftgebilde ohne Fleisch und Blut,
so wie Gedrucktes wir in Büchern lesen,
das farblos auf der Wirklichkeit beruht.

Ich hab sie nicht mal richtig angesehen,
nur wie zerstreut durch sie hindurchgeschaut,
als würd sie mir da wohl im Wege stehen,
doch nur als Schatten ohne Bein und Haut.

Die Augen sind mir endlich aufgegangen,
so plötzlich, wie man wohl aus Trance erwacht:
Als Blickfang hat sie immer da gehangen
und so mich praktisch unsichtbar gemacht

Für Bürger, die spaziern, und Bürgerinnen,
dern Neugier so ein helles Fenster weckt –
wobei die ungetrübte Sicht von drinnen
sie andrerseits mir züchtig nie verdeckt.

Da bauscht sie luftig sich mit ihren Falten,
dass ständig sich der Maschen Netz verschiebt,
um hier und da ein wenig einzuhalten,
wenn es dem Wind im Türspalt so beliebt.

Und dann, als ob es ihr egal nicht schiene,
dass ich auf einmal ihr Beachtung schenk,
lässt ihren Saum sie fliegen, die Gardine –
kokett gewiss, doch etwas ungelenk.

In eigener Sache

In eigener SacheSoll ich von mir ein wenig euch erzählen,
wahrheitsgetreu, kein bisschen aufgesetzt,
so wie die indiskreten, die Juwelen,
einst vom Intimsten in der Welt geschwätzt?

(Natürlich könnt ihr euch nicht wehren,
die Frage ist nicht ernst gemeint –
ich würd ‘nen Deubel mich drum scheren,
falls unverhofft ihr sie verneint.)

Auf xx Jahre bring ich’s heuer
und seh nicht ein Jahr jünger aus:
auch Kleider machen mich nicht neuer,
da von der Marke „Graue Maus“.

Als in die Welt man mich geschmissen,
ging diese grad entzwei.
Ich lag in meinem Federkissen
und dacht mir nichts dabei.

Auch wo ich da gelandet,
das war mir piepegal.
Hat der, der glücklich strandet,
denn irgendeine Wahl?

So wuchs ich mit den Jahren,
und Ehrgeiz lag mir fern;
der Welt Warum erfahren,
wollt aber stets ich gern.

Macht, Mammon und Meriten,
sie waren nicht mein Ding –
es warn der Weisen Viten,
für die ich Feuer fing.

Die Riesen, viel beschworen,
weil weiter sie gesehn,
indes wir, nachgeboren,
auf ihren Schultern stehn.

O Großtat jener Geister,
dass Neues sie gedacht,
indem zu ihrem Meister
Prometheus sie gemacht!

Den Göttern zu entreißen
der Wahrheit Flammenlicht,
ließen sie Narrn sich heißen,
aus denen Wahnsinn spricht.

Und schritten so versonnen
in ihrem Wissensdurst,
dass ihnen selbst ein Bronnen,
in den sie fielen, wurst.

Und wär’s der Herr der Erde,
man beugte nicht sein Haupt.
„Dass wieder Sonne werde!“,
ward Alex zugeschnaubt.

Die Güter, die gefallen,
warn ihnen Schall und Rauch.
Was braucht es Hof und Hallen,
tat’s eine Tonne auch?

Dem Eigennutz zu leben,
hebt uns nicht ab vom Tier.
Nicht: „Welt, was kannst du geben?“ –
„Was“, fragt ich, „geb ich ihr?“

(Beim Tanz um goldne Kälber
wird dafür man verlacht.
Versteht sich wohl von selber,
dass ich’s nicht weit gebracht.)

Doch das, was ich ihr schenke,
es ist von Wert gering:
nur Verse, ungelenke,
die ich den Sternen sing.

Sie kommen mir von Herzen,
und gern geb ich sie fort
in dieses Kosmos Schwärzen,
die ohne Zeit und Ort.

Und sollt’s der Zufall fügen,
sie fänden wo ein Ohr,
das wär – ich will nicht lügen –
der Hammer Marke Thor.

Doch sollten sie verhallen
im Orkus ungehört,
ich würd nur fester krallen
den Stift, der sie beschwört.

Es ehrt der gute Wille
den Gebenden allein.
Gerade in der Stille
soll Großes ja gedeihn.

Zudem: In meinem Alter
fang ich von vorn nicht an.
Fühl wohl mich als Verwalter
der Kunst, die ich schon kann.

Soweit von Poesie gesprochen.
Steckt mir noch anderes im Blut?
Nein, mit dem Wasser muss ich kochen,
wie’s Meiermüllerschulze tut.

Mit Farben und Figuren
hab ich nicht viel im Sinn.
So wie für Partituren
ich nicht zu haben bin.

Ich blas auf meiner Flöte
mehr hölzern als mit Pfiff
und käm in arge Nöte,
wenn ich zum Pinsel griff.

Hab auch nichts im Gehirne
von Boyle und Kekulé,
grad dass ich eine Birne
heil aus der Fassung dreh.

Als Crack zu überzeugen
fällt ebenfalls mir schwer,
vorm Chef das Kniebeugen
gibt sportlich wenig her.

Und mimische Geschicke?
Die Lust an Schau und Spiel?
Nur wenn für Augenblicke
ich aus der Rolle fiel.

Nicht mal dass beim Genießen
ich gern zu Tische säß –
von mir aus könnten schließen
die Tempel der Gourmets.

Mal mit so Leckereien,
da wird wohl jeder schwach,
doch ihnen mich zu weihen
fänd fade ich und flach.

Von Tausenden Talenten
mit einem nicht begabt!
Nicht mal zum Delinquenten
hab ich das Zeug gehabt!

So leb ich meine Tage
ganz unscheinbar dahin,
der Menschheit nicht zur Plage
und auch nicht zum Gewinn.

(Falls nicht auf diese Weise
die Welt am besten fährt –
wenn jeder still und leise
das Seine nur begehrt.)

Wie immer auch, beenden
will nun ich mein Porträt,
verschwitzt an Hirn und Händen
brauch ich ‘nen Pausentee.

Habt Dank, ihr Herrn und Damen,
dass brav ihr, mit Fasson,
gelauscht der Beichte. Amen.
Und grüßt mir Franz Villon!

Kleine Staatslehre

Karneval der TiereDie Wandrung lang und voll Gefahren.
Doch jetzt genug herumgeirrt!
„Ein Glück, dass wir geduldig waren:
Dies Fleckchen hier das unsre wird!“

Genau geeignet scheint der Boden,
dass grade hier man Wurzeln schlägt
und sich mit baulichen Methoden
die Basis für ‘ne Bude legt.

Bald ist die Wohnung schon bezogen,
die man mit raschem Fleiß erschuf,
und jede Ecke, jeder Bogen
ein Lobeshymnus auf Vitruv.

Doch schützen auch die dicken Mauern
aus losem und gestampftem Dreck
vor Feinden, die genauso lauern
auf Beute hundert Meter weg?

„Solange die da existieren,
ist unsre Sicherheit bedroht.
Die beste Lösung: Liquidieren.
Es ist kein Platz in einem Boot“.

Nachdem man so den Krieg erfunden,
der später „präventiv“ genannt,
hat man die Mühe vieler Stunden
fürn Innenausbau aufgewandt

Wie pfiffig ging man da zu Werke:
Maß jedem seine Pflichten zu
nach seines Geists und Leibes Stärke,
dass willig er dieselben tu!

So ist es auch nicht ausgeblieben,
dass prächtig aufging diese Saat
und gut gedieh mit allen Trieben
bis hin zum ausgewachsnen Staat.

Nur Nektar und kein Wermutstropfen –
das Glück der Gründer schien perfekt.
Doch Mäuler warn auch viel zu stopfen,
was schließlich doch Probleme weckt.

Denn eines Tages, Jahre später,
als niemand Böses mehr gedacht,
hat’s wie ein Blitz aus blauem Äther
sie um den Unterhalt gebracht.

‘ne Dürre war hereingebrochen
und hatt‘ den letzten Halm versengt,
dass schmachtend durch die Gegend krochen,
die Frau Natur sonst reich beschenkt.

Doch haben sie verzweifeln müssen,
ihr letztes Sterbenswörtchen lalln?
I wo, nach eiligen Beschlüssen
ha’m sie die Nachbarn überfalln

Und alles ihnen aus den Kammern
nach dem bewährten Raubrezept
ganz ungerührt von Schrein und Jammern
samt Kind und Kegel weggeschleppt,

Dass dank sie der immensen Beute
vom Hungertod befreit miteins
und sich ihr Schurkenstaat erfreute
auch weiter wachsenden Gedeihns.

Bis irgendwann die Konkurrenten,
getrieben von der eignen Not,
sich kurz von ihrem Standort trennten,
um ihm zu rauben Brut und Brot.

Ad infinitum in Äonen
im Stile von Wildwest-Maniern –
ein steter Austausch blauer Bohnen,
bis alle an dem Fraß krepiern.

Von Ameisen ist hier die Rede
und ihrem kleinen, großen Reich –
und wie in Fleiß sie und in Fehde
dem Menschen so erschreckend gleich!

Kleines Nachbeben

Kleine NachwehenAllmählich ist der Schnupfen abgeklungen,
nur selten brauch ich noch ein Taschentuch.
Der Husten, konvulsivisch aus den Lungen,
schlägt nur als Räuspern manchmal noch zu Buch.

Die Stimme, die sich mit gebrochnen Lauten
unsäglich mühsam nur Gehör verschafft,
entwand sich ihres Atems Flüsterflauten
und segelt wieder mit gewohnter Kraft.

Verflüchtigt haben sich auch jene Zwingen,
die an die inn’re Schädelwand gepresst,
zum Bersten dieses spröde Haupt zu bringen
gleich einem Ei, das seine Brut entlässt.

Die Schlappheit schließlich raus aus allen Gliedern:
Zu alter Form und Stärke lauf ich auf!
Hier seht mich meine Worte schon befiedern,
dass ich um Dichterlorbeer wieder rauf.

Ist erst der Wurm aus deinem Leib gewichen,
muss auch dem Geist die Mattigkeit entfliehn:
Jetzt schweift er wieder in den Himmelsstrichen,
die auch die Musen sel’gen Sangs durchziehn.

Um dort…chrr…dort am göttlichen Gestade,
um…chrr…Pardon!…chrr, chrr…was soll das bloß?
Zum Teufel auch – die alte Keuchkaskade –
werd ich denn diesen Jammer niemals los?

Ich könnte schier vor Wut die Krätze kriegen,
dass ich mich grad so triumphal gezeigt!
Beschämt lass ich den Kugelschreiber liegen:
Pandora hat das Wort. Die Muse schweigt.

Imagepflege

ImagepflegeWer hat dir diesen Namen, der so dröhnt, verliehen,
wer weihte dich dem Wütrich mit dem Hammerschlag?
Ich seh dich sang- und klanglos ja vorüberziehen,
in Windeseile wie gewöhnlich, Donnerstag.

Kaum würd ich deines Auftritts heut mich noch entsinnen,
wär’s beim Lever nicht stets das gleiche Ritual –
mit Katzenwäsche einen neuen Tag beginnen,
dann Frühstück fassen: Brötchen oder Toast nach Wahl.

Und auch danach kann deine Fährte ich nur finden,
weil ich wie stets die Zeit mir im Büro vertreib,
um größtenteils in klugen Worten mich zu winden,
die aus dem Hals ich hauche oder niederschreib.

Du lebst ja nicht im Striche kräftiger Konturen –
als vager Abglanz nur der Dinge, die geschehn.
Auch heute hab ich auf des Klappkalenders Spuren
nur flüchtig dich mit deinem Kürzel „Do“ gesehn.

Kannst, graue Maus, du dich nicht endlich mal ermannen?
Renn doch nicht immer fix und feige aus dem Blick!
Die Götterkeile, lass mit Stürmen sie bespannen
und stolz als deine Boten auf die Erde schick!

Wo nicht, dann lass dich doch auf andre Weise spüren:
Die Mittagssonne färbe grün am Firmament,
zeig blond und busig uns die wackeren Walküren,
`nen armen Sünder, der im Fegefeuer brennt!

Bestirn die Nacht mit Diamanten, Amethysten,
dem vollen Mond gib – Punkt, Punkt, Bogen – ein Gesicht,
lass Rosen blühen an den sand`gen Meeresküsten,
die man für Nixen, zum Verlieben schön, nur bricht!

Hör auf, so blutlos schemenhaft davonzuhuschen,
und würdig deinen mächt`gen Namen wieder trag.
Lass dir nicht mehr ins altverbriefte Handwerk pfuschen:
Sei wieder Donnerstag, der mit dem Paukenschlag!