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Mit bestem Dank

Mit bestem DankWenn blöd ich wär, hätt Stroh im Brägen
und faselte nur immer Stuss,
wär mein Büro der reinste Segen,
fernab von jedem Musenkuss.

Wär ich Pedant, ein Erbsenzähler,
der nichts als kleinlich kritteln kann –
o wie viel ausgemachte Fehler
böt mein Büro mir täglich an!

Wär ich ein Schwätzer, große Lippe,
die Brust von Eitelkeit geschwellt,
wie läg mir die Beamtensippe,
die brabbelnd mein Büro umstellt!

Wär ich blasiert, ein steifer Knochen
und Besserwisser vor dem Herrn,
ich käm nicht ins Büro gekrochen:
Ich lief, es jauchzend aufzusperrn.

Wär ich ein Hund, ein Leuteschinder,
der gerne mit der Peitsche knallt,
ich liebte mein Büro nicht minder
als ein Tyrann die Staatsgewalt.

Doch, ach, ich kann’s mir nicht erklären,
sind doch da Gründe ohne Zahl:
In dies Büro zu gehen, wehren
sich meine Füße jedes Mal.

Ich krieg’s nicht hin beim besten Willen,
denn diese Gründe sind mir wurst.
Drum kann ich im Büro nicht stillen
auf Wohlbefinden meinen Durst.

Muss immer auf den Dienstschluss harren,
um glücklich mich davonzustehln.
Dann kann im eignen Hof ich scharren
und meine Art zu gackern wähln.

Doch wenn ich reimend Ruhe tanke
und endlich frei mich fühl und froh,
weiß ich sehr wohl, wem ich’s verdanke –
dem ungeliebten, dem Büro.

Popanze

BonifazHabt ihr mein letztes Lied gelesen?
Klang etwas deprimiert, nicht wahr?
Entspricht im Grund nicht meinem Wesen,
doch wollte raus mal offenbar.

Ich muss es hier nicht wiederholen,
ihr wisst ja selbst, worum es geht:
Die ganze Welt bleibt mir gestohlen,
weil sie auf falschen Füßen steht.

Natürlich nicht die Welt als solche,
an der es nichts zu kritteln gibt,
weil sie vom Menschen bis zum Molche
mit gleicher Freude alles liebt.

Nein, was ich da im Auge habe
(ums andern noch mal zu erklärn),
das ist der Mensch mit seiner Gabe,
sich für Idole zu verzehrn.

Das sind Gedankenkonstruktionen,
die er sich so erhaben denkt,
dass außer Raum und Zeit sie wohnen
und Ehrfurcht heischen unbeschränkt.

Und was dem eignen Hirn entsprungen,
gilt ihm so unwahrscheinlich gut,
dass er’s von Göttern glaubt errungen
und nicht von ird’schem Fleisch und Blut.

Viel dümmer kann man’s nicht mehr machen,
das Ganze ist so wie… so wie …
man bastelt sich ‘nen bunten Drachen
und fällt ergriffen auf die Knie!

Dann geht es von alleine weiter –
ist erst der Popanz mal geborn,
wird immer höher er und breiter,
bis schließlich jedes Maß verlorn.

So kommt am Ende das zustande,
was christlich man die Kirche nennt-
ein Drachen, der, an keinem Bande,
in blindem Eifer Amok rennt.

Man kann sich an den Kopf nur fassen
und fragen, was wohl größer ist –
der Selbstbetrug der gläub’gen Massen
oder der Pfaffen Hinterlist?

Die Frage, bitte nicht erschrecken,
ich weiter an die Kirche lenk.
Die Antwort soll ein Papst uns stecken,
der Einz’ge, dem ich Glauben schenk.

Weil, welche Einsicht zu den Zeiten!,
er zynisch gab den „Ketzern“ recht:
Ach, wie viel Unsinn wir verbreiten –
doch lebt es sich davon nicht schlecht!

Zimmerkaktus

KaktusFast hätt ich meinen Cereus übersehen,
weil ich so in Gedanken war.
Ich bin zwar nicht versessen auf Kakteen,
doch lieb ich dieses eine Exemplar.

Heut ist der Tag, ein wenig ihn zu tränken
– nicht Kanne braucht’s dazu und Krug -,
nur ein, zwei Tropfen gilt es ihm zu schenken,
für eine Woche ist ihm das genug.

Wie haust genügsam er da und bescheiden
in seines Töpfchens Winzigkeit!
Bleibt ihm doch, sie zum Leben zu beweiden,
ein bisschen Erde nur, zwei Fingerbreit.

Asket ist er im großen Reich der Pflanzen,
verachtend, was Genuss gewährt,
da er, durchbohrt von tausend spitzen Lanzen,
sein Nagelbrett zu keiner Zeit entbehrt.

Wie anders doch als seine Zeitgenossen,
die sich mit weichen Blüten ziern
und die, gedüngt beständig und begossen,
nur allerbeste Böden akzeptiern!

Verzeih mir, dass ich beinah dich vergessen!
Wo ich doch häufig drauf verwies,
dass grade die, die edlen Sinn besessen,
man oft im Winkel wo verkümmern ließ!

Gute Mischung

Gute MischungDer Kupferkrug wirft seinen Schatten
der Flasche an den Hals.
Fast möcht man meinen so wie Gatten,
vertraulich jedenfalls.

Die stehn, wo immer sie auch glucken,
beständig dicht an dicht –
der Krug, der glänzend anzugucken,
die Buddel weiblich schlicht.

Bewegt sich einer mal vom Platze,
dann solltet ihr mal sehn,
wie da der andre seinem Schatze
gleich folgt im Handumdrehn.

Dabei sind wirklich doch die beiden
von so verschiedner Art!
Doch heißt’s nicht, mancher mag wohl leiden
just seinen Widerpart?

Ich möcht mich deutlicher erklären?
Na gut, so soll es sein:
Das Wasser jener hält in Ehren,
und diese schätzt den Wein.

Kann man sich noch verschiedner denken
den Geist, der sie durchglüht?
Der eine will den Gaumen tränken,
der andre das Gemüt.

Der eine brennt in stetem Feuer,
von Leidenschaft verzehrt,
der andre liebt nur Abenteuer,
die der Verstand ihn lehrt.

Wenn die zum Bunde sich vereinen,
dann nur, dass er zerbricht?
Gewiss, so sollte man wohl meinen –
doch zwingend ist es nicht.

Vielleicht, dass diese Charaktere
bereit zum Kompromiss
und schwören ab der reinen Lehre
als Ehehindernis.

Das Wasser kann ihn wohl bezähmen,
den wilden Rebensaft,
und jener ihm das Fade nehmen –
für Würze und für Kraft.

Solln ihren Bund sie doch nicht scheuen
und offen zu ihm stehn.
Werd gern mich weiterhin erfreuen
an gut gemischten Eh’n.

Eingeflüstert

EingeflüstertGern lässt er sich für dumm verkaufen,
der Mensch, der für so schlau sich hält,
und eilt, den Fallen nachzulaufen,
die man „zu seinem Besten“ stellt.

Die Ersten, die ihn hintergehen,
sind die mit Macht und Staatsgewalt.
Sie wolln ihn still und willig sehen,
selbst wenn die Kriegstrompete schallt.

Dann soll sein Leben er riskieren
fürs „liebe Volk und Vaterland“,
indes die Butter dicker schmieren,
die immer weit vom Schuss man fand.

Und die als blut’gen Lohn ihm zahlen,
sofern, wie’s harmlos heißt, er „fällt“,
den Ruhm als staatsetatneutralen
nebst ‘nem bescheidnen Witwengeld.

Verarschung II: Die Religiösen,
die ‘n Himmel stets im Munde führn,
um sich Gewinne zu „erlösen“
als Pächter seiner Torgebühr.

Und die mit Höllenqualen drohen
dem Sünder, den „verstockt“ man heißt,
wobei die schrecklichste der Lohen
für Sünden gegen ihren Geist.

Extra ecclesiam nulla salus –
„nur durch die Kirche kommt das Heil“ –
wer daran zweifelt, kriegt ‘nen Malus,
einst auch per Brand und Henkerbeil.

Und alles dies in Christi Namen,
der wie kein andrer auf der Welt
gesprengt des Glaubens starren Rahmen,
dem Mitleid er vorangestellt.

Indes die Pfaffen stets bekannten
mit großer Lippe milden Sinn,
da schon die Scheiterhaufen brannten
und Menschen schmorend mittendrin.

Nun drittens noch zu den Schamanen,
die heut beschwörn mit Schall und Rauch –
nicht unter Staats- und Kirchenfahnen,
doch ebenso verlogen auch.

Das sind die fleiß’gen Beutelschneider,
die in der Wirtschaft führn Regie
und fabrizieren jene Kleider,
die Leute machen – sagen sie.

Mit andern Worten jene Sachen,
die man zum Leben braucht – und nicht,
doch wolln sie ständig weis uns machen,
der größte Fehler wär Verzicht.

Dann, schrecklich!, ginge uns ja flöten
(wie es die Werbung täglich lehrt)
so viel, was unbedingt vonnöten
für unser Wohl und unsern Wert.

„Denn nur an dem, was wir uns leisten,
erkennt der andre, was man hat.
Der Wahrheit folgen schon die meisten –
und ihrem Glück. Auch auf Rabatt.

Wer wird denn auf den Euro schielen
wie’n freudlos geldbesessner Greis
bei diesen unsren edlen Zielen:
Höchstqualität und Niedrigpreis!“

Und mit dem fotogenen Lächeln,
für das man Models sich geliehn,
kann die, die geistig etwas schwächeln,
schön übern Ladentisch man ziehn.

Auch hierbei wieder das Fatale:
Die Wahrheit weicht der Illusion.
Der Mensch schafft tausend Ideale –
die grad die Menschlichkeit bedrohn.

Wie rasch die Leidenschaften lodern,
wenn es um „heil’gen“ Unsinn geht!
Wer sich verweigert, mag vermodern –
so heillos ist die Welt verdreht!

Totgeschwiegen

TotgeschwiegenWann bin ich Maler? Wenn die Massen
ergriffen vor der Leinwand stehn,
in langen Schlangen an den Kassen
von Galerien und Museen?

Wann Komponist? Wenn in den Sälen,
wo festlich man Konzerte gibt,
der Chor der Hörer nicht zu zählen,
der innig meine Klänge liebt?

Ein Schneider? Wenn die Kunden strömen,
sich zu gewanden in mein Tuch,
dass man von Bergen bis nach Böhmen
begierig füllt mein Auftragsbuch?

Und Maurer? Wenn ich Kathedralen
in gotisch blaue Himmel türm
und tausend Augen gläubig strahlen
wie in der Dämmerung Gewürm?

Brauche als Held ich Millionen
als Zeugen meiner Ruhmestat,
um ewig in Walhall zu wohnen
mit Logensitz im Götterrat?

Kein Kunststück, dies zu widerlegen,
das Argument liegt auf der Hand:
Dem stehen alle die entgegen,
die man ihr Leben lang verkannt.

Ich muss hier keine Namen nennen,
denn ihre Zahl ist Legion,
weil auch die „Kenner“, die verkennen,
sich nähren vom Expertenlohn.

Auch Dichter sind dabei gewesen,
die erst im Grabe man geehrt.
Ach, Zeilen ihr, die ungelesen,
verzweifelt nicht an eurem Wert!

Goldrausch

GoldrauschDas letzte Hemd hat keine Taschen –
ein Superspruch aus Volkes Mund,
nach dem vergeblich manche haschen,
die mit der Werbung fest im Bund.

Wobei wir zugestehen müssen,
dass grad das Gegenteil verficht
von hochgepriesenen Genüssen
die Weisheit, die aus jenem spricht.

Und wurd er wirklich je beachtet –
heut ist er aus dem Blick verlorn,
da blind man nur nach Mammon trachtet
wie Midas mit den Eselsohrn.

Dem ist bekanntlich schlecht bekommen
das goldne Händchen unverwandt,
dass froh er war, als ihm genommen,
was listig ihm ein Gott gesandt.

Doch da in unsren höhren Breiten
die Macht der Götter heute klein,
wird ungestraft uns wohl begleiten
die Geldgier bis Sankt Nimmerlein.

Es sei denn, dass beim ew’gen Schlingen
der Magen sich mal überfrisst
und man sich kehrt zu geist’gen Dingen,
weil einem hundeübel ist.

Das jedenfalls wär die Methode,
die göttlich der Natur geliehn,
den Menschen, rüde und marode,
ins Beiboot der Vernunft zu ziehn.

Das schippert einsam und verlassen
dem stolzen Dickschiff hinterm Heck,
dem reiche Ladung wo zu fassen
des Daseins einz’ger Sinn und Zweck.

Doch wenn es mal so überladen
in ‘nen Jahrhundertsturm gerät,
dann gehn die Schätze vielleicht baden
mitsamt der Crew, die für sie steht.

Und die im Schiffbruch schrein und jammern,
schrein nun frenetisch nach dem Boot,
an diesen Strohhalm sich zu klammern
in ihrer nackten Leibesnot.

Dies aber, auf der Darwinsleiter,
beweist die Kluft von Mensch und Tier –
der Mensch, gerettet, macht so weiter;
die kluge Ratte bleibt am Pier.

Schläfrigkeit

SchläfrigkeitEs hat zu regnen angefangen.
Die Straßen glänzen feucht und glatt.
Der Himmel, tief und grau verhangen,
liegt unbeweglich auf der Stadt.

Indes bei milden Temp’raturen.
Das Thermometer zeigt auf zehn.
Ein Hauch von Frühling streift die Fluren;
schon glaubt die Knospen man zu sehn.

Ist drum der Winter abzuhaken?
Noch steht der Februar bevor,
in dessen frisch gestärkten Laken
manch frühe Hoffnung schon erfror.

Wie wenn den Regen wir befragen,
der stumm sich in die Nacht ergießt?
Er wird nichts anderes uns sagen
als philosophisch „Alles fließt“.

Da heißt es in Geduld sich üben.
Gewissheit kriegt man eh ja nie.
Das Wetter ist wie Kraut und Rüben:
Ein Fall der Chaostheorie.

Noch immer hör ich Regen rauschen.
Das geht wohl so die ganze Nacht.
Ich werd im Schlaf ihm weiterlauschen:
Schon schaukelt Morpheus mich ganz sacht!

Hintergrundgeräusche

HintergrundgeräuscheNennt dies man Eremitenleben,
wenn rings man nur die Vögel hört
und lautlos ihre Netze weben
die Spinnen, die kein Lüftchen stört?

Und wenn bisweilen nur ein Knistern
wie’n Funke in die Stille fällt,
sich hin und wieder zu verschwistern
mit einem Knacken wie bestellt?

Na ja, in diesem strengen Sinne,
da fehlt’s mir noch an Einsamkeit,
steck ich vom Knöchel bis zum Kinne
im Lärm, den mir der Nachbar leiht.

Nicht dass da ständig Töpfe scheppern
in kakofon’schem Blechgesang
noch jemand, Teller zu zerdeppern,
sich anschickt alle Naselang.

Auch die uns heut die Medien machen,
die stets beliebte Hausmusik,
hör ich in Tönen nur, in schwachen,
wo ich (im Klo!) den Sender krieg.

Nein, das was mir mit kaltem Schauer
periodisch fährt in Mark und Bein,
das ist, vergiss die dickste Mauer!,
ein Quietschen voll ins Ohr hinein.

Es ist, wie wenn ein Güterwagen
mit Eisenrädern, unbereift,
dem jäh die Bremsung aufgetragen,
ein Stück noch auf der Schiene schleift.

Doch will ich keinem unterstellen,
dass er zu Haus mit Loks rangiert –
in diesen wie in andren Fällen
ein Möbel diese imitiert!

Denn einem Stuhl, auf dem wir hocken,
wie auch ‘nem Tisch, der nicht zu schwer,
lässt leicht sich so ein Laut entlocken,
rückt man ihn rüde hin und her.

Und die Sensibelchen von Nerven
sind hierzulande so gestählt,
um eh’r sie aus dem Gleis zu werfen,
wenn es an solchen Reizen fehlt.

Doch ich, ein Fremdling, hergelaufen,
soll ich die Hiesigen bekehrn
und sie mit Alsterwasser taufen,
als ob sie’s nicht im Jordan wärn?

Bin nicht zum Missionar geboren
und schulde schließlich auch Respekt
dem Usus, der hier ausgegoren
und mir ein bisschen bitter schmeckt!

Kein Grund, den Platz hier zu vertauschen.
Die Nacht macht alles wieder gut:
Ich hör nur leis die Wellen rauschen,
das Flüstern der gewalt’gen Flut.

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TagesrückblickDen Tag lass ich Revue passieren:
Nichts von Bedeutung allerdings.
Zum Amt und wieder heim marschieren.
Es gilt noch immer rechts vor links.

Das Haus steht an der alten Stelle.
Die Treppe führt zum dritten Stock.
Im Flur den Schalter drücken: Helle.
Musik dröhnt mir entgegen, Rock.

Kein Bulle da ’ner Untat wegen,
kein Feuerchen im Winkel pafft.
Verschont von allen Schicksalsschlägen,
lebt friedlich laut die Nachbarschaft.

Mein Bau liegt, wie ich ihn verlassen,
der ganze Schrott am selben Fleck.
Die Latschen an: Na klar, sie passen.
Zu Tisch: Das alte Essbesteck.

Ich muss den kleinen Knopf nur drücken,
dann rattert schon das Radio los.
Verlässlichkeit → Vertraun → Entzücken.
Gefühle wie in Abrams Schoß.

Des Nachbarn tierisches Gegröle
hallt pünktlich durch die Küchenwand.
Zur Schnecke macht er seine Töle,
als wär’s ein Wesen mit Verstand.

Und wie ich mit der Kunst poussiere
und aufs Papier Gestammel klecks:
Das gleiche Bürschchen und Geschmiere
wie gestern und die Jahre ex.

Der einz’ge Wandel, den ich sehe,
das ist der Staub, der höher liegt.
Allmählich häuft er sich zur Wehe –
bis er sich einst zum Hügel biegt.