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Osterschau

Die Osterwoche: Prozessionen
an manchem Ort von früh bis spät,
mit Heiligen auf hohen Thronen,
die man auf tausend Schultern lädt.

Und so, die Bürde auf dem Nacken,
im retardierten Wiegeschritt,
macht, Überdruck bis auf die Hacken,
der Träger ihre Leiden mit.

Viel Volk pflegt sich da einzufinden,
wie einem Schauspiel es gebührt,
in dem nach Schmähen und nach Schinden
das Opfer man zur Schlachtbank führt.

Hier wankt mit seiner Dornenkrone
ein Christus, bleich und blutverschmiert,
da dort als strahlende Ikone
die Himmelsjungfrau triumphiert.

Die großen, gloriosen Szenen,
sie machen sich noch immer gut –
zu Seufzern rühren sie, zu Tränen,
zu Abscheu, Trauer oder Wut.

Ja, manchem wird es gar im Herzen
so gallenbitter und so bang,
dass von der Last geschauter Schmerzen
er sich befreit mit Wehgesang.

Der Festzug aber schreitet weiter,
den ein Mysterium umgibt,
bis man am Fuß der Himmelsleiter
die Puppen in die Hütte schiebt.

Da lagern sie wie eitel Krempel
zur Sommer-, Herbst- und Winterzeit
ganz ohne ihren Gütestempel
als Stützen der Dreifaltigkeit.

Und dösen, bis die Osterglocken
sie wieder locken aus dem Bau
und man beginnt, sie aufzubocken
zur nächsten Kreuzparadeschau.

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Salz und Souvenir

Las SalinasDas Bröckchen kommt mir ständig zu Gesichte,
es liegt ja zünftig auf dem Küchentisch.
Wollt ihr sie hören, Freunde, die Geschichte?
In Ordnung, weiter mit dem Wisch!

Erinnert euch, dass ich mit Engelszungen
vom Urlaub mal im Herbst euch vorgeschwärmt:
“Reibt rau der Atem sich schon in den Lungen,
dann in die Sonne, wo sie wärmt!“

Das war im letzten Jahr erst, im Oktober,
ein kühler Sommer regenreich zerrann.
Im Laub der alte Wettstreit Gelb – Zinnober,
der gar bei Feuchte Glanz gewann.

Da griff ich mir, wie‘s heute heißt, ’nen Flieger
und ließ zu diesen Inseln mich kutschiern,
wo die Teutonen heute noch als Krieger
beim Trinken Kampfkraft demonstriern.

Mallorca, diese Walstatt ist Legende!
Und dann, kurz vor der Landung, da, Es Pla!
So weit, so eben liegt es, dies Gelände,
das Mühlentuch zum Greifen nah!

Ich will mich in Details nicht groß verlieren.
Nur so viel: dass ich mehr als Sonne fand.
Auch einen Christus übers Leid sinnieren,
gesehen von Murillos Hand.

Glyzinien, die in wogenden Kaskaden
den lila Gischt der frischen Blütenzier
von Giebeln stürzen ließen und Fassaden
als duftig-fließendes Spalier.

In luft’ger Höhe über flachen Fluren
die Blicke ohne Halt und Horizont
herab von Hügeln, die auf steilen Spuren
nur zickzack man erklimmen konnt.

Und tief in Täler eingestreute Städte,
Gelegen gleich in ihrem warmen Nest,
wenn auch die Sonne dort, zumal die späte,
als Schatten sich nur blicken lässt.

Und nicht zuletzt auch, Eingangstor zum Meere,
die seichte brackig-grüne Wüstenei –
Salinen, dass die Woge sich entleere
und sich von Bitternis befrei.

Zu Haufen aufgetürmtes Salz in Massen
wie anderswo die Kohle, wie der Sand,
kompakter nur und rauer anzufassen,
glitt man darüber mit der Hand.

Und weiß wie Schnee, der, eben erst gefallen,
vom Schmutz der Welt noch völlig unberührt,
millionenfach mit glitzernden Kristallen
die Glut vereister Kräfte schürt.

Da hab ein Stückchen ich herausgebrochen,
so winzig, dass es kaum ins Auge fiel,
und dran geleckt, getastet und gerochen,
entdeckerfreudig infantil.

Gab es als Salz sich klar auch zu erkennen,
noch unzerkörnt zur bess’ren Löslichkeit,
mocht’s auf der Zunge doch nicht brennen
so typisch, dass man’s von sich speit.

Mit milder Würze hat es sich empfohlen,
mit einer Prise auch von Wind und Tang,
wie eine Meeresfrucht, die einzuholen
man in der Wogen Seele drang.

Nun wisst ihr, wie die Dinge sich ergeben.
Da liegt es nun, das krude Souvenir.
Ach, könnt ich öfter solche Schätze heben,
als sie zu schildern auf Papier!

Es Pla. Es Trenc. Glyzinienwogen,
ein Christus, klaglos, leidgebeugt.
Und Dörfer, übern Hang gezogen,
der frühe Schatten säugt.

Auf jähen Kuppen Klostermauern.
Ein Adler, schwebend, überm Kliff.
Verstaubte Städtchen, die versauern,
des Gottverlassnen Inbegriff.

Cala Estany: Wellen pressen
sich durch das enge Felsentor.
Und dann der Sturm da, unvergessen,
wie Gischt zum Himmel schoss empor!

In diesem Klümpchen Salz gefangen,
wie ein Insekt im Bernstein ruht:
Opak, von vagem Weiß verhangen,
die Insel als Geschenk der Flut!

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Eingeflüstert

EingeflüstertGern lässt er sich für dumm verkaufen,
der Mensch, der für so schlau sich hält,
und eilt, den Fallen nachzulaufen,
die man „zu seinem Besten“ stellt.

Die Ersten, die ihn hintergehen,
sind die mit Macht und Staatsgewalt.
Sie wolln ihn still und willig sehen,
selbst wenn die Kriegstrompete schallt.

Dann soll sein Leben er riskieren
fürs „liebe Volk und Vaterland“,
indes die Butter dicker schmieren,
die immer weit vom Schuss man fand.

Und die als blut’gen Lohn ihm zahlen,
sofern, wie’s harmlos heißt, er „fällt“,
den Ruhm als staatsetatneutralen
nebst ‘nem bescheidnen Witwengeld.

Verarschung II: Die Religiösen,
die ‘n Himmel stets im Munde führn,
um sich Gewinne zu „erlösen“
als Pächter seiner Torgebühr.

Und die mit Höllenqualen drohen
dem Sünder, den „verstockt“ man heißt,
wobei die schrecklichste der Lohen
für Sünden gegen ihren Geist.

Extra ecclesiam nulla salus –
„nur durch die Kirche kommt das Heil“ –
wer daran zweifelt, kriegt ‘nen Malus,
einst auch per Brand und Henkerbeil.

Und alles dies in Christi Namen,
der wie kein andrer auf der Welt
gesprengt des Glaubens starren Rahmen,
dem Mitleid er vorangestellt.

Indes die Pfaffen stets bekannten
mit großer Lippe milden Sinn,
da schon die Scheiterhaufen brannten
und Menschen schmorend mittendrin.

Nun drittens noch zu den Schamanen,
die heut beschwörn mit Schall und Rauch –
nicht unter Staats- und Kirchenfahnen,
doch ebenso verlogen auch.

Das sind die fleiß’gen Beutelschneider,
die in der Wirtschaft führn Regie
und fabrizieren jene Kleider,
die Leute machen – sagen sie.

Mit andern Worten jene Sachen,
die man zum Leben braucht – und nicht,
doch wolln sie ständig weis uns machen,
der größte Fehler wär Verzicht.

Dann, schrecklich!, ginge uns ja flöten
(wie es die Werbung täglich lehrt)
so viel, was unbedingt vonnöten
für unser Wohl und unsern Wert.

„Denn nur an dem, was wir uns leisten,
erkennt der andre, was man hat.
Der Wahrheit folgen schon die meisten –
und ihrem Glück. Auch auf Rabatt.

Wer wird denn auf den Euro schielen
wie’n freudlos geldbesessner Greis
bei diesen unsren edlen Zielen:
Höchstqualität und Niedrigpreis!“

Und mit dem fotogenen Lächeln,
für das man Models sich geliehn,
kann die, die geistig etwas schwächeln,
schön übern Ladentisch man ziehn.

Auch hierbei wieder das Fatale:
Die Wahrheit weicht der Illusion.
Der Mensch schafft tausend Ideale –
die grad die Menschlichkeit bedrohn.

Wie rasch die Leidenschaften lodern,
wenn es um „heil’gen“ Unsinn geht!
Wer sich verweigert, mag vermodern –
so heillos ist die Welt verdreht!

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Heilslehrer

Heilslehrer1Na, kommt doch schneller durch die Schranken,
die meinem Brägen vorgebaut,
und naht euch zügig den Gedanken,
die wundersam er schon geschaut!

Ihr glaubt, dass sie den euren gleichen?
Ein Holzweg, wertes Publikum!
Da eure in der Gosse schleichen,
weiln meine im Elysium!

So hat er wörtlich nicht gesprochen,
der Bursche, der mich fast geschafft,
als heut ich meine müden Knochen
zu einem Ausflug aufgerafft.

Doch sinngemäß – wenn ich bedenke,
was er da so vom Stapel ließ
am sonn’gen Plätzchen vor der Schänke,
wo unversehns er zu mir stieß.

Ich sag mal: Hippie alter Schule,
der die Verspießerung verschlief –
und voll noch hatte auf der Spule
den ganzen Esoterik-Mief.

Kaum dass ich nur ‘ne halbe Stunde
dem Guru höflich zugehört,
hat er mit Kreuz- und Karma-Kunde
mich hirschgerecht schon vollgeröhrt.

Den ganzen Katalog der Weisen,
den die Geschichte uns tradiert,
ließ flink er auf der Zunge kreisen
wie wer mit Bällen rumjongliert

So von der Rechten in die Linke
und vice versa unverwandt,
dass Christ und Buddha sich die Klinke
mit Laotse gaben in die Hand.

In gleicher Weise hielt vom Leben
er nach dem Tod nicht hinterm Berg,
dass mit der Seele Weiterschweben
er mir die weichen Knie stärk.

Klar, dass die Götter, die uns lieben,
behütend uns von früh bis spät,
die Speisen uns auch vorgeschrieben,
uns zu erlösen per Diät.

Und auch beim Kampfe, den Dämonen
mit Engeln fechten um die Welt,
würden sie reichlich den belohnen,
der’s mit den guten Geistern hält.

Warum ihn so viel Weisheit ziere
nebst Heilungskraft bei Knochenbruch?
Weil er in Höhlen meditiere
und lauschend auf der Erde Spruch!

Nun, so ein Lehrer oder Heiler
lebt sicher komfortabel hier
und hat im nächstgelegnen Weiler
gewiss ein himmlisches Quartier.

Ich frag: ‘ne Finca seine Bleibe,
in der er nur als Wächter wohnt,
dass dreiste Diebe er vertreibe,
für die das Gartenobst sich lohnt.

Hat er nicht unter Mangoblüten
sein Domizil geschickt gewählt,
um in der Stille auszubrüten,
was seiner Weisheit wohl noch fehlt?

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Blütensüchtig

BlütensüchtigDa rennen alle wie besessen,
als ob es um ihr Leben ging,
und jagen doch nur selbstvergessen
nach so ‘nem runden Lederding!

Und hat mit seinen letzten Kräften
es einer vor den Fuß gekriegt,
sich gleich die andern an ihn heften,
weil ihnen auch am Leder liegt.

Das Weitre kann ich mir hier schenken,
das Spiel ist aller Welt bekannt:
Man will das Ding im Tor versenken,
das einer schützt mit breiter Hand.

Das kostet so viel Schweiß und Mühen,
dass man an nichts mehr denken kann –
als ging dies wunderbare Blühen
der Kirsche nur den Frühling an!

Oft streift der Ball der Äste Reihen,
die zitternd zeigen sich empört
und lassen rosa Blüten schneien –
was keiner sieht und keiner hört.

Nur einer, der da vom Palaste
verfolgt das muntre Hin und Her,
bedauert, dass in dem Gehaste
kein Blick mehr bleibt fürs Blütenmeer.

Wir ahnen, dass ein solch Empfinden
im Ligafußball nicht zu Haus –
da heißt es zwar sich ähnlich schinden,
doch nur für Kasse und Applaus.

Tief müssen in die Zeit wir tauchen,
zu stoßen auf dies Phänomen,
dass Menschen die Natur so brauchen
wie unsereins das Sportgeschehn.

In Japan schon vor tausend Jahren
beim Tenno schlug man so den Ball,
und wenn da welche süchtig waren,
dann waren sie ein Einzelfall.

Das Auge für die Jahreszeiten
und ihren jeweils eignen Charme –
geöffnet weit in jenen Breiten
bei Hoch und Niedrig, Reich und Arm.

Genügt das nicht, um zu kapieren,
was an Ästhetik wir verlorn?
Die gröbsten Sinne triumphieren,
die Mammon sich als Gott erkorn.

Selbst die, die Christus schon in Bälde
zurückerwarten, gottgesandt,
anstatt der Lilien auf dem Felde
begaffen Salomos Gewand!

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Wirklich die Krönung

Wirklich die KrönungDer Schöpfung selbsternannte Kronen,
jetzt hocken sie an Heim und Herd,
sich mit Entspannung zu belohnen
fürn Tag, der an den Kräften zehrt.

Und da die Hausmusik veraltet
wie Halma oder Blindekuh,
man still zumeist die Fäuste faltet
und schaut den Serienmördern zu.

Nichts ist ja besser für die Nerven
und macht sie wieder drahtseilfit
als Killer, die die Messer schärfen.
„Gleich nach der Werbung“: Gurgelschnitt.

So ist die Glotze, viel verspottet,
ein Spiegelbild des Lebens nur –
der Mensch, der sich so gern vergottet,
‘ne jämmerliche Witzfigur.

Die plustert sich mit bunten Fummeln
und schreitet wie ein Pfau daher,
um optisch sich hinaufzuschummeln
in Sphären, die bedeutungsschwer.

Und das ist noch das kleinste Übel –
die Mehrheit ist nicht eitel bloß,
sie kippt auch gern den ganzen Kübel
der Bosheit in des Nächsten Schoß.

Ja, häufig kramen sie die Knarre
aus irgendeinem Loch hervor
und spieln auf dieser Blitzgitarre
das Lied vom Tod ins taube Ohr.

Da wär ein Schöpfer tief gesunken,
hätt er sich so ein Werk erdacht –
gekrönt von Mördern und Halunken
in Biedermeierbürgertracht!

Blasphemischer könnt man nicht lästern
ein Wesen von so hoher Kraft,
als dass man mit den Brüdern, Schwestern
ihm bucklige Verwandte schafft!

Wärn Fische, Flöhe oder Quallen
am Busen der Vernunft gestillt,
sie würden gleichfalls drauf verfallen:
Gestatten, Gottes Ebenbild!

Um sich genauso auszuhecken
‘nen Masterplan für nach dem Tod –
lever du roi: Gott wird uns wecken
„und hilft uns frei aus aller Not“.

Da müsst ein Christus lange sterben,
bevor er so ein Pack erlöst!
Das Fell sollt er ihm lieber gerben,
das Fleisch, das da im Fette döst!

Doch geht der Abend schon zur Neige
und Schatten fällt auf meinen Geist –
wird besser sein, dass ich nun schweige,
da er in andre Träume reist.

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Neuer Besen

Neuer BesenVon einem Papst ist heut die Rede
voll Demut und Bescheidenheit,
der Kriege Feind und jeder Fehde,
die nicht die andre Wange leiht.

Dem Pomp hat er schon abgeschworen;
den Lateranpalast er floh
und hat ein Hüttchen sich erkoren
am Tiberufer irgendwo.

Er braucht auch keinen Luxuswagen
mit Hochsitz und mit Scheibenschutz,
lässt sich von einem Esel tragen
noch durch den größten Straßenschmutz.

Ja, auch den hübschen Kaffeewärmer
entfernte er von seinem Haupt,
das er als echter Glaubensschwärmer
mit Dornen dürftig nun belaubt.

Auch hat den Ring er kühn verstoßen,
vor dem man auf die Knie fällt,
reicht seine Hände hin, die bloßen,
zum Schütteln jetzt der ganzen Welt.

Muss man’s nicht mit Hosianna preisen,
wenn wer auf Petri Stuhle thront,
urbi et orbi zu beweisen,
dass Kirche sich nun wieder lohnt?

Frommen Betrug will ich’s nicht nennen –
wer kennt den Geist, der aus ihm spricht?
Doch Christus tätig zu bekennen,
war’s denn nicht immer Hirtenpflicht?

 

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Eine Art Kirchgang

Eine Art KirchgangWeit steht die große Pforte offen,
denn heute ist der Tag des Herrn,
und alle, die auf Christus hoffen,
besuchen ihn besonders gern.

Die kleinen Glocken hoch im Giebel,
sie sammelten die Schäfchenschar
so aufgeregt zum Wort der Bibel,
dass sie sich überschlugen gar!

Die eine klang ein bisschen heller,
die andre gab sich dumpf und tief –
und eiferten, wer denn wohl schneller
das Volk zur Frohen Botschaft rief.

Die Kirche, die von Wuchs bescheiden,
erweckt gleichwohl Bewunderung:
Die weißen Wände gut sie kleiden
und der Fassade kühner Schwung.

Die Glöckchen und das Kirchgebäude,
die ihr soeben kennen lernt,
sie stehn zu meiner großen Freude
nur einen Steinwurf weit entfernt.

Muss nur mich aus dem Fenster beugen,
und alles mir vor Augen liegt –
und kann der Muse so bezeugen,
dass blickfangfrische Kost sie kriegt.

Wird feindlich sie zur Kenntnis nehmen,
dass ich auf fremder Götter Spur?
Kein Grund, o Muse, dich zu grämen:
Mein Tempel heißt Architektur!

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Vaters Himmelfahrt

Vaters HimmelfahrtSchon in der Frühe spürt‘ ich heute,
dass in der Luft da etwas lag,
so freudig blickten alle Leute –
ach, morgen ist ja Vatertag!

Kein Wunder also dies Frohlocken:
Dann schont man seine Arbeitskraft,
und mancher reist in Ringelsocken
und feiert seine Vaterschaft.

Bleibt denn des Tags sakrale Würde
auf diese Weise auch gewahrt?
Natürlich, Männer, keine Hürde –
auch Christ ging ja auf Himmelfahrt!

Als Sohn indes. Dass er dem Gotte,
der ihn hienieden ferngezeugt,
dem Kreuzestod und Grab zum Spotte
lebendig seine Knie beugt.

Den Vater, will die Bibel wissen,
freut der Besuch des Filius,
setzt rechts von sich aufs Throneskissen
ihn in aeternitatibus.

Und lässt ihn fortan mitregieren
als Partner sein gewalt’ges Reich
von Sternen und Pantoffeltieren,
von Galaxien und Krötenlaich.

Und mit dem Heil’gen Geiste walten
als Dreigestirn am Himmel sie,
um alles fix in Gang zu halten
nach dem Gesetz vom Sinai.

Die Eintracht scheint mir sehr zu loben
und nachgeahmt zu werden wert,
wie ja auch sonst der Himmel droben
uns manche schöne Tugend lehrt.

Wie wär’s denn, wenn am Vatertage
mit ihren Lütten im Verein
die Väter ohne Saufgelage
sich fröhlich ihrer Rolle weihn?

Dann bräuchten sie nicht rumzutönen,
was sie für tolle Hechte sind,
führn an der Hand ja ihre Schönen –
und kümmern sich mal um ihr Kind!

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