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Winter ade

Winter adeIhr kennt sie ja, die Wetterzwänge –
man setzt den Fuß nicht unbedingt
hinaus aus seiner Stubenenge,
wenn Petrus seine Wäsche wringt.

Was in den seligen Gefilden
Iberiens selten ja im Schnitt,
doch in dem Winter hier, dem milden,
Schnee, Eis und Hagel stellvertritt.

Bleibt nur noch einer zu erwähnen,
der öfter mal Randale macht –
der Wind, der aus dem großen Gähnen
zu tierischem Gebrüll erwacht.

Klar, geht auch dem man aus dem Wege,
weil wild er deinen Skalp begehrt
und dir zwecks weitrer Körperpflege
gern eisig in den Kragen fährt.

Doch abgesehn von diesen Fällen
hemmt weiter nichts die Wanderlust,
zu baden sich in goldnen Wellen
aus Helios‘ heißer Heldenbrust.

Und hast du ‘nen Balkon am Wickel,
der seewärts schön nach Süden geht,
dann hock dich auf den Hosenzwickel,
da wo im Licht die Liege steht…

Und lass die Plautze dir bescheinen,
Visage, Backen, Stirn und Kinn
bis runter zu den Spargelbeinen
als Therapie im Ganzheitssinn.

Wie lernten einst wir in der Schule:
„Der Winter ist ein rechter Mann“?
Ja, aber nur im „letzten Thule“ –
hier unten geht er’s „softer“ an.

Über Fischen

Über FischenFrühmorgens gehn sie auf die Reise
und dampfen in ihr Fanggebiet,
wo immer noch auf Petri Weise
man Maschen durch die Fluten zieht.

Da kreisen sie denn Stund um Stunde
in eng begrenzter Region
und bergen ihre feuchten Funde
fürn ungewissen Tageslohn.

Dann heißt’s schon in die Hände nehmen
den Kiel am späten Nachmittag,
damit sie nicht verspätet kämen
zu des Versteig’rers Hammerschlag.

Der fällt hier in der Hafenhalle
unweigerlich Punkt 18 Uhr –
indessen nicht für Krill und Qualle,
für Seehecht und Sardine nur.

Wenn sie dann schon vorm Bierchen hocken,
um durchzuhecheln ihren Fang,
machen sich andre auf die Socken
und stillen nachts ihrn Beutedrang.

Die geistern lockend dann als Lichter
in diesem Sott von Nacht und Meer,
mal draußen weiter und mal dichter,
doch immer lautlos hin und her.

Eintrudeln morgens, wenn die andern
die Lider grad vom Schlaf befrein –
sofort zum Auktionator wandern,
weil Käufer schon nach Ware schrein.

Da Fischer ständig ihn bejagen,
erholt sich nie ihr Lebensquell.
Die Brut wird ihm davongetragen
in Einkaufsnetzen XXL.

Na und, wird mancher vielleicht höhnen,
beschwert sich wer aus diesem Kreis? –
Zumindest hör ich nächtlich stöhnen
die Welln, die Winde – ach, wer weiß!

 

Nach starkem Guss

Nach starkem GussWie immer nach so trüben Tagen
zeigt plötzlich strahlend sich die Welt,
dass dir dein vor’ges Unbehagen
wie Schuppen aus der Seele fällt.

Gehorsamst melde: Eingetreten
der Fall, der oben avisiert.
Die Winde unversehns sich drehten,
die Sonne kam hereinspaziert.

Man traut sich wieder rauszugehen
(Wer arbeitet, der muss es eh;
den Rentner nur mit Mühe krähen
die Hähne oft vom Kanapee).

Doch auch Besagter in der Klammer,
den Zwang nicht in die Puschen treibt,
entfernt sich manchmal aus der Kammer,
dass er am Wind die Nase reibt.

Und dann belatscht er eine Strecke,
die kaum ‘ne Meile übersteigt
im Stile einer Wegeschnecke,
die wenig nur zur Eile neigt.

Und hat doch immerhin genossen
die Erde unterm trägen Fuß
nebst einem Bündel von Geschossen
als Helios‘ heißen Strahlengruß.

Zurück nach Hause und zufrieden.
Die Sonne hat man nicht verpasst,
die auch für anderntags beschieden –
da wird denn noch mal nachgefasst.

Nicht sauer mehr in Regen baden,
was Eierkuchenfreude weckt –
wär bloß nicht dieser Wasserschaden,
der faulig-grau die Decke fleckt!

 

Stürmische Nachlese

Stürmische NachleseHätt gern euch gestern schon berichtet,
hautnah gleichsam und aktuell
und wie gewöhnlich versverdichtet
von dieses Meeres Schwall und Schwell.

Bin leider nicht dazu gekommen.
Hatt noch ‘nen Torso von Poem,
den hab ich mir zur Brust genommen,
dass endlich er zu Potte käm.

Doch liegt mir lebhaft noch vor Augen,
was gestern meinen Sinn erregt,
und mag wohl fürn paar Zeilen taugen,
eh ’s mir die Zeit aus diesem schlägt.

Am Abend also, kurz nach sieben,
falls meine Küchenuhr nicht spinnt,
hat’s mich noch einmal rausgetrieben
in diesen unverschämten Wind.

Der hatte tags schon fix geblasen,
war keinen Augenblick erschlafft
und brüllte jetzt noch in Ekstasen
unzähmbar blinder Leidenschaft.

Den Palmen wollte er es zeigen,
die krümmten sich vor Schmerz und Schreck
und schlugen um sich mit den Zweigen,
als scheuchten sie ihn wieder weg.

Als Rührwerk hat indes gewütet
im Bottich er der salz’gen Flut,
die Wellenflur mit Schaum „behütet“
zu einem gräulich-grellen Sud.

Der brandete in wilden Sätzen
sich bäumend bis aufs feste Land,
dass die gesamte Bucht in Fetzen
von weißen Bändern eingespannt.

Südost. Entfesselt blies die Wogen
er zu gewalt‘gen Brechern auf.
Ich hab mich rasch nach Haus verzogen –
mit Rückenwind im Dauerlauf.

 

Ein super Markt

Ein super MarktAls neulich ich am Meer geschlendert
gedankenlos wie eh und je,
hab jäh die Richtung ich geändert,
denn plötzlich kam mir ‘ne Idee.

Ein Supermarkt lag in der Nähe,
dem rückte ich nun auf den Pelz,
dass nach ‘ner Buddel ich da spähe,
die ich in meine Tüte wälz.

Nicht irgendeine. Einen Tropfen,
den mit Genuss ich schon probiert,
denn nur mal auf den Busch zu klopfen,
wär ich nicht extra hinmarschiert.

Ich also in den engen Gängen
herumstolziert erwartungsfroh,
doch wo ich jüngst ihn fand in Mengen,
war nicht ein einz’ger im Depot.

Doch leer nicht nur die Flaschenecken,
auch viele andre überdies,
dass ich wohl zig Mal zum Verrecken
vergeblich mir die Birne stieß.

Ein fleiß’ges Trüppchen Angestellte
fand schließlich ich auf meiner Tour,
dass jäh sich mir der Grund erhellte
für diesen Umstand: Inventur!

Doch ließ ich drum den Kopf nicht hängen
und fragte mal auf blauen Dunst
nach diesem Weinchen, das um Längen
liegt vorn in meiner Gaumengunst.

Und kaum hatt ich genannt den Namen,
den dies Gewächs am Bauche trägt,
ist eine dieser netten Damen
auch schon ins Lager losgefegt.

Und kam nach wenigen Momenten,
die Beute schwenkend triumphal,
zurück zum glücklichen Petenten
als ambulantes Weinregal.

Worüber ich wohl mehr mich freute:
dass ich zu meinem Kauf noch kam,
oder dass die, die mich betreute,
die Störung mir nicht übel nahm?

Maritime Schattenspiele

Maritime Schattenspiele.jpg2Es war am späten Nachmittage,
als ich noch einmal Lust bekam,
zu lösen mich aus dem Verschlage
und ‘nen Spaziergang unternahm.

Noch war die Sonne auf dem Posten
und spendete ihr Licht dem Tag,
doch düstre Wolken trieb ’s nach Osten,
dass jener schon im Dämmer lag.

Und warfen auch gewalt’ge Schatten
in eine zitternd graue Flut,
dass einen Zeus man glaubt‘ begatten
die See in seinem Übermut.

Und wirklich: Auf den dunklen Fluren
der wasserreichen Wüstenei
gebarn sich tausend Dioskuren
wie aus der Leda Schwanen-Ei.

Fantastisch war es anzuschauen,
wie Weiß an Weiß sich da gereiht,
um eine Kette zu erbauen,
die sicher eine Meile weit.

Es sah so aus, als hätten Flocken
von Schnee sich übers Meer gespannt –
doch einzeln und in dicken Brocken,
dass keine Fläche draus entstand.

Beim zweiten Blick: ‘ne Möwenbande,
die ohne Kreischen und Tamtam
paar Flügelschläge weg vom Lande
ganz friedlich auf den Wellen schwamm.

Warum? Das mag Poseidon wissen.
Die Ruhe vor dem nächsten Fang?
Mich hat die Szene hingerissen:
Naturtheater. Lebenslang.

Eine amerikanische Tragödie

Eine amerikanische TragödieGesetz und Ordnung müssen walten,
dass Friede herrscht in Wald und Flur –
man könnte fromm die Hände falten,
wär’s nicht ein Spruch der Diktatur.

Ich schwenk mal rüber zu den Staaten,
die viel auf ihre Freiheit schwörn,
und wundre mich der Missetaten,
die locker diesen Ruf zerstörn.

Die haben da ‘ne Knüppeltruppe,
die nicht viel Federlesens macht
und nach dem Motto „Mir doch schnuppe!“
ihr Knarrenfeuer gern entfacht.

Da kann es öfter denn passieren,
dass jemandem die Stunde schlägt,
weil vor den Cops, die ihn visieren,
er irgendwie sich falsch bewegt.

Und sei’s, dass er ‘nen Hundeknochen
für seinen Waldi hochgereckt –
der Bulle wird auf Notwehr pochen,
wenn er ihn blindlings niederstreckt.

So ist die Freiheit auch, zu sterben,
ganz unbegrenzt in diesem Land.
Der Cowboys und Banditen Erben
sind schnell noch mit dem Colt zur Hand.

Ein Mädchen, siebzehn Jahre eben,
der Schießwut jüngst zum Opfer fiel.
Ein Messer, heißt’s, wollt sie erheben –
schon wurd sie einer Kugel Ziel.

Das arme Kind war psychisch leidend
und hätte Hilfe wohl gebraucht –
doch nicht so plötzlich und entscheidend,
dass der Revolver danach raucht.

So hat die schöne Lebensreise
ein Kerl ihr kurzerhand storniert.
Der wird bloß auf Beamtenweise
vom weitren Dienste suspendiert.

Doch sind ‘ne Menge Ordnungshüter
von seinem Schlage landesweit
zum Schutz der höchsten Lebensgüter
noch unvermindert dienstbereit.

Nach altem Maß

Nach altem MaßWo wär das möglich hoch im Norden?
‘n ganzes Haus – ein Stockwerk bloß?
Mit Oberstübchen nix geworden,
die Bodenständigkeit bleibt groß.

Ein Domizil der kurzen Wege.
Das meiste hat man gleich zur Hand –
wie eine Henne ihr Gelege,
was diese auch stets praktisch fand.

Muss man da drin sein Navi zücken,
um endlich wo am Ziel zu sein?
Nein, einfach nur die Klinke drücken
und mitten in die Stube rein!

Kaum Platz für Omas Kaffeetasse
in der beschränkten Räumlichkeit –
doch immerhin ‘ne Dachterrasse
macht schön sich in der Sonne breit.

Und da meist offensteht die Türe
hinter des Vorhangs weh’ndem Saum,
erweitert sich durch dessen Schnüre
die Bude in den Straßenraum.

Im Sommer kann man draußen sitzen,
des Hauses Enge zu entfliehn,
und mächtig Braun auch noch stibitzen
der Meist’rin Sonne: Melanin.

Noch viele dieser Fischerkaten
stehn malerisch am Strand entlang.
Hier hat Poseidon man zum Paten
und stets im Blick den nächsten Fang.

Die Kais sind gleich hier um die Ecke,
da landet man die Beute an –
die holt ganz frisch sich weg vom Flecke
der Höker mit dem Caravan.

Kein Pflaster für Hoteltouristen –
der Badestrand zu klein und grau.
Paar hundert Meter weiter nisten
sie hoch in ihrem Plattenbau.

Heiß und lau

Heiß und lauAuch heute bullert noch die Hitze
und heizt dir den Pullover auf.
Nach draußen traue dich und schwitze
beim Bummeln und Fressalienkauf!

Das Wetter hält sich schon seit Wochen
mit einem kleinen Zwischenspiel,
kaum wert, besonders drauf zu pochen:
Ein Guss, der auch des Nachts noch fiel.

Ansonsten sich das Betttuch spannte
des Himmels in gebleichtem Blau
von einer bis zur andern Kante
so glatt wie bei ‘ner Bügelschau.

Der Rentner, den’s aus höhren Breiten
verschlug an diesen warmen Strand,
gewöhnt sich gern an Jahreszeiten,
die allesamt dem Lenz verwandt.

Er tappert täglich seine Runde
am Wasser, wie es blitzt und blinkt,
und freut sich auch der Dämmerstunde,
wenn blutorange die Sonne sinkt.

Selbst wenn die Nacht wie eine Mauer
gleich hinterm Schaum der Brandung steht,
ist sie doch weitaus milder, lauer,
als man erwartet hätt so spät.

Es funkeln Sterne wie Geschmeide
an ihrer samtbeschlagner Front,
dem Wanderer zur Augenweide,
der sich in ihrem Glanze sonnt.

Die aber knapp nur überm Meere
in trägem Rhythmus oszilliern,
sind Lichter unsrer Erdensphäre,
die da ’ne Muschelzucht markiern!

Donnerpause

DonnerpauseDer Hauer von der dritten Sohle
hat wohl den Schlägel weggelegt.
So wird der Pütt zum Ruhepole,
an dem man gern derselben pflegt.

War unerträglich für die Ohren,
was der sich so zurechtgekloppt
und wie mit Hämmern er und Bohren
die ganze Nachbarschaft gemobbt.

Erlahmt sind offenbar die Kräfte,
die seinen Arm in Schwung gesetzt,
dass diesem lauteren Geschäfte
entsagt er hat zu guter Letzt.

Wobei wahrscheinlicher die These,
dass fertig nun sein Bauprojekt
und nach dem hektischen Gewese
er seiner Muskel Wunden leckt.

Ist es die neue Badewanne,
die Küche fern der Einheitsnorm?
Er freut sich erst mal volle Kanne
der gut gelungnen Wohnreform…

Indem mit sattem Selbstgefühle
er tief in seinen Sessel fällt,
das Bad im Blick vielleicht, die Spüle –
mit sich zufrieden und der Welt.

Gibt wer nach solcherart Triumphe
dann auch für alle Zukunft Ruh?
Nein, dass sein Mjöllnir ihm nicht stumpfe,
schlägt bald er donnernd wieder zu!