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Heilslehrer

Heilslehrer1Na, kommt doch schneller durch die Schranken,
die meinem Brägen vorgebaut,
und naht euch zügig den Gedanken,
die wundersam er schon geschaut!

Ihr glaubt, dass sie den euren gleichen?
Ein Holzweg, wertes Publikum!
Da eure in der Gosse schleichen,
weiln meine im Elysium!

So hat er wörtlich nicht gesprochen,
der Bursche, der mich fast geschafft,
als heut ich meine müden Knochen
zu einem Ausflug aufgerafft.

Doch sinngemäß – wenn ich bedenke,
was er da so vom Stapel ließ
am sonn’gen Plätzchen vor der Schänke,
wo unversehns er zu mir stieß.

Ich sag mal: Hippie alter Schule,
der die Verspießerung verschlief –
und voll noch hatte auf der Spule
den ganzen Esoterik-Mief.

Kaum dass ich nur ‘ne halbe Stunde
dem Guru höflich zugehört,
hat er mit Kreuz- und Karma-Kunde
mich hirschgerecht schon vollgeröhrt.

Den ganzen Katalog der Weisen,
den die Geschichte uns tradiert,
ließ flink er auf der Zunge kreisen
wie wer mit Bällen rumjongliert

So von der Rechten in die Linke
und vice versa unverwandt,
dass Christ und Buddha sich die Klinke
mit Laotse gaben in die Hand.

In gleicher Weise hielt vom Leben
er nach dem Tod nicht hinterm Berg,
dass mit der Seele Weiterschweben
er mir die weichen Knie stärk.

Klar, dass die Götter, die uns lieben,
behütend uns von früh bis spät,
die Speisen uns auch vorgeschrieben,
uns zu erlösen per Diät.

Und auch beim Kampfe, den Dämonen
mit Engeln fechten um die Welt,
würden sie reichlich den belohnen,
der’s mit den guten Geistern hält.

Warum ihn so viel Weisheit ziere
nebst Heilungskraft bei Knochenbruch?
Weil er in Höhlen meditiere
und lauschend auf der Erde Spruch!

Nun, so ein Lehrer oder Heiler
lebt sicher komfortabel hier
und hat im nächstgelegnen Weiler
gewiss ein himmlisches Quartier.

Ich frag: ‘ne Finca seine Bleibe,
in der er nur als Wächter wohnt,
dass dreiste Diebe er vertreibe,
für die das Gartenobst sich lohnt.

Hat er nicht unter Mangoblüten
sein Domizil geschickt gewählt,
um in der Stille auszubrüten,
was seiner Weisheit wohl noch fehlt?

Von Lauten und Leisen

Von Lauten und LeisenGewiss, gewiss, wenn es beim Sprechen
um die Geschwindigkeit nur ging,
wär ich mit meinem Radebrechen
wohl ein verträumter Schmetterling.

Ich lad nicht gerne meiner Zunge
des Vollbluts leichten Sattel auf,
dass sie mit wahrer Pferdelunge
den Laberlorbeer sich erlauf.

Eh’r teil ich in bedächt’gem Trabe
mit sicherem und festem Schritt
das, was ich so zu sagen habe,
dem Lauscher gegenüber mit.

Und immer in der Muttersprache,
was sich für mich von selbst versteht,
da ich ‘ne andre nur als Brache
des Worts besitz, die dünn besät.

Doch andre Völker, andre Sitten.
Vielleicht bin ich ein Sonderfall.
Denn Nacht für Nacht sitz ich inmitten
der Nachbarn wüstem Redeschwall.

Der einerseits der Schnelle wegen
und andrerseits der Klanggewalt
mir niemals nur als Abendsegen
für ungetrübten Schlummer galt.

Ja, ungewollt sein Ohr geliehen
dem Donner, der die Stille bricht,
erfährt’s, was hinter Jalousien
verborgen sonst vorm Tageslicht.

Doch um es ehrlicher zu sagen:
Verstehn tu ich’s nur insoweit,
als öfter jemand platzt der Kragen
im fortgesetzten Ehestreit.

In diesen Breiten, zugegeben,
geht man mit Lärm zwar freier um,
doch wenn so hoch sich Stimmen heben,
nimmt man’s auch hier den Leuten krumm.

Daraus zieh ich für mich die Lehre:
Auch hier wär jetzt die Stille tief –
wenn halt nicht dieses Klopfen wäre
am Haussegen, der wieder schief.

Wunschdenken

WunschdenkenDes Abends stille Stunde wieder.
Die Fantasie schwebt zum Parnass –
mit Versen kommt sie bald schon nieder,
Gedanken über dies und das.

Die Straße döst, kaum noch befahren,
im bläulich blassen Neonschein.
Wo überm Dach die Sterne waren,
spannt sich der Wolken grauer Lein.

Zu Ende jetzt die Wagenrennen,
geschäft’ger Füße Lärm erstickt.
Ich spür mein Lämpchen wärmer brennen,
den Zeiger hör ich, wie er tickt.

Frau Nachbarin, wohl schon zu Bette?
Kein einz‘ger Mucks, der zu mir dringt.
Ringsum, da schweigt man um die Wette,
nur meiner Therme Flämmchen singt.

Die Buddel, würde Bashô sagen,
wie quillt es da miteins
(ich will ein neues Gläschen wagen) –
Gluckgluck, Gluckgluck des Weins!

Erst will ich auf die Musen trinken,
an die mit Dankbarkeit ich denk:
Auch wenn mit Lorbeern sie nicht winken –
der Abend, welch Geschenk!

So‘n Frieden wünsch ich mir auf Erden –
will ihn ja nicht für mich allein:
Wenn alle Menschen Dichter werden,
dann müsst‘s zu schaffen sein.

Ich bitt euch, Musen, gebt euch Mühe,
haucht Poesie in jedes Herz,
dass selbst dem steinernen erblühe
ein Frühling wie im März!

Mit diesem Wunsch ich Reim und Rebe,
das Buch der Welt, die Augen schließ.
Wenn morgen ich die Lider hebe,
vielleicht im Paradies?

Kleine Staatslehre

Karneval der TiereDie Wandrung lang und voll Gefahren.
Doch jetzt genug herumgeirrt!
„Ein Glück, dass wir geduldig waren:
Dies Fleckchen hier das unsre wird!“

Genau geeignet scheint der Boden,
dass grade hier man Wurzeln schlägt
und sich mit baulichen Methoden
die Basis für ‘ne Bude legt.

Bald ist die Wohnung schon bezogen,
die man mit raschem Fleiß erschuf,
und jede Ecke, jeder Bogen
ein Lobeshymnus auf Vitruv.

Doch schützen auch die dicken Mauern
aus losem und gestampftem Dreck
vor Feinden, die genauso lauern
auf Beute hundert Meter weg?

„Solange die da existieren,
ist unsre Sicherheit bedroht.
Die beste Lösung: Liquidieren.
Es ist kein Platz in einem Boot“.

Nachdem man so den Krieg erfunden,
der später „präventiv“ genannt,
hat man die Mühe vieler Stunden
fürn Innenausbau aufgewandt

Wie pfiffig ging man da zu Werke:
Maß jedem seine Pflichten zu
nach seines Geists und Leibes Stärke,
dass willig er dieselben tu!

So ist es auch nicht ausgeblieben,
dass prächtig aufging diese Saat
und gut gedieh mit allen Trieben
bis hin zum ausgewachsnen Staat.

Nur Nektar und kein Wermutstropfen –
das Glück der Gründer schien perfekt.
Doch Mäuler warn auch viel zu stopfen,
was schließlich doch Probleme weckt.

Denn eines Tages, Jahre später,
als niemand Böses mehr gedacht,
hat’s wie ein Blitz aus blauem Äther
sie um den Unterhalt gebracht.

‘ne Dürre war hereingebrochen
und hatt‘ den letzten Halm versengt,
dass schmachtend durch die Gegend krochen,
die Frau Natur sonst reich beschenkt.

Doch haben sie verzweifeln müssen,
ihr letztes Sterbenswörtchen lalln?
I wo, nach eiligen Beschlüssen
ha’m sie die Nachbarn überfalln

Und alles ihnen aus den Kammern
nach dem bewährten Raubrezept
ganz ungerührt von Schrein und Jammern
samt Kind und Kegel weggeschleppt,

Dass dank sie der immensen Beute
vom Hungertod befreit miteins
und sich ihr Schurkenstaat erfreute
auch weiter wachsenden Gedeihns.

Bis irgendwann die Konkurrenten,
getrieben von der eignen Not,
sich kurz von ihrem Standort trennten,
um ihm zu rauben Brut und Brot.

Ad infinitum in Äonen
im Stile von Wildwest-Maniern –
ein steter Austausch blauer Bohnen,
bis alle an dem Fraß krepiern.

Von Ameisen ist hier die Rede
und ihrem kleinen, großen Reich –
und wie in Fleiß sie und in Fehde
dem Menschen so erschreckend gleich!

Nach Weihnachten

Nach WeihnachtenJetzt hat er wieder angefangen –
der alte Trott, der alte Trott.
Die Lippen, die Choräle sangen,
sie schweigen nun von Gott.

Die Tännchen kümmern auf den Gassen
im Kehricht aus vergilbtem Laub.
Verstummt das Lied der Ladenkassen,
die Ohrn für Wünsche taub.

Verstaut mit Vorsicht in den Kisten
ruht weich und wattig manche Zier –
wo faulig Dunst und Dämmer nisten,
ihr neues Hauptquartier.

„Hosianna!“ höre ich noch singen,
„Hosianna!“ freudig und „Frohlockt!“,
wo jetzt auf ihren schwarzen Schwingen
die Rabenkrähe hockt.

Die Herzen füllen sich mit Leere,
ein grauer Pfad zieht sich dahin.
„Dem Brot- und Arbeitsherrn die Ehre!“
„Und tschüs, bis Schichtbeginn!“

Die Zeit rennt immer nur nach vorne
und nimmt des Lebens Zukunft mit.
Schon lauert irgendwo die Norne
mit Scher’ und Faden: Schnitt!

In unsrem wind’gen Weltgetriebe,
das immer wach uns bleiben heißt,
ist dieses Weihnachtsfest der Liebe
Erholung für den Geist.

Drum raff ich’s Jahr in Tages Enge:
Nachdem die Arbeitszeit vollbracht,
wird jeder Abend, ohne Zwänge,
mir fast zur Heil’gen Nacht.

Hausmusik

HausmusikEs haust ein Nachbar mir zu Häupten,
‘nen Meter höchstens eleviert,
und den die Musen wohl bestäubten,
weil gern er Töne produziert.

Dabei spielt er in freier Weise
durchaus nicht auf ‘nem Instrument,
wie man es zu horrendem Preise
vom Musikalienhandel kennt.

Nein, sollt mich mein Gehör nicht trügen,
das allerdings nicht absolut,
scheint schon ein Stuhl ihm zu genügen,
mit dem er wahre Wunder tut.

Ich kann’s ja nur am Klang erraten,
gedämpft nur und nur zweiter Hand,
und riech doch etwas von dem Braten
der Technik, die er angewandt.

Er muss nicht auf dem Möbel wippen,
dass er wie’n Zappelphilipp schwebt –
nur rasch es mit dem Hintern kippen,
wenn er von diesem sich erhebt,

Um mit den Schenkeln nachzuschieben,
dass er zum Aufstehn Raum gewinnt,
wobei, am Boden langgerieben,
das Stuhlbein zu vibriern beginnt

Und ein Stakkato von Geräuschen,
von dem nicht eins dem andern gleicht,
bis hin zum Ruf nach Wattebäuschen
dem so gestrichnen Holz entweicht.

Da frag ich mich, ob die Kamönen,
der Kunst, der klassischen entzweit,
an Kakophones zu gewöhnen
das Trommelfell nunmehr bereit?

Ach, das mit den sensiblen Ohren
sahn sie schon immer ziemlich cool:
Xenakis haben sie geboren –
warum nicht Sancho mit dem Stuhl?

Kleine Weltgeschichte

Kleine WeltgeschichteEin fachlich übliches Verfahren
will ich mal lyrisch ausprobiern –
der Dinge Lauf, so wie sie waren,
auf große Namen reduziern.

Da taucht aus der Geschichte Dunkel
der Ramgon in das Licht der Welt,
raubt Neburabi das Gefunkel
der Krone aus dem Wüstenzelt.

Da kommt Alexios angeritten
und plündert des Dariander Land
die kreuz und quer, bis er inmitten
des blut’gen Ruhms sein Ende fand.

Jetzt Hannio Herr des pun’schen Pflasters,
der manche Festung bringt zu Fall,
doch bei Erweitrung des Katasters
der Faust erliegt des Scipibal.

Sich mächtig in die Wolle kriegen
auch manch missratne Söhne Roms –
der Marisulla killt wie Fliegen
im Stile eines Volkspogroms.

Genauso wenig haben Skrupel
Pompäsars Ego je geplagt –
hetzt mitleidlos die Kampf-Quadrupel
auf Plebs bei der Sesterzen-Jagd.

Und später dann, im Reich der Franken,
vom großen Karlis Khan regiert,
‘nen faulen Frieden sie verdanken
den Sachsen, die er massakriert.

Na, und so weiter und so weiter
kriecht dieser Kröten schleim’ge Spur
auf der Geschichte Hühnerleiter
bis heute fort in einer Tour.

Der Attilenk kommt noch zum Zuge,
der Wallenborough, Friedepart,
und so vergeht die Zeit im Fluge
beim Dauerstreit um Kaisers Bart.

Nachdem erst jüngst wir überwunden
den Terror, braun gefärbt und rot,
ha’m längst sich neue schon gefunden
als Meister für den Massentod.

Der Kimler etwa fern im Osten
mit trügerischer Kinderschnut
und, dass die Waffen ihm nicht rosten,
der Unruh stiftende Pol Put.

Auch sie nur ephemere Größen,
die bald schon in die Grube fahrn,
wo, wohlgenährt von Erdenklößen,
nur Würmer sich noch um sie scharn.

Es ist trotz dieser wen’gen Proben
der rote Faden rasch erkannt,
der wie ein Schuss hineingewoben
ins uferlose Zeitgewand.

Geschichte: Kampf um Kies und Kronen,
begierig, mitleidlos und blind,
und deren tausend Schlachtstationen
man nur mit Schaudern sich ent-sinnt.

Grad-Wanderung

Grad-WanderungDas Wort, das nicht von Kindesbeinen
beständig wir geführt im Mund,
muss seltsam uns und schwer erscheinen
und läuft darum nicht richtig rund.

Die Schwäche muss auch ich bekennen –
im Supermarkt zum Beispiel auch,
wenn an der Kasse sie mir nennen
die Centimos, die ich noch brauch.

Zum Glück indes sind Warenpreise
in jeder Sprache zu verstehn,
wenn sie in dankenswerter Weise
im eckigen Display zu sehn.

So mag die Wirtschaft denn gedeihen,
die nur mit Zahlen operiert
und sich nicht in den Züngeleien
diverser Völker erst verliert.

Doch solln wir optisch nur verkehren,
auf kleinstem Nenner, digital?
Der Zunge ihren Dienst verwehren,
dass ein Organ sie zweiter Wahl?

Ich mein‘, das schlimmste Radebrechen
ist jenem Schweigen vorzuziehn,
mit dem wir nicht nur gar nicht sprechen,
sondern auch den Versuch schon fliehn.

Doch gibt es sogar ‘ne Variante,
die diese Art der Faulheit toppt,
wie jüngst erlebt bei einer „Tante“,
mit der ich simultan geshoppt!

Die lag à la Konquistadoren,
die andern die Kultur geklaut,
dem Ladenschwengel in den Ohren
mit ihrem eignen Mutterlaut.

Der glotzte nur mit offnem Munde,
verstand nur Bahnhof oder so –
so dass mir Stümper schlug die Stunde,
lag über Null doch mein Niveau!

Und mit dem Häufchen von Vokabeln,
das ich spontan im Hirn noch fand,
hab ich ihr Schwatzen und ihr Fabeln
ins hiesige Idiom gewandt.

Ich glaub nicht, dass ich groß Reklame
für meine Redekunst gemacht –
und war doch stolz, dass bei der Dame
ich etwas Dankbarkeit entfacht!

Nächtliche Ruhestörung

Nächtliche RuhestörungWeit war die Nacht schon fortgeschritten
und tiefer Schlummer wiegte mich,
als sich von außen unbestritten
was Fremdes in die Träume schlich.

Von Zeit zu Zeit, in Intervallen,
die ungleichmäßig nur verteilt,
hört ich was Leichtes, Hohles hallen,
das nicht an seinem Platz verweilt.

Erst wollt ich’s weiter nicht beachten
und drehte ihm den Rücken zu –
um rasch zu spürn, dass auch die sachten
Geräusche störn, gehäuft, die Ruh.

An Schlaf war also nicht zu denken,
so wenig wie beim Wasserhahn,
der tropft und tropft, um nichts zu tränken
als unsern unstillbaren Wahn.

Vielleicht, so fuhr ich fort zu grübeln,
klingt’s rüber aus der Nachbarschaft
und niemand würd es mir verübeln,
hätt ich mich jetzt nicht aufgerafft.

Doch blieb es so auch in der Schwebe,
so auch ein Ärgernis zur Stund:
Am besten, dass ich mich erhebe
und geh der Sache auf den Grund.

Ich ging, dem Scheppern und dem Scharren
quer durch die Bude also nach,
um vorm Balkon jäh zu verharren,
weil da mir was ins Auge stach.

Ein Silberschimmer in der Ecke,
die sonst mit Schwarz zu glänzen pflegt,
entpuppte sich zu meinem Schrecke
als Plastikflasche, windbewegt.

So war der Störenfried gefunden
und der Verantwortliche auch –
ich, der die Buddel lasch verbunden
mit ihrem harten Heizungsschlauch.

Beschämt bin ich ins Bett gekrochen –
doch immerhin dadurch bestärkt,
dass die zu Recht auf Ruhe pochen,
die Nachbarn nichts davon gemerkt.

Es sei denn, sie ha’m stärkre Nerven
und liegen so ein Kullern aus,
statt sich ‘ne Jacke umzuwerfen –
und, puh, in diese Kälte raus!

Auf alten Pfaden

Auf alten PfadenEin Wetterchen für Exkursionen
war das ja heute grade nicht,
doch meinten wir, es würd sich lohnen
der Preis, den unser Ziel verspricht.

Wir also im Geländewagen,
der nicht viel fragt nach dem Parcours,
mit Diesel im gefüllten Magen
ab in die bergige Natur.

Der Aufstieg ging in Serpentinen,
dass beinah Schwindel uns erfasst
und die besonders wert uns schienen,
die schönsten Blicke wir verpasst.

Allein je höher wir dann kamen,
war‘s auch mit schlechter Sicht vorbei –
die lichtbedürft‘gen Panoramen
verschwanden wo im Nebelbrei.

Und dennoch glücklich eingetroffen,
wo sich‘s um die Forelle dreht –
die Mäuler standen uns schon offen
im Duft der Spezialität,

Als unsre Plätze wir bezogen
im gut besuchten Gästesaal
und harrten, dass aus Dampfeswogen
der Fisch sich auf den Teller stahl.

Der ließ nicht lange auf sich warten
und füllte ihn von Rand zu Rand,
was in bescheidnen Speisekarten
sich nicht einmal verzeichnet fand.

Mit einem Wort, uns war zumute
wie einem, „dem das Herze lacht“,
als satt wir auf ‘ner Nebenroute
uns wieder auf den Weg gemacht.

Und höher noch die Gipfel ragten
und dichter noch in Dunst getaucht,
dass nach ‘ner Lücke wir uns fragten,
die zur Bewältigung man braucht.

Die kam dann schon beim nächsten Orte,
dem hoffnungsvoll wir zugeeilt,
als Zaffarayas Pass und Pforte,
da wo man die Provinzen teilt.

Zwei polyphemische Pylone
flankierten hier der Straße Lauf
und schlossen nach der Höhenzone
den Weg ins weite Tal uns auf.

Von Menschen kaum ein Lebenszeichen
auf unsrer langen, langen Fahrt.
Verbargen unter Kermeseichen
sie ängstlich ihre Gegenwart?

Passt eher zu den alten Zeiten,
als Hannibal hier vorgerückt
mit Kriegern, die auf Monstern reiten –
wer hätte da sich nicht verdrückt!