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Schattenspender

Kam ich vom Regen in die Traufe,
als ich des Südens Sonne floh,
dass in ‘nem Klima ich verschnaufe
mit tiefrem Temp’raturniveaau?

Die Hitze hat mich fortgetrieben,
weil sie da meist mehr Feuer hat,
und wiederum mich eingeschrieben
ins Gästebuch der Hansestadt.

Doch dies Kalkül, ist’s aufgegangen?
Die Tage hier sind ähnlich heiß.
An allen Ecken sieht man Schlangen
am Kiosk für Zitroneneis.

Und kein Gewitter, Donnergrollen.
Nach Kühlung lechzend Herr und Hund.
Soll ich mich deshalb wieder trollen,
weil die Geschichte mir zu bunt?

Käm mir im Traum nicht, der Gedanke.
Ein Vorteil, den ich nicht verkenn –
fast keine ungeschützte Flanke,
wo ich mir gleich den Keks verbrenn.

Die Ahorn- und die Eichenbäume,
sie spreizen sich im Blätterputz
und liefern über weite Räume
den allerbesten Sonnenschutz.

Muss ich mal raus, um was zu kaufen,
mach ich schon vorab meinen Schnitt –
kann überall im Schatten laufen:
Da kommen keine Palmen mit!

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Sujets gefragt

Sujets gefragt2Als Dichter, werdet ihr begreifen,
brauch Blumen ich, brauch ich den Mond,
brauch Kühe, die auf Auen streifen,
von Fröschen, Hahnenfuß bewohnt.

Brauch Schwalben, die im Äther jagen,
der Schmetterlinge schwanken Flug,
die Hörnchen, die an Nüssen nagen
mit Äuglein, funkelnd scheu und klug.

Brauch über Dächern, über Traufen
am nachtgeschwärzten Firmament
die ungezählten Sternenhaufen,
die zärtlich man mit Namen nennt.

Ach, diese ganze rote Liste
der Utensilien, die hier rar,
wo nur ‘ne öde Autopiste
uninspirierend ich gewahr.

Gält’s einen Hymnus anzustimmen
von Häusern ohne Fantasie,
von Straßen, die in Plastik schwimmen –
an Versen fehlte es mir nie.

Doch meinte einst nicht ein Experte:
Für gut gemalte Rüben gilt,
dass künstlerisch von höhrem Werte
sie als ein schlecht’ Madonnenbild?

Da heißt es mit dem Mangel leben;
mit den paar Möwen, die hier schrein,
den Mücken, die am Leuchter kleben –
als City-Mensch nicht wähl’risch sein!

 

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