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Mensch h. c.

Mensch h. c.Der hat auf der Visitenkarte,
erläuternd unterm Namenszug,
ein Dipl.-Ing., gleich welcher Sparte,
als Synonym für neunmalklug.

Ein andrer kann sich sogar schmücken
mit einem Doktor phil., jur., med.
und dadurch die Bewundrung pflücken
fürn Geist der Universität.

Steht gar „Professor“ vor dem Namen,
spielt Ehrfurcht sicherlich schon mit:
Entzücken bei den „Büldungs“-Damen,
Beklemmung bei Hauptschüler Schmidt.

„Direktor“ ist ‘ne Variante,
mit der man seiner Macht sich rühmt:
Der Wirtschaftsgötter Abgesandte,
geschäftig, gierig, unverblümt.

Der Adel, den von andern Leuten
ein kleines „von“ allein noch trennt,
benutzt es gern, um zu bedeuten,
dass seine Wirkung er wohl kennt.

Ja, könnten tote Kirchenfürsten
sich solcherart noch präsentiern,
sie würden sicher danach dürsten,
mit „heilig“ ihren Wisch zu ziern.

Die Leute wollen Eindruck schinden
und holn die Titelkeule raus.
Ich kann daran nichts Schlimmes finden –
sagt es doch viel über sie aus!

Heimkehr ins Blaue

Heimkehr ins BlaueDie Sonne brennt aus blauen Weiten,
in die kein Wölkchen sich verirrt,
kein Adler, drüber wegzugleiten,
kein Möwenschwarm, der schwankt und schwirrt.

Geduldig beugt die dürre Erde
sich unter dieses heiße Joch.
Kein Seufzer, keine Drohgebärde –
ein Büßer, der zu Kreuze kroch.

Entzündet aber von dem Strahle,
der stetig glüht vom Himmel her,
die Blüten flammen auf, Fanale
im endlos grünen Pflanzenmeer.

Die See selbst, die des Wassers wegen
sich keinesfalls so leicht erhitzt,
erzittert unter Funkenschlägen,
dass überall es blinkt und blitzt.

So hat das Bildnis jener Küsten,
denen ich jüngst mich erst entwand,
stets neu nach ihnen zu gelüsten,
sich ins Gedächtnis mir gebrannt.

Erfrischend aber auch die Kühle,
mit der der Norden mich empfing –
das rechte Wasser auf die Mühle
der Stirn, die schon in Schweiß zerging.

So wär denn alles gut gelaufen
bis auf, na, kaum der Rede wert –
ein permanentes Röcheln, Schnaufen:
Erkältungsschock, kaum heimgekehrt!

Überkommene Jagdlust

Überkommene JagdlustWie immer spät noch in der Klause,
in der seit je ich sitz und sinn,
der abendlichen Koch-Kartause,
dern Prior und Poet ich bin.

Und just wie dort laut Ordensregel
von Brot und Wein man leben muss,
bläh mönchisch ich mein Gaumensegel
mit regelmäß’gem Traubenguss.

Die Ähnlichkeit geht sogar weiter:
Da schmettert man den Chorgesang,
hier müht der Lieder Wegbereiter,
der Dichter sich um Text und Klang.

Und beide wohl in dem Bestreben,
die letzten Dinge zu erschaun –
der eine nur das ew’ge Leben,
der andre nur des Kosmos Graun.

Das soll indes uns nicht entzweien –
erlangt man Weisheit mit dem Schwert?
Uns alle, Kleriker und Laien,
mehr als der Fund die Suche ehrt.

Und grade die macht ja Vergnügen!
Der Beute auf der Spur zu sein!
Und mit geschickten Winkelzügen
kreist man sie immer weiter ein.

Warum am Ende sie erschlagen,
dass elend sie im Staube liegt?
Nur der, der aufgehört zu jagen,
im Blutrausch sich der Strecke wiegt!

 

Warmer Empfang

Warmer EmpfangAls jüngst ich wieder hier gelandet
als Vogel im vertrauten Nest,
war leicht und luftig ich gewandet,
wie man den Süden halt verlässt.

Doch hieß mich hier mit gleicher Hitze
der erste Tag willkommen schon,
dass ich seitdem „bei Muttern“ sitze
wie ein verlorner Wüstensohn.

Motto: Vom Regen in die Traufe,
sofern das mit der Sonne geht.
Ich warte erst mal und verschnaufe,
bis sich der Wind womöglich dreht.

Ihr meint, ich sollte eh’r frohlocken,
dass mir St. Peter wohlgesinnt
und wollewarm und knochentrocken
mein borealer Trip beginnt?

Was wisst ihr von den heißen Träumen,
die unter Palmen grad gedeihn,
wenn in den aufgeheizten Räumen
die Glieder nach Erfrischung schrein?

Man kann nicht nur in Sonne baden,
gefärbt vom Salz des Himmelblaus,
selbst Luxus hängt nach Strich und Faden
dir irgendwann zum Halse raus.

Ein bisschen Kühle, bisschen Nieseln,
das war’s, worauf ich mich gespitzt.
Doch mag’s damit zurzeit auch kriseln –
Hammonia hat’s noch nie verschwitzt!

Anhaltende Baulust

Anhaltende BaulustNun war ich weg ‘ne ganze Weile
und guck, da schließlich heimgekehrt,
hier rauf und runter meine Meile,
ob sie mich etwas Neues lehrt.

Die Baumanie ist ungebrochen,
wie mir der erste Blick schon zeigt.
Denn um nach Kräften abzukochen,
man stark zur Immobilie neigt.

Da drüben in dem Straßenbogen,
der Brachland lange Zeit umschloss,
sind jetzt Fassaden hochgezogen
durchgängig bis zum Dachgeschoss.

Und auch dahinter recken Kräne
den Schwanenhals aus diesem Meer,
dass es sich immer weiter dehne
in Welln, zement- und ziegelschwer.

Ja, selbst hier unten an der Ecke
die Apotheke, die ich nutz,
gab, sicher zu gesundem Zwecke,
sich einen frischen Sonntagsputz.

Wann wird der Mensch mal Ruhe geben?
Er wirkt und werkelt ohne Rast,
als ob sein Acht-Jahrzehnte-Leben
die ganze Ewigkeit umfasst!

Im Notfall baut er Pyramiden,
dass er in Stein unsterblich sei –
und west als Toter fort hienieden
mit einer Mumie Konterfei.

Echter Budenzauber

Echter BudenzauberDass man mal überwältigt wäre,
ist selten wie ein Bindestrich,
nur Freude gibt sich oft die Ehre,
Begeisterung gelegentlich.

In unserem Gefühlskataster
ist Überschwang nur schwach markiert,
es sei denn der für Liebeslaster,
der uns hier wen’ger int’ressiert.

Doch grade weil so kurz gehalten
die Glut, die in den Adern schwelt,
kann sie zum Ausbruch sich entfalten,
wenn es an Brennstoff ihr nicht fehlt.

Stellt euch mal vor, nach langer Reise
kehrt ihr zurück ins Domizil –
das sich auf wunderbare Weise
verändert hat mit Stumpf und Stiel!

Wo alles strahlt in neuem Glanze –
geweißt, entrümpelt und möbliert,
und aus dem alten Totentanze
Komfort und Frische generiert.

Als ob mit ihrem Zauberstabe
hier eine Fee gefuchtelt hätt,
dank dessen Heinzelmännchengabe
blitzsauber alles und adrett.

Das war es, was mich umgehauen.
Wär untertrieben, mich zu freun.
Werd morgen nach den Wichteln schauen –
da muss ich keine Erbsen streun.

Fan-Abend

Fan-AbendMan hupt die Freude in die Stille!
Sieg für den eigenen Verein!
Das Leder als Begeist’rungspille,
schlug es im Tor des Gegners ein.

Aus den Lokalen rings auch fliegen
die Sprechgesänge mir ins Ohr
der Fans, die nicht die Kurve kriegen,
als nimmermüder Schlachtenchor.

Für Fußball bin ich kein Experte.
Ich guck mir selten Spiele an.
Nur dem Ergebnis auf der Fährte,
beschäftigt er mich dann und wann.

Für wen und was sollt ich auch brüllen?
Für Siege, die ich nicht erstritt?
Für Youngster, die ihr Säckel füllen
mit Ballgeschubs im Sauseschritt?

Mit Tempo, Technik, Winkelzügen
ein Sport, der immerhin gefällt
und manchem Anspruch kann genügen,
den man an Spaß und Spannung stellt!

Doch dass mit Trommel ich und Tröte,
Vereinstrikot und Transparent
den Narrn zu spieln mich je erböte,
bestreite ich hier vehement.

Ein schöner Zeitvertreib im Leben,
der manchmal gar vom Hocker reißt –
indes zum Kult ihn zu erheben,
zeugt eher von profanem Geist.

Stilles Örtchen

Stilles ÖrtchenVersteckt war er, der kleine Hafen,
der heute unser Ausflugsziel,
an einem Plätzchen, das verschlafen,
doch malerisch mit eignem Stil.

Um dieses Kleinod zu erhaschen,
musst man auf Berg- und Talfahrt gehn;
die Kurven hatten sich gewaschen,
die fast schon Pirouetten drehn.

Doch endlich dann die letzte Biege
plus Parkplatz Marke „Arsch der Welt“,
wo unsre brave Motorziege
wir zum Verschnaufen abgestellt.

Zu Fuß dann durch die Sperre. Jachten
von jeder Art, von A bis Z,
verschliefen da im Wind, im sachten,
die Siesta in ‘nem Wasserbett.

Beschirmt von mächt’gen Felsenwänden,
die steil sich türmten ringsherum,
dass Stürme keine Zuflucht fänden
in diesem Schiffsrefugium.

Wir dümpelten gleich diesen Booten
an unserm Tischchen auf dem Kai.
Geschwätz, Gewitzel, Anekdoten:
Der Müßiggänger Litanei.

Wir waren fast die einz’gen Gäste
nebst einem Briten mit Tattoo.
„Marina“ hieß der Ort, „del Este“ –
Geheimtipp für die Sonntagsruh.

So was wie Fallobst

So was wie FallobstHeut hatt ich auf dem Einkaufszettel
auch eine Birne mir notiert,
da über Herd und Schneidebrettel
die nicht mehr glühte wie geschmiert.

Mit einem Seufzer jäh verblichen,
nach langer Treue durchgebrannt,
hab ich sie aus dem Sinn gestrichen,
als ich die Fassung wiederfand.

Doch in der Küche so im Dunkeln
geht’s ohne Fingerschnitt nicht ab,
da muss einfach ein Lichtlein funkeln,
damit man nicht in Fallen tapp.

‘ne „Vorrede auf dem Theater“.
Da nötig, hier Geschwafel nur.
Das Kind indes, des Mannes Vater,
schätzt immer noch die Quasseltour.

Kurzum, ich hab so ‘n Ding gefunden
in meinem Lieblingssupermarkt,
das extra da für Schnäppchenkunden
im Sonderpostenpool geparkt.

Das Gute dran: Ein nettes Wesen,
das in dem Laden da zu Haus,
hat mich, den Irr’nden, aufgelesen
und fischte mir die Ware raus.

Das Schlechte folgte auf dem Fuße:
Kaum heimgekehrt am Strand entlang,
zog aus der Schachtel ich in Muße
ein Lichtobjekt – das gleich zersprang!

 

Unverhoffter Umschwung

Unverhoffter UmschwungDer Morgen war noch grau verhangen.
Die Palmen flatterten im Wind.
Paar Leute sind mit Schirm gegangen
tief vor den Augen, wegeblind.

Da konnt ich keine Hoffnung hegen
auf einen Tag an frischer Luft,
sah einem Hausarrest entgegen
mit strengem Bohnenkaffeeduft.

Doch weit gefehlt. Auf diesen Himmel
ist so und so ja nie Verlass.
Der Wolken düsteres Gewimmel
verschwand wie ‘n Floh im Regenfass.

Ganz langsam also notabene –
und mittags war es aufgeklart.
Azur beherrschte voll die Szene,
als Mouche die Sonne drin apart.

Wie gerne ließ ich mich verlocken
von der erheiterten Natur,
nicht länger hinterm Herd zu hocken –
so dass ich in die Latschen fuhr.

Ein Strandlokal war grade richtig
für meinen Durst auf Luft und Licht.
Da saß ich einsam, null und nichtig,
als Gast der zweiten Kellnerschicht.

Die Sachen aber, die bestellten,
die waren eines Königs wert.
Das beste Urteil drüber fällten
die Spatzen, die sie heiß begehrt.