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Müll und Meer

Viel Lust hatt‘ ich ja nicht gerade,
noch einmal vor die Tür zu gehn,
doch ehe ich in Unrat bade,
in Gottes Namen mag’s geschehn!

Dem Eimer stand schon bis zum Rande
der Feiertage ganzer Müll,
da leider ich am lauf’nden Bande
mit frischen Resten ihn befüll.

Solang dem Auge noch verborgen,
was unterm Deckel wächst und sprießt,
verschieb die Leerung ich auf morgen –
doch wehe, wenn er nicht mehr schließt!

Ist es so weit erst mal gediehen,
wird’s auch dem Friedlichsten zu bunt,
dass er sich stellt, anstatt zu fliehen,
dem inneren, dem Schweinehund!

Ich schnappte mir die volle Tüte
fürn nächtlichen Container-Run
mit Stolz und Freude im Gemüte,
dass heute ich den Kampf gewann.

Da ließ der Lohn nicht auf sich warten,
bin für die Dinge ja nicht blind:
Der Himmel und das Meer sich paarten
zu ihrem ersten Sternenkind.

Wie ich mich freute, dass ‘ne Runde
ich doch noch wider Willn gedreht –
die Welt zeigt sich zu dieser Stunde
in ihrer ganzen Majestät!

Kein Lüftchen wehte. Schweigend standen
die Palmen still in Reih und Glied.
Die Wogen, die im Sturme branden,
sie summten nur ein Wiegenlied.

Auch droben in des Kosmos Auen,
wo bald es wieder glänzt und glüht,
sah keine Lichter ich sich stauen,
da nur dies eine erst erblüht.

Ein einz’ger Wandrer nur mir nahte,
sonst war die Straße menschenleer.
Ach, der von drüben, von der Kate –
da winkt er auch schon freundlich her!

Fabricius

Dem Herrn auch nach dem Dienst verbunden
blieb dieser brave Gottesmann
und sah in klaren Abendstunden
sich seinen Friesenhimmel an.

Dann hat beim Kirchlein er gesessen,
erhoben leicht das Angesicht,
und diesen Kosmos ausgemessen
mit seinem bloßen Augenlicht.

Geduld war seine starke Seite,
die auch dem Angler nicht erlischt,
nur dass er in der luft’gen Weite
des hohen Sternenmeers gefischt.

Da kriegt noch seltner an den Haken
man irgendeinen fetten Fang –
wie alle Sinne ihm erschraken,
als eines Tages er gelang!

Auf Lauer jahrelang gelegen
mit nichts als seiner Hoffnung nur,
sieht er ein Licht sich plötzlich regen
in dieser endlos stillen Flur!

So war die Zeit doch nicht verloren!
Ein neuer Stern am Firmament –
auf einmal in die Welt geboren
ein Licht, das mit den andern brennt!

Kommt gleich in sein Geburtsregister,
das heißt, die kosmische Kartei,
damit das neue Sterngeschwister
auch Mitglied der Gemeinde sei.

Wer wollte es ihm da verdenken,
dass er begann, von seinem Platz
den Blick bevorzugt hochzulenken
auf seinen grad gehobnen Schatz?

Fand leicht ihn unter all den Massen
noch Wochen, Monate und mehr,
als eines Nachts dann, kaum zu fassen,
die Stelle plötzlich wieder leer!

Doch als ein vorbildlicher Vater
gab er sein Findelkind nicht auf,
behielt den Sitz im Welttheater
mit Aussicht auf den Sternenlauf.

Und wieder musst er lange harren,
wie er’s indessen schon gewohnt,
bis die Geduld, so stur zu starren,
ihm auch ein zweites Mal belohnt.

Der Stern von respektabler Helle,
der jäh ihn hinters Licht geführt,
er prangte da an alter Stelle,
als hätt er nie sich weggerührt.

Was hat nicht alles er erwogen
als Grund für solche Narretei
und schließlich dann den Schluss gezogen,
dass auch der Glanz vergänglich sei!

So hat (was dunkel ihm geblieben)
mit diesem Stern, der Mira war,
als Erster einen er beschrieben
von Helligkeit, die wandelbar.

Indes kein guter für sein Leben,
das bald ein schlimmes Ende fand
inmitten Moor und Wassergräben
von mitleidloser Mörderhand.

Nur wen’ge Schritte von den Katen,
in der Gestirne Angesicht,
erschlug ihn wer mit einem Spaten,
mit dem man Torf gewöhnlich sticht.

Warum ist er so umgekommen?
Ein Kerl, der böse wen geprellt,
hat‘s schrecklich übel ihm genommen,
dass er als Schuft ihn bloßgestellt!

Doch wird sein Name nicht verhallen,
der näher nun dem Himmel wohnt –
mag selbst sein Grabstein einst zerfallen,
doch nie sein Krater auf dem Mond.

Die Schirmherrin

Auf einmal hat sich eingeschlichen
ein Schatten in den Strahlenglanz,
die Sonne ihrn Besuch gestrichen
für viele Stunden voll und ganz.

Stattdessen wälzten Wolkenmassen
sich übers Firmament dahin,
um fleißig Wasser abzulassen,
das ihnen reichte schon zum Kinn.

Den Kopf gesenkt, den Stoff erhoben,
der straff sich zwischen Speichen spannt,
die wenigen Passanten stoben
durch dieses feuchte Perlenband.

Doch plötzlich goss ‘ne Wolkenlücke
die letzte Pfütze aus dem Schuh,
und alle diese guten Stücke,
sie klappten unisono zu.

Nun galt es, sie auf alle Fälle
noch mitzuschleppen auf dem Weg,
dass hinter eigner Tür und Schwelle
man irgendwo sie trockenleg.

Da war auch einer in der Truppe,
auf den mein Auge just gezielt,
der war fast größer als die Puppe,
die fröhlich ihn am Wickel hielt.

Der streifte ihr zuerst am Leibe
und wackelte so nebenher,
bis sie wohl dachte, dies Gereibe
macht einem ja das Laufen schwer.

Und darum, schwups, mit beiden Händen
gepackt das ellenlange Ding,
dass es statt lästig an den Lenden
ihr rittlings überm Haupte hing.

So machte sie ‘ne Anzahl Schritte,
die Ärmchen ruhig ausgestreckt
wie’n Sieger, der nach alter Sitte
Trophäen in die Höhe reckt.

Doch schon bewegte sie sie wieder,
von einem Einfall angeweht,
und beugte rhythmisch auf und nieder
wie eine Hantel das Gerät.

Dann ist sie meinem Blick entschwunden
und mit ihr auch die große Fracht.
Die hat sie, so mit Jux verbunden,
ganz sicher gut nach Haus gebracht.

Artensterben

Experten vieler Disziplinen
sind einig sich seit Jahren schon,
dass schlecht wir unsrer Umwelt dienen
nur mit „Profit“ und „Produktion“.

Und dass wir an dem Aste sägen,
auf dem wir unser Nest gebaut,
wenn jedermann nach den Erträgen
und niemand nach den Kosten schaut.

Kassandrarufe! Prophetien,
die auf verlornem Posten stehn,
Politikern ins Ohr geschrien,
um aus dem andern rauszugehn!

Die sind seit Troja gleichgeblieben –
stets gegen guten Rat gefeit,
und sei es unter Peitschenhieben,
in dumpfer Überheblichkeit.

Und während sie sich selbst betäuben
mit Giften der Regierungssucht,
krepiern die Bienen, die bestäuben
die Blüten unsrer nächsten Frucht.

Den Vögeln geht es auch nicht besser.
Seit Jahren seltner klingt ihr Lied.
Der Bauer liefert sie ans Messer,
der Einfalt auf den Fluren zieht.

Längst hat‘s auch Hering und Makrele
und andres Flossenvolk erwischt.
Die Jungs mit sturmerprobter Seele,
sie haben gründlich abgefischt.

Solln wir Politikern vertrauen,
die nicht verhindern diesen Schwund,
gewohnt, uns Phrasen vorzukauen
von einer Welt, die herrlich bunt?

Von denen ist nichts zu erwarten.
Die reden sich aus allem raus.
Es endet erst der Tod der Arten,
stirbt diese Art von Menschen aus.

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Verkehrte Welt

Es funken alle Sendemasten
im Pulsschlag ihrer Hertzfrequenz,
dass weltweit jetzt die Robben fasten
und üben Heringsabstinenz!

Und auch die Tiger in Bengalen
sind offensichtlich auf Diät,
ernährn sich von Kartoffelschalen
und Frischkost vom Gemüsebeet.

Ach, wie die Meldungen sich jagen!
Ein Geier in der Steiermark,
anstatt die Kralln in Aas zu schlagen,
frisst haufenweise Speisequark!

Nicht minder seltsam das Verhalten
von Papagein in einem Zoo,
die manchmal ‘nen Gesang entfalten
von höchstem Nachtigalln-Niveau.

Was sind das für kuriose Zeiten!
Auch diese Nachricht ist dabei:
Seepferdchen sah man neulich reiten
auf Wellenbergen vor Hawaii.

Schon alles? Nein, es kommt noch dicker.
Auch Elefanten, tonnenschwer,
benehmen plötzlich sich wie Kicker
und trampeln Bällen hinterher.

(Nicht denen, wo nach wen‘gen Schüssen
das Leder keine Luft mehr hat,
nein, hammerharten Kokosnüssen,
die kriegt nicht mal ein Jumbo platt.)

Auch du, o Mensch? Ein Volk soll’s geben,
das seine Nachbarn überfällt –
und schenkt ihnen nicht nur das Leben,
nein, tausend Sachen auch und Geld.

Doch dem mag ich so recht nicht trauen,
kann einer sagen, was er will.
Mal kurz auf den Kalender schauen –
ach so, na klar: April, April!

Goldsucher

So wie der Teufel nach der Seele
jagt mancher hinterm Mammon her,
dass er ihn säckeweise zähle
buchstäblich bis zum Gehtnichtmehr.

Wie müssen die das Gold erst schätzen,
an Glanz beständig und an Wert,
und das nach irdischen Gesetzen
sich auch hienieden nicht vermehrt?

Wenn sie vom Eldorado träumen,
dann ohne Hoffnung, einfach so,
doch glaubt mir, in den ew’gen Räumen
gibt es das wirklich irgendwo!

Denn viele der entfernten Sonnen,
die etwas dicker um den Bauch,
erbrüteten Milliarden Tonnen
von schweren Elementen auch.

Und kommen sie dann in die Jahre,
da ihre Lebenskraft erlischt,
verschleudern sie die teure Ware
so wie die Brandung ihren Gischt.

Kein Erdenwesen hätt die Nerven,
den Schatz, den mühsam sich’s erspart,
zum Fenster einfach rauszuwerfen
wie’n ungetreuer Kassenwart.

Der Kosmos aber in Äonen
sich immer wieder neu gebiert
und muss nicht die Ressourcen schonen,
die er verlagert statt verliert.

Eh Sterne unter ihrer Masse
begraben, weil sie ausgebrannt,
fülln sie die offne Weltraumkasse
noch einmal berstend bis zum Rand.

Die äußre Hülle, der die reichen
Bestände Goldes beigemengt,
mit Blitz und Donner ohnegleichen
wird sie ins All hinausgesprengt.

Da wabert sie wo in den Weiten
des Universums vor sich hin
bis an das Ende aller Zeiten
ganz ohne Zweck und ohne Sinn.

Und so ein Stern lässt sich nicht lumpen,
da geht es nicht um Nuggets bloß:
Der spuckt das Zeug in dicken Klumpen,
die manchmal wie Planeten groß.

Ach, wüsst ich Mittel nur und Wege,
dass ich in diesem Lichtermeer
dem unauffälligen Gelege
ganz dicht schon auf den Fersen wär!

Dann schrieb ich in die Himmelskarten
die Position und überdies:
„Für künft‘ge Argonautenfahrten –
das Einfallstor zum Goldnen Vlies“.

Den Fahrpreis würd ich gar berappen
fürn Erster-Klasse-Quantenflug
all denen, die ‘ne Hacke schnappen
für den splendiden Beutezug!

Mag sein, dass die Geschäftemacher,
die Zocker, Schieber und so fort
und damit Gier auch und Geschacher
sich sammeln an dem Sternenort.

Für unsern Globus wär’s ein Segen,
ging die Korona dort auf Klau,
um ihren Stempel aufzuprägen
dem Run auf Gold im Tagebau.

Er könnte endlich sich erholen
vom Ungeist, wie er sie beseelt,
dass vom Äquator zu den Polen
der Reibach mehr als Menschen zählt.

Indes, ihr werten Intressenten,
die ihr begeistert voll und ganz:
Es geht bei solchen Delinquenten
der Kosmos sogar auf Distanz!

Hält seine Schätze tief verborgen
in Nebeln wo aus Gas und Staub:
Für Plünderer und ihre Sorgen
zeigt sich und sein Gestein er taub

Temperaturschwankungen

Die Lampe oben an der Decke
im schön gewölbten Himmelszelt,
sie leuchtet fast in jede Ecke
und wärmt dabei die ganze Welt.

Doch keineswegs mit gleicher Stärke
sie ihren reichen Charme versprüht
und geht sehr wählerisch zu Werke,
indem sie glimmert oder glüht.

Besonders gut hat es getroffen
der Strich, der weit im Süden liegt
und, allen Zärtlichkeiten offen,
sich dürstend an die Quelle schmiegt.

Dem schickt die Kräfte, die geballten,
im Juli sie zum Überdruss
und lässt auch winters nicht erkalten
den angenehmen Strahlenfluss.

Doch wird vergeblich darauf lauern,
wer dringend ihn zu Hause braucht –
er bricht sich an den Außenmauern
und nur das Land in Hitze taucht.

Drum ist die Sonne auszuschließen
als Wohnungswärmelieferant –
da müsste also üppig sprießen
das Thermische von Menschenhand.

Doch wo gibt’s Rohre, die sich winden,
wo Rippen schön in Reih und Glied?
Ach, kaum hier irgendwo zu finden,
weil man’s nicht so dramatisch sieht!

„Höchstens zwei Monate im Jahre
wird’s etwas kühler mal zur Nacht,
da reichen schon zwei Deckenpaare,
damit man sich’s gemütlich macht.

Und wenn wir aus dem Bett uns tasten
am Morgen in das kalte Bad,
hängt da ja noch der Klimakasten,
der Aircondition-Apparat.

Solln, Kinder wir der lichten Sphären,
den guten Ruf uns ruiniern,
indem wir Heizungen begehren,
die nur beweisen, dass wir friern?“

So leben sie nach Art des weisen
Diogenes in Alt-Athen,
der nicht ermüdete, zu preisen,
Bedürfnissen zu widerstehn.

Tagsüber in der lichten Sonne
bestand zur Klage auch kein Grund –
lag nachts er aber in der Tonne,
fror er erbärmlich wie ein Hund!

Kosmische Monster

Als „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“
gejubelt man mit Gottvertraun,
musst sachte man den Kopf nur drehen,
fünftausend davon anzuschaun.

Die friedlich auf der schwarzen Weide
ihr goldnes Vlies zur Schau gestellt,
dass sie der Erdenfloh beneide,
der viel von solchem Flitter hält.

Zu zählen diese ganze Herde,
wie einem Hirten es obliegt,
hätt der Allmächtige zu Pferde
wohl grade noch so hingekriegt.

Doch heut wär ihm das sicher ferne:
Die Ziffern schossen hoch seither:
Unendlich ist die Zahl der Sterne,
unendlich wie der Sand am Meer.

Sind auch nicht glänzende Gebilde,
mit denen sich der Himmel ziert,
nein, ewig alte junge Wilde,
die es nach Staub und Feuer friert.

Die Brüder aber sind noch schlimmer,
die Masken sich vors Haupt gespannt
und ohne einen einz’gen Schimmer
im Finstern lauern unerkannt.

Die wollen Gold nicht und Moneten,
nur was zu fressen immerdar,
am liebsten Sterne und Planeten,
und alles gleich mit Haut und Haar.

So schwarze Löcher gibt’s in Massen
und von viel größerem Format –
mal, dass sie nur drei Sonnen fassen,
mal hunderttausend im Quadrat.

Ja, wo am dichtesten sie wohnen,
im Zentrum unsrer Galaxie,
versammeln sie davon Millionen
zu einer Monster-Deponie.

Da bleiben allerdings sie hocken
und plündern nur die Örtlichkeit,
was ja auch reicht, um die zu schocken,
die sie verschlingen vor der Zeit.

Doch auszuharrn an Ort und Stelle,
gilt bei der Zunft nicht als Gebot,
da ist manch wandernder Geselle,
der sucht sich anderswo sein Brot.

Und ähnelt eher ‘nem Soldaten
mit bösem Unternehmungsgeist,
der sich des Volkes Vieh und Saaten
gewaltsam untern Nagel reißt.

Ja, Marodeur von jener Sorte,
die schlimmer wütet als die Pest
und weit umher „nature morte“,
verbrannte Erde hinterlässt.

Ein Himmelsbastard, den die Pfaffen
mit Sicherheit nicht gerne sehn,
denn eine Welt, von Gott geschaffen,
kann auch durch ihn nur untergehn.

Auch predigen sie allen Leuten,
das Paradies da oben wär.
Doch nichts scheint darauf hinzudeuten –
auf Höllen dafür umso mehr.

Immer am Limit

Bis hin zu seinen letzten Zügen
kein Mensch der Steuerpflicht entgeht,
und nicht allein das Rauchvergnügen
so unterm Schutz des Staates steht.

Du glaubst, du bist dazu geboren,
dich dem Bolidensport zu weihn,
das Heuln des Motors um die Ohren,
der Schnellste weit und breit zu sein?

Dann such nicht lange nach ‘ner Strecke,
um zu beweisen dein Talent –
die Autobahn gleich um die Ecke
noch mehr von deiner Sorte kennt.

Da tummeln sich die Aspiranten
für den Geschwindigkeitsrekord,
das Gaspedal an ihren Quanten
voll bis zum Anschlag immerfort.

Doch während sie verbissen rasen
beharrlich auf der linken Spur,
ihrn Dreck sie in die Gegend blasen
bedenkenlos in Wald und Flur.

Vom Risiko ganz abgesehen,
dass jäh man einen Unfall baut
und plötzlich Gaffer um dich stehen,
die sich an deinem Schrott gestaut.

Müsste mit Pauken und Trompeten
die Staatsmacht nicht zu Felde ziehn,
um auf die Bremse selbst zu treten,
die ihrem langen Arm verliehn?

Von wegen. Diesen Ungestümen
hat sie die Piste ja gestellt
und kann zudem sich selber rühmen,
dass einen Speedrekord sie hält!

Und zwar seit Jahren ungeschlagen
europaweit, man denke bloß,
dass Freiheit im bewegten Wagen
nur noch in Deutschland grenzenlos!

Wieso sind Schäden und Gefahren
nur dort dem Staate einerlei
und zieht er auch noch an den Haaren
manch dubioses Pro herbei?

Im Gegensatz zu andern Ländern,
wo Leib und Leben man noch ehrt,
geht notfalls da mit Trauerbändern
der Staatsmann, der den Crash genährt.

Und gleich dahinter in der Schlange,
den Leichenwagen vis-à-vis,
das Unschuldslamm von gleichem Range:
der von der Autoindustrie.

Ausgelernt

Die heut’gen Schüler: helle Köpfe.
Und kritisch bis zum Gehtnichtmehr.
Man kennt die Vielfalt der Geschöpfe
vom Weddell- bis zum Beringmeer.

Geflügel, Fische oder Säuger,
man ist mit allen gleich vertraut,
Verwandten, durch den Urerzeuger
Natur aus einem Guss gebaut.

Doch auch Geschichte, Fakten, Fakten
von Völkerschaften fern und nah
behält der Dööts in seinen Akten
präzis ab urbe condita.

Pythagoras und seinesgleichen?
Sie haben schnell den Bogen raus
und können bald das Wasser reichen
‘nem Newton, Leibniz oder Gauß.

Genauso mit Naturgesetzen.
Man kennt die Formeln durch die Bank
und weiß die Leistung auch zu schätzen
bis hin zu Einstein oder Planck.

Fremdsprachen schließlich nicht vergessen!
Mit Ablativ und Zirkumflex.
Ein Pensum, überreich bemessen –
sie schaffen’s ohne Fünf und Sechs.

Doch ehrlich, wer sich so viel Wissen
beharrlich in die Birne bläut,
sinkt der nicht in ein Ruhekissen,
das zu verlassen er sich scheut?

I wo! Dem Superhirn da drinnen,
in das man so viel Weisheit stopft,
genügt es nicht, nur nachzusinnen
rein theoretisch und verkopft!

Denn dass die Paukerei fürs Leben
und für die Schule man nicht macht,
das hat man ihm in dieser eben
ja schon lateinisch beigebracht.

So fassen unsre Schülerscharen,
gesagt, getan auch einen  Plan:
Den Karren aus dem Dreck zu fahren,
es ist schon höchste Eisenbahn!

Anstatt zum Büffeln in die Klassen
gehn sie nach draußen demonstriern,
um Dampf mal richtig abzulassen
gegen die Schwätzer, die regiern.

Denn während an gewalt’gen Schäden
die Umwelt leidet mehr und mehr,
hörn sich die Brüder lieber reden,
anstatt zu tun, was nötig wär.

In fortgesetzten Konferenzen
beteuern sie ihr hohes Ziel –
dann lieber handeln, Schule schwänzen,
hier steht die Zukunft auf dem Spiel!

Sich schwammig nicht vertrösten lassen
auf Zeiten, die noch weit entfernt!
Raus auf die Straße, raus in Massen –
sie haben die Lektion gelernt!

Nur leider sind die Adressaten
Herr ihrer selbst nicht voll und ganz:
Politiker – anstatt Magnaten
der Industrie und Hochfinanz!