Archiv der Kategorie: Alle Gedichte

Ausflug ins Grüne

Ausflug ins GrüneZu dritt ‘ne Ausfahrt in die Hügel.
Es blühen Ginster und Kakteen
im frischen Hellgelb von Geflügel,
wie es bei Küken schön zu sehn.

Die beiden haben viel zu schwatzen.
Beharrlich zieht der Jeep bergauf.
So manchen Kurve muss er kratzen.
Das Wortgefecht nimmt seinen Lauf.

Dann kommt ‘ne Scheibe auf den Teller,
‘ne volle Dröhnung Retro-Pop.
Bei dem Getrommel und Geträller
herrscht erst einmal Geschwafelstopp.

Geschafft! Der Kirchplatz, die Taverne.
Entspannt die Beine ausgestreckt.
Auch etwas essen? Bitte, gerne.
Man schmatzt und weiß, wo’s besser schmeckt.

Der Abstieg wieder mit Musike.
Die Hänge rings, von Wuchs verwöhnt,
sie gehen unter im Gequieke,
das kreischend durch die Karre tönt.

Dann ist das Pensum ausgesungen
und Stille schmeichelt deinem Ohr –
doch kurz nur, bis aus vollen Lungen
die beiden schnattern wie zuvor.

Natur ham die nicht auf der Liste,
nur Knete oder Futtern zählt –
da hab mit meiner Vorschlagspiste
den Grüneffekt ich glatt verfehlt!

Lebensmittelexport

LebensmittelexportEin letzter Einkauf vor der Reise.
Was bring nach Hause ich von hier
als landestypisch leckre Speise
für jemand mit als Souvenir?

Da seh ich eine Hartwurst liegen,
‘nen Riesenbengel, puterrot,
x Gramm mag der wohl gerne wiegen –
ja, den nehm ich doch gern ins Boot.

Was ist da mit dem Ziegenkäse?
Ein Klumpen wie ‘n Wackerstein
und gelb, als ob er schon verwese:
Schön ausgereift, muss auch mit rein.

Von wegen erst noch lange suchen –
die Feinkost haust hier Fach an Fach;
zum Beispiel weiß glasierter Kuchen
mit Zimt und so – da werd ich schwach.

Oh, guck mal, diese Schokolade:
Ein buntes Etikett mit Nuss –
Kolumbus‘ Schalenkavalkade;
na, wenn die nicht ins Körbchen muss!

So hatte sich was angesammelt,
was meine Kauflust minimiert;
hab durch die Kasse mich gestammelt
und meinen Kunden-Dienst quittiert.

Da kann der Rückflug also steigen,
ich bin vorzüglich eingedeckt.
Zu Haus hab ich was vorzuzeigen –
España, wie es riecht und schmeckt.

Alles im Griff

Alles im GriffEr ruht in sich und seinem Leibe,
strahlt Würde aus, Gelassenheit;
bewegt sich wie ‘ne Zahnradscheibe
gemessen nur in Raum und Zeit.

In allem lässt Vernunft er walten,
hat Gründe jederzeit zur Hand,
um Meister Zufall auszuschalten
als Größe, die ihm unbekannt.

Um eine Antwort nie verlegen,
verkehrt mit Blaumann er und Frack.
Fehlt es an Wissen ihm hingegen,
ersetzt er’s durch ‘nen flotten Schnack.

Ganz oben auf der Lebensliste
platziert das Geld er frohgemut
und pult aus seiner Mottenkiste
zur Schau auch etwas Bildungsgut.

Um zu berlinern: Ihm kann keener.
Er sieht sich selbst im schönsten Licht.
Ich glaub, er war mal Jugendtrainer.
Mehr sag ich dazu weiter nicht.

Natürlich lässt auch an den Frauen
als Kenner er kein gutes Haar,
obwohl er doch („ganz im Vertrauen“)
zu jeder Zeit ihr Liebling war.

Ich werd ihn morgen wiedersehen,
den Tausendsassa, Crack, Filou,
den, der vom Kopf bis zu den Zehen
ein Mann von Welt. Mit Loch im Schuh.

Vorläufiger Abschied

Vorläufiger AbschiedKlar, dies Ambiente wird mir fehlen:
Ein Himmel, der beständig blau,
und Möwen, die aus tausend Kehlen
das Meer erfüllen mit Radau.

Die Palmen, die wie Trauerweiden
den Wuschelkopf zur Erde kehrn,
und doch kein andres Übel leiden
als Stürme, die ihn fliegen lehrn.

Das ärgert nur die Papageien,
wenn sie zurück wolln in ihr Nest
und, mögen schimpfen sie und schreien,
die Windsbraut sie nicht landen lässt.

Und dann das Völkchen flacher Katen,
die überall im Ort verstreut
und noch das alte Dorf verraten
im schlichten Stil der Fischersleut.

Ein Kirchlein, das mit Feuereifer
von Zeit zu Zeit den Klöppel schwingt
und ähnlich wie’n Rekrutenschleifer
die Schäfchen in die Knie zwingt.

Nun ja, da wärn noch ein’ge Posten
im bunten Ferienkatalog.
Doch werd ‘ne Weile ich nicht kosten
aus diesem prallen Futtertrog.

Indes wird mich der Trost begleiten,
wenn mich der Flieger heimwärts trägt:
Nicht Pegasus nur muss ich reiten,
dass es mich wieder her verschlägt!

Schönheitsfehler

SchönheitsfehlerVon einer wahren Mückenplage
kann wirklich keine Rede sein,
obwohl schon schrecklich heiß die Tage
im Dauerbrenner Sonnenschein.

Sie haben zwar schon Blut gemolken
an manchem freien Körperstück,
doch nicht als Heer in ganzen Wolken –
als Einzelkämpfer auf gut Glück.

Nicht zu vergleichen mit den Horden,
die pausenlos dich attackiern
im see- und kiefernreichen Norden
und dich mit Bissen tätowiern.

Dort helfen keine Fliegengitter,
nicht Klatschen, Öle auf der Haut –
so unbeirrbar wie’n Gewitter
dies Wabern einfach weiterbraut.

Indes aus hohen Himmelsstrichen
nur draußen Tropfen dich befalln,
erwischt es dich mit Mückenstichen
auch in den eignen heil’gen Halln.

Wie anders hier! Gleich ‘ner Enklave,
die fast von diesen Biestern frei,
stört nur die spitzige Agave
dies Paradies mit Papagei.

Na ja, auch dieser Schönheitsfehler,
der grade nachts mir deutlich wird:
Ein einz’ger blutbesessner Quäler,
der rastlos um die Schläfen schwirrt.

 

Echtes Kauferlebnis

Echtes KauferlebnisUm meinen Krempel einzukaufen,
hab ein’ge Läden ich zur Wahl.
Zu keinem muss ich lange laufen,
erreichbar sind sie allemal.

Doch der, der mir die größte Strecke
an Gehminuten abverlangt,
liegt ziemlich an der letzten Ecke,
von Öd- und Brachland schon umrankt.

Da habt ihr meinen Lieblingsladen!
Und glaubt ihr, dass den Grund ihr kennt?
‘ne Wohltat für die Rentnerwaden?
Verbeugung vor dem Sortiment?

Es ist der Weg, der mich verleitet,
dort meine Nahrung zu erstehn –
denn lang am Meeressaum man schreitet,
um kurz noch querfeldein zu gehn.

Erst wandern am vereinten Porte
für Jachtbetrieb und Fischerei
und rechts dann durch die Eisenpforte
in Richtung Wiesenwalachei.

Danach, nun Bier im Sack und Brote,
den gleichen Weg mit Proviant –
die Brache erst und dann die Boote
und dann den mastenlosen Strand.

Von allen meinen Shopping-Touren
gefällt gewiss mir keine mehr:
leicht hin in Paradiesesspuren,
zurück von Nektar, Manna schwer.

Historische Verklärung

Historische VerklärungEr ist ein Freund der großen Pose.
Er plustert sich im Machtgefühl.
Bestimmt millionenfach die Lose
lebend’ger Wesen nach Kalkül.

Der Mensch ist ihm ‘ne bloße Nummer,
die kritisch er ins Auge fasst
und tilgt allein mit diesem Kummer:
dass sie nicht in die Rechnung passt.

Er will den Beifall einer Masse,
die einen Fliegendreck ihm gilt
und mit der Peitsche der Erlasse
aufs Männchenmachen nur gedrillt.

Er hat das Augenmaß verloren.
Der Jubel, den er selbst geschürt,
klingt ihm so lieblich in den Ohren,
als ob er einem Gott gebührt.

Er hat ‘nes bösen Kindes Seele
voll Eitelkeit und Größenwahn,
doch mächtig, dass er damit quäle
nach Willkür jeden Untertan.

Wenn man nach vielen Tyranneien
ihn endlich in die Grube senkt,
wird seine Krallen man bespeien,
weil sie die Welt mit Blut getränkt.

Doch nicht mal fünfzig Jahre weiter
(in der Geschichte so der Satz)
hat auf der großen Heldenleiter
der Schurke einen Ehrenplatz!

Auch ‘ne Kehrseite

Auch 'ne Kehrseite2Nicht überall herrscht hier Idylle,
wenn auch zum größten Teil gewiss –
mit See und Sand und Palmenfülle
und mit der Berge Schattenriss.

Doch unweit nur vom Uferstreifen
mit seinem Bilderbuchgesicht
zieht sich die Piste hin der Reifen,
die Bahn sich durch die Häuser bricht.

Da donnern ewig die Motoren
mit ungebremster Kolbenkraft
betäubend in die wachen Ohren
der leidgeprüften Bürgerschaft.

Und Hupen, Heulen, Türenschlagen
als Folge dieser Blechmanie
bemühn sich Töne beizutragen
zum kakophonen Potpourri.

Die Burschen auf den Feuerstühlen
am besten sich auf Lärm verstehn
und, wahllos Nerven aufzuwühlen,
gern tierisch in die Eisen gehn.

Das ist die alte Küstenstraße,
die umso lieber man befährt
als sie zum Flitz- und Knatterspaße
auch manchen Ausblick noch gewährt.

Dagegen ist kein Kraut gewachsen.
Kaum draußen, steh ich im Verkehr.
Drum schieb ich lieber meine Haxen
zur Hintertür hinaus – zum Meer.

Notwendiger Nachsatz

Notwendiger NachsatzDer gute Vorsatz war vorhanden,
die Sache heute durchzuziehn,
und ich recht zeitig aufgestanden,
nicht zu verpassen den Termin.

Es würde wieder warm und trocken
und war schon deshalb Grund genug,
dass ich den schmalen Kranz von Locken
zur Lüftung durch die Winde trug.

Behördengang. Doch ohne Schrecken.
Kein Übermaß an Wartezeit.
Nur einmal kurz die Nase stecken
in den Geruch der Amtlichkeit.

So schwang ich mich auf meine Sohlen
wie zu ‘nem heitren Wandertag,
um ‘ne Beschein’gung abzuholen,
die sicher schon im Körbchen lag.

Schon hatt ich hinter mir geschlossen
die Pforte, die zum Ufer führt,
als einen Hagel von Geschossen
im Lendengürtel ich verspürt.

Wie angewurzelt blieb ich stehen,
die kleinste Drehung machte Pein;
vom Scheitel runter zu den Zehen
durchzuckte mich das Zipperlein.

Das Weitre könnt ihr euch ja denken:
Mir ging’s wie einst auf der Chaussee
den Ameisen – ich musst mir schenken
den Rest der Reise. Tat das weh!

 

Leider Hausarrest

Leider HausarrestWir würden wieder Sonne kriegen.
Das zeigte schon die Dämmerung.
Ich sah zum Fenster und blieb liegen.
Zum Aufstehn fehlte mir der Schwung.

Die Bude lag schon voll im Lichte,
als ich mich zu dem Schritt entschloss –
zu der unendlichen Geschichte
vom ungeschickten Albatros.

Mit ein paar plumpen Drehfiguren
dem Bett ich schließlich mich entwand,
da alle meine Zimmeruhren
schon auf dem höchsten Sonnenstand.

Zwar war ich schon mal auf den Beinen,
doch wie ein Küken aus dem Nest,
und hielt mich wie an Rettungsleinen
an allen Möbelkanten fest.

Auch sonst dem Tanze nicht gewogen,
wär heut er ‘ne Unmöglichkeit:
Kaum dass ich meinen Leib gebogen,
er Zeter, Mordio schon schreit.

Wie ich sie kenne, die Signale,
und weiß, was sie mir sagen wolln!
Die Hüftverspannung, die totale,
wird sich so leicht nicht wieder trolln.

Adieu, ihr lieben Sonnenstrahlen,
für heute euren Fan vergesst!
Dem Alter gilt’s Tribut zu zahlen –
sprich: Hexenschuss mit Hausarrest.