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Schattenspender

Kam ich vom Regen in die Traufe,
als ich des Südens Sonne floh,
dass in ‘nem Klima ich verschnaufe
mit tiefrem Temp’raturniveaau?

Die Hitze hat mich fortgetrieben,
weil sie da meist mehr Feuer hat,
und wiederum mich eingeschrieben
ins Gästebuch der Hansestadt.

Doch dies Kalkül, ist’s aufgegangen?
Die Tage hier sind ähnlich heiß.
An allen Ecken sieht man Schlangen
am Kiosk für Zitroneneis.

Und kein Gewitter, Donnergrollen.
Nach Kühlung lechzend Herr und Hund.
Soll ich mich deshalb wieder trollen,
weil die Geschichte mir zu bunt?

Käm mir im Traum nicht, der Gedanke.
Ein Vorteil, den ich nicht verkenn –
fast keine ungeschützte Flanke,
wo ich mir gleich den Keks verbrenn.

Die Ahorn- und die Eichenbäume,
sie spreizen sich im Blätterputz
und liefern über weite Räume
den allerbesten Sonnenschutz.

Muss ich mal raus, um was zu kaufen,
mach ich schon vorab meinen Schnitt –
kann überall im Schatten laufen:
Da kommen keine Palmen mit!

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Die Felsenbirne

Die FelsenbirneSchon streut sie die zerrupften Blüten
in krausen Flocken übern Weg,
dem Wind sie lassend, seinem Wüten,
dass er wie Staub davon sie feg.

Wie strahlend lag ihr grad die Krone
noch majestätisch auf dem Haupt,
da man ihr jetzt, schon beinah ohne,
die alte Fülle nicht mehr glaubt.

Doch was uns bei der Felsenbirne
so schmerzlich in die Augen sticht,
gilt unserm wissenden Gehirne
nicht als das letzte Weltgericht.

Das Feuerwerk nur ist verglommen,
mit dem der junge Lenz beglückt.
Jetzt schweigt er. Muss zu Atem kommen.
Hat sich beileibe nicht verdrückt.

Schon sieht man sich in Knospen regen
der neuen Blüte Lebenskraft,
die wie die Küken aus Gelegen
beharrlich ihren Durchbruch schafft.

Die Osterglocken sind verklungen,
des Krokus Kelche längst geleert,
verblasst schon zu Erinnerungen,
obwohl noch längst nicht mal verjährt.

Der Frühling, dieser eitle Bube,
der’s möglichst bunt und knallig liebt,
drückt ständig auf die Farbentube,
die immer frisch ihm Schönheit gibt.

Kornelkirschfarbengelbe Blässe,
Magnolienweiß und Violett –
das war ihm gestern von Int‘resse,
heut ignoriert er es komplett.

Jetzt will er, dass in frischem Grüne
wie eine Wiese vor dem Schnitt
der Ahorn diese Blütenbühne
mit seinem Zackenblatt betritt.

Und dass die Kerzenblütenkette
dann die Kastanie wieder reckt,
als ob dem Weihnachtsbaum wer hätte
schon jetzt die Lichter aufgesteckt.

So geht es fort in buntem Reigen,
Ranunkel, Löwenzahn und Mohn,
als wollte die Natur uns zeigen
der Schöpfung Musterkollektion.

Heut legt der Regen seinen Schleier
in grauen Schwaden um die Welt,
dass diese schöne Frühlingsfeier
vorübergeh’nd ins Wasser fällt.

Muss ich als Unglück es empfinden?
So tragisch nehm ich nicht die Flut!
Am Ufer warten Ackerwinden,
erwartet mich der Fingerhut.

Gelassen, himmlische Najaden,
ich euren faden Nektar trink,
bevor an sonnigen Gestaden
in neuen Blüten ich versink!

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