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Hinter den Kulissen

Hinter den KulissenIch: „Auf ‘nem Kamm könnt ich nicht blasen
und ‘ne Palette hielt ich krumm:
Was liegt da näher als mit Phrasen
es zu versuchen? Eben drum.“

Danach ein Schwenk auf meine Küche:
„Das Umfeld, das ihn inspiriert.
Nicht Quell nur mancher Wohlgerüche
und Kammer, wo man Brote schmiert.

Nein, hier, wie er uns gern berichtet,
sitzt abends oft er stundenlang,
dem Geist der Poesie verpflichtet,
und feilt an seinem Versgesang.

Wie jetzt. Wir wollen kurz ihm gucken
über die Schulter auf das Blatt.
Und sehn schon: Bis zum „reif fürs Drucken“
gibt’s erst mal Korrekturen satt.“

Dann wird der Kühlschrank eingeblendet.
Der Herd. Die Spüle (Abflussloch!).
Kein Kommentar. Die Botschaft sendet
das stumme Bild beredter noch.

Zumindest könnte ich mir denken,
dass so begänne ein Report.
Ein kurzer (Werbung nicht verschenken!),
und auch erst spät (nach Sex und Mord).

Doch immerhin. Daran gemessen,
dass Dichter füllen keine Halln,
solln dankbar sie die Krümel fressen,
die mal vom Tisch des Cutters falln.

Indes auch dies bleibt Hypothese,
zumindest, was mich selbst betrifft.
Wie könnt es sein, dass dieser Käse
die Klippen der Kritik umschifft?

Viel besser ist er aufgehoben
an seinem angestammten Platz:
der Küche (Näh’res siehe oben),
die schlicht zwar – doch nicht für die Katz.

Später Ausritt

imagesQZ8J0EF1Schon wird die Stille dichter
um Straße und um Haus.
Am Himmel erste Lichter.
Der Abend klimpert aus.

Ich schnapp mir die Latüchte,
was meine Kerze ist,
und ziehe wieder Früchte
auf meinem Geistesmist.

Will heißen, ich beharke
hier meines Blatts Geviert,
auf dass es große, starke
Gewächse mir gebiert.

Das übliche Ambiente.
Die Küche Klause mir
als Schmiede der Talente
und Musenjagdrevier.

Und Nektar soll beflügeln
die Fantasie, die faul,
sie fesseln nur mit Zügeln
an Pegasus, den Gaul.

Als Basislager, glaube
ich, gut wie irgendwas –
mit Tupper und mit Traube
am Fuße des Parnass.

Jetzt nur noch rauf zum Gipfel.
He, ihr im Göttersaal,
gleich hab ich euch beim Zipfel,
den Lorbeer holt schon mal!

Ach, alles nur Schimären,
entrückt und erdenfern.
Den Aufstieg wird man wehren
dem grünen Möchtegern.

Wie kann ich sie besiegen,
die Schwestern, die mich scheu’n?
Wenn sie auf sonst nichts fliegen –
vielleicht auf Strophe neun?

 

Wacker drauf

Wacker draufNoch kann ich einen Stoß parieren
und sei’n die Gegner auch zuhauf –
mon Dieu, gleich mit drei Musketieren
nehm ich, der Veteran, es auf!

Hab’ keine Angst vor großen Namen,
schon manchen hab ich kleingekriegt,
aus welcher Gegend sie auch kamen,
in zähem Kampfe sie besiegt.

Gascogner seid ihr? Meinetwegen.
Je kühner, desto lieber mir.
Nur immer fix mit eurem Degen,
wenn ich mich schon mal duellier!

Es folgt das übliche Massaker.
„Die Garde stirbt, ergibt sich nicht.“
Sie hielt sich, zugegeben, wacker –
so wie es halt der Traube Pflicht.

Der Traube? Nein, die grüne Flasche,
in die man ihren Saft vergor,
die legte ich in Schutt und Asche,
was nie gelang bei Glas zuvor!

Und die, auf ihrem Etikette,
als wäre es ein Wappenschild,
bekannte sich zu dem Terzette,
das seit Dumas uns teuer gilt.

Ich weiß, ich weiß, mit solchen Streichen
man besser hinterm Berge hält,
da sie nicht grad zum Ruhm gereichen
im „Preisverzeichnis“ dieser Welt.

Doch hier muss ich ihr widersprechen.
Dies eben find ich heldenhaft:
sich froh und friedlich zu bezechen,
im Rausche nur von Rebensaft.

Auch Athos ließ sich davon leiten
und Aramis und Porthos auch:
Stets für die gute Sache streiten –
des Sieges Sold gehört dem Bauch.

Lieblingsbeschäftigung

LieblingsbeschäftigungMensch, hockst du noch in deiner Bude
und strafst die Welt mit dem Geklier
der Feder, dass sie krank und krude
das Blatt mit Versen malträtier?

Gewiss. Bin ich auch so ‘n Geselle,
der auf den Dingen nicht beharrt,
so gibt es doch im Fall der Fälle
mal eins, in das ich ganz vernarrt.

Der Muse würd ich nicht entsagen,
selbst wenn sie mir die Gunst verwehrt –
wird doch des Liebenden Behagen
von Neigung, nicht Erfolg genährt.

Ich brauch nun mal die stille Stunde,
den Kitsch von Kerze, Lampenschein,
um mit ‘nem Becherchen im Bunde
von Kopf bis Fuß entspannt zu sein.

Und dabei helfen auch die Zeilen,
die dem Papier in anvertrau –
sie wollen nicht im Hirn verweilen
als lästiger Gedankenstau.

Sie wollen in die Welt sich wagen
den Kindern gleich von Fleisch und Blut
und auch wie diese sich nicht fragen,
ob sie misslungen oder gut.

Da gibt es also nichts zu rütteln –
liebt meine Leier, liebt sie nicht.
Ich werde weiter Reime schütteln:
Durchs Sieb fällt auch mal ein Gedicht.

Vor Mitternacht

Vor MitternachtNun denn, so ist des Tages Reise
beinahe schon vollbracht.
Doch diesmal wohl auf andre Weise?
Das haste dir gedacht!

Der alte Trott, die alten Riten.
Kein Stern vom Himmel fiel.
Sie hatte wieder nichts zu bieten
als Pamp und Pappenstiel.

Das Beste waren noch die Flocken,
die wirbelten so frei,
dass ich beim schönsten Stubenhocken
gewollt, ich wär dabei.

Das andre musst ich selbst besorgen.
Und faul wollt ich nicht sein!
Drum flog ich, Lyrik mir zu borgen,
hinauf zum Musenhain.

Doch wird’s für diesen Tag auch reichen,
dass man ihn nicht vergisst?
Ein klitzekleines Markenzeichen?
Ein Fähnlein, das man hisst?

Ich weiß nicht, ob dies Lied gelungen,
ob Unsinn Blüten treibt –
doch hab ich es mir abgerungen.
O dass die Kampfspur bleibt!

Kreisläufe

KreisläufeNur diesem Römer noch die Ehre,
dann flutscht der Vers mir wie geschmiert,
dass fließbandmäßig ich vermehre,
was Büchmann einmal breit zitiert.
Nur diesem Römer noch die Ehre!

Nur diesem Blatte noch die Freude,
dass ich es voll und ganz beschreib
und nicht ein Fitzelchen vergeude
von des Geschöpfes schönem Leib.
Nur diesem Blatte noch die Freude!

Nur diesen Zeilen noch die Pflege,
wie Musenkindern sie gebührt,
bevor ich sie beiseitelege,
von ihrer Reife selbst gerührt.
Nur diesen Zeilen noch die Pflege!

Nur dieser Flasche noch die Muße,
damit ich ihren Grund erreich
und meiner Gründlichkeit im Fuße
des Verses auch das Schlucken gleich.
Nur dieser Flasche noch die Muße!

Nur dieser Nacht noch schnell das Schlafen,
dann läuft mit der Aurora-Flut
in ihres Tags gewohnten Hafen
die Sonne mit bewährter Glut.
Nur dieser Nacht noch schnell das Schlafen!

Nur diesem Tag noch seine Pflichten,
und mag der Zeit er Flügel leih’n,
bis wir uns wiedersehn – beim Dichten,
bei Römer, Mond und Träumerei’n.
Nur diesem Tag noch seine Pflichten!

Ein Vergleich

Die sieben Weisen vom BambushainHier hock ich wie die sieben Weisen
voreinst in ihrem Bambushain,
lass meinen Bembel lustig kreisen
mit Riesling heute, Moselwein.

Nein, Les’rin, lass mich revidieren,
das Bild passt nicht so gut, mir scheint:
Wir hocken hier nicht mal zu vieren,
ja, sozusagen nur zu „eint“.

Das mit dem Weine stimmt indessen,
d.h. auch nur so ungefähr:
Bei einem Trank hat man gesessen
von Reis, als ob es Rebe wär.

Und Bambus? Gleich in ganzen Hainen?
Der müsste wohl woanders stehn.
Im Dunkel zwischen Pflastersteinen
kann ich ein Pflänzchen grad erspähn.

Das kümmert da am Wegesrande
und streckt die dürren Ärmchen aus.
Robinie heißt es hierzulande,
ein Stiefkind unsres Straßenbaus.

Was also bleibt uns von dem Bilde,
in das ich hier die Stimmung fing?
Es walt’, o Les’rin, deine Milde –
Metaphern sind wohl nicht mein Ding!

Dies wenigstens mag für mich sprechen:
Man schätzte Frieden, Harmonie,
das lippenlösend leichte Zechen
dem Vers zulieb, der Fantasie.

(Ich sollte schnell euch noch erklären,
dass dieser Männer Siebenschaft
im alten China pflegt’ zu leeren
den Becher ihrer Schaffenskraft.)

Muss man es nicht ein Wunder nennen,
dass überhaupt wir was gemein?
O Räume, Zeiten, die uns trennen –
doch dies, es lässt uns Brüder sein!

Werkstattkulisse

WerkstattkulisseWie öfter um die gleiche Stunde
hock träge ich am Küchentisch
und glotz bisweilen in die Runde
so geistvoll wie’n Aquarienfisch.

Was glaubt ihr, krieg ich da zu sehen?
Fassaden, Fenster, Neonglanz,
Laternen: Eiserne Alleen,
so trostlos ohne Blätterkranz.

Und wenn ich mehr ins Auge fasse,
ans Firmament die Nase stoß?
Nur eine grämlich graue Masse
von Wolken, mond- und sternenlos.

Doch unten übers Straßenpflaster
huscht dann und wann noch Nachtgetier –
großäugig: Limousinen, Laster,
Garagen suchend, Schlafrevier.

Gelegentlich, entleibt zum Schatten,
bewegt sich wer noch eilig fort
vor Mauern, die wie Kasematten
verschlucken selbst die Schritte dort.

Und manchmal ein entferntes Brummen
am Himmel, das sich bald verliert
und für Momente mit dem Summen
der Heizungstherme konkurriert.

Dies also, Les’rin, die Kulisse,
die dichtend mir Gewohnheit wurd.
Das Stück indessen ich vermisse:
Oder ist grade das – absurd?

O dieser Nächte leere Miene
ging mir schon immer auf den Nerv,
so dass ich längst den Musen diene
und lyrisch sie mit Rouge bewerf.

Muss man nicht alles selber machen?
Kommt nicht zum Berge der Prophet …
Ich höh die Wangen, dass sie lachen,
und schwärz sie für ihr Nachtgebet.

Ich überziehe sie mit Runzeln
und ziseliere Grübchen fein,
ich lass sie heut vor Freude schmunzeln
und anderntags auch traurig sein.

Ich mal sie mit dem Schmelz der Liebe
und mit der Wut entgleistem Zug,
mit dem Gebrüll versklavter Triebe
und mit der Sehnsucht Wolkenflug.

Ich male sie in allen Farben
des Obertübchens (ohne s!),
dass ihre Glut in Feuergarben,
ihr Schillern man in Iris mess.

Mehr will ich dazu nicht verkünden.
Nur dass am Rauputz vis-à-vis
ich pfleg mein Hirnholz zu entzünden
zur Flamme meiner Fantasie.

 

Gegen die Zeit

Gegen die ZeitWill ich die Nacht, den Tag verlängern,
wenn ich so rastlos schreib und reim,
unähnlich jenen andern Sängern,
die Morpheus gehen auf den Leim?

Will ich, der Stunden nicht gedenkend,
die lautlos hinterrücks entfliehn,
die Feder über Bütten schwenkend
bis in die Puppen Zeilen ziehn?

Sitz ich an meinem Küchenpulte
mit meinem Tintenrohr bewehrt,
dann weih ich mich dem Musenkulte
so zeitlos, wie man Götter ehrt.

Auf einmal geht der alte Wandrer,
der Mond, am Himmel still vorbei,
derselbe stets und stets ein andrer,
so wechselhaft sein Konterfei.

Kaum aber, dass ich ihn entdecke,
ihn, der vermeintlich unbewegt,
verschwindet er schon um die Ecke
wie ‘n Hase, der ‘nen Haken schlägt.

O ja, des Firmamentes Faden
auch sonst ich allzu leicht verlier,
so, wenn im Herbste die Plejaden
erst dort mir schimmern und dann hier!

Ihr seht, das große Weltgetriebe
ist mir Banane, wenn mit Brunst,
will sagen unbefleckter Liebe
ich übe meine Knittelkunst.

Dann mag ich fürn Schamanen gelten,
der sich von allem Ird’schen löst
und in fantastisch fernen Welten
auf Ahnherrn aller Dinge stößt.

Und hausend in borealen Breiten
im Jahr des Herrn 2000und,
fühl ich mich wie zu Zenons Zeiten,
zu Pans durchglühter Mittagsstund.

Doch schmied ich nicht die Waffen grade
entgegen meinem eignen Sinn?
Die Muse zeigt mir, die Mänade!
Es nahm die Zeit sie längst dahin.

Wie auch Gott Chronos überlisten?
Gehorcht selbst er der Moira nicht?
Ich hoff nur, dass er längrer Fristen
zumindest würdigt dies Gedicht!

Eine Abreise

Eine AbreiseJetzt also wieder fertig machen.
Liegt alles schon bereit?
Ja, da und da die Siebensachen.
Die ganze Herrlichkeit.

‘ne Frage: Ist es schön gewesen?
Wieso? Wie immer, klar.
Wo wohnten Sie? Am Strand, am Tresen?
Nee, an der Zimmerbar.

Geht noch was in die Trolley-Tasche?
Der Larios hier, der Gin?
– Ich glaub’s dir wohl, ‘ne Flasche,
wo soll denn die noch hin?

Diesmal wohl mehr zu Haus geblieben?
Ja, mehr als sonst, gewiss.
‘ne ruhige Kugel da zu schieben?
Nee, eher so aus Schiss.

Na, irgendwie noch wo dazwischen.
Da ist bestimmt noch Luft.
– Ihr wollt wohl wieder einen zischen
mit diesem Schnaps, du Schuft!

Aus Schiss, was soll das heißen?
Ich war nicht ganz gesund.
Nicht um ins Gras zu beißen,
doch elend wie ein Hund.

Du hast vielleicht Ideen!
So, uff!, bin startbereit.
– Du solltest auf die Uhr mal sehen,
es wird auch höchste Zeit.

Das find ich aber schade.
Dann war’s ja nur ‘ne Qual.
Ich glaube in dem Grade
passiert das nicht noch mal.

Jetzt nur noch schnell zum Flieger
und Abflug hopphopphopp,
es wünscht der müde Krieger
sich sehnlichst heim nonstop.

‘n guten Flug nach Hause!
Und Besserung für Sie!
Ja, danke. Erst mal Pause.
Dann wieder her. Und wie!